27. Juni 2026
Newsletter   

Neophyten in Inzing und Umgebung

Im Mühltal vor dem Abmähen.
Lesedauer ca. 4 Minuten

Seit einigen Jahren vermehren sich auch in Inzing– so wie in ganz Tirol – verschiedenste „Neophyten“. Das sind gebietsfremde Pflanzen wie z.B. das drüsige oder indische Springkraut oder die kanadische Goldrute. Diese „eingeschleppten“ Pflanzen verdrängen heimische Arten und verändern so den Lebensraum. Sie gefährden die Biodiversität und damit das Überleben von heimischen Pflanzen und rauben Insekten und Vögeln die Nahrungsgrundlage. Zum Teil stellen sie auch ein Risiko für die Gesundheit von Menschen und Tieren (Riesenbärenklau, Ambrosia und südafrikanisches Greiskraut) dar!

Daher hat der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss der Gemeinde Inzing heuer diesen Pflanzen den Kampf angesagt.

Es ist zwar inzwischen unmöglich, die Neophyten komplett auszurotten, aber zumindest gebietsweise ist es möglich, durch Ausreißen der Pflanzen VOR der Blüte ihren Bestand einzudämmen und heimischen Pflanzen und jungen Bäumen wieder Platz für Wachstum zu verschaffen.

Nach einem interessanten Vortrag der Neophytenbeauftragten des Landes – Monika Jäger – hat sich eine Freiwilligengruppe gefunden, die seit Mai wöchentlich auszieht, um das Neophytenwachstum einzudämmen.

Die Gruppe besteht aus insgesamt 12 Personen. Zweimal in der Woche treffen sich 7-8 Engagierte, um im Mühltal und am Sam Springkraut und Goldrute zu beseitigen.

Im Mühltal nach dem Mähen der Neophyten. Alle Fotos: Renata Wieser

Die Gruppe freut sich jederzeit noch über weitere Freiwillige. Bitte bei Interesse um Kontaktaufnahme mit Renata Wieser unter Tel.: 0676/7069568

Es wurden bereits ganze „Lastwagenladungen“ voll von diesen wuchernden Pflanzen ausgerissen, bzw. abgemäht. Jede beseitigte Pflanze bedeutet Tausende von Samen weniger und somit einen geringeren Bestand im nächsten Jahr.

Um effektiv das Wuchern der Neophyten einzudämmen ist es wichtig ein paar Jahre in Folge die Jungpflanzen auszureißen.

Auch Vereine können sich freiwillig an dieser Aktion beteiligen, so wie die Jungschützen, die mit vollem Einsatz einen Samstag Vormittag lang im Mühltal in dieser Sache unterwegs waren.

Auch im eigenen Garten sollte man darauf achten, dass sich keine Neophyten ansiedeln oder sie beseitigen. Goldrute und Sommerflieder sind zwar hübsche Pflanzen, aber sie verbreiten ihre Samen sehr rasch überall! Hortensien oder Kornelkirsche sind ein ebenso attraktiver Ersatz. Auch für den eigenen Garten gilt: Am besten werden die Pflanzen VOR der Blüte mitsamt der Wurzel ausgerissen. Bei großflächigen Stellen hilft auch Mähen mit der Motorsense. Die ausgerissenen Pflanzen können VOR der Blüte einfach liegen gelassen werden. Sobald das Springkraut oder die Goldrute blühen, muss man sie in Säcken im Restmüll und NICHT im Kompost entsorgen, damit die Samen nicht wieder auskeimen können.

Nicht nur Inzing, auch unsere Nachbarorte sind an der Beseitigung dieser gebietsfremden Arten dran. Monika Jäger kann berichten: „In Hatting wird auf Initiative von Stefan Beiser ein vielversprechendes Projekt in der Gaisau im Juli gestartet. Er hat sich mit dem Aufbauwerk (ein soziales Dienstleistungsunternehmen) an mich und Laura Kanduth, Schutzgebietsbetreuerin der Gaisau, gewendet. Die Teilnehmer der Aktion werden von der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol (UWS) und der Schutzgebietsbetreuerin angeleitet. Konrad Pagitz vom Neophytenzentrum der Universität Innsbruck gibt dazu die notwendigen Empfehlungen. Die Gaisau ist wegen der Vögel sehr sensibel. Sie benötigen eine ungestörte Brutzeit. Deshalb ist der Zeitpunkt für die Neophytenaktion hier sehr speziell und wird von der Schutzgebietsbetreuung in Absprache mit der Abteilung UWS koordiniert. Abgesehen davon gab es in Polling ein Projekt, bei dem Springkraut durch die Beweidung mit DEXTER Rindern eingedämmt wurde.

Am Sonntag, den 12. Juli findet am Nachmittag in der Gaisau ein von Laura Kanduth organisierter und vom österreichischen Naturschutzbund unterstützter Freiwilligentag statt.


Zusätzliche allgemeine Infos zu Neophyten in Tirol:

Neophytenstrategie des Landes Tirol:
Broschüre als PDF
Die dargestellte Tiroler Strategie für den Umgang mit fremdländischen Pflanzen (Neophyten) legt die erforderlichen Schritte für ein erfolgreiches Neophytenmanagement in Tirol fest. Sie baut im Wesentlichen auf den von Ass.-Prof. Mag. Konrad Pagitz, Universität Innsbruck, erarbeiteten fachlichen Grundlagen und dessen konzeptiven Überlegungen auf.

Neobionta
Die invasiven Neophyten der Unionsliste
Von den derzeit 114 invasiven Tier- und Pflanzenarten der Unionsliste kommen 38 in Österreich vor, davon 21 Pflanzenarten.

Tiroler Neophytenzentrum
Steckbriefe der einzelnen Pflanzen
Ein sehr übersichtlicher und gut bebilderter Überblick über die wesentlichen Pflanzen in Tirol.


Ein äußerst interessanter Artikel zum Thema erschien erst vor 10 Tagen im derstandard:
https://www.derstandard.at/story/3000000323208/neophyten-wie-gaerten-oesterreichs-pflanzenwelt-veraendern

Diesen Artikel teilen:

Renata Wieser

Seit 1991 Inzingerin, 1995 Gründungsmitglied der Winzinger, Mitbegründerin der Initiative “Inzinger Ferienspaß”, seit 2002 Gemeinderätin, Mitglied der Klimabündnisgruppe und des Freundeskreises für Integration, 1999-2019 Sekretärin der Landesmusikschule Zirl, Verheiratet, vier erwachsene Kinder

Alle Beiträge ansehen von Renata Wieser →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert