11. August 2026
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Was bringt’s?

Foto: Gerd Altmann, Pixabay
Lesedauer ca. 4 Minuten

Durch die aktuellen Hitzewellen und die damit verbundene Wasserknappheit bei uns und durch die Berichterstattungen der Waldbrände in ganz Europa bekommt die Frage nach der Wirksamkeit von Maßnahmen gegen den Klimwandel wieder ein besonderes Gewicht. Die Dringlichkeit ist ohnehin bekannt. Ich wurde durch einen Instagram-Beitrag von „Doktor Whatson“ inspiriert, der Frage „was es bringt“ ein weiteres Mal nachzugehen. Eigentlich ist diese Frage schon sehr oft diskutiert worden. Interessanterweise ist laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2021 die Einschätzung der Bevölkerung zu diesem Thema aber eher ungenau. Also scheint es sich zu lohnen, hier genauer hinzuschauen – zumal sich die Klimakrise und der Temperaturanstieg mittlerweile deutlich beschleunigen. (Siehe: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2026-03/klimawandel-erderwaermung-studie-klimakrise-geophysical-research-letters).

Nun zu dem erwähnten Instagram-Beitrag. Der Autor ist Cedric Engels, ein deutscher Filmemacher, der die drängenden Themen der Zeit auf Youtube und Instagram sehr plakativ und auf den Punkt gebracht aufbereitet. Vor allem junges Publikum kann er damit erreichen. Er holt sich Infos aus wissenschaftlichen Arbeiten und versucht mit Quellenangaben die Echtheit seiner Aussagen zu untermauern. In diesem Fall bezieht er sich einerseits auf die bereits genannte britische Studie, um zu zeigen, dass die Einschätzung der Leute oft falsch ist.
https://www.ipsos.com/sites/default/files/ct/news/documents/2021-04/global-advisor-earth-day-perils-of-perception-environment-gb.pdf

In dieser Studie wurden neun ausgewählte Maßnahmen von der Bevölkerung nach Wichtigkeit eingestuft und nach Wirksamkeit gereiht. Recycling oder der Kauf von Energie aus erneuerbaren Quellen lagen nach der Einschätzung der Teilnehmer:innen ganz vorne, noch vor dem Kauf eines E-Autos oder dem Autoverzicht.

Doktor Whatson verweist im gleichen Instagrambeitrag auch auf einen Bericht des World Ressouces Institute (WRI) mit dem Titel „The Effective Impact of Behavioral Shifts in Energy, Transport, and Food“.

https://www.wri.org/research/effective-impact-behavioral-shifts

Hier werden viele Maßnahmen nach Wirksamkeit gegen den Klimawandel (im Wesentlichen geht es um die Reduktion der Treibhausgase) gelistet und bewertet.

Aus beiden Quellen hat Doktor Whatson die folgende Liste erstellt. Die genannten Maßnahmen beziehen sich auf die Bereiche Mobilität, Energie und Ernährung.

Maßnahmeeingesparte Tonne CO2 pro Person und Jahr
Kompostieren0,03
effiziente Haushaltsgeräte0,08
häufiger selber kochen0,10
weniger Energie im Haus verbrauchen0,18
Tierprodukte reduzieren0,33
weniger Lebensmittelabfälle0,33
in energieeffiziente Wohnung ziehen0,40
Regional-Saisonale Ernährung0,42
Homeoffice statt pendeln0,44
Fahrgewohnheiten ändern (Sprit sparen, Mitfahrgelegenheiten)0,45
vegetarische Ernährung0,52
verbessertes Kochequipment0,55
energetische Sanierung0,67
mehr zu Fuß gehen, Fahrrad fahren, ÖPNV nutzen0,88
vegane Ernährung0,91
E-Auto statt Verbrenner1,12
Erneuerbare Energien zu Haus nutzen und produzieren1,13
weniger Fliegen1,27
Verzicht aufs Auto2,10

Wenig überraschend ist, dass die wirksamsten Maßnahmen aus dem Bereich der Mobilität kommen (Autoverzicht, Flugverzicht, E-Auto). Aber auch bei der Ernährung kann durch vegane oder vegetarische Speisen sehr viel erreicht werden. Erneuerbare Energie spielt ebenfalls eine große Rolle. Zur Einordnung: im Durchschnitt emittieren die Österreicher:innen etwa 13 Tonnen CO2-Äquivalente. Die Werte, die hier angegeben sind, sind Richtwerte und können im Einzelfall natürlich deutlich abweichen. Ich finde es wichtig zu erwähnen, dass nicht alle Punkte für alle gleich einfach umzusetzen sind. Einige Maßnahmen hängen auch stark von der jeweiligen Lebenssituation ab. So kann jemand der in einer Mietwohnung lebt, nicht seine Wohnung energetisch sanieren. Macht euch bitte selber ein Bild von dieser Aufstellung.

Grundsätzlich kann man sagen, alles was uns von fossilen Treibstoffen wegbringt, macht uns unabhängiger und schützt zusätzlich vor den aktuellen Preissteigerungen von Öl, Gas oder Benzin und Diesel.

