Vor einiger Zeit wurde ich gebeten Gefahren, die ich entdecke, doch sofort zu melden – was mir im damaligen Zusammenhang nicht wirklich verständlich erschien.
Es macht doch wirklich keinen Sinn jede potenzielle Gefahr, mit der alle mündigen Bürger die ohne Begleitung/Aufsicht das Haus verlassen dürfen, automatisch rechnen müssen täglich zu melden. Welchen Mehrwert erreicht man, wenn man meldet, dass das unachtsame Überqueren von Straßen gefährlich ist? Dass es bei Temperaturen unter 0°C eventuell rutschig sein kann? Dass bei jedem herannahenden Gewitter die Gefahr eines Blitzschlages besteht? Und da könnte noch sehr viel aufgezählt werden.
Es kann folglich nur um Gefahren gehen, die nicht zu erwarten sind. Etwa wenn man irgendwo einen Haus- oder Waldbrand entdeckt, zufällig sieht, dass ein Bach durch einen Erdrutsch aufgestaut wird, was zu einer Mure führen könnte, wenn man sieht, dass ein Kanaldeckel fehlt und das offene Loch am Straßenrand nicht einfach selbst gleich wieder geschlossen werden kann, oder einen „Geisterfahrer“ auf der Autobahn bemerkt. So etwas – und die vielen ähnlichen nicht erwartbaren Gefahren müssen natürlich so schnell wie möglich an der zutreffenden Stelle gemeldet werden (Feuerwehr, Gemeinde, Polizei, …)
Dass bei starken Winden und Stürmen allerdings sehr oft Äste abbrechen oder sogar ganze Bäume umstürzen gab es schon vor der Entstehung der ersten menschenähnlichen Vorstufen unserer Art, das kann somit wohl in keiner Weise unerwartet sein. Wer unter stürmischen Wetterverhältnissen unter Bäumen spazieren geht und nicht schnellstmöglich bei höchster Achtsamkeit den Gefahrenbereich verlässt will das Risiko eindeutig bewusst eingehen. Wenn dann jemand am nächsten Tag einige Äste am Weg liegen sieht, so sind die wohl wirklich keine Gefahr mehr – wohin sollten sie noch weiter fallen? Das kann maximal noch lästig sein, aber nicht mehr. Zudem ist es gleichzeitig sogar noch eine unübersehbare Erinnerung daran, darauf zu achten ob vielleicht noch irgendwo ein weiterer abgebrochener Ast im Baum hängt.
Leider ist bei uns, in Österreich, die Eigenverantwortung viel zu wenig in den Gesetzen verankert. In Deutschland etwa darf man, wie hier auch, jederzeit in den Wald gehen, allerdings geschieht das IMMER AUF EIGENE GEFAHR. Und wegen unserer Gesetzeslage, bei der es nicht so ist, wird bei uns dann auch meistens, als reine Vorsichtsmaßnahme, lieber zu viel abgeholzt oder zurückgeschnitten. Und sobald eine Meldung erfolgt muss man etwas unternehmen um nicht haftbar zu werden. Also eine unsinnige gesetzliche Regelung die, besonders in Schutzgebieten aber auch sonst, zwangsweise in eine Zwickmühle zwischen Landschaftsschutz und Vorsichtsmaßnahmen führt.
Nach kurzer Recherche im Internet konnte ich auch feststellen, dass wir hier ziemlich seltsame Einschätzungen von Gefahren haben. Im Schnitt der letzten Jahre gab es in Österreich jährlich etwa 30-35 Tote bei Unfällen mit Bäumen (ohne jenen bei denen ein Fahrzeug in einen stehenden Baum gefahren ist). Beinahe alle davon geschahen im Verlauf von Schlägerungsarbeiten. Der Straßenverkehr forderte alleine im ersten Vierteljahr 2026, also in nur drei Monaten, mit 64 Verkehrstoten (laut ÖAMTC-Schätzung von Anfang April) schon beinahe doppelt so viele Opfer. Trotzdem hat niemand (oder fast niemand) Angst in ein Auto zu steigen. Laut Statista Österreich erfolgten bei uns im Jahr 2024 ungeheure 1331 Suizide (1026 Männer und 305 Frauen) – und das war bei weitem kein Jahr mit besonders vielen!
Vielleicht sollte man sich doch mehr auf jene Bereiche konzentrieren, um deutliche Besserungen zu erreichen, wo auch weit mehr erreicht werden kann und im täglichen Leben das Hirn nicht völlig ausschalten, sondern zumindest zeitweise verwenden. Die hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben können, aber mit ein wenig Aufmerksamkeit können doch die meisten Gefahren sehr stark reduziert werden.

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