21. Januar 2021
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Dias digitalisieren – Teil 2

Lesedauer ca. 7 Minuten

Im ersten Teil wurden der mechanische Aufbau von Dia- und Kamera-Halterung sowie die Wahl der Beleuchtung behandelt. Im zweiten Teil nun geht‘s ins Detail und um Tipps, welche ich verraten möchte, um euch dieselben Fehlschläge, die mir passiert sind, zu ersparen.

Beginnen wir beim Dia selbst. Früher wurde Fotografen lange Zeit geraten, ihren Dias hochwertige Glasrahmen zu gönnen. Das Dia sei geschützt gelagert, kann nicht zerkratzt werden und das wohlbekannte „Ploppen“ während der Präsentation, welches beim Erhitzen durch die Projektionslampe entsteht, wird unterbunden.

Leider musste ich feststellen, dass es genau diese Dias sind, welche nach jahrzehntelanger Lagerung jetzt die größten Schäden aufweisen. Bei Lagerung in kühler Umgebung bildet sich Schimmel zwischen den Glasscheiben, der die Oberfläche der Filmschicht beschädigt. Oft bildet sich auch eine Art Nebel auf der Innenseite der Gläser. Kurzum – bei Rahmen mit Glas bleibt nicht viel anderes übrig, als sie aus ihren Originalrahmen zu entfernen und in simple Kunststoffrahmen zu übersiedeln. Im Zuge dessen kann man die Oberfläche der Dias vorsichtig reinigen. Vielleicht gibt es auch wohlbehaltene Dias in Glasrahmen, welche problemlos gescannt werden können – mir haben diese Rahmen beim Scannen jedoch fast immer nur Probleme bereitet. Auch der Autofokus wird durch die Glasscheibe oft irritiert. Ich versuche es inzwischen erst gar nicht mehr, sondern übersiedle diese Dias gleich in glaslose Kunststoffrahmen. Da ich viele der bereits gescannten und qualitativ schlechten Dias weggeworfen habe, blieben mir inzwischen ausreichend davon übrig.

Grundsätzlich empfehle ich, die Aufnahmen mit der Digitalkamera im RAW-Format zu speichern. Wer mit diesem Begriff nichts anfangen kann, von dem gehe ich aus, dass er/sie keine allzu hohen Ansprüche an die Qualität stellt und vor allem den Erinnerungswert seiner Dias schätzt. Mit der Standardeinstellung der Digitalkameras werden JPEG-Bilder erzeugt, was allerdings die Möglichkeiten bei der nachträglichen Bearbeitung einschränkt.

Umso wichtiger ist in diesem Fall, schon bei der Aufnahme all das zu berücksichtigen, was man sonst erst im Zuge der Bearbeitung im RAW-Konverter korrigieren würde. Das ist zunächst die Wahl des korrekten Weißabgleiches. Denn je nach verwendeter Lichtquelle werden die Farben sonst mehr oder weniger stark verfälscht. An der Kamera kann aus verschiedenen Lichtquellen gewählt werden – Blitz, Glühlampen-Licht usw. Es muss die zur Lichtquelle passendste Einstellung gewählt werden.

Begnügt man sich mit JPEG-Dateien, sollte man auch unbedingt darauf achten, dass kein Modus gewählt wird, welcher den Kontrast noch zusätzlich verstärkt. Immer jenen Modus wählen, der ein möglichst neutrales Ergebnis liefert! Dias sind an sich schon sehr kontrastreich. Wird der bereits hohe Kontrast bei der Aufnahme noch zusätzlich verstärkt, verliert man Zeichnung in Schatten und Lichtern! Mehr dazu etwas später, wenn es um die Nachbearbeitung der Bilddateien geht.

Für Foto-Enthusiasten mit gehobenen Erwartungen möchte ich an dieser Stelle Folgendes noch erwähnen:

Ich hatte damals für die Scanner-Software extra ein zum Dia-Scanner passendes Geräteprofil erstellt, damit die Farben der Bilddateien möglichst exakt mit der Farbe des Dias übereinstimmten. Später, als ich begann, die Dias mit meiner Digitalkamera abzufotografieren, habe ich den Weißabgleich exakt auf die beleuchtete Mattscheibe eingemessen. Als Ergebnis erhielt ich jedoch immer Farben, welche für meinen Geschmack zu „kalt“ erschienen. Seit ich den Weißabgleich anschließend im RAW-Konverter um „einen Tick“ in Richtung wärmeres Licht verschiebe, gefallen mir die Scans meiner Dias viel besser. Die Farben wirken nun auch viel natürlicher.

