30. März 2026
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Foto-Serie – Teil 4: Belichtungszeit

Lesedauer ca. 4 Minuten

Belichtungszeit

Wie bereits angekündigt, soll in diesem Teil besprochen werden, welchen Einfluss die Belichtungszeit bei der Komposition eines Fotos haben kann. Nach allen bisher besprochenen technischen Begriffen wie Brennweite, Blende usw. ist die Belichtungszeit am einfachsten zu verstehen.

Je nach verfügbarem Licht hat der Fotograf mehr oder weniger Spielraum bei der Wahl der Belichtungszeit. Je dunkler, desto eingeschränkter ist man. Heutige Kameras können zwar auch bei schlechtem Licht erstaunlich gute Bildqualität liefern, aber dennoch gibt es Grenzen.

Kurz hatten wir die Belichtungszeit bereits angesprochen. Und zwar bei der Wahl der Blende. Je offener die Blende bzw. je kleiner die Blendenzahl, desto kürzer ist die Belichtungszeit, um ein gut belichtetes Foto zu erhalten. Die kürzest mögliche Belichtungszeit beträgt bei vielen Kameras 1/8000 Sekunde. Ist aber so viel Licht vorhanden, dass noch kürzer belichtet werden müsste, muss stattdessen die Blende verkleinert werden … oder man verwendet ein Graufilter, welches etwas Licht verschluckt. Mit dessen Hilfe kann man trotz reichlich vorhandenem Licht die Blende sehr weit öffnen, um bewusst geringe Schärfentiefe zu erreichen oder sogar Langzeitbelichtungen durchführen zu können.

Soweit der rein technische Aspekt der Belichtungszeit. Wie aber können wir uns als Fotograf verschiedene Belichtungszeiten bei der Bildkomposition zunutze machen?

Sehr kurze Belichtungszeit friert rasche Bewegungen ein.


Sprechen wir zunächst über kurze und sehr kurze Zeiten: Damit können schnelle Bewegungen quasi „eingefroren“ werden. Mit freiem Auge unsichtbare Bewegungsabläufe können durch kurze Belichtungszeiten sichtbar gemacht werden. Sehr kurze Belichtungszeiten können z.B. das Platzen eines Luftballons oder das Aufschlagen eines Regentropfens festhalten. Solche Bilder können sehr faszinierend und beeindruckend sein, da sie den Blick in eine unbekannte Welt ermöglichen.

Durch das Mitziehen der Kamera bei etwas längerer Belichtungszeit wirkt der Sportler noch dynamischer.

Lange Belichtungszeiten hingegen bewirken das genaue Gegenteil. Bewegung – vor allem schnelle Bewegung – wird verschwommen dargestellt. Bewusst eingesetzt, kann damit die Illusion einer  schnellen Bewegung erweckt werden. Der mäßig schnelle Läufer wird bei längerer Belichtungszeit zum schnellen Sprinter. Bei sehr langen Belichtungszeiten werden bewegte Objekte unter Umständen sogar völlig unsichtbar.

Sehr lange Belichtungszeiten lassen Personen in Bewegung zu Geistern werden.

Plätze, welche von mehreren Personen gequert werden, können menschenleer aussehen oder zeigen nur jene Personengruppen, welche sich kaum bewegen in dezenter Unschärfe. Bewegte Lichter ziehen Spuren in die nächtliche Landschaft.

Nachts zeichnen die Lichter von Fahrzeugen ihre Spuren in die Landschaft.

Wir haben nun Beispiele für kurze und lange Belichtungszeiten genannt. Was sind demzufolge nun „normale“ Belichtungszeiten? Ich persönlich würde es so definieren: Das sind Belichtungszeiten, welche eine Szene so wiedergeben, wie man sie als Beobachter selbst auch wahrnimmt. Damit ist die Belichtungszeit aber nicht klar als Wert nennbar. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich einen Läufer mit dem Teleobjektiv bildfüllend fotografiere oder mit dem Weitwinkelobjektiv ein komplettes Fußballfeld ablichte.

Ein einigermaßen „natürlicher“ Belichtungszeitwert lässt sich für das Fotografieren von fließendem Wasser ermitteln. Meine persönliche Erfahrung hat mich gelehrt, dass Wasser meist dann am natürlichsten „fließt“, wenn die Belichtungszeit so um 1/10 Sekunde beträgt. Alle meine natürlich aussehenden Wasserbilder weisen Belichtungszeiten zwischen 1/5 bis zu 1/25 Sekunde auf. Bei kürzeren Zeiten wirkt das fließende Wasser auf mich oft unscharf. Erst wieder bei sehr kurzen Zeiten kehrt Schärfe ein, lässt das Wasser dann aber „einfrieren“. Belichtet man deutlich länger als 1/5 Sekunde, kann das auch sehr schön aussehen, wirkt aber nicht mehr unbedingt wie natürliche Wasseroberfläche.

Die Belichtungszeit bestimmt, ob fließendes Wasser natürlich aussieht.

Dies ist nur meine persönliche Empfindung und mag vielleicht nicht für jeden Betrachter gleich gelten.

Belichtungszeiten von mehreren Sekunden lässt Wasser wie Dampf erscheinen.

Die Brennweite hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Belichtungszeit, da sie die Lichtmenge, welche auf den Sensor trifft, nicht veränder, dennoch wirkt sie sich in der Praxis aber darauf aus. Es steigt nämlich die Gefahr des Verwackelns mit zunehmender Brennweite. Es ist sehr viel schwieriger, ein Teleobjektiv so ruhig zu halten, dass ein scharfes Bild entsteht, als dies mit einem Weitwinkelobjektiv gelingt. Aus diesem Grund ist man gezwungen, bei längerer Brennweite kürzere Belichtungszeiten zu wählen, um das Bild nicht zu verwackeln. Eine Faustformel besagt, mit einer Belichtungszeit von längstens einer Sekunde geteilt durch die Brennweite in Millimeter liegt man auf der sicheren Seite. Mit einem 135mm-Teleobjektiv sollte man also eine Belichtungszeit von 1/135 Sekunde oder kürzer wählen.

Im heutigen Teil dieser Serie haben wir erfahren, welch wirksames Gestaltungselement die Belichtungszeit in der Fotografie darstellt.

Nächstes Mal machen wir uns Gedanken darüber, worauf man bei der Bildkomposition achten sollte.

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Ernst Pisch

Ernst fotografiert in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne und interessiert sich für die Technik, welche dahintersteckt. Während der oft längeren beruflichen Fahrten von und zu den Kunden denkt er unter anderem auch gerne darüber nach, warum die Welt genau so ist, wie sie ist. Dabei entstehen Fragen und manchmal auch neue Interessen, Ideen und Erkenntnisse, welche er gerne mit anderen teilt.

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