13. Oktober 2026
Newsletter   

Cycling Cities – das Buch zum Film

Lesedauer ca. 4 Minuten

Das Klimakino am Freitag, den 23.10. wird durch ein brandaktuell herausgegebenes Buch ergänzt. Ingwar Perowanowitsch, Journalist, Autor und Filmemacher veröffentlicht seine Erfahrungen mit dem Fahrrad der letzten Jahre und vor allem auch von seinem Radtrip zu den schönsten, radfreundlichen Städten Europas in einem Buch.

Im ersten Teil des Buches blickt Perowanowitsch zurück in die Geschichte der Mobilität. Das Fahrrad erobert in den 1860er Jahren die Städte. Es revolutioniert die Mobilität der Bevölkerung. Neue Möglichkeiten entstehen. Später wird das Auto das Fahrrad verdrängen. Durch die neuen städteplanerischen Ansätze im Sinne der Trennung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit müssen weitere Wege zurückgelegt werden, als bisher. Das Auto kann die neuen Erfordernisse sehr gut unterstützen. Daraus ergeben sich jedoch auch einige große Nachteile für die Menschen – es wird laut, die Abgase belasten die Städte enorm und es kommt schon bald zu den ersten Todesfällen im Straßenverkehr. Neue Regeln müssen geschaffen werden. Der Autoverkehr wird von allen anderen Verkehrsteilnehmer:innen getrennt. Das Auto nimmt immer mehr Raum ein, sowohl für die Fahrbahnen, als auch für Parkplätze.

Das Buch bietet in diesem Teil eine chronologisch sehr gut aufbereitete, sachliche Sicht auf die Entwicklung. Die Leser:in bekommt einen wunderbaren Einblick in die Hintergründe der verschiedenen Epochen. Es entsteht ein rundes Bild. Man versteht, wie es zur momentanen Situation mit überfüllten Straßen, Staus und Lärm in den Städten kam.

Im zweiten Teil des Buches stellt Perowanowitsch positive Lösungen in Städten, wie Paris, Utrecht, Groningen, Hamburg oder Kopenhagen vor. Er zeigt auf, was möglich ist, er versucht zu eruieren, was es braucht, um die Mobilität für alle Teilnehmer:innen gleichermaßen gut und sicher zu gestalten. Nicht das Geld oder Kampagnen entscheiden, ob Städte fahrradfreundlich werden, sondern die politischen Richtungsentscheidungen und Rahmenbedingungen sind letztlich Wesentlich für die Entwicklung von Städten.

Perowanowitsch brennt für das Thema der fahrradfreundlichen Stadt – und zwar nicht als Selbstzweck für das Fahrrad, sondern vor allem wegen der deutlich höheren Lebensqualität, die durch das Beschränken des Autoverkehrs und den gleichzeitigen Ausbau des Radverkehrs entsteht.

Er meint: „Der Ausweg aus der autogerechten Stadt kann nicht durch freiwillige individuelle Entscheidungen erreicht werden. Alle Appelle, das Auto mal stehen zu lassen, sind wirkungslos, solange sich die Ausgangslage nicht fundamental verändert. Um der Autofalle zu entkommen, braucht es daher politische Rahmenbedingungen. Sie müssen so gestaltet werden, dass die rationale Entscheidung der Einzelnen mit dem kollektiven Ziel einer lebenswerten Stadt in Einklang gebracht wird.“.

Utrecht

Das Fahrrad steht heute symbolisch für das neue ökologische Zeitalter, in dem fossile Strukturen und Lebensstile zunehmend hinterfragt werden. Er findet es wichtig, dass die Gegnerschaft zwischen Auto und Fahrrad aufgelöst werden muss. „Es geht weder um ein „Wir“ gegen „die anderen“, noch darum, jedes einzelne Auto aus der Stadt zu verbannen….. Es geht darum, ein Verkehrssystem zu erschaffen, in dem jede:r so unterwegs sein kann, wie er oder sie gerne möchte, ohne dafür an Sicherheit oder Komfort einzubüßen.“

Perowanowitsch war mit dem Rad in den schönsten fahrradfreundlichen Städten unterwegs. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber seine Beschreibungen aus den Städten von Paris bis Kopenhagen machen Lust. Lust auf den Film Cycling Cities, um gute Lösungen zu sehen. Aber auch Lust, die Städte vielleicht selber einmal mit dem Rad zu erkunden. Jedenfalls scheint es allen genannten Städten gelungen zu sein, die Lebensqualität für die Menschen durch manchmal auf den ersten Blick sehr drastische Maßnahmen, deutlich zu verbessern.

Kopenhagen. Alle Fotos: Ingwar Perowanowitsch

Paris hat etwa in kurzer Zeit den Autoverkehr dramatisch verringert. Die Strategie der Bürgermeisterin war es, für eine gesunde und sichere Stadt zu kämpfen. Das war sehr wirksam, denn gegen bessere Luft und sichere Straßen lässt sich schwerer mobilisieren als gegen den pauschalen Plan PKW’s zu verdrängen. Im Gegensatz zu den niederländischen Städten, wo der Transformationsprozess über eine lange Zeit ging, hat es Paris geschafft, in wenigen Jahren das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung zu verändern. Es wurden 300 Straßen für den Autoverkehr gesperrt – u.a. auch die Durchzugsstraße im Zentrum entlang der Seine. Dort entstanden neben Rad- und Fußwegen neue Aufenthalts- und Begegnungsräume. Natürlich gab es anfangs auch Sorgen und Gegenwind. Im Nachhinein scheint aber der Großteil der Bevölkerung mit den neuen Bedingungen mehr als zufrieden zu sein. Für uns umgemünzt würde sich niemand mehr die Maria-Theresienstraße in Innsbruck mit Autos und Parkplätzen wünschen. Am neu gestalteten Boznerplatz wird es ähnlich werden.

Abschließend noch ein Zitat von Ingwar Perowanowitsch: „Erst durch den Umstieg vom Auto wird es möglich, Mobilität und Aufenthaltsqualität miteinander zu vereinen. Am Ende ist das Fahrrad aber kein Selbstzweck, es ist das Mittel, um eine lebenswerte, gesunde und klimafreundliche Stadt für alle zu schaffen.“

Ich empfehle das Buch allen, die gerne und viel mit dem Fahrrad in Städten unterwegs sind. Vor allem aber ist das Buch eine klare Empfehlung für alle politischen Entscheidungsträger.

Ich freue mich, euch beim Klimakino am 23.10. um 19:30 Uhr im 10-er Saal zu sehen.
Ein Exemplar des Buches wird beim Kinoabend unter den Besucher:innen verlost.

Klimakino:

Cycling Cities
ein Film von Ingwar Perowanowitsch

Freitag, 23.10.2026 um 19:30 Uhr
10-er Saal Inzing, Kirchgasse 10.

Diesen Artikel teilen:

Peter Oberhofer

Peter ist seit Ende 2012 Redaktionsleiter der DZ. In Inzing ist er außerdem bei der Klimabündnisgruppe engagiert. Umwelt- und Klimaschutz, Energiesparen, öffentlicher Verkehr sind ihm ein wichtiges Anliegen.

Alle Beiträge ansehen von Peter Oberhofer →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert