29. November 2020
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Menschen, an die ich mich gerne erinnere:
Georg Oberthanner

Foto: privat
Lesedauer ca. 3 Minuten

Erinnerungen von Hannes Gstir und Brigitte Scott.

Brigitte: In meinem ersten Jahr in Inzing bewunderte ich im Vorbeigehen immer wieder ein Haus im Riedweg mit einem wunderschönen Garten und Wintergarten und stellte mir vor, dass da künstlerisch begabte Menschen darin wohnen müssten. In meinem zweiten Jahr in Inzing wurde das Geheimnis gelüftet: Inzwischen aktiv in der Dorfzeitung, lernte ich die Bewohner, Georg Oberthanner und seine Frau Elisabeth, die Garten- und Wintergartengestalterin, kennen, beides Kunstliebhaber und kulturell interessiert.

Hannes: Als gebürtiger Inzinger kannte ich Georg natürlich schon länger. Zunächst war er aber nur der Bruder meines Freundes. Erst unser Engagement bei der Dorfzeitung brachte uns beide näher zusammen. Er hat viele Jahre bei der DZ Inzing mitgearbeitet, zeitweise als Mitglied des Redaktionsteams, vor allem aber als ein wichtiger Autor – sein Schwerpunkt war die Dorfchronik, er brannte für die Geschichte, das „Alte“. Gleichzeitig war aber die Gestaltung der Zukunft auf der Basis dieses Wissens um die Vergangenheit ein wesentliches Anliegen für den Georg. Ich erinnere mich auch an so manches große Interview – mit dem damaligen Kultur-Landesrat Fritz Astl, mit Bischof Reinhold Stecher, oder mit Anton Pelinka.

Georgs Engagement im Kulturverein fällt vor allem in die Zeit vor dem Jahr 2000, als wir nach Inzing kamen. Aber die verschiedenen Beiträge Georgs in der Dorfzeitung halfen mir sehr, ein Gefühl für meinen neuen Wohnort zu entwickeln. Sein Dekadenrückblick in der Jubiläumsausgabe bot mir viele Ansatzpunkte zum Nachdenken, wie sich das Dorf seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Er erfand die beliebte Serie „Menschen, an die ich mich gerne erinnere“ und sorgte dafür, dass ungefähr gleich viele Frauen wie Männer darin vorkamen. Diese G’schichtln enthielten oft witzige Anekdoten, wie Georg überhaupt für schrägen Humor zu haben war. Darauf gründete wohl auch seine Freundschaft mit dem Bibliothekskollegen und Anarcho-Autor Helmut Schönauer. Irgendwann erfuhr ich auch, dass Georg eine Zeit lang bei den Maschgerern mitgegangen war und immer wieder an der Faschingszeitung Die Funzl mitarbeitete. Auch über die G’schichtln von den Diskussionen im Zug auf dem Weg zur oder von der Arbeit haben wir oft gelacht.

Dieser schräge Humor wahr wohl ein Markenzeichen vom Georg, ein anderes war seine große Ernsthaftigkeit. Für mich war Georg einer, der sogar den Fasching ernst nahm, denn auch da gab es eine Form, eine Tradition, die ihm wichtig war und die nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sein besonderer, schräger Humor für Georg nötig war, um dieser Ernsthaftigkeit ein wenig zu entfliehen. Für seine Freunde boten diese Eigenschaften von Georg die Möglichkeit für tiefgründige Gespräche ebenso wie für lockere Blödeleien.

Einige Jahre später warb mich Georg für das Dorfbuch als Lektorin an, ein Projekt, das ihm schon lange am Herzen lag und auch von der Gemeinde unter Kulturausschussobmann Hannes Gstir unterstützt wurde. Daraus wurden mehr als zwei Jahre sehr intensiver Zusammenarbeit. Viele Abende saßen wir in Georgs Küche zusammen und besprachen, welche Themen und Menschen im Dorfbuch vorkommen sollten, woher das Bildmaterial nehmen, von wem Beiträge anfordern und wie mit den AutorInnen umgehen, wenn der Text stärker lektoriert oder gar gekürzt werden musste.

Die Zusammenarbeit mit Georg – in der Dorfzeitung und auch beim Dorfbuch – war nicht immer nur harmonisch. Engagierte Menschen – und so einer war Georg zweifellos – sind meist nicht bequem, weil sie für eine Sache brennen und weil sie etwas umsetzen und erreichen wollen. So war Georg für mich nicht nur ein Freund, sondern oft auch ein Reibebaum, manchmal auch empfindlich, aber unsere Beziehung war immer geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und großem Respekt.

Das alles wollen wir nicht vergessen, wenn wir an die düsteren Phasen in Georgs Leben denken, wenn ihn die Kraft verließ und er sich von der Welt zurückzog. Mehrmals hat er sich wieder zurückgekämpft ins Leben, diesmal fehlte ihm die Kraft dafür.

In meinem Alltag bleiben außer den Erinnerungen allerhand „Kreationen“, z.B. das Steinmandl, das er für meinen Garten gemacht hat, und der ganz besondere Stein, den er am Inn gefunden hatte und mir mitbrachte. Wir hatten beide so eine Freude damit!

Foto: Brigitte Scott

Was auch bleibt vom Georg ist das positive Andenken an einen Menschen, der es sich selbst und anderen nicht immer leicht gemacht hat und der mit seinem Engagement in Inzing vieles angestoßen, mitgetragen und mitgeprägt hat.

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Ein Gedanke zu “Menschen, an die ich mich gerne erinnere:
Georg Oberthanner

  1. „Menschen an die ich mich gerne erinnere“ war eine Serie, die Georg immer ganz besonders am Herzen lag. Es war ihm sehr wichtig, dass all diese berührenden Erzählungen, Anekdoten und Berichte möglichst rasch auch auf der Homepage der Inzinger Dorfchronik nachzulesen waren.
    Es schmerzt mich sehr, dass ich nun den Artikel über Georg selbst, dem Erfinder dieser Serie, ebenfalls an die lange Liste der „Menschen an die ich mich gerne erinnere“ anzufügen habe.
    Ich bin aber auch sehr dankbar dafür, dass ich ein kleiner Teil in seinem Leben sein durfte und wir uns gemeinsam über so manches Erfolgserlebnis freuen konnten. Was meine Tätigkeit im Zusammenhang mit der Inzinger Chronik betrifft, habe ich praktisch alles Georg zu verdanken. Er war es, der mich zur Teilnahme am Projekt „Inzinger Krippenbuch“ überredete/überzeugte. Und vor allem wegen ihm hatte ich später zugesagt, als ich darum gebeten wurde, das Chronik-Team zu verstärken. Georg war immer eine verlässliche Quelle, wenn es darum ging, Neues auf der Chronik-Homepage zu präsentieren. Seine Begeisterung war ansteckend und motivierend. Er war ständig auf der Suche und es gelang ihm immer wieder, interessante historische Berichte mit Bezug zu Inzing auszugraben. Er wird mir fehlen, aber auch immer einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen einnehmen.

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