Ursache dafür ist meiner Vermutung nach Folgendes: Dias wurden ja mittels Lampen projiziert, deren Licht im Vergleich zum Tageslicht einen viel höheren Anteil an Gelb enthält. Zwar wurde das Licht der Halogenlampen mittels einer bläulichen Glasscheibe dem Tageslicht ein wenig angeglichen, das reicht aber bei weitem nicht, um dem Tageslicht gleichzukommen. Aus diesem Grund, so vermute ich, wurde die Filmemulsion so gewählt, dass ein etwas „kühleres“ Bild auf dem Dia entsteht, um am Ende ein stimmiges Bild auf der Projektionsleinwand zu sehen. Ein Bild also, welches jenem Eindruck entspricht, welchen man im Moment der Aufnahme, bei Tageslicht, hatte.

Vielleicht kennt sich jemand in diesem Bereich besser aus als ich (jemand vom Kamera-Club vielleicht?) und kann meine Vermutung bestätigen oder mir die wahren Hintergründe erklären – ich wäre sehr dankbar dafür.

Kommen wir nun zu den Einstellungen an der Kamera.

Ich lasse die Autofokuseinstellung aktiviert. Da es sich bei der Dia-Kopie ja um Makroaufnahmen handelt, führen bereits winzige Abweichungen vom eingestellten Fokus zu unscharfen Bildern. Zudem sitzt das Dia je nach Art und Dicke des Rahmens mal weiter vorn, mal weiter hinten. Aufgrund der existierenden Körnung der Filmemulsion findet der Autofokus auch fast immer genügend Struktur, um scharf stellen zu können.

Die ISO-Einstellung setze ich auf ISO 100. Das ist üblicherweise die Einstellung für optimale Bildqualität bei Digitalkameras.

Als Belichtungsmethode wähle ich „Manuell“. Zum Einstellen der korrekten Belichtung gehe ich wie folgt vor: Ich stelle auf das Dia scharf, deaktiviere anschließend den Autofokus und entferne das Dia, sodass nur die „nackte“ Mattscheibe bleibt. Den Autofokus deaktiviere ich nur deshalb, weil dieser mit der strukturlosen Mattscheibe nicht funktionieren würde – er wird gleich anschließend zum Fotografieren der Dias wieder aktiviert. Für die Blende wähle ich meist 8. Es sollte eine Blende sein, bei der die Optik möglichst optimale Bildqualität liefert und ein gewisses Maß an Schärfentiefe vorhanden ist. Die Belichtungszeit wähle ich so, dass die abfotografierte Mattscheibe komplett weiß, hart an der Grenze zur Überbelichtung, abgebildet wird. Für den Rest der Aufnahmen wird diese Einstellung nicht mehr verändert.

Bei Verwendung einer Lampe als Lichtquelle ist die korrekte Einstellung recht rasch zu finden – vor allem, wenn die Kamera ein Histogramm zur Verfügung stellt. Die Spitze im Histogramm, welche dem weißen Licht entspricht, sollte sich ganz rechts befinden – aber noch so, dass sie kaum beschnitten wird.

Während der Aufnahmen mit einer Lampe als Lichtquelle sollte die Umgebung möglichst dunkel sein. Anderenfalls kann es zu Farbverfälschungen, Spiegelungen im Dia oder schwachen Kontrast des Bildes kommen.

Verwendet man einen Blitz als Lichtquelle und man hat keinen Blitz-Belichtungsmesser, muss man sich langsam herantasten. Den Blitz stelle ich auf „Manuell“, sodass er immer mit derselben Leistung auslöst. Je nach Leistungsfähigkeit des Blitzes genügt oft die geringste wählbare Leistung (oft 1/128 oder 1/64). Dadurch bleiben auch die Zyklen, die der Blitz zum Wiederaufladen benötigt, sehr kurz. An der Kamera stelle ich bei Verwendung eines Blitzes ebenfalls meist Blende 8 (siehe oben) und die „Blitzsynchronzeit“ ein. Das ist die kürzeste Zeit, die der Verschluss der Kamera zusammen mit Blitzlicht noch schafft. Bei Profi-Kameras ist das meist 1/250 Sekunde, bei Kameras niedrigerer Preisklasse entsprechend länger – man bemerkt das aber ohnehin, wenn sich die Kamera nicht auf einen kürzeren Wert einstellen lässt. Diese kurze Zeit wähle ich, damit das Umgebungslicht möglichst keinen Beitrag zur Belichtung liefert – nur das durchs Dia durchscheinende Blitzlicht soll zur Aufnahme beitragen.

