HNRX ist in vielen Städten als Urban Art Künstler bekannt, in Inzing vielleicht eher als Max Prantl. Frühwerke von ihm zieren die Kabine der Fußballer und die Autobahnunterführung in der Hube. Jetzt hat er die lange Betonwand an der Westseite des Kindergartens neu gestaltet.

Die Aktion Stadt-Land-Wand der Tirol Werbung lud mutige Gemeinden mit passenden Wänden ein, ihren Ort durch HNRX interpretieren zu lassen. Die Tirol Werbung übernahm die Kosten. Da bot sich Inzing als Heimatgemeinde von HNRX ideal an. Die Dimensionen sind schwierig: eine extrem breite und schmal zusammenlaufende Wand; günstig hingegen die Tatsache, dass täglich viele Menschen daran vorbeigehen. Manche werden anfangs vielleicht irritiert sein, doch ist zu hoffen, dass auch mal jemand innehält und in dem Bild nach Inzing sucht.

Am leichtesten zu identifizieren ist wohl der in Lila gehaltene Apollotempel am Hundstalsee. Und ist das rechts darunter nun der Dreizack der Herren von Eben aus dem Inzinger Wappen oder eine Heugabel – oder beides?
Doch was hat es mit dem großen JK ganz links oben auf sich? Als jemand, der Wände bemalt, hat sich HNRX an einen Inzinger „Kollegen“ aus dem 15. Jahrhundert erinnert, Jörg Kölderer, Hofmaler von Kaiser Maximilian, und auch gleich dessen Geburtsjahr 1465 weiter rechts in das Bild verpackt. Beim informellen Treffen zur Fertigstellung erklärte Max, dass man sich den unteren gelben Teil wie einen Tisch vorstellen kann, auf dem allerhand ausgebreitet oder angedeutet ist: etwa der Wappenturm mit den drei Fenstern, den Jörg Kölderer für Kaiser Maximilian in Innsbruck bemalte, oder der bekannte Marwa Karabiner von Wastl Mariner.

Vieles bleibt zu entdecken und kann immer wieder neu interpretiert werden. Siehst du einen Stern? Ein Blatt der Friedrichslinde? Eine Hühnerkeule? Was fällt dir zu einzelnen Buchstaben ein? Alle, die hier leben, haben ihre eigenen Assoziationen zu Inzing und diese Wandmalerei bietet uns einen Anreiz, diesen Assoziationen nachzuspüren.
Zum Künstler:

Max Prantl, 1993 in Inzing geboren, lebt heute in Wien. Er begann schon als Jugendlicher, Wände zu bemalen, anfangs zu besprayen, heute malt er mit Wandfarbe und Pinsel. Er versteht seine Kunst als moderne Wandmalerei oder Urban Art und nicht als Graffiti, was ja ursprünglich das Aufssprühen von Namenskürzeln war. HNRX ist zwar auch eine Art Namenskürzel, doch es war nie Selbstzweck. Im Mittelpunkt seiner Werke standen immer einzelne Objekte, oft Lebensmittel, in einer verfremdeten Form, die auf die dem Objekt ein- und zugeschriebenen Geschichten verweisen sollte. Er beschreibt seine Vorgangsweise als Reduktion-Überlagerung-Verschiebung und die Reduktion bezieht sich auch auf die Farbauswahl. Meist kommt er mit zwei bis drei Farben in einem Bild aus.
HNRX ist und war auf zahlreichen Festivals vertreten und hatte Einzelausstellungen in mehreren europäischen Ländern. Er gründete das Festival Underbridge, das er auch mit anderen kuratiert.

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