VORBEMERKUNGEN
Nachdem am Thema dieses Artikels offensichtlich wenig Interesse besteht (etwas mehr als 30 Klicks bei Teil 1), werde ich den zweiten Teil kurzhalten und nur in meinen Augen besonders markante Aussagen von S. Navidi wortgetreu wiedergeben.
Die Aktualität dieses Themas – auch in anderen Teilen der Welt, besonders in Europa offensichtlich – wird am kommenden Sonntag bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt sehr deutlich zutage treten, wenn ein Erdrutschsieg der AFD die demokratischen Kräfte in diesem deutschen Bundesland herausfordern wird.
Man kann nur hoffen, dass die Spaltung der Gesellschaft in unseren Breiten nicht US-amerikanische Dimensionen erreicht (die bemerkenswerterweise von bekannten deutschen Moderatoren wie Markus Lanz in der gleichnamigen Talkshow immer noch hartnäckig in Abrede gestellt bzw. als Medienhype abgetan wird!!) und die demokratischen Kräfte wieder die Oberhand gewinnen bzw. behalten.
– Rassismus ist Bestandteil der amerikanischen Geschichte, genauso wie Völkermord an den Indigenen, Sklaverei und Diskriminierung von Minderheiten. (S. 130)
– Wie Alex Ross in seinem Artikel `How American Racism Influenced Hitler` im New Yorker festgestellt hat, ließen sich die Nationalsozialisten ausgerechnet vom amerikanischen Rassismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts inspirieren. Adolf Hitler habe in Mein Kampf Amerika als den einzigen Staat gelobt, der Fortschritte in Richtung einer primär rassengeprägten Staatsbürgerschaft gemacht habe, indem er bestimmte Rassen von der Einbürgerung ausgeschlossen habe. Darüber hinaus hob er anerkennend hervor, dass weiße Siedler in Amerika Millionen von Rothäuten auf einige hunderttausend zusammengeschossen hätten. (S. 130)
– Die Gründe für den erstarkenden Populismus sind vielfältig. Nach dem Zweiten Weltkrieg pflegten konservative und liberale Gesellschaftsschichten eine ähnliche Vision einer globalisierten Welt.Im Laufe derzunehmenden Digitalisierung gingen jedoch immer mehr Arbeitsplätze verloren. (S. 149)
– Die auf Gegenseitigkeit basierenden gesellschaftlichen Banden haben angefangen, sich aufzulösen, und der Gesellschaftsvertrag bröckelt. Das Streichholz, das die sich zusammenbrauende Polarisierung zur Explosion brachte, war Donald Trump.(S. 151)
– Die Coronapandemie hat den Verfall der Umgangsformen auf den Siedepunkt getrieben.
… Präsident Trump und Teile seiner Administration hetzen die verunsicherten Menschen noch weiter auf. (S. 152)
– Dies ist … die Indoktrinierung der Bevölkerung mit der amerikanischen Ideologie als mentale Waffe, damit sie sich widerspruchslos in ihr Schicksal fügt. Den meisten armen Amerikanern kommt durch diese ideologische Denkschranke kaum in den Sinn, dass sie vielleicht übervorteilt worden sein könnten. (S. 162)
– Republikaner fühlen eine geradezu göttliche Berufung, Amerika wieder zu dem zu machen, was es einmal gewesen sein soll. Zu ihren erklärten Zielen gehört die Rückkehr zu `traditionellen christlichen Werten`. Diese scheinheilige Deklaration ist nichts anderes als ein in Moral gekleideter Unterdrückungsversuch mit dem Ziel, die Hierarchie der Vergangenheit, geordnet nach Rasse, Klasse und Geschlecht, zurückzubringen. Gleichzeitig ermöglicht es ihnen diese Haltung, sich als moralische Instanz zu inszenieren und verächtlich auf die `verlotterten` Demokraten herabzuschauen. (S. 164)
– Es ist verblüffend, dass ausgerechnet Trump für die reaktionären Rechten der Inbegriff der Männlichkeit ist.Trump verfügt weder über Rückgrat noch über Integrität. Er wurde mit einem silbernen Löffel geboren, ist übergewichtig, unsportlich, hat sich vor dem Wehrdienst gedrückt, braucht endlos viel Zeit und Haarspray für seine kuriose Frisur und trägt dickes Makeup. Seine Frauen betrog er am laufenden Band und beruflich schlitterte er von einer Pleite in die nächste. (S. 179)
– Das republikanische Frauenbild ist schnell erklärt: Frauen sollen sich in ihre von Gott vorgegebene Rolle als Mutter und Hausfrau fügen und Männern gebührend Respekt erweisen. (S. 180)
– Republikanische Eltern sind der Auffassung, dass sie und nicht der Staat bestimmen sollten, was in Schulen gelehrt wird. S. 190 [vgl. Aussagen der AFD im Vorfeld der Wahlen in Sachsen-Anhalt, wonach in deutschen Schulen weniger Hitler und viel mehr Bismarck gelehrt werden soll. L. Str.]
