Dieses Mal stelle ich eine Inselgruppe vor der Nordküste Schottlands vor – die Orkneys: Ein Archipel aus über 70 Inseln, von denen die meisten unbewohnt sind, die dem Besucher jedoch eine große Vielfalt an Erlebnissen bieten.
Die größte Insel heißt Mainland. Dieser Name gibt uns bereits einen Hinweis darauf, dass die Orcadians sich als Träger einer eigenen Identität sehen. Als ich Orkney zum ersten Mal besuchte, sagte unsere Gastgeberin in einer Farm-Bed-and-Breakfast-Unterkunft nahe Stromness zu ihrem Mann an dem Tag, an dem wir abreisten: „Sie fahren zurück nach Schottland.“
Was man bei einem Besuch der Orkney-Inseln vorfindet, ist eine einzigartige Mischung aus schottischer und skandinavischer Kultur. Warum ist das so? Weil die Inseln bis ins 15. Jahrhundert unter skandinavischer Herrschaft standen.
Die Hauptstadt ist Kirkwall, Stromness eine andere wichtige Stadt. Beide wirken eher skandinavisch als schottisch und zeichnen sich durch die große Zahl unabhängiger Geschäfte aus.
Was haben die Orkney-Inseln zu bieten? Ihre einzigartige Kultur, eine reiche jungsteinzeitliche Geschichte, ein starkes Wikingererbe, dramatische Küstenlandschaften und eine vielfältige Tierwelt.
Wann ist die beste Reisezeit?
Jederzeit von Ostern bis zum Ende des Herbstes.
Anreise
Mit dem Flugzeug
Loganair bietet Flüge nach Kirkwall ab Aberdeen, Dundee, Edinburgh, Glasgow und Inverness an. www.loganair.co.uk
Mit der Autofähre
NorthLink Ferries bieten Verbindungen von Aberdeen nach Kirkwall (über Nacht) sowie von Scrabster an der Nordküste nach Stromness an (bis zu 6 Abfahrten pro Tag, die Überfahrt dauert 90 Minuten). www.northlinkferries.co.uk
Pentland Ferries verkehren von Gills Bay an der Nordküste nach St Margaret’s Hope auf South Ronaldsay. Von dort sind es 20 Minuten Fahrt über die Churchill Barriers bis zur Hauptinsel Orkney (Mainland): www.pentlandferries.co.uk
Die Website enthält außerdem einen hilfreichen Reiseführer zur Erkundung der Inseln, der auch auf Deutsch verfügbar ist.
Fortbewegung vor Ort
Sie können Ihr Auto oder Wohnmobil mit auf die Inseln nehmen, aber sowohl Autos als auch Wohnmobile können auch vor Ort gemietet werden. Außerdem können Fahrräder ausgeliehen werden, was eine gute Möglichkeit ist, Orkney zu erkunden. Siehe den Bereich „Plan your trip“ auf www.orkney.com
Auto- und Passagierfähren zwischen den Inseln stehen ebenfalls zur Verfügung. Informationen zu Routen und Fahrplänen finden Sie unter www.orkneyferries.co.uk.
Unterkunft
Auf den Inseln gibt es eine große Auswahl an Unterkünften. Die Website www.orkney.com ist ein guter Ort, um sich einen Überblick über die verfügbaren Angebote zu verschaffen. Sie ist außerdem eine sehr nützliche Informationsquelle für Besucher, mit Empfehlungen zu Sehenswürdigkeiten und weiteren Attraktionen. Siehe auch die folgenden Informationsbereiche:
- Creative Orkney – Kunsthandwerk aus Orkney
- Taste of Orkney – Orkneyer Küche, Cafés und Restaurants
- West Mainland Information
- Welcome to Stromness
Wohin gehen, was sehen…
GESCHICHTE
Das Orkney Museum (siehe www.orkneymuseums.co.uk – scrollen Sie nach unten zu Orkney Museum) bietet eine fundierte Einführung in die Geschichte der Inseln.
