Bereits zum fünften Mal wurde im Mai 2026 ein Journalismusfest unter dem Motto „Ein Wochenende mit Aussicht“ veranstaltet.

In einem sehr bunten Reigen von Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Ausstellungen und Bühnenperformances wurde vom 8.-10. Mai wieder ein hochinteressantes Programm geboten, das tiefe Einblicke in die Medienwelt und -gestaltung mit den großen Herausforderungen (Druck von verschiedenen gesellschaftlich-politischen Kräften, den Sozialen Medien…) gewährte und anhand von Augenzeugenberichten von verschiedenen globalen Brennpunkten die große, weite Welt für einige Zeit in Innsbruck hautnah erlebbar werden ließ.
Als Vorbild für diese großartige mediale (im doppelten Wortsinn) Initiative fungiert das seit 2007 in Ferrara vom Wochenmagazin „Internazionale“ organisierte Festival mit JournalistInnen aus aller Welt.
Fast 8000 Interessierte haben heuer in Innsbruck diverse Veranstaltungen besucht. Ob allerdings jede/jeder – zwar bei strahlendem Wetter – gemäß dem Veranstaltungsmotto ein „aussichtsreiches“ Erlebnis für sich verbuchen konnte, sei dahingestellt. Für mich persönlich ist dieses Maiwochenende immer ein dick im Kalender vermerkter Pflichttermin, der mit großem Informationsgewinn und vielen emotionalen Momenten verbunden ist. Ich freue mich schon auf das kommende Jahr, wenn vom 21. bis 23. Mai 2027 das nächste Fest stattfinden wird.
Die Organisation wird von einem gemeinnützigen Verein („Journalismusfest Innsbruck – Verein zur Stärkung von Qualitätsjournalismus, der Informationsfreiheit und der Demokratie“) bewerkstelligt, in dessen Titel auch gleich die hohen Ansprüche der Zielsetzung des Festivals formuliert werden.