– Parallel zu dem Antisemitismus in den USA gibt es Bestrebungen, die Darstellung des Holocaust zu verharmlosen. (190)
– Die meisten Beschwerden richteten sich gegen Bücher, die von nicht-weißen Autoren und solchen aus der LGBTQ-Gemeinschaft verfasst worden sind. (S. 191)
– Die Aufgeschlossenheit der Republikaner für Gewalt, Schusswaffenund Tod liegt auch in der von ihnen favorisierten Ideologie des Sozialdarwinismus und ihrer religiösen Prägung, insbesondere der Dominion-Theologie. (S. 200)
[`Dominion Theology` oder `Dominionismus` beziehen sich auf eine politische Ideologie im Umfeld des `Christlichen Fundamentalismus` in den USA. Dabei geht es um eine christliche Verantwortung bei der Gestaltung des Staates vor der Wiederkunft Christi. / L. Str.]
– Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der weiße Evangelikalismus in den Vereinigten Staaten immer weiter ausgebreitet und erstreckt sich nunmehr auch auf die Kultur und Politik. (S. 208)
– Für die Evangelikalen ist Trump von Gott auserwählt und als messianische Gestalt dazu bestimmt, vor dem Untergang der Welt noch einmal so viele Seelen wie möglich zu retten. (S. 211)
– Lange schon hat die Bewegung des `Christian Nationalism`, also des weißen christlichen Nationalismus, unter der Oberfläche geschwelt. In letzter Zeit sind die Anhänger immer lautstarker hervorgetreten, vor allem, um Wähler zu mobilisieren. … Mittlerweile bezeichnet der Begriff einen populistischen christlichen Glauben, nach dem den Weißen die politische und religiöse Vorherrschaft gebührt.(S. 213)
– Der amerikanische Exzeptionalismus beruht für die Dominionisten auf Gottes Willen, wonach Amerika als eine christliche Nation gegründet worden sei. Alle, die die biblischen Werte nicht respektierten und die moralische Ordnung beispielsweise durch die Einräumung von Frauenrechten und die Legalisierung von Abtreibung und gleichgeschlechtlichen Ehen bedrohten, seien Feinde, die es zu bekämpfen gelte, weil sie die weiße Mittelklasse bedrohten. Nur die Republikaner könnten den kulturellen Zusammenbruch noch verhindern. (S. 214)
– Es ist ein dystopisches Szenario: `Menschen, die in Armut dahinsiechen und Kriminalität, Gangs und Drogen ausgeliefert sind. Eine trostlose Umgebung mit heruntergekommenen Fabriken, die wie Grabsteine anmuten. Schmerz und Verzweiflung`. Dies war das Bild, das der neue Präsident Donald Trump bei seiner Antrittsrede am 20. Januar 2017…zeichnete. Es gipfelte in der Zusicherung, dass diese Apokalypse nun ein Ende hätte. … Vier Jahre später, am 6. Januar 2021: Chaos, Zerstörung, Gewalt und Tod. Auf Aufforderung von Präsident Trump versammelten sich Tausende seiner Anhänger vor dem Kapitol. Viele von ihnen gehörten zu rechtsextremen Milizen, zur QAnon-Bewegung und radikalen christlichen Gruppen. In Kampfmontur rotteten sie sich zusammen, durchbrachen unter Schlachtrufen die Sicherheitsabsperrungen, prügelten auf Polizisten ein und verschafften sich Zutritt zum Kapitol. (S. 219)
– Noch nie gab es in der Geschichte der USA einen Präsidenten, der ungehindert so viele Gesetze und Normen gebrochen, das Land zutiefst gespalten und ihm so viel Schaden zugefügt hat, wie Donald Trump. Allerdings wäre dies niemals möglich gewesen, ohne die Wegbereitung und geradezu sklavische Unterstützung der Republikaner. (S. 220)
