14. Juli 2020

Corona Stimmungsbild aus Inzing – Teil 2

Fotos: Peter Oberhofer
Lesedauer ca. 13 Minuten

Benita Hillebrand, 17 Jahre, Schülerin des BORG-Innsbruck

Ich habe aufgrund des Corona Virus mein Auslandsjahr in den USA vorzeitig abbrechen müssen. Daheim angekommen habe ich dann zwei Wochen in Quarantäne verbracht, ohne jemand anderen zu sehen. Zum Glück lockern sich jetzt die Ausgangsbeschränkungen schrittweise, damit ich meine Freundinnen wiedersehen kann.


Johann Jenewein, Obmann des Kamera-Clubs Inzing

Der Kamera-Club hat ziemlich rasch nach Bekanntwerden der Corona-Problematik – noch vor dem allgemeinen Verbot von Zusammenkünften – die Vereinsabende eingestellt. Wir werden bis zur Sommerpause, die Mitte Juni beginnt, unsere Aktivitäten nicht mehr aufnehmen. Für den Saisonabschluss haben wir ein Foto-aktiv im Alpenzoo geplant. Wir hoffen, dass dies noch möglich sein wird.

Als „Ersatz“ für die Vereinsabende haben wir KCI-intern ein Foto-Forum mit dem „Bild der Woche“ eingerichtet. Hier können alle KCI-Mitglieder Bilder einstellen und kommentieren. 15 Mitglieder beteiligen sich sehr aktiv in diesem Forum.

Im Herbst hoffen wir wieder mit vollem Elan durchstarten zu können.


Katharina Scharmer, Pflegeleitung Vinzenz-Gasser-Heim

Die Isolation unseres Heimes war eine große Herausforderung für unsere BewohnerInnen und unsere MitarbeiterInnen. Durch das konsequente Einhalten der von der Landesregierung erteilten Maßnahmen hatten wir Gott sei Dank bis jetzt keine Coronainfektionen. Mein persönlicher Dank gilt den BewohnerInnen, MitarbeiterInnen und Angehörigen.


Timon Haslwanter, Ringer beim RSCI

Ehrlich gesagt, habe ich anfangs den Corona Virus Hype etwas belächelt und die Maßnahmen der Regierung sehr übertrieben gefunden.

Doch als das Baguette geschlossen wurde, ich in Kurzarbeit gehen und zuhause in Quarantäne bleiben musste, war die Situation nicht mehr schönzureden.

Eigentlich wäre mein ganzes Jahr mit Turnieren und Trainingslagern in der ganzen Welt mit dem Freistil-Nationalteam durchgeplant gewesen. Leider war dies durch das Reiseverbot und die Quarantäne nicht möglich.

Das war jedoch kein Grund für mich, nichts zu tun. Also nutzte ich die Zeit und fing an, im Garten bei gutem, als auch schlechtem Wetter zu trainieren, um danach wieder voll durchstarten zu können.


Claudia Walch, Angestellte, Zugpendlerin

Ein Virus kommt und legt die ganze Welt lahm. Etwas, was sich nie zuvor jemand vorstellen konnte ist plötzlich eingetroffen. Schreckliche Nachrichten über Verstorbene und Menschen in den Pflege- und Gesundheitsberufen die mit der Situation überfordert waren. Ich sitze vor dem Fernseher, verfolge die Nachrichten und fühle mich die ersten Tage wie gelähmt weil alles so surreal klingt.

Ich konnte in dieser Zeit jeden Tag arbeiten gehen, Danke Gott dafür!

Anfangs, die ersten zwei Wochen im „homeoffice“, anschließend tägliche Zugfahrt nach Innsbruck in die Arbeit. So konnte ich eine „Normalität“ aufrecht erhalten, die sehr wichtig für mich war.

06:35 Uhr Bahnsteig Inzing Richtung Innsbruck, fast keine Menschen und auch im Zug, fast alle Plätze leer, es wirkt alles etwas gruselig jedoch man gewöhnt sich schnell daran. Na ja, man versucht so positiv wie möglich zu denken. Es kommt aber trotzdem immer wieder ein unbehagliches Gefühl durch. Woche für Woche fuhren immer mehr Menschen mit dem Zug. Die Maskenpflicht kam dann dazu, auch das ist mittlerweile Gewohnheit.

Ich zu einer Dame, die an einem viererplatz beim Fenster saß: „darf ich hier am Gangplatz platz nehmen“ Die Dame: „das ist aber weniger als 1m Abstand“, ich schmunzle unsichtbar hinter meiner selbstgenähten Maske und gehe weiter. (Alle anderen vierer-Plätze waren auch mit je 2 Personen besetzt). Die Dame ruft mir nach „ich habe die Vorschriften nicht gemacht“.

Ich denke mir nur, hoffentlich hat uns diese Corona-Krise nicht um den Hausverstand und die Empathie gebracht.

Mich sicher nicht. Ich versuche so positiv wie möglich durch diese Zeit zu gehen. Bin dankbar für alles was ich habe und alles was ich nicht wirklich brauche, hatte viel Zeit darüber nachzudenken. Die Erkenntnis, dass man mit viel weniger auskommen kann, als man glaubt, empfand ich als sehr schön und bereichernd. Wir sind nicht arm sondern Reich an einem wunderbaren Land in dem wir leben dürfen. Reich an sozialer Sicherheit. Danke an mein Geburtsroulette, dass ich hier in Österreich leben darf.

Wir hatten oder haben eine niveauvolle Krise, das heißt es war und ist eine Krise in der Komfortzone! Danke auch dafür!


Daria Huber, Maturantin

Als Maturantin die Coronazeit zu erleben, ist schon etwas Besonderes. Am Anfang von zu Hause aus zu lernen ging noch ganz gut, aber jetzt schon über zwei Monate lang an denselben Sachen zu arbeiten geht einem auf den Keks und ist demotivierend. Das andauernde Hin und Her (oder gar nichts Hören) vom Bildungsministerium schlug ein wenig auf die Psyche. „Noch Mathe lernen oder rentiert es sich eh nicht mehr?“ „Wird der Abschluss als ‚Coronamatura‘ abgestempelt, von wegen ‚habt‘s ja nit viel machen müssen‘?“ Nach den verkündeten Maßnahmen und Erleichterungen geht es den meisten Schüler_innen wirklich besser, weil angemessen den Umständen gehandelt wurde – auch wenn man sich über ein paar Dinge nur wundern kann. Ein bisschen bitter ist das alles doch, weil zu dem Zeitpunkt, zu dem ich das schreibe, die schriftliche Matura schon vorbei wäre.

Jetzt heißt‘s noch weiterlernen. Auch wenn wir auf Maturareise, -feier und -streich verzichten müssen, gibt es genügend Anlässe, zusammen zu lachen. Da wir nun wieder in der Schule sind (unter strengen Auflagen, versteht sich), lernt es sich gemeinsam leichter als daheim auf dem unaufgeräumten Schreibtisch (wo noch dazu der Laptop zum Surfen im Netz und sogar zum Onlineshopping einlädt). Ich wünsche allen nur das Beste und allen Maturantinnen und Maturanten eine erfolgreiche Matura!


Margot Schöpf, Lehrerin der VS Inzing

Für mich als Lehrerin war die Corona-Zeit eine große Herausforderung meine Schulkinder zu unterrichten und die Eltern gleichzeitig nicht zu überfordern. Es hat sich aber aus meiner Sicht bald gut eingespielt und die Ruhe und stetige Unterstützung unseres Schulleiters Günter Sailer hat uns dabei fest geholfen.

Derzeit freue ich mich aber schon auf ein baldiges Wiedersehen meiner Klasse in der Schule mit „normalem“ Unterricht.


Margot Leitner, Obfrau des Pfarrgemeinderats

Gemeinschaftliche Erlebnisse machen Kirche und Pfarre wesentlich aus. Sie sind seit dem Auftreten von Covid-19 in Österreich wie vieles andere nicht mehr möglich. Der gewohnte Messbesuch, ein Fest wie die Palmweihe, die Bibelrunde und auch das individuelle Begegnen von Menschen – alle diese mir lieben Gewohnheiten hatten ein abruptes Ende gefunden. Und fehlten.

Jetzt freuen wir uns, dass wir, wenn auch unter Einschränkungen, wieder mit Gottesdiensten und kleinen Gruppen ins Pfarrleben starten können. Mit Verständnis und Rücksicht werden wir ein gutes Miteinander sicher auch unter neuen Vorzeichen erleben.


