Dieser Beitrg erschien (leicht gekürzt) am 8. April 2026 als Leserbrief in der Tiroler Tagezeitung. Die Veröffentlichung in der DZ Inzing ist als Aufruf gedacht, an der Kundgebung am 11. April 2026, 14.00 Uhr ff zur Unterstützung des von Abschiebung bedrohten Geschwisterpaares in Innsbruck bei der Annasäule teilzunehmen.
L.St.
Wir leben in einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Den allermeisten Menschen geht es gut oder sehr gut – dank eines effizient ausgebauten Sozialsystems und einer relativ harmonischen Atmosphäre in Bezug auf das menschliche Zusammenleben. Das heißt nicht, dass alles perfekt wäre. Es gibt natürlich auch bei uns Menschen, die z.T. große Sorgen haben, denen aber aufgrund des öffentlichen und privaten Engagements in den meisten Fällen effektiv geholfen werden kann. Und das ist gut so (auch wenn manche meinen, dass dies in viel zu großem Ausmaß geschehe, was uns à la longue ruinieren könne).
In diesem Licht erscheint der Umgang mit dem Fall des afrikanischen Geschwisterpaares, das nach dem Willen der politisch Verantwortlichen demnächst nach Nigeria abgeschoben werden soll (da dort kein Fluchtgrund vorläge und man nur noch warte, bis die nigerianische Botschaft die Einreisepapiere unterschreibe), absolut unverständlich.
Victoria und Joseph Oshakuade kamen 2018 als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (15 und 13 Jahre alt) nach Tirol. Sie besuchten ein sehr renommiertes Gymnasium in Innsbruck, studieren aktuell am MCI und haben beide einen Job. Mehr an Integration geht nicht, zumal sie auch der eigenartigen Forderung der Integrationsministerin Bauer, wonach MigrantInnen auch die regionalen Dialekte lernen sollten, in der perfekten Anwendung der Tiroler Umgangssprache gerecht werden. Doch die zuständigen politischen Entscheidungsträger, Innenminister Karner und Frau Bauer, sind nicht gewillt, einen Millimeter vom Buchstaben des Gesetzes abzuweichen. Und so droht den jungen Menschen nach Ablehnung von drei Asylanträgen die Abschiebeng nach Nigeria, wozu beide keine Beziehung mehr haben.
Bei allen Problemen, die es im Zusammenhang mit Migration gibt, erschreckt dieser geradezu diametral anders gelagerte Fall sehr. Gesetze geben einen Rahmen vor – aber es gibt auch Situationen, bei denen ein menschlich-moralischer Kompass der politisch Mächtigen zur Geltung kommen sollte, was im vorliegenden Fall aufgrund der gegebenen Umstände absolut geboten wäre.

Daher der dringende Appell an Minister Karner und Co, in diesem Fall – so wie von einer von mehr als 32000 Personen unterschriebenen Petition und mehreren politischen Vertretern von Bund und Land Tirol [u.a. auch vom Tiroler FPÖ (!!)-Chef Abwerzger] gefordert – einer humanitären Lösung durch Zuerkennung eines ebensolchen „Bleiberechts“ für Victoria und Joseph nachzukommen!!

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