18. Februar 2026
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Die Dorfzeitung feiert ihren 40. Geburtstag

Mit diesem Apple wurde einst die DZ erstellt.
Lesedauer ca. 7 Minuten

„Wir alle werden täglich mit einer Fülle an Information konfrontiert. In erster Linie geht es dabei um Sensationen und Berichte über das Weltgeschehen. Aber wer berichtet über Interessantes und Wichtiges aus unserem unmittelbaren Lebensraum, unserem Dorf? Wissen wir nicht mehr über Weltpolitik, gesellschaftliche Großereignisse, Fußballweltmeisterschaften etc. als über Ereignisse, die auf Gemeindeebene stattfinden und für das dörfliche Zusammenleben oft von entscheidender Bedeutung sind. Gerade diesen Mangel versuchen wir durch unsere Berichterstattung wett zumachen.“ Dies sind die ersten Zeilen, die ein junges Team rund um die Gemeinderatsliste Arbeitskreis Lebensraum Inzing (juf) in ihrer ersten Ausgabe der Dorfzeitung Inzing im Editorial geschrieben hat. Das Redaktionsteam bestand damals aus Martin Dejakum, Bernhard Ernst, Hannes Gstir, Genoveva Kahr-Graf, Othmar Schärmer und Thomas Schöpf. Diese Einleitung ist heute noch so aktuell und wichtig, wie zum ersten Erscheinen dieser Zeilen. Die Medienlandschaft hat sich allerdings deutlich verändert. Heute ist Information in einer Fülle und in so unterschiedlicher Qualität vorhanden, dass sie Empfänger oft eher im Unklaren lässt, als dass sie aufklärt und sachlich informiert. Durch Soziale Medien und Künstliche Intelligenz verstärkt sich diese Entwicklung nochmals in sehr hoher Geschwindigkeit.  

Erste Ausgabe der DZ:
https://blog.dorfzeitung-inzing.at/wp-content/archiv/1986/1_1986.pdf

Die Dorfzeitung existiert nun seit 1986, also seit 40 Jahren. Vielleicht ist es das Nischendasein im Dorf, das es uns über diesen langen Zeitraum erlaubt hat und weiterhin erlaubt, sachliche Information mit oft persönlichen Meinungen an die Leser zu bringen. 40 Jahre sind eine unglaublich lange Zeit. In 40 Jahren verändert sich so viel und dennoch scheint die Berichterstattung aus dem nahen Umfeld für das Zusammenleben im Dorf von „entscheidender Bedeutung“ zu sein, wie es schon 1986 formuliert wurde.

Aus der DZ: 1986 beschäftigte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl die Welt. In Inzing startete man die so dringende Sanierung der Gaisau. Tempo 30 auf Inzinger Straßen wird schon vor 40 Jahren in der Dorfzeitung diskutiert.

Die Gaisausanierung war eines der großen Themen in den ersten Ausgaben. Foto: Chronik Inzing

In den 34 Jahren, als die Dorfzeitung in Printform vierteljährlich erschienen ist, war ein wesentlicher Teil der regelmäßige Bericht aus den Gemeinderatssitzungen. Für viele Inzinger:innen war diese Zusammenfassung wohl der einfachste Zugang zu Informationen aus dem politischen Alltag in der Gemeinde. Sehr geschätzt wurden sicherlich auch die vielen Berichte des Chronikteams und jegliche Kulturberichterstattung. Die pointierten Kolumnen Feministische Impressionen von Margit Drexel haben oft zu angeregten Diskussionen und manchmal auch zu bissigen Leserbriefen gesorgt, die Alten Geschichten von Erna Fink waren umso leichter zu genießen. Unvergessen sind für mich auch die Texte von Bernhard (Kammi) Kammerlander. Und noch vieles mehr fand man in den gedruckten Dorfzeitungen. Vielleicht habt ihr spezielle Gedanken zu den Anfängen der Dorfzeitung. Wir freuen uns auf Meinungen in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

Im Folgenden versuche ich ein paar Stimmungen zur Dorfzeitung aus den jeweiligen 10-Jahres-Sonderausgaben herauszufischen und so viele Facetten, wie möglich darzustellen.

