25. Mai 2026
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Journalismusfest Innsbruck 2026

Lesedauer ca. 11 Minuten

Bereits zum fünften Mal wurde im Mai 2026 ein Journalismusfest unter dem Motto „Ein Wochenende mit Aussicht“ veranstaltet.

In einem sehr bunten Reigen von Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Ausstellungen und Bühnenperformances wurde vom 8.-10. Mai wieder ein hochinteressantes Programm geboten, das tiefe Einblicke in die Medienwelt und -gestaltung mit den großen Herausforderungen (Druck von verschiedenen gesellschaftlich-politischen Kräften, den Sozialen Medien…) gewährte und anhand von Augenzeugenberichten von verschiedenen globalen Brennpunkten die große, weite Welt für einige Zeit in Innsbruck hautnah erlebbar werden ließ.

Als Vorbild für diese großartige mediale (im doppelten Wortsinn) Initiative fungiert das seit 2007 in Ferrara vom Wochenmagazin „Internazionale“ organisierte Festival mit JournalistInnen aus aller Welt.

Fast 8000 Interessierte haben heuer in Innsbruck diverse Veranstaltungen besucht. Ob allerdings jede/jeder – zwar bei strahlendem Wetter – gemäß dem Veranstaltungsmotto ein „aussichtsreiches“ Erlebnis für sich verbuchen konnte, sei dahingestellt. Für mich persönlich ist dieses Maiwochenende immer ein dick im Kalender vermerkter Pflichttermin, der mit großem Informationsgewinn und vielen emotionalen Momenten verbunden ist. Ich freue mich schon auf das kommende Jahr, wenn vom 21. bis 23. Mai 2027 das nächste Fest stattfinden wird.

Die Organisation wird von einem gemeinnützigen Verein („Journalismusfest Innsbruck – Verein zur Stärkung von Qualitätsjournalismus, der Informationsfreiheit und der Demokratie“) bewerkstelligt, in dessen Titel auch gleich die hohen Ansprüche der Zielsetzung des Festivals formuliert werden.

Unter der Leitung von Benedikt Sauer war ein achtzehnköpfiges Team mit diversen Aufgaben betraut.

Das Programm umfasste heuer 70 Veranstaltungen, die in folgenden Kategorien angeboten wurden: Ausstellungen, Filme, Bühnenperformances, Gespräche, Lesungen, Podcasts Live, Konzerte, Reporter Slams, Science Notes Events, Stadtspaziergang, Workshops, Journalismusfest für Kids, Festival am Boznerplatz

Die meisten Veranstaltungen fanden bei freiem Eintritt statt.

Der beeindruckende Pool an ExpertInnen

Insgesamt waren heuer 180 JournalistInnen, AutorInnen, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und VertreterInnen verschiedenster Organisationen aus 23 Ländern zu diesem Festival gekommen. Um einen Eindruck von der hochkarätigen Besetzung der diversen Veranstaltungen zu vermitteln, seien hier ein paar Beispiele angeführt (eine sehr persönliche, subjektive Auswahl):

Die Veranstaltungsorte

Mit Blick auf das umfangreiche Programmangebot beim Innsbrucker Journalismusfest ist die Tatsache, dass alle Veranstaltungsorte konzentriert im Stadtzentrum verteilt und somit leicht zu Fuß erreichbar sind, ein weiterer Attraktivitätsbonus.

Quelle: Programmheft „Journalismusfest Innsbruck“ (Grafik: Maria Markt-Stecher)

Persönliche Highlights

Aufgrund der Vielzahl der Veranstaltungen – konzentriert auf drei Tage – ist es unumgänglich, eine individuelle Auswahl zu treffen. Auf der Basis meiner Präferenzen möchte ich hier kurz ein paar Präsentationen vorstellen:

(1) Eröffnung des Festes im „Treibhaus“ (das auch als Organisationszentrale fungierte) mit anschließender Diskussion über die Situation im Iran

Nach der Eröffnung durch Teamleiter B. Sauer ergriffen u.a. LH-Stellvertreter Philip Wohlgemuth und BM Johannes Anzengruber das Wort, wobei sie ihre große Wertschätzung für diese Veranstaltungsinitiative zum Ausdruck brachten. Auch Vizekanzler Andreas Babler meldete sich per Videoschaltung mit anerkennenden Worten aus Wien.

Mahtab, Omid und Frau Arilla (von li nach re) / Foto: L. Strasser

(2) Am Freitagnachmittag fand in der Stadtbibliothek eine interessante und aufschlussreiche Diskussion zum Thema „Europas digitale Souveränität: Zwischen Wunschdenken und Machbarkeit“ statt.

Mit Leonhard Dobusch (Wirtschaftswissenschaftler, Universität Innsbruck), Clara Rauchegger (Institut für Theorie und Zukunft des Rechts und Digital Science Center, Universität Innsbruck), Markus Breitenecker (Medienmanager, ehemals ProSieben/Sat.1 – bewibt sich aktuell für den Posten des ORF-Genaraldireltors ) und Stefan Kollinger (Innovation Officer des ORF) war das Podium prominent besetzt (siehe Liste der ExpertInnen). Die Diskussion wurde von N. Zeitel-Bank und A. Kraxberger geleitet.

Breitenecker, Dobusch, Rauchegger, Kollinger, Kraxenberger (von li) / Foto: L. Strasser

Aufschlussreich war die Kombination aus wissenschaftlichen Erkenntnissen (VertreterInnen der Uni) und dem praktischen Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Medienwelt (Vertreter von TV-Sendern). Das Thema ist – wie wir alle wissen – sehr komplex. Eine Wiedergabe der Diskussion würde den Rahmen dieses Artikels bei Weitem sprengen.

Ein Statement, dem alle TeilnehmerInnen am Panel zustimmen konnten, brachte eindrucksvoll zum Ausdruck, dass die digitale Welt – neben all den Problemen, die damit verbunden sind – sehr viele Vorteile für die Menschen offeriert, wenn sie unter Wahrung menschenrechtlicher Ansprüche gestaltet wird.

 (3) „Österreichs Medienpolitik unter der Lupe“ – so der Titel einer Diskussion im Studio 3 des ORF Tirol am Freitagabend

Unter der Leitung von Stefan Kappacher (ORF, Wien) diskutierten Florian Gasser (Wiener Büro / DIE ZEIT), Petra Stuiber (DER STANDARD), Barbara Tóth (FALTER) und Marco Witting (TT) die Frage, inwieweit die Berichterstattung in unserem Land unabhängig von der Politik ist / sein kann. Ein sehr brisantes, aber enorm wichtiges Thema. Der Skandal um die Regierungsinserate in heimischen Blättern, um in den Zeitungsberichten gut wegzukommen, ist noch in frischer Erinnerung und juristisch nicht endgültig geklärt. Zudem schwinden Werbemöglichkeiten für die Printmedien immer mehr durch die Konkurrenz von Medienplattformen.

Florian Gasser, Petra Stuiber, Stefan Kappacher, Barbara Tóth, Marco Witting (von links)

Aktuell gibt es politische Bemühungen, durch eine neu zu etablierende bzw. definierende Medienförderung die journalistische Arbeit unabhängiger zu machen.

Einen relativ breiten Raum nahmen auch die aktuellen Probleme beim ORF ein. Als Insider konnte Stefan Kappacher dabei einige interessante Aspekte beleuchten.

(Foto: Daniel Jarosch)


(4) Zeitungsbrunch / Standard-Morgenkritik

In sehr gemütlicher Atmosphäre gaben VertreterInnen der Standardredaktion (Rainer Schüller, Nana Siebert und Petra Stuiber) im Café Munding am Samstagvormittag interessante Einblicke in die tägliche praktische Arbeit von „ZeitungsmacherInnen“.

Petra Stuiber, Rainer Schüller, Nana Siebert, Rebecca Sandbichler (von links) – Foto: L Strasser

Unter der Gesprächsleitung von Rebecca Sandbichler wurde u.a. das Thema erörtert, wie man im Rahmen der Redaktionssitzungen zu der Entscheidung gelangt, welches Thema gerade warum auf die Titelseite der aktuellen Ausgabe kommt.
Als Beispiel wurde das sogenannte „Glockner-Drama“ im Jänner 2025 angeführt, wobei eine 33-jährige Salzburgerin am Stüdlgrat unterhalb des Gipfels am Großglockner an Unterkühlung verstarb – vom Partner bei tiefen Temperaturen in der Dunkelheit zurückgelassen, um Hilfe zu holen.

Abschließend wurde die Möglichkeit, Fragen an die RedakteurInnen zu stellen, vom zahlreich erschienenen Publikum (im und vor dem Café) intensiv genutzt.

(5) Iftach Starik: Musiker und Journalist. Engagiert sich für den israelisch-palästinensischen Dialog

Dieses am Samstag um die Mittagszeit im Claudiasaal auf Englisch geführte Gespräch – geleitet von Inge Günther (Korrespondentin in Israel-Palästina) – war für mich das emotional am meisten berührende Erlebnis des Journalismusfestes.