Wolfgang Kofler, Uniprofessor, Vater von drei Kindern

Bei uns war von Anfang an klar, dass ich das Homeschooling von Lukas (1. Gymnasium) und Felix (2. Volksschule) sowie die Betreuung von Konstantin (Kindergarten) übernehmen würde. Mein Arbeitgeber, die Universität, hat ja alle Angestellten ganz früh ins Home-Office geschickt, während meine Frau als Ärztin systemrelevant ist. Zu Beginn dachte ich, dass das alles kein Problem sei und mir neben den Kindern noch ausgiebig Zeit für meine Forschungsarbeit bleiben würde. Weit gefehlt! Wahrscheinlich war es meine männliche Unfähigkeit zum Multitasking, aber das Hin- und Herspringen zwischen den drei Kindern stellte mich – trotz der digitalen Unterstützung durch die wirklich bemühten Lehrer und Kindergartenpädagogen – vor schier unüberwindbare Schwierigkeiten. Meiner wissenschaftlichen Arbeit konnte ich auf jeden Fall erst in der Nacht nachgehen.

Deshalb ist es gut, dass ab jetzt wieder die Profis übernehmen. Unverständlicherweise hat man aber nicht dafür gesorgt, dass die Schulen den nun anstehenden Schichtbetrieb gleich takten. Gerade für jemanden wie mich, der dem Staat zwei Monate lang die Betreuung mehrerer Kinder abgenommen und gehofft hat, dass er nun zumindest die Hälfte der Woche zu seiner eigenen Arbeit kommt, ist das inakzeptabel. Natürlich könnten wir das an den Schulen existierende Betreuungsangebot extensiv in Anspruch nehmen. Aber das würde das durch den Schichtbetrieb angestrebte Ziel der Reduzierung von Sozialkontakten konterkarieren.


Nicola Beiler, alleinerziehende Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern (VS und NMS), 25 WS berufstätig und in Ausbildung

Die Herausforderung:
mit der Mehrfachbelastung Homeoffice, Ausbildung (online) und Homeschooling, dem Prinzip von trail and error, mit viel Geduld und noch mehr Zuwendung für die Kinder zu einem ansatzweise strukturiertem Alltag jenseits von Panik und Angst zu kommen.

Und dazwischen:
die Nerven weggeschmissen, sprich, sich haareraufend ein paar Häuserblocks von den ebenfalls genervten Kindern oder dem gerade wiedermal zu gar nichts nützen Computer mit seiner entsetzlich nervigen Logik, die ich immer noch  nicht begreife, zu entfernen, tief Atmen, sich vergegenwärtigen, dass das alles ein Ablaufdatum hat und einer guten Freundin, natürlich telefonisch, das Herz ausschütten bzw. Dampf ablassen und zu sehen, dass es uns mehr oder weniger allen gleich geht.

Und das Fazit:
erstaunlicherweise gar nicht so schlecht, auch die Vorteile von so manchen Begleiterscheinungen mit der Zeit erschlossen: viel Zeit mit den Kindern, Gesellschaftsspiele, gemeinsame regelmäßige Workouts vor dem Computer heruntergeturnt, gebastelt, gemalen, geknüpft, modelliert….teilweise eine Art Größenwahn entwickelt im Sinne von: Ich bin eine Computerspezialistin, ich kann mittlerweile so ziemlich alles installieren, in Gang setzen, über alle möglichen Tools kommunizieren,… bis zur nächsten Ernüchterung, wo ich dann wieder meinen TeamViewer aktivieren muss und froh bin, dass es Menschen gibt, die mich diesbezüglich unterstützen.


Klaus Draxl, Obmann des RSC Inzing

Ausgerechnet in jenem Jahr in dem der RSC Inzing sein 25- jähriges Jubiläum begeht, wurden wir inmitten der Vorbereitungen auf die olympischen Spiele jäh gebremst. Trainingsalternativen wurden gesucht und im privaten Bereich gefunden. Via soziale Medien wurden von unseren Spitzenathleten zahlreich Aktivitäten gepostet und dadurch wiederum unsere Nachwuchssportler zur Nachahmung animiert. Wenigstens konnten unsere Spitzenathleten seit 20.04. mit Zustimmung des Ministeriums und unserer Gemeinde wieder den Trainingsbetrieb im Kraftraum, selbstverständlich unter Einhaltung der vorgeschriebenen Auflagen, wieder aufnehmen.