Zum zehnten Geburtstag der Dorfzeitung entstanden diese Zeilen: „In einer Zeit allzulauter, machtgieriger Vor- und Für-denker, In einer Zeit gleichgültiger, verantwortungsloser Nicht-denker, In einer Zeit, in der der ständig zunehmende Blätterwald mit seinen sensationsheischenden Negativ- und Gewaltbotschaften eine massive Bedrohung unserer „Innen-welt“ darstellt, In einer Zeit, in der Politikerinnen immer häufiger über die Köpfe der Menschen hinweg Entscheidungen treffen – und demokratische Einbindung als lästig und unbequem empfunden wird, In einer Zeit, in der die Beziehungen im/zum Dorf permanent neu gesucht und gepflegt werden müssen, darf und muss es uns freuen, wenn es „Organe“ der Nachdenklichkeit, Offenlegung und Anregung – und wenn notwendig auch der Aufregung – gibt. Die Dorfzeitung Inzing mag dazu einen kleinen – aber nicht unwesentlichen – Beitrag liefern.“ (Georg Schärmer)

Auch hier sehe ich schon wieder etliche Parallelen zur Gegenwart. Ihr nicht auch? Hat sich etwa in den Jahrzehnten doch nicht so viel verändert?

Aus der DZ: 1996 steht der Neubau des Gemeindeamtes an. Es wird über die Heizung diskutiert. Die Entscheidung zwischen Gas und Hackschnitzel fällt auf Gas. Die Gletschermumie Ötzi wurde am Hauslabjoch entdeckt.

Schützenfest 1995. 2.v.r. Bernhard Ernst. Foto: Chronik Inzing

Ausgabe 2/1996 mit Extrabeiträgen zum 10-jährigen Jubiläum:
https://blog.dorfzeitung-inzing.at/wp-content/archiv/1996/2_1996.pdf

Bereits zu diesem ersten Jubiläum sind in der Dorfzeitung etwa 100 Mitarbeiter:innen, die zum Gelingen des Blattes beigetragen haben, namentlich angeführt.

Bernhard Ernst (Mitgründer und erster Herausgeber) schreibt in dieser Ausgabe: „Das Konzept der Dorfzeitung wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt. War es am Beginn das Einlösen eines Versprechens aus dem Wahlkampf, die Bevölkerung zu informieren, so wurde das Spektrum im Laufe der Zeit Schritt für Schritt erweitert. Heute ruht die Zeitung im Wesentlichen auf drei Säulen. Als wichtigste sind sicher die in der Zwischenzeit zur Institution gewordenen Berichte aus dem Gemeinderat von Christine Scheiber zu nennen. Ergänzt wird diese Berichterstattung durch Notizen und Kommentare zum politischen Leben im Dorf. Als zweite wichtige Säule ist die Information über das Kultur- und Vereinsleben und über gesellschaftliche Entwicklungen zu nennen. Als dritte Säule, und wohl bei einer Mehrzahl der Leserinnen und Leser auch die beliebteste, sind die Seiten des Dorfchronisten anzuführen.

Weitere 10 Jahre später, die Dorfzeitung ist inzwischen zum jungen Erwachsenen mit 20 Jahren geworden, schreibt Hannes Gstir (Gründungsmitglied und langjähriger Herausgeber):Im Rückblick dürfen wir wohl sagen, dass es uns allein mit der Dorfzeitung gelungen ist, Inzing ein wenig besser zu machen. Ich konnte die DZ von Anfang an begleiten. Zunächst als Schreiber, dann einige Jahre – bedingt durch eine zeitweise Übersiedlung nach Innsbruck – nur als Leser, und ab 1994 ganz hautnah als Mitherausgeber, zunächst mit Christine Scheiber und seit einigen Jahren mit Brigitte Scott. In diesen letzten 20 Jahren hat sich nicht nur die Welt um uns herum ziemlich verändert. Auch die Dorfzeitung Inzing hat eine Wandlung hinter sich. 1986 gegründet als das Informationsblatt der GR-Liste juf entwickelte sie sich zunehmend hin zu einer Zeitung mit Informationen und Berichten über die Dorfpolitik ebenso wie über Vereine, Einrichtungen und das Dorfgeschehen im Allgemeinen…. Mit dieser Vielfalt an MitarbeiterInnen und Inhalten ist es uns gelungen, eine breite Leserschaft anzusprechen und zu halten. So liegt die DZ heute bei einer Auflage von 500 Stück.“

Aus der DZ: 2006 wird in Inzing der Tück-Montag abgeschafft. Die Lehntalverbauung wird 2005 beschlossen und ab 2006 im Detail geplant und vorgestellt.

