8. Mai 2026
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Strompreisangebote – ein unübersichtliches Terrain

© 2026 Klima- und Energiefonds
Lesedauer ca. 5 Minuten

Die Energiepreise steigen – so hört man. Ganz stimmt das jedoch nicht. Zwar steigen derzeit die Öl- und Gaspreise, die Strompreise scheinen hingegen eher rückläufig zu sein. Möglich macht dies unter anderem ein Stromüberschuss im Sommer durch die hohe Produktion vieler Photovoltaikanlagen.

Ebenso wird oft berichtet, dass der Staat Autofahrer durch die Spritpreisbremse unterstützt. Auch das ist nur die halbe Wahrheit: Unterstützt werden genau genommen nur jene Autofahrer:innen, die mit fossilen Treibstoffen unterwegs sind. Dass diese Maßnahme den Steuerzahler enorme Summen kostet, ist eine andere Geschichte.

Die einzige Chance, unsere Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren, liegt bekanntlich im konsequenten Umstieg auf nachhaltige Energieformen und im weiteren Ausbau umweltfreundlicher Energie in Europa. Der Ausbau von PV-Anlagen scheint sich bereits positiv auf die Strompreise für Verbraucher auszuwirken.

In diesem Artikel möchte ich mich mit Strompreisen und aktuellen Angeboten beschäftigen.

Früher und heute

Vor wenigen Jahren bezog man als gelernter Tiroler seinen Strom von der TIWAG. Der Strompreis blieb über Jahre konstant. Heute sieht das anders aus. Fast jede Woche liest man von neuen Angeboten. Zudem ist der Wechsel zu einem anderen Anbieter jederzeit und ohne großen organisatorischen Aufwand möglich. Dadurch steht Konsument:innen heute eine breite Palette an Optionen zur Verfügung.

Die Veränderungen im Markt zeigen sich auch in aktuellen Aktionen: Ein Anbieter verschenkt am Wochenende Strom, ein anderer bietet im Sommer tagsüber Strom zum halben Preis an. Dazu kommen Postwurfsendungen von Energiegemeinschaften. Was soll man als Stromkunde nun tun?

Ich versuche, die Größenordnungen grob abzuschätzen, um eine Entscheidungsgrundlage zu bieten. Dabei geht es mir nicht darum, Werbung für einzelne Anbieter zu machen. Vorweg: Das Thema ist nicht grundsätzlich kompliziert, aber eine genaue Erklärung erfordert etwas mehr Hintergrund. Daher folgt zunächst eine kurze Zusammenfassung – wer tiefer einsteigen möchte, kann anschließend weiterlesen.

Teil 1 – Kurzzusammenfassung:

Alle derzeit verfügbaren Angebote (Gutmann, TIWAG, TINETZ-Netztarif und dieEEG) ermöglichen grundsätzlich Kosteneinsparungen. Das Einsparpotenzial hängt stark vom individuellen Stromverbrauch ab. Haushalte mit Elektroauto oder Wärmepumpe profitieren stärker, als solche ohne große Verbraucher.

Besondere Aufmerksamkeit erfordern Angebote von Energiegemeinschaften (EEG). Häufig wird die Netztarifersparnis in den Energiepreis eingerechnet. Das ist grundsätzlich in Ordnung – sollte aber transparent kommuniziert werden. Eine EEG kann keinen Strom um 6,5 ct/kWh verkaufen und gleichzeitig Einspeisern 8,5 ct/kWh bezahlen. Der tatsächliche Energiepreis ergibt sich vielmehr aus dem Netto-Basispreis inklusive Umsatzsteuer plus der zuvor abgezogenen Netztarifersparnis. In unserem konkreten Beispiel ergibt sich so ein realistischer Energiepreis von etwa 11 ct/kWh. Dennoch spart man durch eine EEG, da reduzierte Netzkosten sowie wegfallende Abgaben und Gebühren wirken. Das Einsparpotenzial liegt bei etwa 3,4 ct/kWh bei regionalen EEGs, bzw. bei 5,5 ct/kWh bei lokalen EEG’s (alle Teilnehmer hängen an der gleichen Trafostation).

Alle Details zu Energiegemeinschaften in diesem Artikel:

Zusätzlich bieten Energiegemeinschaften einen wichtigen Mehrwert: Sie sensibilisieren die Teilnehmer für ihren Stromverbrauch – sowohl zeitlich als auch mengenmäßig. Durch die regionale Struktur entsteht ein Effekt ähnlich dem regionalen Einkauf.

Aus Erfahrung lässt sich abschätzen, dass etwa 20–35 % des Jahresverbrauchs über eine EEG gedeckt werden können. Das Einsparpotenzial liegt grob zwischen 20 € und 150 € pro Jahr. Für Stromproduzenten ist die Teilnahme meist besonders attraktiv, da mit deutlich höheren Einspeisetarifen gerechnet werden kann (im Vergleich zu TIWAG oder oem-ag).

Teil 2: Detaillierte Überlegungen

Wie setzt sich der Strompreis überhaupt zusammen?

Für alle, die Angebote vergleichen möchten – insbesondere im Zusammenhang mit EEGs – ist es wichtig, die Bestandteile des Strompreises zu kennen.

Der Strompreis besteht aus drei Teilen. Dem eigentlichen Energiepreis (auch Arbeitspreis), dem Netztarif und den Abgaben und Gebühren. Der Großteil dieser Kosten ist verbrauchsabhängig (pro kWh). Hinzu kommen noch geringe fixe Kosten pro Jahr.