Leider werden wir eine der letzten Sportarten sein, die den normalen Trainingsbetrieb wieder aufnehmen und Wettkämpfe abhalten kann.


Christiane Ladner, Obfrau von inzingvolley

Aufgrund der Coronasituation wurde die Volleyball Saison 2019/20 abrupt abgebrochen, was für unsere SpielerInnen keine Beendigung der heurigen Meisterschaft bedeutet. Stockerlplätze und Medaillen die in Aussicht waren, konnten nicht erkämpft werden. Doch die soziale Distanzierung trifft uns TrainerInnen und auch die SpielerInnen schwer. Die oft mehrmals wöchentlichen Trainings, spielen nicht nur aus sportlicher sondern vor allem aus gemeinschaftlicher Sicht eine bedeutende Rolle in Leben von inzingvolleys Mitgleideren. Körperliche Aktivität kam aber trotzdem nicht zu kurz, denn unsere SportlerInnen führten zu Hause motiviert Trainingsprogramme durch und kamen auf kreative Ideen um den Volleyballsport ins Quarantäteleben integrieren zu können.

Wir blicken jetzt den neuen Veränderungen positiv entgegen und freuen uns schon bald unsere SpielerInnen und TeamkollegInnen mit etwas Distanz am Beachplatz wiedersehen zu können.


Josef Markt, Gasthof zum Stollhofer

Wir unterscheiden hier drei Bereiche:

Geschäftlich war es eine Vollbremsung von 100 auf 0. Ein ungewohntes Gefühl, gar keine Gäste im Haus zu haben. Vor allem an den Tagen wie Ostern und Muttertag. Nach und nach sind nur Stornierungen, auch für die nächsten Monate, und keine Reservierungen empfangen worden. Kein gutes Gefühl, wenn man denkt, dass die Zahlungen (Versicherungen, Personal, Strom etc.) weiter beglichen werden müssen.

Privat kann man es insofern positiv sehen, dass man viel Zeit mit der Familie, Kindern hatte. Wo man sonst immer gesagt hat, „Ich kann jetzt nicht“, „Ich muss wieder gehen“ udgl. hatte man auf einmal Zeit ohne Ende und es gab keine „Ausreden“. Ich muss sagen, dass man dies sehr genossen hat, gerade mit den Kleinen. Es wurden auch viele Dinge erledigt, die man sonst immer nur hinausgeschoben hatte.

Verkehrsmäßig waren die ersten Wochen eine wahre Wohltat, gerade an der Salz- bzw. Hauptstraße. Ein ganz anderes Lebensgefühl. Hat sich dann aber leider wieder normalisiert. Ein paar glauben, der „neue 30er“ lädt zum Pressen ein.


Sabine Troyer, Christophorus-Apotheke Inzing

Ein Rückblick auf die Coronazeit aus dem Blickwinkel einer Apothekerin

Der Winter 19/20 war durch die bereits Anfang Dezember ungewöhnlich früh und äußerst stark einsetzende Grippesaison eine sehr intensive und herausfordernde Zeit.

Bereits Ende Jänner stieg die Nachfrage an Schutzmasken und Desinfektionsmitteln und der Versuch, Desinfektionsmittel selbst in unserem kleinen Labor herzustellen, war eine gewaltige Herausforderung. Zum Teil bekamen wir entweder Rohstoffe oder die Behältnisse nicht, bzw. erst nach langem Urgieren und nur zu extrem überteuerten Preisen.

Der eigentliche Wahnsinn für uns begann dann mit dem 16.März, als wir unser Team teilen mussten, um bei eventueller Ansteckung eines Mitarbeiters nicht zusperren zu müssen und für die Bevölkerung da sein zu können. Das bedeutete für uns mit halber Mannschaft – bei mehr als doppelter Kundenfrequenz – alles unter einen Hut zu bringen.

Der Betrieb lief von 7:00 durchgehend bis ca. 22:00 und zusätzlich jeden 6. Tag Nachtdienst/Wochenenddienst. Nach Dienstschluss belieferten wir noch den einen oder anderen Patienten. Ich verbrachte jeden Tag stundenlang im Labor mit Herstellung von Desinfektionsmittel (insgesamt bisher über 400 Liter ohne Maschinerie mit einem einfachen Glasstab gerührt, Kanister geschleppt, Wasser destilliert, etc.). Gleichzeitig kam die Umstellung der Ärzte auf vorwiegend telefonische Verordnungen. Von den Krankenkassen wurden in der Pandemiesituation bestimmte Regelungen aufgehoben, was bedeutete, dass Rezepte auf unterschiedlichste Weise in die Apotheke kamen: stapelweise von unseren Ärzten gesammelt mehrmals täglich ins Postfach geworfen, per Fax oder Email und dann zusätzlich mit plötzlicher, unangekündigter Umstellung auf eine provisorische E-Medikation, was zusätzlich für Schwierigkeiten sorgte.

Anfangs stellte allein die alphabetische Sortierung der gesammelten Rezepte ein logistisches Problem dar, da die Kunden oft schon vor den Rezepten bei uns standen und auf ihre Medikation warteten. Da sucht man in einem ungeordneten Stapel von ca. 100 Rezepten schon eine ganze Weile. Erleichterung brachte uns dann, dass das Ordinationsteam von Dr. Hirschberger die Rezepte in alphabetischer Ordnung schickte. Die aufmunternden Worte und Gesten beider Ordinationsteams haben uns viel Kraft mit in den Tag gegeben.

Die Maßnahmen zur Vermeidung einer Ansteckung mit dem Virus starteten mit einem provisorisch befestigten Absperrband und Klebestreifen zur Einhaltung eines Sicherheitsabstandes. Da wir ja über Wochen keine Schutzausrüstung hatten, waren wir sehr erleichtert, als wir dann ziemlich bald unsere tollen Plexiglasscheiben bekamen.

Die Regelung, nur 2 Kunden gleichzeitig in die Apotheke zu lassen, war sowohl für uns, als auch für die Kunden sehr gewöhnungsbedürftig. Unsere gut gemeinten Versuche, besonders gefährdete Kunden dazu zu bewegen, sich die Medikamente von uns liefern zu lassen, stießen zwar nicht immer auf Zustimmung, doch die überwiegende Mehrheit reagierte sehr positiv auf alle Maßnahmen und viele Menschen haben uns mit netten, freundlichen Worten unterstützt und zeigten Verständnis für die ein oder andere etwas chaotische Situation.

Eines ist mir sehr aufgefallen: als die Orte in Tirol unter Quarantäne standen, kamen plötzlich sehr viele Menschen, die sonst den Weg zu uns nicht finden (sei es aus beruflichen Gründen, oder auch, dass Internetapotheken manches doch nicht so schnell liefern können, naja sie machen ja auch keine Nacht- und Wochenenddienste).

Jedenfalls würde ich mir wünschen, dass wir alle auch daraus lernen, dass lokal zu kaufen doch nicht ganz verkehrt ist.

Unsere Schichten wechselten immer um 14:00 mit einer kurzen Info (über den Zaun und telefonisch) für das nächste Team. Sogar unsere gute Seele Andrea, die ständig dafür sorgte, alle Spuren der einzelnen Teams und der Kunden sorgfältig mit Desinfektionsmittel zu beseitigen, durfte keinen Kontakt zum anderen Trupp haben. In der „apothekenfreien“ Zeit wurde ich jeden Tag mit unzähligen „Kammer“-Infos zu Änderungen, Neuerungen, Fakten, Änderungen der Änderungen und noch mehr Fakten überhäuft, verbrachte stundenlang damit, Emails durchzuackern, Rohstoffe zu organisieren, oder irgendwo NMS-Masken zu horrenden Preisen zu ergattern. Ich frage mich immer noch, wie es sein kann, dass die Supermärkte vor uns zu Schutzmasken kamen. Wir hatten teilweise Wartelisten mit bis zu 200 Personen für Masken und Desinfektionsmittel.

Meine Vorstellungen einer guten Apothekerin, nämlich sich Zeit zu nehmen und ein offenes Ohr für den Kunden zu haben, wurde durch die Anordnung, nur das Nötigste zu erklären und möglichst keine intensiven und langen Beratungsgespräche zu führen, stark untergraben.

Obwohl durchgehend das Telefon heiß lief, weil Patienten wissen wollten, ob Ihre Rezepte schon da sind, wir endlich Masken bekommen hätten oder ob wir noch Desinfektionsmittel haben, bewiesen meine Mitarbeiterinnen immer wieder mit ihrer freundlichen, fröhlichen und zuvorkommenden Art, dass ihnen das Wohl unserer Kunden sehr am Herzen liegt. Überhaupt war die Stimmung im Team hervorragend und ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

Nach fünf langen Wochen ist unser Team endlich – dankbar und glücklich – wieder vereint, froh, wieder gemeinsam den Menschen helfen zu dürfen.

Bei uns herrscht mittlerweile die Ruhe nach dem Sturm.

Obwohl ich gebeten wurde, einen (nüchternen) Einblick in unsere tägliche Praxis während der letzten Wochen zu gewähren, möchte ich an dieser Stelle etwas sehr Persönliches anbringen:

In den letzten Wochen ist leider ein mir sehr ans Herz gewachsener Kunde verstorben und es ist mir nicht möglich, mein Mitgefühl und meine Anteilnahme in Form einer innigen Umarmung seiner Partnerin auszudrücken, wenn sie es am meisten braucht. Das macht mich sehr traurig!


Hartwig Oberforcher, Vizebürgermeister

Corona – Wechselbad der Gefühle.
Zuerst war China, aber das ist ja so weit weg.

Dann plötzlich Italien, die Lombardei. Nur knapp über 2 Autostunden entfernt, gehört nicht der halbe Gardasee zur Lombardei? Also war Corona eigentlich vor unserer Haustüre. Das war noch vor Ischgl. Unser Bürgermeister Sepp Walch hat dann eine Expertenrunde versammelt, um zu erheben, ob die Gemeinde aktiv werden muss. Ärzte aus Inzing und Zirl, Pflegedienstleitung Altersheim und Mobile Dienste, Feuerwehr, …..

Dr. Markus Thaler, Notfallmediziner aus Inzing war es dann, der uns in Alarmstimmung versetzt hat. Als gebürtiger Südtiroler mit besten Kontakten zu italienischen  Ärzten hat er uns über die wirklichen Zustände in der Lombardei informiert und ein schlimmes Szenario gezeichnet, das eintreten kann, aber nicht muss. Nun wurde sofort ein Krisenstab eingerichtet und die Vorbereitungen auf Corona in Inzing wurden gestartet. Es war eine sehr intensive Zeit. Notfallpläne Feuerwehr, Altersheim, Kinderbetreuungseinrichtungen, Gemeindeamt, Notfallhandy, Essen auf Rädern, Einkaufsdienst, Organisation von Schutzausrüstung für Pflegepersonal usw..

Inzing war hier absolut Vorreiter und anderen Gemeinden um einige Tage voraus.

Dann kam die Coronazeit und hier empfand ich eine große Dankbarkeit an die gesamte Bevölkerung von Inzing, dass die Bestimmungen zur Ausgehsperre wirklich eingehalten wurden und Inzing brav zu Hause geblieben ist. Das war sicherlich der Hauptgrund, dass wir bis jetzt mit einem blauen Auge durch diese schwere Zeit gekommen sind. Gott sei Dank haben wir den Großteil unserer Notfallpläne bis jetzt nicht gebraucht.

In der Hoffnung, dass es zu keiner massiven 2. Welle kommt und uns die Forschung bald die notwendigen Medikamente und Impfungen bereitstellen kann, und auch in der Hoffnung, dass sich die Wirtschaft bald wieder einigermaßen erholen wird und damit verbunden die Arbeitslosigkeit wieder eingedämmt werden kann, freue ich mich, dass inzwischen die ganz große Verunsicherung und Angst etwas aus unserem Leben gewichen ist und wieder mehr Lebensfreude in unseren Alltag eingekehrt ist.

Aber bitte bleibt’s weiterhin brav. Eigenverantwortung sollte zum Wort dieser Zeit werden. Gemeinsam schaffen wir das.


Astrid Hofmüller

Corona oder Anroco oder Rocano oder Canoor  …

Die Coronazeit erfuhr und erfahre ich immer noch genau so unterschiedlich und inhomogen und zerstückelt, wie es das Ergebnis im Titel durch die Wechstaben-Verbuchslung ergibt.

Es scheint mir nicht DIE Erfahrung zu geben, die jemand in dieser Zeit machte und macht:

Jobverlust, Job behalten, Einnahmenseinbrüche, Krankheit, kleine Kinder – home schooling, Altersunterschiede, Wohnort in der Stadt oder am Land, in Österreich, Italien …

Ich habe gehört, dass jemand in der Coronazeit enorm viel Zeit hatte und andere gar nicht.
Ich habe gehört, dass wer in der Coronazeit enorme Angst hatte und andere eigentlich gar nicht.
Ich habe gehört, dass eineR enorm darunter litt, gar nicht ins Kino, Theater gehen zu können, Freunde zu treffen …  und andere gar nicht.

