27. Juni 2026
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Die „Godmother of Kirchenführung“ – Chronologie des Staunens

Lesedauer ca. 7 Minuten

Geschichten. Epochen. Jahrhunderte.

Mit einer fröhlichen Melodie über alle Zeiten hinweg erhob sich am Freitag, dem 12. Juni, die „Godmother of Kirchenführung“, um der Reihe „Durch unsere frisch renovierte Pfarrkirche“ einen krönenden Abschluss zu schenken.
Doch beginnen wir am Anfang: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Nicht ganz. Zunächst fängt alles weit weniger göttlich an: mit einer Kamera, einem Artikel für die Dorfzeitung und mir. Mit wachsender Freude, Neugier und Begeisterung für das Pfarrprojekt durften meine Kamera und ich entdecken, wie aus einer geplanten Dokumentation ein großes Erlebnis werden kann. Dieses Erlebnis möchte ich sehr gerne teilen, um vielleicht auch Euch in dieses kindliche Staunen zu versetzen, das ich noch immer spüre.

Unsere Reise begann am 24. April mit dem dritten Termin der Reihe „Durch unsere frisch renovierte Pfarrkirche“. Sie wurde am 29. Mai fortgesetzt.

Beide Termine öffneten den Blick auf den Kirchenraum, streiften Höhen und Tiefen des Bauwerks. Fresken, Bilder und Figuren wurden in Sprache und Geist lebendig. Fast schien es, als würden Erbauer, „Bewohner“ und Erhalter des Lebensraumes Pfarrkirche über Zeit und Raum hinweg einander begegnen.

Mit Beginn der Inzinger Kulturtage wurde das Finale der Reihe am 12. Juni eingeläutet. Bereits am Abend zuvor hatte Pfarrkirchenratsobmann Mathias Gastl die Ausstellung zusammengestellt: Schaufensterpuppen wurden mit kostbaren Paramenten (alle liturgischen Textilien) und auch mit alltäglichen kirchlichen Gewändern bekleidet. Ihre spätere Reihung im Raum stand gleichzeitig für ihren Wandel im Laufe der Zeit – von der Soutane bis zum Birett. Die an Massivholzständern aufgehängten Kaseln (Messgewänder) sollten die unterschiedlichen Anlässe sichtbar machen, zu denen sie getragen werden.

So erfüllten scheu glitzernde Vorboten den ausladenden Bau, noch ehe die „Godmother of Kirchenführung“ begonnen hatte.

Doch zunächst musste die Herz-Jesu-Andacht der Schützen, die ursprünglich an der Hoarlig geplant war, aufgrund der Witterung kurzfristig in die Kirche verlegt werden. Dort standen bereits die angekleideten Puppen im Mittelgang und an den Seitenaltären waren auch schon die Kaseln ausgestellt. Auf diese wundersame Gestaltung fiel das warme Licht der von Jungschützen und Jungmarketenderinnen getragenen Kerzen, als würden sie einen schimmernden Ausblick auf Samt und Seide bieten. Vielleicht zeigt sich gerade in solchen Momenten die Lebendigkeit eines Dorfes. Dort, wo Menschen gemeinsam Räume mit Leben füllen, Begegnung ermöglichen und ein friedliches Miteinander pflegen, dürfen Wandlung und Wandel geschehen.

Mit Beginn der „Godmother of Kirchenführung“ führte der für so viele Feierlichkeiten, Prozessionen und Begegnungen zuständige Zeremonienmeister Mathias Gastl wahrhaftig Regie. In der Rolle des Dramaturgen lenkte er den Blick über vergangene Jahrhunderte hinweg. Er ließ die im Rampenlicht stehenden Gewänder von ihrer Aufgabe, ihrer elementaren Beschaffenheit und dem historischen Wandel erzählen, dem sie unterlagen. Sie berichteten von den Menschen, die sie geschaffen, getragen und bewahrt haben. Epochen der Pfarrgeschichte schienen jetzt wahrhaftig aufzuleben, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Darin flossen Vergangenheit und Gegenwart wie selbstverständlich ineinander. Nicht steril museal. Nicht hinter verschlossenem Glas. Sondern als lebendige Elemente der Gemeinschaft.

In die Chronologie des Staunens schmiegte sich schließlich auch der Besuch in der Sakristei ein. Hier wurde man des Silbers und Goldes nicht überdrüssig. Die Besucher*innen begriffen die kostbaren Kelche und Monstranzen als nicht zum Verkauf bestimmte Wertanlagen, sondern als heilige und liturgische Gegenstände, die seit Generationen ihren Platz im Leben der Pfarrkirche haben. Gerade in ihrer heiligen und liturgischen Bestimmung schien ein bemerkenswerter Widerspruch zu wohnen: Gott vorbehalten und zugleich für den Menschen bestimmt.

Im Gegenlicht der schimmernden Schätze schien es fast, als könnte man die Hände erkennen, die diese Stücke einst erschaffen hatten.

Rund um den Schimmerzauber spann Mathias die Geschichten von Alter und Material der Kunstschätze, erinnerte an die Fertigung und erzählte von der liturgischen Bedeutung der Kelche, des Rauchfasses, der Monstranzen, der Gefäße für Wasser und Wein und wie sie bis heute in Gebrauch sind.

Die üppig prunkvolle und gleichzeitig ganz bescheiden strahlende Pracht der Monstranzen zog die Betrachter*innen unmittelbar in die Fülle ihres Schimmers und ihrer Lebendigkeit hinein. Ihr Glanz schien von den Hoffnungen, Fragen und Sehnsüchten jener Menschen zu erzählen, die über Generationen hinweg durch sie auf Gott schauen wollten.

Mit einer beinahe zauberhaften Gewissheit von etwas Göttlichem, Nahbarem und Bleibendem konnten die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nach der Führung zwischen Samt und Seide noch einmal sattsehen und den kostbaren, imposant schimmernden Kirchenschätzen fühlbar nahekommen, während die „Godmother of Kirchenführung“ langsam ihre Flügel neigte.

Die nun folgende Bildergalerie soll dazu einladen, dieser Reise noch einmal nachzugehen. Sie zeigen Gewänder, Kirchenschätze, kunstvolle Details und vertraute Blickwinkel. Vor allem aber erzählen sie von der Freude am Entdecken, vom Staunen über das Verborgene und von einer Pfarrkirche, die ihre Geschichten noch immer mit erstaunlicher Lebendigkeit preisgibt.

Vielleicht gelingt es den Fotos im Nachhall auch bei Euch etwas von jener Neugier zu wecken, mit der meine Reise begonnen hat: mit einer Kamera in der Hand auf dem Weg zu einer Kirchenführung und der sich anschließenden überraschenden Erkenntnis, dass zwischen Geschichten, Epochen und Jahrhunderten manchmal weniger Abstand liegt, als man zunächst vermuten würde.

Und vielleicht konnte mein Text die Gewissheit beschreiben, die mich in meinem Leben immer zu einem kindlichen Staunen hinreißt. Es ist ein Staunen und ein Anschmiegen, ein Hineinfallendürfen, das mich jetzt als Erwachsene trägt, das nicht selbstverständlich ist, sondern hart erkämpft wurde, und das in mir immer wieder die Gewissheit erneuert, dass dieses eine Leben zu kostbar ist, um das Staunen und das hart erarbeitete Vertrauen und Hineinfallendürfen aufzugeben; auch nach Straucheln, Stolpern und tiefem Fall.

Das ist das Schönste daran: Aus der reichen Fülle unseres Lebens Freude, Kraft, Zuversicht und Demut schöpfen.

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April:

Mai

Juni

Alle Fotos aus Artikel und Fotogalerie: Angela Pargger

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Angela Pargger

Ein neuer Vorstellungstext … „Ich schreibe hier auch.“ Das wäre mein erster Impuls gewesen. Allerdings wurde mir nahegelegt, mich etwas auszubreiten. here we are. Worte verbinden, Worte trennen. Sie öffnen Räume. Meine Texte entstehen im inneren wie äußeren Austausch, in Auseinandersetzung mit Sprache, Sprachfluss, Melodie und Rhythmus. Dabei begleiten mich Fundstücke aus dem Alltag sowie Texte und Atmosphären verschiedenster Sprach- und Musikkünstler*innen. Einige von ihnen nehmen mich bis heute in den Arm, sind Wegbegleiter und Freunde zugleich. Wenn meine Texte ihren Rhythmus suchen, muss ich sie hören und spüren. Ich spreche sie, summe und stampfe sie, gehe sie mit, bis Worte und Klang zueinanderfinden. Schreiben ist seit meinem 14. Lebensjahr mein Ausdruck; es ordnet mich und meinen Alltag. Der schöpferische Prozess ist dabei inzwischen Kraftakt und Wohnstatt zugleich. Meine Texte dürfen ihren eigenen Weg zwischen Fließen und Widerstand suchen.

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