Ich habe in letzter Zeit mehrere kritische Publikationen von Israelischen Autoren (Moshe Zimmermann, Gideon Levy u. a.) gelesen, die einen Blick auf beide Seiten des Nahost-Konfliktes werfen, aber habe noch nie einen jüdisch-israelischen Menschen so engagiert über die Verbrechen sowohl der palästinensischen Organisationen (Hamas, Hisbollah…) als auch der Israelischen Regierung unter der Führung des wegen Korruption angeklagten Ministerpräsidenten Netanjahu und seiner rechten „Recken“ im Kabinett (Smotrich, Ben-Gvir…) reden hören. Zwar gibt es auch in der Zivilbevölkerung viel Widerstand gegen die aktuellen politischen Vertreter im Land, aber der Musiker und Kulturjournalist I. Starik geht deutlich weiter: Er nimmt nicht nur seine Regierung in die Pflicht, sondern appelliert auch an die westlichen Staaten (besonders Deutschland, Österreich), klar Stellung zu beziehen und die Menschenrechtsverletzungen (z.B. palästinensische BürgerInnen ohne Verhandlung monatelang in israelische Gefängnisse zu stecken und teilweise dort zu foltern) oder Kriegsverbrechen (z.B. im Gazastreifen) beim Namen zu nennen.

Um sein beeindruckendes Engagement für die jüdisch-israelisch-palästinensische Verständigung zu intensivieren, hat Iftach vor Kurzem die NGO Shachaf [Möwe] mitgegründet. Er lebt derzeit in Wien.

(6) Das Festival am Bozner Platz

Foto: Daniel Jarosch (vom Organisationsteam des Journalismusfestes)

Auf dem neu gestalteten Bozner Platz wurde alle drei Tage während des Festivals ein sehr buntes Programm geboten:
(1) Ein Magazin Kiosk
(2) Interviewtraining mit der Tiroler Journalismusakademie
(3) Persönliche Witzeberatung mit Georg Cadeggianini
(4) Meet your Magazine: In diesem Rahmen wurde von VertreterInnen verschiedener Medien  über deren Arbeit berichtet:
taz, Datum, DIE ZEIT, DOSSIER und die Straßenzeitung 20er

Ivan Horvarth (im Bild links) berichtet über die oft schwierige Aufgabe, die Straßenzeitung an die Frau/den Mann zu bringen. Er ist ein bekanntes Gesicht in dieser Funktion (Standort „Eingang BH Tyrolia“).



Darüber haben wir in der DZ Inzing vor einiger Zeit auch einen Artikel veröffentlicht: https://blog.dorfzeitung-inzing.at/hommage-an-den-20er-die-beste-tiroler-zeitung/

(5) Livemusik
(6) Und einiges mehr

Fazit

Ein Besuch beim nun schon traditionellen Journalismusfest in Innsbruck kann allen an aktuellen Ereignissen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene Interessierten nur wärmstens empfohlen werden. Die Vielfalt der Themen, die fachliche Kompetenz der Beteiligten und das künstlerische Rahmenprogramm geben dem pulsierenden Leben im Zentrum Innsbrucks an diesem Wochenende noch einmal einen besonderen und attraktiven Touch.

„Wer das Journalismusfest Innsbrucknoch nie besucht hat, sollte sich auf die Reise machen.“ (Nina Horaczek, Falter)

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Alena Klinger vom Organisationsteam des Journalismusfestes. Dafür ein HERZLICHES DANKESCHÖN!!

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Luis Strasser

Als begeisterter Leser der Printausgabe der DZ hat sich Luis – zusammen mit einem kleinen Team – nach der drohenden Einstellung der Druckversion 2019 dafür eingesetzt, die DZ in irgendeiner Form zu erhalten. Das Resultat ist der nun vorliegende Blog, den er als Redaktionsmitglied und Autor mitgestaltet, was ihm viel Freude bereitet. Seine Schwerpunktthemen: Politik, Bildung, gesellschaftlicher Wandel, Zeitgeschichte…

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Ein Gedanke zu “Journalismusfest Innsbruck 2026

  1. Lieber Luis,
    danke für diesen Bericht, der die Qual der Wahl um so deutlicher macht. Zeitgleich mit dem Journalismusfest finden jedes Jahr die Innsbrucker Wochenendgespräche statt, bei denen 9 Autorinnen und Autoren sich zu einem übergreifenden Thema, heuer „Fernweh“, austauschen. Ich liebe dieses Format, bei dem die Autor:innen viel von sich preisgeben und ganz unterschiedliche Zugänge zu vielen Aspekten des jeweiligen Jahresthemas zeigen. Ich würde diese Gespräche nicht missen wollen, weshalb bei mir das ebenfalls sehr verlockende Journalismusfest regelmäßig zu kurz kommt. Ob man diese Terminkollision entzerren könnte?

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