Falls Kamera und Blitz eine sogenannte Highspeed-Belichtung zulassen, rate ich dringend vor dessen Verwendung ab! Der Blitz benötigt für dieselbe Lichtleistung mehr Strom und es kann in ungünstigen Fällen auch zu leichter Streifenbildung im Bild kommen, was je nach Bildinhalt mehr oder weniger stark störend wirkt.

Um die ideale Belichtung zusammen mit dem Blitz zu finden, muss man entweder die Distanz zwischen Blitz und Mattscheibe/Dia verändern, oder man ändert die Blitzleistung (z.B. von 1/64 auf 1/32 für stärkeres Licht). Die Belichtungszeit an der Kamera zu verlängern bringt nichts bzw. bringt nichts Gutes! Es soll ja nur das Licht des Blitzes, welches durchs Dia dringt und nicht das Umgebungslicht aufgenommen werden.

Ein wenig Umgebungslicht muss allerdings vorhanden sein, damit der Autofokus auf das Dia scharfstellen kann. Das Umgebungslicht soll jedoch nicht so stark sein, dass es im Vergleich zum Blitzlicht ins Gewicht fällt. Es ist auch darauf zu achten, dass keine Reflexe im Dia durch irgendwelche sonstige Lichtquellen im Raum entstehen.

Nun darf es aber losgehen! Dia für Dia kann abfotografiert werden.

Die Aufnahmen sind nun „im Kasten“. Für diejenigen, die von ihrer Kamera JPEG-Dateien erstellen ließen, ist die Sache nun praktisch gelaufen. Es ist, wie‘s ist! Man wird noch einen passenden Ausschnitt wählen, aber man hat bei JPEG-Dateien sonst kaum Möglichkeiten, die Bildqualität ohne Verluste zu verbessern.

Für jene, die RAW-Dateien erstellt haben, gibt es noch die eine oder andere Möglichkeit, das gescannte Bild zu optimieren.

Beschneiden wird man das Bild so gut wie immer müssen. Es sei denn, man hat schon bei der Aufnahme so exakt gearbeitet, dass kein Diarahmen mehr sichtbar ist. Auch die Ausrichtung von Hochkant-Aufnahmen muss korrigiert werden.

Wie schon vorhin erwähnt, sind Dia-Aufnahmen bereits sehr kontrastreich. Der hohe Kontrast entfaltet sich ganz wunderbar bei Präsentationen mit einem Dia-Projektor. Nun ist es aber so, dass Kameras beim Erstellen eines JPEG-Bildes ebenfalls den Kontrast erhöhen. Das ist für alltägliche Aufnahmen meist erwünscht, weil die Bilder sonst sehr flau und fad aussehen. Liegt jedoch schon ein kontrastreiches Bild vor, wie es beim Dia der Fall ist, und der Kontrast wird bei der Aufnahme nochmals erhöht, dann ist das meist zu viel des Guten. Das ist der eigentliche Hauptgrund, warum man für das Abfotografieren von Dias NICHT JPEG-Dateien, sondern besser RAW-Dateien wählen sollte. Man kann zwar hinterher in Werkzeugen wie Photoshop den Kontrast verringern, aber Details in den tiefsten Schatten und hellsten Lichtern sind schon vorher bei der Umwandlung nach JPEG in der Kamera unwiederbringlich verloren gegangen!

RAW-Dateien enthalten die Zahlenwerte, die jedes Pixel des Kamerasensors liefert. Sie müssen erst noch mittels RAW-Konverterprogrammen wie zum Beispiel Lightroom, Adobe Camera Raw, Capture One usw. in JPEG-Dateien umgewandelt werden.

Mit den üblichen Voreinstellungen eines RAW-Konverters wird zwar ebenfalls automatisch der Kontrast ein wenig erhöht – so, wie es die Kamera beim Erzeugen von JPEG-Bildern macht. Der große Unterschied ist jedoch, dass diese Umwandlung im RAW-Konverter noch nicht verlustbehaftet ist und man kann dem zu hohen Kontrast mittels Regler gegensteuern, ohne Details zu verlieren.

Ob die automatische Kontraststeigerung mehr oder weniger stark ausfällt, hängt vom jeweiligen Kamera-Profil ab, welches im RAW-Konverter verwendet wird. Das Kamera-Profil bestimmt, wie die Zahlenwerte, welche der Sensor liefert, in Farbe und Helligkeit umgewandelt werden.