Orkney verfügt über eine reiche jungsteinzeitliche Kultur und ein bedeutendes Wikingererbe.
Zu den Höhepunkten gehören:
- UNESCO-Welterbe „Herz des neolithischen Orkney“ mit steinzeitlichen Stätten wie dem Dorf Skara Brae, den Steinkreisen des Ring of Brodgar und den Stones of Stenness. Nach einem Besuch vergisst man Haus Nummer 1 in Skara Brae nie wieder: Vor einem liegt ein vollständig erhaltenes steinzeitliches Wohnhaus mit Feuerstelle, Küchenschrank und Schlafplätzen. Diese Verbindung zu unseren neolithischen Vorfahren ist gleichermaßen beeindruckend wie tief bewegend.
- Maeshowe, ein kammerförmiges Hügelgrab mit Wikinger-Graffitis aus dem 12. Jahrhundert
- Das Wikingererbe zeigt sich außerdem in Ortsnamen, in der Kultur sowie in Bauwerken wie der St.-Magnus-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert in Kirkwall.
Die Wikinger siedelten sich im 8. Jahrhundert erstmals auf Orkney an, und viele Orcadians haben Wikinger-Vorfahren. Die Inseln entwickelten sich zu einem der strategisch wichtigsten Juwelen der skandinavischen Krone und dienten als Handelszentrum, strategische Basis sowie als Ausgangspunkt für Fahrten und Raubzüge. Orkney blieb bis 1468 Teil eines skandinavischen Königreichs, als die Inseln von Christian I. von Dänemark als Mitgift für die Heirat seiner Tochter mit Jakob III. von Schottland an die schottische Krone verpfändet wurden. Die ikonischste nordische Stätte Orkneys ist die beeindruckende St.-Magnus-Kathedrale im Zentrum von Kirkwall.
Der im Renaissancestil erbaute Earl’s Palace in Birsay wurde zwischen 1569 und 1574 von Earl Robert Stewart, dem Halbbruder von Maria Stuart, Königin von Schottland, errichtet. Heute ist er eine beeindruckende Ruine, die dennoch einen Besuch lohnt.
Das Scapa Flow Museum erzählt die Geschichte dieses abgelegenen, aber gewaltigen natürlichen Hafens auf Orkney, der während beider Weltkriege ein Zentrum der britischen Seestreitkräfte war. Hier erfährt man auch, wie der Zustrom von Tausenden von Militärangehörigen das Alltagsleben der Menschen auf Orkney beeinflusste und ein dauerhaftes Erbe im Archipel hinterließ.
Siehe: www.orkneymuseums.co.uk Scrollen Sie nach unten zu Scapa Flow Museum.
Die Italienische Kapelle im Osten der Hauptinsel (East Mainland) wurde von italienischen Kriegsgefangenen errichtet, die während des Zweiten Weltkriegs auf den Orkney-Inseln lebten. Sie verwandelten zwei einfache Baracken in eine wunderschöne Kapelle – ein Zeugnis italienischer Handwerkskunst und unbedingt sehenswert.
Mehr dazu unter: www.orkney.com (Suchbegriff: The Italian Chapel).

GEOGRAFIE
Die Landschaft der Orkneyinseln besteht überwiegend aus niedrigen, sanft geschwungenen Hügeln, mit markanten Klippen an den Westküsten (Hoy, Westray, Mainland) sowie hügeligem Gelände auf Rousay und Mainland. Die Küste ist stark gegliedert und weist tiefe Meeresarme, felsige Ufer und Sandstrände auf, begleitet von starken Gezeitenströmungen. Im Landesinneren gibt es viele kleine Bäche und Seen (Lochs). Aufgrund der starken Windexposition sind Bäume auf den Inseln selten.