Unter der Leitung von Benedikt Sauer war ein achtzehnköpfiges Team mit diversen Aufgaben betraut.
Das Programm umfasste heuer 70 Veranstaltungen, die in folgenden Kategorien angeboten wurden: Ausstellungen, Filme, Bühnenperformances, Gespräche, Lesungen, Podcasts Live, Konzerte, Reporter Slams, Science Notes Events, Stadtspaziergang, Workshops, Journalismusfest für Kids, Festival am Boznerplatz
Die meisten Veranstaltungen fanden bei freiem Eintritt statt.
Der beeindruckende Pool an ExpertInnen
Insgesamt waren heuer 180 JournalistInnen, AutorInnen, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und VertreterInnen verschiedenster Organisationen aus 23 Ländern zu diesem Festival gekommen. Um einen Eindruck von der hochkarätigen Besetzung der diversen Veranstaltungen zu vermitteln, seien hier ein paar Beispiele angeführt (eine sehr persönliche, subjektive Auswahl):
Christoph W. Bauer: Schriftsteller aus Innsbruck, zuletzt veröffentlicht: Lärm. Novelle (Haymon 2026)
Ales Bialiatski: Ein belarussischer Menschenrechtler und Regimekritiker. Erhielt 2022 den Friedensnobelpreis. 2021 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt, kam nach vier Jahren mit 122 weiteren politischen Gefangenen auf Initiative der USA frei. Lebt nun in Oslo.
Chor der Vielfalt:
Ca. 100 Mitglieder (variiert sehr stark) singen im Rahmen von (meist) Benefizkonzerten für Projekte in Afrika, Südamerika, Asien, Europa…
Chorleiter ist seit der Gründung im Jänner 2012 Bernhard Sieberer – ein großartiger Musiker mit einem empathischen Blick zur Förderung von kulturellen, sozialen und menschlichen Bedürfnissen.
Leonhard Dobusch: Professor für Betriebswirtschaft am Institut für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck.
Mitgründer und wissenschaftlicher Leiter des Momentum Instituts in Wien, Mitglied des Generalrats der Österreichischen Nationalbank sowie des ORF Stiftungsrats (Blog:“Neues aus dem ORF“). Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er im Zusammenhang mit dem Fall „Rene Benko“.
Can Dündar: Türkischstämmiger Journalist. TV-Dokus u.a. über die moderne türkische Geschichte und Kulturanthropologie. Er war bis 2016 Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, wurde dann wegen seiner Reportage über die Beteiligung des türkischen Geheimdienstes am Syrienkrieg inhaftiert. 2020 wurde er in Abwesenheit zu 27 Jahren Haft verurteilt. Er schreibt seit August 2016 Kolumnen für DIE ZEIT und dreht Dokumentarfilme für ARTE, ZDF, DW, ARD und hat inzwischen über 40 Bücher (auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Albanisch, Arabisch und Chinesisch erschienen…) geschrieben.
Alexandra Föderl-Schmid: Wirtschaftskorrespondentin der Süddeutschen Zeitung (SZ) für Frankreich. Von 2007 bis 2017 war sie Herausgeberin der österreichischen Tageszeitung Der Standard und ist heute im Board des Reuters Institute for the Study in Journalism in Oxford. Von 2017 bis 2020 war sie SZ-Korrespondentin für Israel und die palästinensischen Gebiete.
Publikationen: Flüchtlinge als Sündenböcke in Europa und Israel (Picus / 2018), Unfassbare Wunder. Gespräche mit Holocaust-Überlebenden in Deutschland, Österreich und Israel (2019)
Nina Horaczek: Politologin, Journalistin, Buchautorin – aktuell Chefreporterin der Wiener Wochenzeitung Falter. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Neue Rechte in Österreich und Europa, Sozialstaat, Migration, Asyl und Frauenrechte. Sie ist Mitbegründerin des länderübergreifenden Recherchenetzwerkes Europe‘s Far Right.
Zuletzt erschienen (gemeinsam mit Co-Autor Walter Ötsch): Wir wollen unsere Zukunft zurück. Streitschrift für mehr Phantasie in der Politik (Westend Verlag 2021)
Jaroslaw Hrytsak: Historiker und Publizist. Er lehrt an der Ukrainisch Katholischen Universität von Lviv (Lemberg) und ist Direktor des Instituts für historische Forschungen an der Nationalen Iwan-Franko-Universität Lviv. Seit 2022 ist er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Ausland
Stefan Kappacher: Tiroler Journalist in Wien. Zunächst Leiter der Wiener Redaktion der Tiroler Tageszeitung, dann beim ORF in verschiedenen Funktionen (TV und Funk), derzeit bei Ö1: verantwortlich für das Ö1-Medienmagazin #doublecheck, nebenberuflicher Blogger (gehoertgebloggt.com)
Claus Kleber: Deutscher Journalist, Jurist und langjähriger Fernsehmoderator. U. a: ARD-Korrespondent in Washington und London, von 2003 bis Ende 2021 Hauptmoderator des „ZDFheute“-Journals“. Autor mehrere Bücher zu transatlantischen Themen, Dokumentarfilme zu globalen Zukunftsfragen (zuletzt: „Trump und das Silicon Valley – Staatsstreich der Tech-Milliardäre“, 2025)
Sebastian Loudon: Verleger von DATUM, dem Monatsmagazin für Politik und Gesellschaft (www.datum.at) und Initiator der DATUM STIFTUNG für Journalismus und Demokratie
Iain Munro: Professor für Führung und Organisation an der Newcastle Business School, Forschungsthemen u.a.: Whistleblowing, Ethik, Macht und Informationskrieg…
Mitherausgeber des Buches „Perspectives in Whistleblowing“ (Bristol University Press), Mitorganisator der Kampagne „Free the Truth“ zur Unterstützung von Julian Assange
Magdalena Modler-El Abdaoui: Beschäftigt sich mit Bildungs-, Diversitäts- und Innovationsfragen in gesellschaftspolitischen Potenzial- und Spannungsfeldern, seit 2022 Programmleiterin der Bildungshäuser Haus der Begegnung / Innsbruck und St. Michael / Matrei am Br.
Peter Nindler: Tiroler Journalist, kurz bei der Kleinen Zeitung und dem Kurier, seit 1992 bei der Tiroler Tageszeitung als Beobachter der politischen Vorgänge in Tirol…
Schwerpunkt: Regional- und Lokaljournalismus, Motto: Berichterstattung ohne Scheuklappen – ob am Fußballplatz oder im Tiroler Landtag
Bastian Obermayer: Reporter und Co-Leiter des 2022 gegründeten deutschen Investigativ-Büros paper trail media, das für den Standard, das ZDF und den Schweizer Tamedia-Verlag arbeitet.
Bekannt wurde Obermayer besonders durch seine Recherchearbeit für die Süddeutsche Zeitung – zusammen mit Frederik Obermaier (Ibiza Affäre, Panama Papers …)
Clara Rauchegger: Assistenzprofessorin für Europarecht und Recht der Digitalisierung an der Universität Innsbruck – mit dem Forschungsschwerpunkt „Regulierung von digitalen Plattformen und von Künstlicher Intelligenz durch die EU“. Mitglied des Digital Science Centers der Universität Innsbruck
Ronna Rísquez: Investigative Journalistin aus Venezuela
Arbeitsschwerpunkte: Gewalt, Migration, Menschenrechte und organisierte Kriminalität in Lateinamerika. Koordinatorin des Mediennetzwerkes Alianza Rebelde Investiga
Rebecca Sandbichler: Freie Journalistin und Veranstaltungsmoderatorin aus Tirol
Ausbildung und erste Engagements in Deutschland (Hessen), u.a. Chefin vom Dienst der Sonderpublikationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nach ihrer Rückkehr nach Tirol war sie jahrelang Chefredakteurin der Tiroler Straßenzeitung 20er.
Paul Scheibelhofer: Assistenzprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck
Forschungsgebiete: Geschlecht und Männlichkeit, Migration und Rassismus sowie Sexualität und Sexuelle Bildung
Merita Shabani: Stellvertretende Chefredakteurin bei baba news, Co-Founderin der baba academy sowie Moderatorin Speakerin (Schweiz).
Sie setzt sich für authentischen, nahbaren und zukunftsorientierten Journalismus ein, der verschiedene Perspektiven sichtbar macht.
Iftach Starik: Jüdischer Kulturjournalist, Musiker und Musiklehrer, der in Österreich, Israel und Palästina tätig ist.
Er verbindet künstlerisches Schaffen mit zivilgesellschaftlichem Engagement. Er ist unermüdlich bestrebt, einen Beitrag zum israelisch-palästinensischen politischen Diskurs und Aktivismus zu leisten, wobei der Schwerpunkt auf Dialog, Menschenrechten und gleichem Rechtsschutz liegt.
Er ist Mitbegründer von Shachaf, einer NGO, die sich dafür einsetzt, für Menschen in Verwaltungshaft ordnungsgemäße Verfahren nach dem allgemeinen Bürgerrecht zu erwirken.
Er betreibt auch einen Online-Blog zu Kultur, Kunst und Politik: „The Utopian Horizon“.
Sarah Wild: Sie war eine Gastgeberin von berüchtigten Underground-Raves in Berlin. Als DJ und Produzentin ist sie von klassischer Disco- und Italo-Musik beeinflusst und hat die Berliner und niederländische Clubszene mit ihrer frischen und einzigartigen Interpretation elektronischer Tanzmusik geprägt.
Mirjam Zadoff: Historikerin, Kuratorin und Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Professorin an den Münchner Universitäten LMU und TUM…
Aktuelle Publikationen: U.a. der Essayband „Gewalt und Gedächtnis. Globale Erinnerung im 21. Jahrhundert“ (2023), „Trotzdem sprechen“ (2024), „Fragile Demokratien. Was freie Gesellschaften bedroht – und was sie zusammenhält“ (2024), „Wie wir überwintern. Den Lebensmut durch die harten Zeiten retten.“ (2025)…
Pussy Riot: Die berühmte Frauenband aus Russland gastierte am 9. Mai 2026 im Treibhauskeller – ein Mix aus Konzert, Kundgebung, Theater, Sprechgesang und Livemusik.
Dabei traf Kunst auf politischen Aktivismus, um Inspiration für ein anderes Russland zu geben.
Quelle: https://www.journalismusfest.org/mitwirkende/
bb
Die Veranstaltungsorte
Mit Blick auf das umfangreiche Programmangebot beim Innsbrucker Journalismusfest ist die Tatsache, dass alle Veranstaltungsorte konzentriert im Stadtzentrum verteilt und somit leicht zu Fuß erreichbar sind, ein weiterer Attraktivitätsbonus.

bb
Persönliche Highlights
Aufgrund der Vielzahl der Veranstaltungen – konzentriert auf drei Tage – ist es unumgänglich, eine individuelle Auswahl zu treffen. Auf der Basis meiner Präferenzen möchte ich hier kurz ein paar Präsentationen vorstellen:
(1) Eröffnung des Festes im „Treibhaus“ (das auch als Organisationszentrale fungierte) mit anschließender Diskussion über die Situation im Iran



Nach der Eröffnung durch Teamleiter B. Sauer ergriffen u.a. LH-Stellvertreter Philip Wohlgemuth und BM Johannes Anzengruber das Wort, wobei sie ihre große Wertschätzung für diese Veranstaltungsinitiative zum Ausdruck brachten. Auch Vizekanzler Andreas Babler meldete sich per Videoschaltung mit anerkennenden Worten aus Wien.
Im anschließenden Gespräch zum Thema „Steht ein Regimewechsel im Iran bevor?“ befragte die Moderatorin Gemma Terés Arilla (taz Panter Stiftung) die in Berlin im Exil lebende Iranische Wirtschaftsjournalistin Mahtab Qolizadeh und den Journalisten und Analysten Omid Rezaee (Volontariat ZEIT Online mit Schwerpunkten Iran, Naher Osten und Migration) zur Situation im Iran, wobei der Fokus des Gesprächs v.a darauf gerichtet war, wie die Zivilbevölkerung mit dieser sehr schwierigen Situation zurechtkommt.

Mahtab und Omid waren sich einig, dass die Macht derzeit im Land besonders in den Händen der Revolutionsgarde liege, weil diese im Bezug auf die Wirtschaft (Arbeitsplätze, Betriebsbesitzstrukturen…) das absolute Sagen hätte. Sie waren unterschiedlicher Meinung, was die zivile Opposition anlangt: Während Mahtab glaubte, dass der Sohn des letzten Schahs, Cyrus Reza Pahlavi, die Chance hätte, die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu vereinen, würde Omid nicht ein repressives (Mullah) Regime durch den Nachkommen des ehemaligen Potentaten (mit vielleicht ähnlichen Zielvorstellungen) ersetzen wollen.
In Bezug auf die Berichterstattung über den laufenden Krieg haben die DiskutantInnen mehrfach darauf hingewiesen, dass man den kolportierten Zahlen (Verletzte, Tote, Wanderbewegungen etc.) weder der einen (USA, Israel) noch der anderen Partei (Revolutionsgarde) Glauben schenken könne, wodurch es zu starken Verzerrungen der Realitäten käme – zumal auch persönliche Kontakte zu Familien und Freunden im Iran durch das Abschalten der Internetverbindungen fast unmöglich gemacht würden…


(2) Am Freitagnachmittag fand in der Stadtbibliothek eine interessante und aufschlussreiche Diskussion zum Thema „Europas digitale Souveränität: Zwischen Wunschdenken und Machbarkeit“ statt.
Mit Leonhard Dobusch (Wirtschaftswissenschaftler, Universität Innsbruck), Clara Rauchegger (Institut für Theorie und Zukunft des Rechts und Digital Science Center, Universität Innsbruck), Markus Breitenecker (Medienmanager, ehemals ProSieben/Sat.1 – bewibt sich aktuell für den Posten des ORF-Genaraldireltors ) und Stefan Kollinger (Innovation Officer des ORF) war das Podium prominent besetzt (siehe Liste der ExpertInnen). Die Diskussion wurde von N. Zeitel-Bank und A. Kraxberger geleitet.

Aufschlussreich war die Kombination aus wissenschaftlichen Erkenntnissen (VertreterInnen der Uni) und dem praktischen Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Medienwelt (Vertreter von TV-Sendern). Das Thema ist – wie wir alle wissen – sehr komplex. Eine Wiedergabe der Diskussion würde den Rahmen dieses Artikels bei Weitem sprengen.

Ein Statement, dem alle TeilnehmerInnen am Panel zustimmen konnten, brachte eindrucksvoll zum Ausdruck, dass die digitale Welt – neben all den Problemen, die damit verbunden sind – sehr viele Vorteile für die Menschen offeriert, wenn sie unter Wahrung menschenrechtlicher Ansprüche gestaltet wird.
ss
(3) „Österreichs Medienpolitik unter der Lupe“ – so der Titel einer Diskussion im Studio 3 des ORF Tirol am Freitagabend
Unter der Leitung von Stefan Kappacher (ORF, Wien) diskutierten Florian Gasser (Wiener Büro / DIE ZEIT), Petra Stuiber (DER STANDARD), Barbara Tóth (FALTER) und Marco Witting (TT) die Frage, inwieweit die Berichterstattung in unserem Land unabhängig von der Politik ist / sein kann. Ein sehr brisantes, aber enorm wichtiges Thema. Der Skandal um die Regierungsinserate in heimischen Blättern, um in den Zeitungsberichten gut wegzukommen, ist noch in frischer Erinnerung und juristisch nicht endgültig geklärt. Zudem schwinden Werbemöglichkeiten für die Printmedien immer mehr durch die Konkurrenz von Medienplattformen.

Aktuell gibt es politische Bemühungen, durch eine neu zu etablierende bzw. definierende Medienförderung die journalistische Arbeit unabhängiger zu machen.

Einen relativ breiten Raum nahmen auch die aktuellen Probleme beim ORF ein. Als Insider konnte Stefan Kappacher dabei einige interessante Aspekte beleuchten.
(Foto: Daniel Jarosch)
(4) Zeitungsbrunch / Standard-Morgenkritik
In sehr gemütlicher Atmosphäre gaben VertreterInnen der Standardredaktion (Rainer Schüller, Nana Siebert und Petra Stuiber) im Café Munding am Samstagvormittag interessante Einblicke in die tägliche praktische Arbeit von „ZeitungsmacherInnen“.

Unter der Gesprächsleitung von Rebecca Sandbichler wurde u.a. das Thema erörtert, wie man im Rahmen der Redaktionssitzungen zu der Entscheidung gelangt, welches Thema gerade warum auf die Titelseite der aktuellen Ausgabe kommt.
Als Beispiel wurde das sogenannte „Glockner-Drama“ im Jänner 2025 angeführt, wobei eine 33-jährige Salzburgerin am Stüdlgrat unterhalb des Gipfels am Großglockner an Unterkühlung verstarb – vom Partner bei tiefen Temperaturen in der Dunkelheit zurückgelassen, um Hilfe zu holen.
Abschließend wurde die Möglichkeit, Fragen an die RedakteurInnen zu stellen, vom zahlreich erschienenen Publikum (im und vor dem Café) intensiv genutzt.
(5) Iftach Starik: Musiker und Journalist. Engagiert sich für den israelisch-palästinensischen Dialog
Dieses am Samstag um die Mittagszeit im Claudiasaal auf Englisch geführte Gespräch – geleitet von Inge Günther (Korrespondentin in Israel-Palästina) – war für mich das emotional am meisten berührende Erlebnis des Journalismusfestes.
Ich habe in letzter Zeit mehrere kritische Publikationen von Israelischen Autoren (Moshe Zimmermann, Gideon Levy u. a.) gelesen, die einen Blick auf beide Seiten des Nahost-Konfliktes werfen, aber habe noch nie einen jüdisch-israelischen Menschen so engagiert über die Verbrechen sowohl der palästinensischen Organisationen (Hamas, Hisbollah…) als auch der Israelischen Regierung unter der Führung des wegen Korruption angeklagten Ministerpräsidenten Netanjahu und seiner rechten „Recken“ im Kabinett (Smotrich, Ben-Gvir…) reden hören. Zwar gibt es auch in der Zivilbevölkerung viel Widerstand gegen die aktuellen politischen Vertreter im Land, aber der Musiker und Kulturjournalist I. Starik geht deutlich weiter: Er nimmt nicht nur seine Regierung in die Pflicht, sondern appelliert auch an die westlichen Staaten (besonders Deutschland, Österreich), klar Stellung zu beziehen und die Menschenrechtsverletzungen (z.B. palästinensische BürgerInnen ohne Verhandlung monatelang in israelische Gefängnisse zu stecken und teilweise dort zu foltern) oder Kriegsverbrechen (z.B. im Gazastreifen) beim Namen zu nennen.
Um sein beeindruckendes Engagement für die jüdisch-israelisch-palästinensische Verständigung zu intensivieren, hat Iftach vor Kurzem die NGO Shachaf [Möwe] mitgegründet. Er lebt derzeit in Wien.
(6) Das Festival am Bozner Platz

Auf dem neu gestalteten Bozner Platz wurde alle drei Tage während des Festivals ein sehr buntes Programm geboten:
(1) Ein Magazin Kiosk
(2) Interviewtraining mit der Tiroler Journalismusakademie
(3) Persönliche Witzeberatung mit Georg Cadeggianini
(4) Meet your Magazine: In diesem Rahmen wurde von VertreterInnen verschiedener Medien über deren Arbeit berichtet:
taz, Datum, DIE ZEIT, DOSSIER und die Straßenzeitung 20er

Ivan Horvarth (im Bild links) berichtet über die oft schwierige Aufgabe, die Straßenzeitung an die Frau/den Mann zu bringen. Er ist ein bekanntes Gesicht in dieser Funktion (Standort „Eingang BH Tyrolia“).
Darüber haben wir in der DZ Inzing vor einiger Zeit auch einen Artikel veröffentlicht: https://blog.dorfzeitung-inzing.at/hommage-an-den-20er-die-beste-tiroler-zeitung/
(5) Livemusik
(6) Und einiges mehr…
bb
Fazit
Ein Besuch beim nun schon traditionellen Journalismusfest in Innsbruck kann allen an aktuellen Ereignissen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene Interessierten nur wärmstens empfohlen werden. Die Vielfalt der Themen, die fachliche Kompetenz der Beteiligten und das künstlerische Rahmenprogramm geben dem pulsierenden Leben im Zentrum Innsbrucks an diesem Wochenende noch einmal einen besonderen und attraktiven Touch.
„Wer das Journalismusfest Innsbrucknoch nie besucht hat, sollte sich auf die Reise machen.“ (Nina Horaczek, Falter)
Fotos (wenn nicht anders angegeben): Alena Klinger vom Organisationsteam des Journalismusfestes. Dafür ein HERZLICHES DANKESCHÖN!!

von


Lieber Luis,
danke für diesen Bericht, der die Qual der Wahl um so deutlicher macht. Zeitgleich mit dem Journalismusfest finden jedes Jahr die Innsbrucker Wochenendgespräche statt, bei denen 9 Autorinnen und Autoren sich zu einem übergreifenden Thema, heuer „Fernweh“, austauschen. Ich liebe dieses Format, bei dem die Autor:innen viel von sich preisgeben und ganz unterschiedliche Zugänge zu vielen Aspekten des jeweiligen Jahresthemas zeigen. Ich würde diese Gespräche nicht missen wollen, weshalb bei mir das ebenfalls sehr verlockende Journalismusfest regelmäßig zu kurz kommt. Ob man diese Terminkollision entzerren könnte?