Seifenkistlrennen beim Dorffest 2007. Bürgermeister Kurt Heel und Pfarrer Andreas Tausch. Foto: Hannes Gstir

20-Jahres Sonderausgabe:
https://blog.dorfzeitung-inzing.at/wp-content/archiv/2006/DZ06-2-Beilage-20Jahre.pdf

Und einen äußerst interessanten Kommentar schreibt damals (nach 20 Jahren) Helmuth Schönauer: „Mittlerweile hat sich die Zeitungslandschaft in Tirol radikal geändert. Seit die überregionalen Blätter zu einem reinen Anzeigendummy verkommen sind, wird den Gemeindezeitungen große Aufmerksamkeit entgegengebracht. Nicht nur, weil „zwischen Tschernobyl (Anm.: erste Ausgabe der DZ 1986) und Gaisau“ alles angesprochen wird, was sonst vielleicht nirgends steht, die Gemeindezeitung berichtet mit Stolz und Wohlwollen von ihren Mitbürgern, so dass niemand Angst haben muss, dass er vielleicht bei einer Schandtat entdeckt wird.“

Wieder vergehen 10 Jahre, die Dorfzeitung wird inzwischen in Farbe gedruckt. Die Abozahlen haben sich auf gutem Niveau bei etwa 300 eingependelt.

Georg Oberthanner (Redaktionsleiter und langjähriger Mitarbeiter der Dorfzeitung) schreibt u.a. auf den Jubiläumsseiten zum 30-er: „Auch in Inzing funktioniert diese unverzichtbare Gemeinschaft von Freiwilligen, die sich aus Eingesessenen und Zugezogenen zusammensetzt. Von den in Gemeindepolitik, Kirche, Sozialvereinen, Kultur- und Sportvereinen Tätigen sind alle mit großem Einsatz um unser Dorf bemüht. Auch die Dorfzeitung trägt seit nunmehr 30 Jahren mit Informationen und Unterhaltung zum Bild Inzings als aktive, vielfältige, aufgeschlossene Gemeinde nicht unbeträchtlich bei.“

Brigitte Scott (Herausgeberin und Autorin seit Jahrzehnten) formuliert es mit Hannes Gstir gemeinsam im Vorwort so: „Die DZ wird zur Gänze in ehrenamtlicher Arbeit und ohne Gewinnabsicht erstellt. Sie finanziert sich ausschließlich über Werbung und den Verkauf: Die DZ Inzing gibt es, weil und solange die Menschen sie lesen wollen und ihnen das etwas wert ist. Seit ihrem Bestehen kommt die DZ vollkommen ohne öffentliche Förderungen aus und konnte sich somit ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit bewahren.

Aus der DZ: 2016 wird in Inzing mit der Sanierung der Pfarrkirche begonnen. Die Regionsbuslinie zwischen Telfs und Zirl startet.

30 Jahre Dorfzeitung:
https://blog.dorfzeitung-inzing.at/wp-content/archiv/2016/DZ_16-3.pdf

Kultur war und ist immer schon ein Schwerpunkt in der Dorfzeitung. Die MK Inzing bei Dreharbeiten mit Lukas Ladner. Foto: MK Inzing

Drei Jahre später wird die Printausgabe der Dorfzeitung eingestellt, u.a. da die Gemeinde inzwischen eine ebenso vierteljährliche Zeitung mit ähnlichem Inhalt herausbringt. Die Gemeinderatsberichte in der Dorfzeitung waren somit obsolet. Daher wurden bei mehreren Treffen in intensiven Gesprächen Versuche gestartet, die Dorfzeitung in irgendeiner Form weiterzuführen. Als Ergebnis startete ein neu formiertes Team mit viel Enthusiasmus und Energie das Projekt Blog dorfzeitung Inzing.

Letzte Printausgabe:
https://blog.dorfzeitung-inzing.at/wp-content/archiv/2019/DZ_2019-4.pdf

Hannes Gstir verabschiedet sich mit einer positiven Sicht in eine ungewisse (Dorfzeitungs-)Zukunft wie folgt: „Ich wünsche den Träger:innen der DZ neu – wie immer sie letztlich heißen wird – in unser aller Interesse viel Erfolg. Demokratie lebt vom Austausch von Meinungen, von kontroversen Diskussionen und vom Finden von Gemeinsamkeiten. Ich bin überzeugt, dass der Blog dazu einen wichtigen Beitrag leisten wird. Die Weiterführung der Dorfzeitung Inzing schaut also nicht ganz so aus, wie ich es mir vor einigen Jahren noch vorgestellt habe. Dennoch kann ich mich über diese Wandlung der Dorfzeitung und über die damit verbundenen neuen Möglichkeiten aufrichtig freuen.