Michael Bilharz, ein deutscher Witschafts- und Sozialwissenschafter hat vor etlichen Jahren vor allem drei Maßnahmen herausgegriffen, die er als Wesentlich einschätzt. Das war damals die Energetische Sanierung des Hauses/der Wohnung, der Bezug von Ökostrom und das „Dreiliterauto“ (heute müsste es eher das E-Auto sein). Er hat diese Punkte gewählt, da er es als zielführend erachtet, dass die Maßnahmen, sobald man sie einmal umgesetzt hat, von alleine wirken. Beim Konsum muss man bei jeder Kaufentscheidung erneut überlegen, was man nimmt. Ist das Haus saniert oder energieeffizient gebaut, verbraucht man ganz automatisch weniger Energie, ohne immer wieder neu entscheiden zu müssen. Hat man sich zudem noch für zertifizierten Ökostrom entschieden, wirkt es doppelt.

Natürlich muss vor allem auch die Politik die Rahmenbedingungen schaffen und die großen Unternehmen sollten ihren Anteil übernehmen, damit wir die Treibhausgase in einem Ausmaß reduzieren können, der die Klimaerwärmung eindämmt. Nur wenn alle im jeweiligen Wirkungsbereich agieren, kann uns noch ein Stabilisieren der Erderhitzung gelingen. Warum die Politik weiterhin so zögerlich ist, verstehe ich nicht.

Mein Gefühl ist, dass wir mit der aktuellen Bundesregierung sogar Rückschritte machen. Einiges wurde abgeschafft (Förderungen, Klimabonus), einiges wurde deutlich teurer (Klimaticket), etliches hat man beibehalten (klimaschädliche Subventionen). Im heurigen Bericht des Climate Change Performance Index liegt Österreich auf Platz 35 von insgesamt 67 Ländern. Im letzten Berichtszeitraum 2025 lagen wir noch auf Platz 23. Die Kommentare und Empfehlungen zum Österreichischen Ergebnis sind eigentlich beschämend:

Das Land erhält schlechte Bewertungen in den Kategorien Treibhausgasemissionen und Klimapolitik, eine mittlere Bewertung bei den erneuerbaren Energien und eine sehr schlechte Bewertung beim Energieverbrauch.

Die CCPI-Länderexperten verweisen auf die positive Entwicklung bei der Reduzierung der Treibhausgasemissionen in den letzten Jahren, die vor allem auf politische Maßnahmen wie Subventionen für den Heizungstausch, die Förderung von Elektrofahrzeugen und Initiativen in anderen Bereichen zurückzuführen ist. Sie äußern jedoch Bedenken, dass die neue Bundesregierung in allen klimapolitischen Bereichen Rückschritte macht. Österreich befürwortet internationale Emissionsgutschriften und untergräbt damit das EU-Klimaziel für 2040. Zudem wurden die Haushaltsmittel für den Ausbau erneuerbarer Energien nur zurückhaltend bereitgestellt.

Unter der neuen Regierung wurden klimaschädliche Subventionen für fossile Brennstoffe erhöht. Auch der zur Kompensation der CO2-Bepreisung eingeführte Klimabonus wurde abgeschafft; Experten kritisieren dies als faktische Steuererhöhung, die die Akzeptanz der CO2-Bepreisung erheblich schmälere. Damit entfällt zugleich ein wesentlicher finanzieller Ausgleich für einkommensschwache Haushalte.

Eine der Hauptempfehlungen der Kommission ist, dass Österreich dringend ein wirksames Klimaschutzgesetz erlassen soll. Einzig bei den Erneuerbaren Energiequellen liegt Österreich durch die Wasserkraft recht gut. Bei den Energiekategorien ohne Wasserkraft ist Österreich jedoch weit abgeschlagen. Unter anderem das vehemente Schlechtreden von Windenergie macht sich hier deutlich bemerkbar.

Wenn man die Entwicklung der Treibhausgase der letzten Jahre zwischen Österreich und dem bestbewerteten Staat Dänemark vergleicht, sieht man auf einen Blick, dass wir in Österreich großen Aufholbedarf haben. Wie schon oft geschrieben: wir werden für diese Politik sicher noch zur Kasse gebeten. Die EU-Ziele sind inzwischen wohl unerreichbar.

Österreich stagniert seit den 1990-er Jahre fast auf gleichem Niveau und ist damit vom vorgegebenen Zielpfad weit entfernt. Quelle: CCPI 2026

Dänemark hat seine Treibhausgase seit den 1990-er Jahren fast auf ein Drittel gesenkt. Quelle: CCPI 2026

Ich hoffe sehr, dass wir in Österreich wieder besser auf den „Paris“-Pfad gelangen können. Und ich hoffe weiterhin, dass unsere Politiker und Politikerinnen das Thema Klimawandel in Zukunft ernsthafter und konsequent angehen. Es geht meiner Meinung nach nicht um die Entscheidung zwischen Klimaschutz oder Wirtschaft. Ich bin überzeugt, Klimaschutz und Wirtschaft muss gemeinsam gemeistert werden.

Weitere Infos:

Artikel aus unserem Blog – Klimaneutral leben.

Ergebnis des CCPI im Detail:

Wer ist Doktor Whatson:

https://www.stifterverband.org/insights/forschung-innovation/wissenschaftskommunikation/der-gewissenhafte-doktor-whatson

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Peter Oberhofer

Peter ist seit Ende 2012 Redaktionsleiter der DZ. In Inzing ist er außerdem bei der Klimabündnisgruppe engagiert. Umwelt- und Klimaschutz, Energiesparen, öffentlicher Verkehr sind ihm ein wichtiges Anliegen.

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