– Die Befürworter liberaler Werte und eines friedlichen Nebeneinanderlebens tun sich schwer damit zu verstehen, dass es einen bestimmten Anteil in der Bevölkerung gibt, der fundamental andere Werte als der Rest der Gesellschaft vertritt. Nicht alle teilen das Ideal des friedlichen Zusammenlebens einer bürgerlichen Gesellschaft und den Konsens unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung. Sie sehen in Intoleranz eine Tugend, definieren sich durch Abgrenzung von anderen, insbesondere Minderheiten, finden Erfüllung im Widerstand, haben eine tolerante Haltung gegenüber Gewalt und wollen sich aggressiv über andere hinwegsetzen. Typischerweise hegen sie einen übersteigerten Nationalstolz, sind für Abschottung und gegen Freihandel. (S. 235)
– In ihrem Buch `How Democracies Die` legen die Autoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt dar, dass die meisten autokratischen Bewegungen nach dem Ende des Kalten Krieges nicht durch Militärs mit einem Coup, dem Ausrufen des Kriegsrechts oder Aussetzen der Verfassung begonnen wurden, sondern an der Wahlurne ihren Anfang nahmen, wie beispielsweise in Venezuela, Georgien, Ungarn, Nicaragua, auf den Philippinen, in Polen, Russland, Sri Lanka, der Türkei und der Ukraine geschehen. (S. 269)
Zum Schluss noch ein Literaturhinweis:
Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben, edition suhrkamp – SV, 2026
Der bekannte deutsche Philosoph spannt einen weiten historischen Bogen, um herauszufinden, ob etwa Alexander der Große, Caesar und andere bekannte Potentaten der Geschichte Vorbilder für die Autokraten der Gegenwart sind. Dabei wandelt er gewissermaßen auf Machiavellis Spuren, wenn dieser in seinem bekanntesten Werk „Der Fürst“ zum Schluss kommt, dass „ein Herrscher, der sich behaupten will, lernen muss, nicht gut zu sein“. In diesem Sinne sind die aktuellen Despoten wie Donald Trump, Wladimir Putin, Narendra Modi oder Xi Jinping sehr gelehrige Schüler…

von
Die Ursache für die geringe Anzahl an „Klicks“ ist hoffentlich nicht mangelndes Interesse, sondern die Sehnsucht nach Themen, die der Psyche besser tun beim aktuellen Weltgeschehen.
Der Titel ist zwar sehr treffend, aber vielleicht auch etwas abschreckend(?)
Ich fand den Artikel äußerst interessant und erkenne sehr viele Parallelen zum Geschehen in sozialen Medien. Dort werden Ideologien, wie du sie aus dem Inhalt dieses Buches aufgelistet hattest, massenweise verbreitet. Diese werden dann leider oft völlig unreflektiert auch in privaten Gesprächen wiederholt und so zur „Normalität“, was fatale Wirkung haben könnte.
Danke für diese interessante Buchvorstellung!
Grüße, Ernst
Schade, dass diese zwei Beiträge anscheinend nicht viel Interesse geweckt haben. Ich habe sie als sehr interessant empfunden, kann sich ein durchschnittlicher Europäer doch die für uns oft wirren und völlig unlogischen Denkweisen der US-Amerikaner (das betrifft wirklich fast nur die USA und nicht den großen Rest Amerikas) nicht erklären und diese auch in keiner Weise nachvollziehen.
Vermutlich ist da auch der allgemeine Bildungsstand der Bevölkerungsmehrheit und die durchgehende Indoktrinierung die schon im Kleinkindalter beginnt und nie endet mitschuldig.