Das ließe sich noch lange fortsetzen.

Mir selbst ging es so, dass ich manches der Veränderungen sehr positiv und sogar angenehm empfand – z.B. die Ruhe durch die Verkehrsverringerung auf der Autobahn und das Wegfallen der “Termine”, das verstärkte Zusammenhelfen untereinander, die Verlangsamung im Alltag – zumindest in meinem…

Anderes empfand ich als irritierend, z.B. die Einschränkungen in Grundrechten, die Ungewissheit über die tatsächlichen Verbote, die tausenden Fakten und Fakes…

Tipp dazu: Überprüfen lassen/Recherchieren unter: http://www.mimikama.at oder https://correctiv.org/

Corona-Conclusio: Begleitet uns wohl noch weiter und was es wirklich bedeutet, lässt sich sehr schwer einschätzen, solange wir noch “mittendrin” sind. Aufmerksam sein ist generell gut im Leben. Jedenfalls eine herausfordernde, besondere Zeit.

Und schön, dass jetzt – mit verantwortungsvollem Verhalten – bereits wieder viel an Begegnung möglich ist.


Denise Maier

Zu Beginn, muss ich gestehen, habe ich in erster Linie die Ruhe und die Tatsache, dass sich Alles und Alle „entschleunigten“ sehr genossen. Es fühlte sich an wie eine
dreiwöchige wohlverdiente Auszeit aus einem hektischen Alltag.

Das Wetter war traumhaft sommerlich, die Kinder in unserer Siedlung hatten sich, einen eigenen Spielplatz im Garten, immer wieder mal ein Eis, und wir Erwachsenen führten bei guten Getränken die unterschiedlichsten Gespräche, durch die wir uns nach und nach immer besser kennengelernt haben. Natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand!

Die berufliche Situation für uns Musiker wurde von mir und meiner Familie erfolgreich ignoriert, da es ohnehin nichts gebracht hätte, darüber nachzudenken.
Mein Mann und ich führten auch das tägliche Gartenkonzert um 18h ein, auf das wir und unsere Nachbarn sich Tag für Tag freuten. Und nicht nur wir, sondern auch all unsere Nachbarn trugen ihren Teil dazu bei, dass jeder dieser Abende zu etwas Besonderem wurde.

In unserem Schleifmühl-Mikrokosmos war alles gut!
Was diese Zeit jedoch wirtschaftlich und gesundheitlich für sehr viele für Folgen hatte, hat und haben wird, ist uns derzeit wohl allen noch gar nicht in vollem Ausmaß bewusst. Vielleicht aber war diese Zeit auch nur die lang ersehnte Wende!
Sie hat uns immer wieder deutlich gezeigt, was wirklich im Leben zählt und worauf wir alle auch leicht verzichten können.
Unseren Kindern und auch den Kindern in unserer Siedlung wird diese Zeit hoffentlich als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben – sowie auch uns Erwachsenen. Man hat zusammen gehalten, war für einander da, hat aufeinander geachtet, hat sich zugehört und war großzügig mit der ansonsten so kostbaren Zeit, die einem zur Verfügung steht.

Wenn wir es schaffen, dies in unsre Zukunft mitzunehmen, lag in dieser Zeit mehr Sinn als der, einen Virus zu bekämpfen.

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Ein Gedanke zu “Corona Stimmungsbild aus Inzing – Teil 2

  1. Danke DZ für diese Initiative! Unsere seltsame Pandemiezeit aus so unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet zu lesen bereichert und berührt mich, gerade auch, wenn sie von Personen wie Sabine Troyer und Hartwig Oberforcher kommen, die durch ihre Funktion in die offiziellen Maßnahmen an vorderster Front eingebunden und gleichzeitig wie wir alle auf persönliche Weise betroffen sind.
    Danke Claudia Walch, dass du uns daran erinnerst, dass wir durch den Zufall des Geburtsorts diese Krise relativ behaglich durchstehen können.
    Und danke, Astrid Hofmüller, für die Links und Hinweise.

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