Der vermutlich am häufigsten verwendete RAW-Konverter dürfte Lightroom von der Firma Adobe sein. Es gibt für die meisten Kameratypen mehrere Kameraprofile, die gewählt werden können. Leider liefert Lightroom aber kein Profil mit, welches den Kontrast unverändert belässt – ein sogenanntes „lineares“ Profil.

Aus diesem Grund muss man den Kontrast über die Regler von Lightroom nachträglich verringern, um ein stimmiges Bild vom Dia zu erhalten. Man kann sich jedoch eine einmal gefundene, gute Einstellung abspeichern und für jedes Dia-Bild anwenden.

Es existiert auch die Möglichkeit, sich ein lineares Kamera-Profil mit kostenlosen Mitteln selbst herzustellen. Das würde jedoch den Rahmen dieses mittlerweile doch schon recht umfangreich gewordenen Tutorials noch mehr sprengen. Falls Interesse besteht (bitte melden), bin ich gerne bereit, eine Anleitung zu erstellen und einen Link im Kommentarbereich dieses Blog-Artikels zu hinterlegen.

Manche RAW-Konverter, wie zum Beispiel Capture One stellen standardmäßig bereits lineare Profile zur Verfügung. Zum Erstellen von Dia-Kopien ist ein lineares Profil jedenfalls die geeignete Wahl. Um ein gut aussehendes Bild mit einem linearen Profil zu erhalten, muss allerdings die Helligkeit  im RAW-Konverter etwas erhöht werden, bzw. (noch besser) sollte man die Belichtung schon während der Aufnahme entsprechend erhöhen. (An dieser Stelle entdeckt man erst so richtig, wie viel Spielraum an Belichtungskorrektur die Wahl von RAW-Bildern zulässt 🙂 Die Einstellungen im RAW-Konverter lassen sich ebenfalls abspeichern, sodass man sie bequem für alle restlichen Aufnahmen anwenden kann.

Ein weiterer Vorteil von RAW-Dateien betrifft die Korrektur von Farbverschiebungen. Diafilme wurden ja so ausgelegt, dass sie bei Anwendung im Tageslicht korrekte Farben liefern. Verwendete man Diafilme aber bei Kunstlicht, musste ein Blaufilter vor das Objektiv geschraubt werden, anderenfalls erhielt man Bilder mit orangem Farbstich. Bei Licht von Leuchtstoffröhren entstand ein Grünstich und im Schatten unter wolkenlosem Himmel sah alles etwas kühl aus. All das lässt sich im RAW-Konverter relativ einfach mittels Weißabgleich-Regler korrigieren.

Ich hoffe, dass die nun doch recht detailliert ausgefallene Beschreibung nicht abschreckt, sondern eher ermuntert, es selbst mal auszuprobieren. Vor allem dann, wenn das nötige Equipment ohnehin schon existiert und die Zahl an Dias so groß ist, dass die Beauftragung einer Firma oder der Kauf eines hochwertigen Scanners so richtig ins Geld ginge.

Zuletzt noch eine Anmerkung zu Negativ-Filmen. Grundsätzlich lassen sich im RAW-Konverter auch abfotografierte Negative zu Bildern mit korrekten Farben verarbeiten. Bei Schwarzweiß-Negativen ist das sogar recht einfach. Bei Farbnegativen erfordert es jedoch Experimentierfreude und sehr versierten Umgang mit dem jeweils verwendeten RAW-Konverter. Für Lightroom existiert ein Plugin, welches die Entwicklung verschiedenster Negativ-Filmtypen sehr erleichtert. Allerdings muss man sich für die Aufnahme von Negativen auch eine andere Vorrichtung zum Befestigen des Filmstreifens basteln.

Ich wünsche viel Spaß und Erfolg beim Digitalisieren der alten Schätze und würde mich sehr über Rückmeldungen (auch Fragen) freuen! Vielleicht stolpert auch jemand über Aufnahmen von historischem Interesse, welche sehr gut ins Bildarchiv der Inzinger Dorfchronik passen würden.  😉

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Ernst Pisch

Ernst Pisch

Ernst motiviert die Leser der Dorfzeitung seit 2008 mit dem Bilderrätsel “Inzing ganz nah”, in unserem Dorf mit offenen Augen auf Entdeckungsreise zu gehen. Ernst unterstützt auch das Inzinger Chronikteam – vor allem in technischen Belangen.

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