Die Ära der Dorfzeitung in Printform in Zahlen:

„Die Dorfzeitung Inzing besteht seit Mitte 1986, das sind über 33 Jahre. Es wurden 134 Ausgaben mit drei Sonderbeilagen produziert. Insgesamt wurden 4114 Seiten erstellt, was bei einer durchschnittlichen Auflage von 350 Stück in etwa 1,5 Millionen gedruckter Seiten entspricht. Es waren fünf Herausgeber:innen und sieben Redaktionsleiter:innen am Werk. Inklusive aller Autor:innen und Fotografen haben mindestens 250 Menschen an der Dorfzeitung mitgearbeitet. Wahrscheinlich sind es sogar über 300 Personen. Die jüngsten Autor:innen waren wohl Schüler:innen der Volks- und Hauptschule bzw. der NMS mit ca. 10 Jahren, der älteste Schreiber war jedenfalls Hans Pairst, der noch im Alter von über 100 Jahren Artikel beigesteuert hat. Die beiden Jahre mit den meisten erstellten Seiten waren 2015 und 2016. Ab 2017 trat erstmals ein Rückgang bei den verkauften Zeitungen auf, auch die Anzahl der gelieferten Artikel der Schreiber:innen ging gleichzeitig leicht zurück. Wenn man schätzt, dass in einer Ausgabe etwa 50 Stunden Aufwand stecken, sind es über 6700 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit, was etwa vier Arbeitsjahren entspricht. Ich denke, das „Projekt“ Dorfzeitung Inzing war einzigartig in seiner Form als unabhängiges Blatt, das über 33 Jahre stets verlässlich und pünktlich erschienen ist, das keinerlei öffentliche Mittel benötigt hat und für jeden als Plattform für Meinungen und Berichte zur Verfügung gestanden ist. In der neuen Form als Blog wird zwar kein Papier mehr erzeugt, aber die freie Meinungsäußerung für Alle steht weiterhin im Fokus.“ (Peter Oberhofer)

Redaktionsleitung:
Greti Preyer 1990 – 1991
Georg Oberthanner 1992
Martin Dejakum 1993 – 1995
Martin Spiegl 1996 – 1998
Renate Pühringer 1998 – 2011
Rita Ertl 2011 – 2013
Peter Oberhofer seit 2013

Layout:
Thomas Schöpf
Bernhard A. Ernst
Othmar Schärmer
Manfred Kreuz
Alois Hurmann / Rödlach
Felizitas Puelacher
Karl Heinz Wellenzohn
Martin Spiegl
Robert Pisch seit 2008.

Herausgeber:innen:
Bernhard A. Ernst 1986 – 1994
Thomas Schöpf 1987 – 1989
Christine Scheiber 1994 – 2004
Hannes Gstir seit 1994
Brigitte Scott seit 2005

Dass der Blog inzwischen auch schon sechs Jahre besteht, zwei Artikel pro Woche veröffentlicht und die erste Million an Seitenaufrufen zu verzeichnen hat, konnte Ende 2019 noch niemand ahnen.

Darüber haben wir vor zwei Wochen im Detail berichtet:

Wir hoffen nun auf weitere Jahrzehnte Dorfzeitung. Das nächste Jubiläum wäre dann der 50-er im Jahr 2036.

Alle Ausgaben der Dorfzeitung Inzing seit 1986 sind über diesen Link abrufbar:

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Peter Oberhofer

Peter ist seit Ende 2012 Redaktionsleiter der DZ. In Inzing ist er außerdem bei der Klimabündnisgruppe engagiert. Umwelt- und Klimaschutz, Energiesparen, öffentlicher Verkehr sind ihm ein wichtiges Anliegen.

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Ein Gedanke zu “Die Dorfzeitung feiert ihren 40. Geburtstag

  1. Vielen Dank, lieber Peter, für diese informative und hochinteressante Zusammenstellung. Dass man im Blog auch Links einbauen kann, genieße ich sehr, so habe ich in diesem Beitrag die DZ zur 10-Jahres-Feier 1996 ganz neu entdeckt, damals lebte ich noch in England und wusste nicht, dass es Inzing überhaupt gibt.
    Beim Einstellen der Printausgabe war ich traurig, aber die Entwicklung des DZ Blogs finde ich sehr erfreulich und schätze die Vielfalt der Beiträge und die neuen technischen Möglichkeiten (z.B. in deinem Beitrag über Jazz mit Musikbeispielen).

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