In den letzten Jahren habe ich immer wieder in Artikeln auf diesem Blog betont, wie wichtig lebendige, unabhängige Kulturorte für die Region sind – nicht nur in und für Innsbruck, sondern auch für das Umland. Sie schaffen Begegnungsräume, bringen Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen und sind essenziell für einen sozialen Austausch. Kulturorte ermöglichen Teilhabe, laden ein, sich aktiv, als Besucher*in oder Künstler*in, zu beteiligen und fördern so einerseits die Identifikation mit dem Ort und stärken andererseits das Gemeinschaftsgefühl. Sie machen marginalisierte Stimmen sichtbar, was wiederum Empathie und Verständnis für vielfältige Lebensrealitäten schafft. Sie fördern die kulturelle Bildung durch partizipative Formate und vermitteln künstlerische und gesellschaftliche Kompetenzen. Und nicht zuletzt stärken sie die lokale Identität, indem sie Kultur vor Ort erlebbar machen und Bezugspunkte schaffen, die über reine Konsumangebote hinausgehen.
Aus Innsbruck, das durch seine geographische Nähe und dem kulturellen Angebot einer Landeshauptstadt ein wichtiger Bezugspunkt für kunst- und kulturinteressierte Inzinger*innen ist, vernehmen wir unerfreuliche Nachrichten. Offensichtlich muss der etablierte Kulturort „Reich für die Insel“, der sich im Kulturquartier vor dem Landestheater befindet, aus, wie mir scheint, konstruierten ökonomischen Interessen, weichen. Der Innsbrucker Bürgermeister spricht zynischerweise von einem ganzjährigen kulturellen Angebot, das durch eine neue Gastronomie geboten werden würde.
Orte wie das „Reich für die Insel“ sind nicht nur Plattformen für zeitgenössische Kunst, sondern auch Impulsgeber für den kulturellen Austausch und die Vernetzung zwischen Stadt und Land. Gerade für eine Gemeinde wie Inzing, die selbst ein aktives Kulturleben pflegt, sind solche Projekte von großer Bedeutung: Sie zeigen, wie Kultur Leerstände belebt, neue Zielgruppen anspricht und nachhaltige Akzente setzt – sei es durch Ausstellungen, Performances oder interdisziplinäre Kooperationen.
Der Kulturverein Inzing setzt sich seit Jahren für die Förderung von Kunst und Kultur im ländlichen Raum ein. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, Räume für kulturelle Initiativen zu finden und langfristig zu sichern. Das aktuelle Beispiel des „Reich für die Insel“ in Innsbruck ist daher auch ein Warnsignal für uns alle: Wenn selbst etablierte, öffentlich geförderte Kulturprojekte ohne transparente Kriterien und ohne öffentliche Ausschreibung verdrängt werden, stellt das die Wertschätzung von Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft infrage.
Das folgende Statement der „battlegroup for art“ unterstreicht, wie wichtig es ist, sich für den Erhalt solcher Orte einzusetzen – nicht nur in Innsbruck, sondern auch in unseren eigenen Gemeinden.

© Dino Bossnini
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Johannes Anzengruber! Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin Elli Mayr!
Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister Georg Willi!
Sehr geehrte Mitglieder des Kulturausschusses!
Am 13.1.2026 wurde über die Medien kolportiert, dass der etablierte Kunstort Reich für die Insel Artspace seine Heimat verlieren und der Kubus einer kommerziellen Nutzung weichen soll.
Seit 2019 hat das Team des Vereins für projektbasierte Öffentlichkeitsarbeit rund um Severin Obholzer-Sonnewend und Hanna Obholzer aus einer einstigen Gastro-Ruine einen lebendigen Raum für Kunst und Kultur geschaffen, der weit über Innsbruck hinaus bekannt ist. Mit einem diversen und vielfältigen Programm, das sich durch professionell kuratierte Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Lesungen, Performances, Workshops und zahlreiche Kooperationen auszeichnet, wurde aus dem Kubus in den letzten Jahren eine etablierte Institution und ein fixer Bestandteil der lokalen Kunst- und Kulturszene. Von der hohen Qualität des Programms zeugt auch die Subventionierung durch die drei Gebietskörperschaften Stadt Innsbruck, Land Tirol und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport.
Dass dieser Kulturbetrieb nun von der Stadt ohne offengelegte Kriterien und ohne öffentliche Ausschreibung delogiert wird, und die Immobilie an einen bislang nicht genannten Gastronomen vergeben werden soll, stößt in der Kulturszene auf großes Unverständnis. Gegenüber dem ORF (Beitrag Tirol Heute 13.1.2026) und der Tiroler Tageszeitung (14.1.2026) wurde mit einem Bestbieterprinzip argumentiert, allerdings stellt sich hier die Frage, wie es einen Bestbieter geben kann, wo doch keine öffentliche Ausschreibung stattgefunden hat? Anhand welcher Kriterien und durch wen wurde das vom Verein erarbeitete Konzept Die Insel, welches den bestehenden Kunstort um eine Gastronomie samt Gastgarten erweitert hätte, bewertet und als nicht „zweckmäßig“ (Tirol Heute, 13.1.2026) beurteilt?
Gegenüber dem ORF wurde argumentiert, dass ein „ganzjähriger Gastgarten” angestrebt wird, in dem „man sich wohlfühlen kann, und dass im Sinne der Wirtschaftlichkeit und im Sinne der Kultur etwas Tolles entsteht” – an dieser Stelle möchten wir anmerken, dass hier bereits Kulturarbeit auf höchstem Niveau geschaffen und gelebt wurde, wohingegen es uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer fällt, einen „kulturellen Gewinn” (TT, 14.1.2026) in einer reinen gastronomischen Nutzung zu verorten.
Mit dem Zerschlagen des Reich für die Insel Artspace verliert der einst als Kulturquartier vermarktete Rennweg eine wertvolle Kulturinstitution. Das Vorgehen macht sichtbar, dass Kultur in erster Linie als Kostenfaktor und nicht als Motor für eine sinnvolle Stadtentwicklung in diesem „Kulturquartier” betrachtet wird. Wir, die Mitglieder der battlegroup for art, erklären uns solidarisch mit dem Verein für projektbasierte Öffentlichkeitsarbeit und dessen Wirkende Severin Obholzer-Sonnewend und Hanna Obholzer.
Wir fordern eine faire und transparente Reevaluierung der Vergabe des Kubus sowie ein klares Bekenntnis der Stadt zu Kunst und Kultur – insbesondere durch die Sicherstellung des räumlichen und finanziellen Fortbestehens des Vereins.
Unterzeichnet von den Mitgliedern der battlegroup for art (Netzwerk der in Innsbruck tätigen Interessenvertretungen, Plattformen und Zusammenschlüssen aus dem Bereich zeitgenössischer Kunst und Kultur)
aut. architektur und tirol
DIAMETRALE Filmfestival (Forum Österreichischer Filmfestivals)
IG Freie Musikschaffende
IG Freie Theaterarbeit Tirol
Künstler:innen Vereinigung Tirol und Künstler:innenhaus Büchsenhausen
Leokino•Cinematograph (IG Programmkino)
Literaturhaus am Inn & Literaturkalender Innsbruck
p.m.k Plattform mobile Kulturinitiativen
TKI – Tiroler Kulturinitiativen
FREIRAD (verband freier rundfunk österreich)
WEI SRAUM Designforum Tirol
Innsbruck, am 15.1.2026
Die battlegroup for art versteht sich als loser Zusammenschluss (ohne Vereinsstruktur) von Interessenvertretungen und Plattformen der freien, zeitgenössischen Szenen in Innsbruck.
PS: Das Titelbild stammt vom neunten Jenischen Kulturtag, den ich mit der Initiative Minderheiten im September 2025 im Reich für die Insel veranstaltet habe und zeigt die Musiker Rudi Katholnig und Markus Gruber.

von


Es ist wirklich schade, dass das aktuelle Reich für die Insel Konzept an diesem Ort nicht weitergeführt werden soll. Ich habe dort, obwohl ich nicht oft in der Stadt bin, verschiedene interessante Ausstellungen besucht.
Eine davon betraf Skulpturen der aus Inzing stammenden Künstlerin Ursula Beiler. Auf manchen davon konnte man „reiten“ bzw. durch den Raum „fahren“, wofür sich der Raum bestens eignete.