27. August 2026
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40.000 menschliche Skelette als Dekoration einer Kapelle

Dekoration aus 40.000 menschlichen Skeletten
Lesedauer ca. 3 Minuten

Eines gleich vorweg: man wird es nicht schaffen, diese einzigartige Sehenswürdigkeit im rund 70 km östlich von Prag gelegenen Sedlec, einem Stadtteil von Kutna Hora/Kuttenberg, allein zu besichtigen. Zu groß ist die Bekanntheit dieses skurrilen Bauwerks. Und trotzdem ist man beim Betreten des Untergeschosses der Friedhofskirche Allerheiligen tief ergriffen und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die Innenausstattung und Dekoration der Kapelle wurde nämlich aus den Knochen von rund 40.000 menschlichen Skeletten geschaffen. Trotz der vielen Besucher, herrscht eine Stille Atmosphäre in diesen surrealen Raum.

Menschenknochen dominieren den surrealen Raum. Alle Fotos: Johann Jenewein

Kuttenberg wurde im 12. Jahrhundert als Bergmannssiedlung gegründet. Sie entwickelte sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts zu einer der wohlhabendsten Städte Böhmens. Durch den Silberbergbau und die Prägung der Prager Groschen war sie nach Prag die zweitgrößte Stadt Böhmens.

In früheren Jahrhunderten befand sich an der Stelle der Friedhofskirche Allerheiligen ein Zisterzienserkloster. Nach der Legende reiste der Abt des Klosters im Jahr 1278 nach Jerusalem. Bei seiner Rückkehr brachte er eine Handvoll Erde vom Golgota-Hügel mit und verstreute sie auf dem Friedhof. Damit galt dieser als „Geweihte Erde“, wo Menschen aus ganz Europa begraben sein wollten. Eine weitere Welle von Bestattungen, vielfach in Massengräbern, gab es durch die Pestepidemie im 14. Jahrhundert und die Hussitenkriege Anfang des 15. Jahrhunderts.

Friedhofskirche Allerheiligen

Die zweigeschossige Friedhofskirche wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut und die Überreste der dabei exhumierten Toten im Untergeschoss eingelagert. Dieses findet seither als Beinhaus oder Ossarium Verwendung. In weiterer Folge wurde der Friedhof verkleinert und die Exhumierung fortgesetzt. Dies geschah nach der Überlieferung durch einen halbblinden Zisterziensermönch, der vom etwa 3,5 ha großen Friedhof rund 40.000 Skelette zusammentrug und im Ossarium stapelte. Nun ruhten die Toten über mehrere Jahrhunderte aufgehäuft an dieser Stelle.

Girlanden aus Menschenknochen zieren die Kapelle

Nach der Auflösung des Klosters während der Zeit Joseph II. im Jahr 1783 übernahm die Fürstenfamilie Schwarzenberg die Patronanz über die Allerheiligenkirche. 1870 beauftragte sie den Holzschnitzer František Rint mit ihrer Neugestaltung. Dieser desinfizierte und bleichte die Knochen und schuf daraus Kunstwerke wie Girlanden, Kelche, Altäre und Monstranzen, die den Besucher bis heute zum Staunen bringen.

Achtarmiger Kronleuchter
Wappen der Familie Schwarzenberg

Im Zentrum der Kapelle hängt ein monumentaler achtarmiger Kronleuchter, der sogleich den Blick auf sich zieht. In ihm sind alle Arten der menschlichen Knochen verarbeitet. Auch ein komplett aus Knochen nachgebautes Wappen der Familie Schwarzenberg ziert den Raum. Für das gesamte Inventar benötigte František die Knochen von rund 10.000 Menschen. Der große Rest ist in Seitenschiffen der Kapelle zu vier riesigen konischen Haufen aufgetürmt.

In Haufen aufgetürmte Menschenknochen

Der Raum vermittelt trotz der tausenden Knochen nicht den Eindruck eines Gruselkabinetts, sondern regt zum Innehalten an. Die Totenschädel und Knochen des Beinhauses Sedlec transportieren die barocke Botschaft des Memento mori – „Bedenke, dass du sterben wirst“ und erinnern eindringlich an die Vergänglichkeit des Lebens.

Fotos: Johann Jenewein

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Johann Jenewein

Johann lebt seit 2001 in Inzing. Die Print-Ausgabe der DZ hat er immer zur Gänze gelesen und hat auch immer wieder Beiträge verfasst. In seinem Privatleben ist er seit 22 Jahren Redakteur einer österreichweit erscheindenden almwirtschaftlichen Fachzeitschrift. Sein größtes Hobby ist das Fotografieren. Seit 2007 ist er Obmann des Kamera-Club Inzing. Seine Leidenschaft ist auch das Erstellen von vertonten Reise- und Multivisionsschauen.

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