Das Klima, beeinflusst vom Golfstrom, zeichnet sich durch milde Winter und kühle Sommer aus. Die fruchtbaren Böden begünstigen die Landwirtschaft. Rinder- und Schafzucht sowie der Anbau von Getreide sind wichtige Bestandteile der Wirtschaft der Inseln.
Weitere Wirtschaftszweige sind die Fischerei (insbesondere Schalentiere), der Tourismus und die erneuerbaren Energien. Orkney ist tatsächlich ein Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energien. Das YouTube-Video Orkney: Leading a green recovery zeigt eindrucksvoll die bemerkenswerten Leistungen dieser kleinen Inselgemeinschaft.
TIERWELT
Orkney besitzt eine einzigartige Tierwelt und ist besonders für seine reichen Seevogelkolonien bekannt, darunter Papageitaucher, Trottellummen und Basstölpel, die an den steilen Klippen nisten. Aufgrund des Fehlens von Fressfeinden wie Füchsen gibt es außerdem besondere bodenbrütende Vogelarten wie Brachvögel und Wiesenweihen. Zu den wichtigsten Säugetieren zählen Fischotter, Robben, Igel, Kaninchen sowie die seltene Große Gelbe Hummel. In den umliegenden Gewässern tummeln sich zudem Delfine, Schweinswale und Wale.
Alle wichtigen Informationen zur Tierwelt Orkneys findest du unter www.orkney.com (Suchbegriff: Nature). Außerdem kannst du eine Bootstour buchen, um einige dieser Tiere zu beobachten – zum Beispiel über www.orcaventures.co.uk.
KULTUR
Das kulturelle Erbe Orcadians zeigt sich in Liedern und Geschichten und wird in der Musik sowie bei Mittsommerfesten gefeiert. Man kann es in Gedichten erleben, zum Beispiel von George Mackay Brown, in Prosawerken aus Orkney und in den Workshops von Künstlern und Handwerkern auf den Inseln. Das Spektrum der auf Orkney hergestellten Handwerkskunst ist beeindruckend, wobei Schmuck ein bedeutendes Produkt darstellt.
Ich habe Orkney zweimal besucht. Bei beiden Gelegenheiten war ich von seinem natürlichen Erbe, seiner Archäologie, seiner Küche und seinen Handwerkskünsten beeindruckt – ganz zu schweigen von der Arbeitseinstellung seiner Bewohner. Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich festgestellt, dass sich die Inseln seit meinem letzten Besuch im Jahr 2005 in all diesen Bereichen weiterentwickelt haben – sowohl in der Zahl der Sehenswürdigkeiten als auch in der Art und Weise, wie sie präsentiert werden. Besonders beeindruckend sind die Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien.
Orkney ist ein großartiger Ort für einen Besuch. Das ist nicht nur meine Meinung: Die Familie Kofler aus Inzing war diesen Sommer dort. Das hatten sie über ihren Besuch zu sagen:
Im August haben wir eine 14-tätige Reise nach und durch Schottland unternommen. Es war ein unvergessliches Erlebnis – auch weil wir bei der Planung die Hilfe unserer Freunde Sandra und Andrew in Anspruch nehmen konnten. Einer der Höhepunkte war ein dreitätiger Aufenthalt auf den Orkneys. Die weiten grünen Landschaften haben uns ebenso beeindruckt wie die zahlreichen archäologischen Stätten. Sie zeigen bedeutende Funde aus der Jungsteinzeit – also ungefähr der Zeit, in der Ötzi gelebt hat.

Unsere Kids haben sich auch an der Eiscreme erfreut, wofür die Orkneys berühmt sind. Und wir haben natürlich auch die Italian Chapel besucht – ein Juwel, welches von italienischen Kriegsgefangenen im zweiten Weltkrieg errichtet worden ist.
Viel Spaß auf deiner Reise!

Alle Fotos: Wolfgang Kofler (mit Frau Eva)

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