13. Juli 2026
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Kirche treibt’s bunt

Lesedauer ca. 4 Minuten

Vor ein paar Wochen füllte sich der Innsbrucker Dom St. Jakob auf eine Anregung von Bischof Hermann Glettler hin mit besonderer Lebendigkeit. „Pasta per Tutti“ – ein Benefizmahl zugunsten der Obdachlosenarbeit und in Gedenken an Franz von Assisi. Über 800 spendierfreudige Gäste freuten sich über die außergewöhnliche Atmosphäre, die italienischen Köstlichkeiten und das spirituelle Rahmenprogramm. Natürlich rief das auch strenggläubige Kritiker auf den Plan, die darin eine Entweihung des Kirchenraums sahen und das Ganze als verabscheuenswürdiges Promifressen abtaten. Meine Haltung dazu:

Die Geburtsstunde der Eucharistie (landläufig als Heilige Messe bezeichnet) war ein gemeinsames Abschieds-Mahl von Jesus mit seinen engsten Freunden und Weggefährtinnen. Diese bat er, dies immer wieder zu wiederholen und die Erinnerung an das, was ihm wertvoll war, wach zu halten – gleichzeitig mit einem zeitlosen sozialen Auftrag, Hungrige, Durstige, Fremde, Obdachlose, Ausgestoßene, Kranke gut zu versorgen.

Wer glaubt, dass sogenannte „Gotteshäuser“ (Meine Meinung: Gott lässt sich weder eingrenzen noch einmauern) für gesellschaftliche Aktionen ungeeignet seien, möge seinen oder ihren Blick weiten. Die „Frucht der Erde und menschlichen Arbeit“ und allgegenwärtige Präsenz Gottes/Jesu‘ dankbar zu feiern – ist Kern der Eucharistie (übersetzt: Danksagung). Gottesdienst ist keine fromme Übung nach einem exklusiven Regelwerk. Darüber hinaus: Gott braucht keine Dienerinnen und Diener. Gott, wie ich ihn zu verstehen versuche, braucht Mit-Liebende.

Das freudvolle und sinnenfrohe Mahl im Innsbrucker Dom, unterstützt von über 100 freiwilligen Helferinnen und Helfern, war eine nachahmenswerte Aktion. Dies als Promifressen oder Show abzuqualifizieren ist geschmacklos und sicher nicht in der Herz-Spur Jesu. Soweit ich sein Echo wahrnehme, hätte er die Frohbotschaft der Aktion begeistert als Servicekraft unterstützt, beziehungsweise hat es auf unsichtbare Weise eh getan. Sollte die Aktion wiederholt werden, was ich hoffe, bin ich gerne Ministrant, bzw. Kellner oder Tellerwäscher.

Pax et bonum – Friede und Heil – so der Gruß und Dank von Franz von Assisi.

Beleidigte Kardinalswurst

Der von Papst Franziskus (+) in seinem Amt nicht mehr verlängerte Leiter der römischen Glaubensbehörde (als ob man den Glauben behördlich abhandeln könne) Kardinal Müller kann es seither und konnte es schon vorher nicht lassen, seine „konservierten“ (Konservenkost ist selten frischbekömmlich) Meinungen kundzutun. Wie zuletzt mit dem „Leersatz“: „Die Regenbogenflagge hat in der Katholischen Kirche nichts verloren.“ Abgesehen, dass diese Meinung ins Leere verpuffte, liegt er meiner Meinung nach falsch.

Im Alten Testament ist der Regenbogen ein zentrales Zeichen des ewigen Bundes zwischen Gott und allem Leben auf der Erde. Nach der Sintflut verspricht Gott selbstkritisch, die Erde nie wieder zu zerstören (1.Mose 9) Der Regenbogen gilt somit als Symbol für Treue, Gnade und Gottes Friedenswillen. Der am 2. Juli 2017 aus seinem Amt entlassene Kardinal ist somit nicht nur „bibel-farbenblind“, sondern leidet auch an der Blindheit des Herzens gegenüber der Vielfalt menschlicher Existenz.

Gott, an den ich glaube, ist bunt. Ebenso wie seine Ebenbilder.

Grantler verkünden keine Frohbotschaft und sind meiner Meinung nach unfähig, den Glauben an das Gute und Liebevolle zu nähren.

Ins Abseits geschossen

Eine besondere Facette konservativer Ausprägung liefern seit langem die sogenannten Piusbrüder, eine Priestergemeinschaft, die die Öffnung, die durch das 2. Vatikanische Konzil eingeleitet worden war, nicht akzeptieren und den Papst in Rom als nicht legitim erachten. Ihren aktuellen Höhepunkt der Abspaltung vollzogen sie unlängst durch die Weihe von Bischöfen in einem Schweizer Ort. Kirchenrechtlich schossen sie sich dadurch ins Abseits.

Alle Bilder: Georg Schärmer

Die römische Kurie antwortete umgehend und sprach die Exkommunikation aus. Meiner Meinung nach geht es auf beiden Seiten um Macht und Selbstermächtigung. Die zentralen Botschaften des Evangeliums spielen dabei keine Rolle. Jesus, wie ich ihn für mich persönlich verstehe, wollte weder eine neue Konfession (er war und blieb Jude) noch eine Kirche gründen. Seine Botschaft ist eine liebevolle, Gemeinschaft stiftende und Hoffnung spendende. Seine vermeintliche Reaktion auf alle die Vorgänge wird wohl sein: „Ihr werdet euch noch wundern.“

Der Himmel, wie ich ihn erhoffe, kennt keine Hierarchien, keine Exkommunikation und keine Konfession und ist sehr bunt.

Schauplatzwechsel

Die fehlende Reformbereitschaft der Kirche ist kein Einzelfall. Zu stark sind die beharrenden Kräfte und Eigeninteressen der jeweiligen Amts- und Machtinhaber und deren Netzwerke, insbesondere in der Politik.

Dies zeigte sich zuletzt im vorläufigen Ergebnis der Reformpartnerschaft, auf die sich Länder und Bund geeinigt hatten. Das Ergebnis ist dürftig, ohne positive Überraschung und ohne „WOW-Effekt“. Das Hamsterrad des Kompetenzdschungels dreht sich weiter. Die Politikverdrossenheit und das fehlende Vertrauen in die Institutionen steigt unaufhörlich. Da tröstet es wenig, dass die rechtspopulistischen Kräfte mit ihrem Zulauf über kein staatstragendes inhaltliches Konzept verfügen – außer ihrem Ziel – die Volkskanzlerschaft zu erlangen und demokratische Gepflogenheiten auszuschalten. Darüber werde ich in meinem nächsten Beitrag für die Dorfzeitung schreiben.

Georg Schärmer

(„Ich bewahre Unruhe“)

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Georg Schärmer

Geboren am 14. März 1956. Jahrelanger Leiter sozialer Einrichtungen und Bildungsstätten; zuletzt Direktor Caritas Tirol und Vizepräsident Caritas Österreich. Vorstandsmitglied von Pflegeeinrichtungen im In- und Ausland. Autor mehrerer Bücher, Publikationen und Herausgeber von Kulturformaten. Besondere Interessen: Musik, Literatur, Architektur und Sozialraumentwicklung. „Ziel des Schreiben ist es, andere sehen zu machen“ (Joseph Conrad)

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