Eine vernachlässigte Fertigkeit, die allen nützen kann
Fast alle von uns haben einmal den Führerschein gemacht und somit auch, als Voraussetzung, einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Wie kann ich da von vernachlässigt schreiben?
Wie lange ist es her, seit ich den letzten (und bei vielen wohl auch den einzigen) Kurs besucht habe? Wie viel davon steckt noch fest in meiner Erinnerung? …
Viele Fragen aber oft keine Antworten. Man braucht es ja – Gott sei Dank – nur selten, und so vergisst man vieles und ist sich nicht mehr sicher. Was, wenn ich etwas falsch mache?
Hier möchte ich ganz klar vorausschicken: Man kann nur eines grundsätzlich falsch machen, nämlich nichts zu tun!
Wer wirklich nicht mehr die geringste Ahnung hat, was wie zu tun ist, oder wer etwa kein Blut sehen kann ist trotzdem imstande viel wertvolles zu tun. Der Unfallort muss eventuell abgesichert werden, damit nicht noch mehr passiert, die Rettung (und eventuell Feuerwehr oder Polizei was allerdings auch intern von der Leitstelle aus erledigt wird) muss verständigt werden. Die Notrufnummer für die Rettung ist 144 oder internationaler Notruf 112 – mit Landesvorwahl, also +43112, auch vom Ausland aus in Österreich, also auf deutsch, und für die Bergrettung 140. Auch ist es immer gut die ankommenden Rettungskräfte einzuweisen, damit es schneller geht.
Außerdem kann man aktiv Helfer suchen, die sich sicherer fühlen und, was auch immer sehr wichtig ist, danach trachten die Situation zu beruhigen und so den Stresspegel aller Beteiligten etwas zu senken. Nur in wenigen Fällen, etwa bei einem akuten Herzinfarkt oder Bewusstlosigkeit, kommt es wirklich auf jede Sekunde an, in der man sich nicht mit dem Patienten selbst beschäftigt.
Jetzt ist es so, dass der verpflichtende Kurs für den Führerschein über sechs Stunden geht (derzeit um etwa 75 Euro), ein Basiskurs in Erster-Hilfe geht über 16 Stunden, halb Theorie halb praktische Übungen (Kosten etwa 100 Euro). Zum Vergleich: Der Rettungssanitäter hat ungefähr 160 bis 200 Kurs- und Übungsstunden, dazu eine ordentliche Anzahl Einsatzdienste als Auszubildender. Dann kommt die natürlich viel häufigere Möglichkeit das Gelernte auch anzuwenden. Trotzdem ist er oder sie verpflichtet jährlich wenigstens 16 Stunden Kurse zur Fortbildung oder Auffrischung zu besuchen – und das ist sehr sinnvoll. Natürlich hat man bei dieser Ausbildung auch mehr Verantwortung und darf/muss auch einiges tun, was der Ersthelfer gar nicht darf. Und trotzdem haben alle von ihnen größten Respekt vor Kindernotfällen.
Eigentlich ist ja gar nicht so viel dabei Ersthelfer zu sein. Bei einer Wunde einen Verband anlegen, blutet sie pulsierend und sehr stark, einen Druckverband, wobei es nicht um einen Schönheitswettbewerb geht, der Zweck muss effektiv erfüllt sein, sonst nichts.
Schocklagerung mit erhöhten Beinen bei Gefahr von Schock (meist Blässe, kalter Schweiß). Schock ist übrigens nicht starkes Erschrecken, sondern zu wenig Flüssigkeit im Kreislauf um diesen aufrecht zu halten. Das Blut rinnt durch geweitete Gefäße in die Beine und Gehirn und Organe werden nicht ausreichend versorgt. Oder die Flüssigkeit staut sich in Brandblasen, allergischer Schock und so fort.
Bei Bewusstlosigkeit (keine Reaktionen, nicht ansprechbar aber Atmung und Puls bestehen) die stabile Seitenlage unter ständiger Kontrolle.
Und dann, im schlimmsten Fall, die Reanimation. Kann alles bisherige auch zuhause geübt werden (wenn man von jemand Fachkundigem bei Fehlern korrigiert wird) kann die Reanimation nur an der Puppe geübt werden – und sie muss immer wieder geübt werden, richtig gemacht ist sie nämlich furchtbar anstrengend. Bei der Herzdruckmassage kann auch ein Neuling recht gut angeleitet werden indem man Hinweise gibt wie, „kräftiger, etwas sanfter, schneller, langsamer“, die Beatmung dagegen wird jemand ungeübtem eher nicht gelingen, weil die Zunge des Patienten den Luftweg versperrt. Da muss man wissen wie es geht. Im Idealfall sollte eine Reanimation zu zweit oder noch besser zu dritt durchgeführt werden, indem man sich nach jeweils drei bis fünf Zyklen von je 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen (gilt für Erwachsene und Jugendliche) abwechselt.
In vielen Gemeindeämtern, Banken und in fast allen größeren Kaufhäusern findet man einstweilen auch Defibrillatoren für den Laien. Viele haben Angst vor diesem Gerät. Diese ist komplett unbegründet. Man wird genau angeleitet: Ein Pad wird über dem Herz auf die Brust geklebt, das Zweite auf den Rücken, das Gerät eingeschaltet und es beginnt zu messen. Nur, wenn das Gerät feststellt, dass ein Elektroschock wirksam sein könnte (also bei Kammerflimmern) kann der Stromstoß überhaupt erst ausgelöst werden. Das einzig wichtige ist nun darauf zu achten, dass niemand den Patienten berührt. Also alle zurücktreten, Stromstoß auslösen und schon weitermachen mit der Reanimation, bis das Gerät Entwarnung gibt, oder einen weiteren Stromstoß vorschlägt. Keine Hexerei und keinesfalls ein Grund für Ängste.
Egal ob man die Erste-Hilfe für die eigene Familie irgendwann braucht, oder für jemand vollkommen unbekannten, sie kann für beide Seiten positiv sein. Der Patient ist so gut wie möglich versorgt und der Helfer hat das schöne Gefühl sein Bestes gegeben zu haben. Wenn er oder sie sich dabei sicher genug fühlt, dann strahlt diese Sicherheit auch aus und kann das stressige Chaos oft schnell beruhigen. Also überlegt, auch im eigenen Sinne, ob nicht vielleicht doch eine Auffrischung wieder einmal gut wäre.

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