Die mengenabhängigen Kosten für Strom anhand des aktuellen TIWAG-Tarifs Comfort Privat sind (alles brutto):

Energiepreis – 11,76 ct/kWh
Netztarif – 8,85 ct/kWh
Abgaben und Gebühren – 0,86 ct/kWh
Dies macht in Summe 21,15 ct/kWh

Ein durchschnittlicher Haushalt mit ca. 4000 kWh Jahresverbrauch zahlt somit rund 850 € pro Jahr (zzgl. 24 € Grundpreis).

So war es früher. Es gab einen Anbieter, einen Tarif bzw. ggf. noch den Nachttarif als einzige Abstufung.

Heute gibt es aber schon bei diesem einen Tarif zwei Änderungen. Im Sommer ist der Netztarif um 20% reduziert. Der Stromkunde bekommt diesen Rabatt automatisch. Außerdem ist für das Jahr 2026 die Elektrizitätsabgabe von eigentlich 1,5 ct/kWh auf 0,1 ct/kWh vom Staat gesenkt worden. Diese Reduktion der Abgaben ist in der obigen Rechnung bereits inkludiert.

Diese 21,15 ct/kWh merken wir uns. Das ist unser Ausgangswert für alle weiteren Vergleiche.
Mit der Sommerreduktion des Netztarifes sind es 19,52 ct/kWh.

Wie funktionieren Energiegemeinschaften?

Die Grundidee bei Energiegemeinschaften ist, dass sich Leute aus der Umgebung zusammenschließen und den selbst erzeugten Strom (meist aus PV-Anlagen) an die Verbraucher weitergeben. EEG’s handeln nicht mit Strom und beziehen auch keinen Strom von außerhalb der EEG. Dies bedeutet, dass innerhalb der EEG exakt gleich viel Strom von den Erzeugern zu den Verbrauchern fließt. Dieser Strom wird durch die EEG einerseits an die Erzeuger vergütet, andererseits an die Verbraucher verrechnet. Eine EEG darf keinen Gewinn erwirtschaften, was bedeutet, dass die Tarife zwischen Erzeugern und Verbrauchern ausgewogen sein müssen.

Da in den meisten EEG’s nur Strom aus PV-Anlagen verfügbar ist, wird auch nur unter Tags Strom für Verbraucher zur Verfügung stehen. Der große Vorteil von EEG’s liegt in den reduzierten Netztarifen und dem Wegfall von Abgaben und Gebühren.

Ein Beispiel:

Eine lokale EEG verlangt von den Teilnehmern 11,76 ct/kWh. Der Gesamtstrompreis setzt sich dann wie folgt zusammen

Energiepreis – 11,76 ct/kWh
Netztarif – 3,87 ct/kWh (reduziert)
Abgaben und Gebühren – 0 ct/kWh (entfällt)
Dies macht in Summe: 15,63 ct/kWh

Diese 15,63 ct sind im Vergleich zu dem „normalen“ Stromtarif von 21,15 ct deutlich günstiger.

Zu beachten ist, dass dieser Preis nur für den Anteil des bezogenen Stroms aus der EEG gilt. Der restliche Bedarf wird weiterhin vom üblichen Stromlieferanten gedeckt.

Eine EEG funktioniert besser, wenn es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erzeugern und Verbrauchern gibt. Ansonsten kann es passieren, dass alle Erzeuger Überschussstrom für die EEG zur Verfügung stellen, aber kaum Abnehmer den Strom verbrauchen. Oder eben umgekehrt: es ist kein Überschussstrom der Produzenten vorhanden, die vielen Abnehmer bräuchten aber Strom, der dann vom üblichen Lieferanten kommen muss.

Sommertarife

Im Sommer (zwischen April und September) gibt es bei der TIWAG/TINETZ zwei weitere Reduktionen.

1) Der Netztarif reduziert sich zwischen 10 und 16 Uhr um 20%. Dies passiert automatisch für alle Kunden, die im Netzbereich der TINETZ liegen, unabhängig von welchem Lieferanten sie versorgt werden.

2) Der Energiepreis wird zwischen 10 und 16 Uhr halbiert. Der Kunde muss aktiv auf einen anderen Tarif (dualFix) wechseln. Nur dann kommt er in den Genuß dieser günstigeren Preise.

Wieviel sich die Kunden dadurch ersparen, hängt vom Stromverbrauch und der zeitlichen Nutzung ab. Vor allem, wer seinen Stromverbrauch zeitlich auf das Zeitfenster zwischen 10 und 16 Uhr verlegen kann, ist mit diesem Tarif natürlich gut bedient.

Wieviel kostet nun der Strom bei der TIWAG im Tarif dualFix im Sommer zwischen 10 und 16 Uhr?

Energiekosten – 5,88 ct/kWh (50% reduziert)
Netztarif – 6,89 ct/kWh (20% reduziert)
Abgaben und Gebühren – 0,86 ct/kWh
Ergibt in Summe: 13,63 ct/kWh

Wir erinnern uns. Der normale TIWAG-Strom kostet 21,15, der EEG-Strom in unserem Beispiel 15,63 (aber Achtung: die Preise in den EEG’s variieren und auch der Sommertarif im Netzbereich kommt hier zusätzlich noch zu tragen).

Wie hoch kann die Kostenersparnis in einer EEG sein?

Diese Frage lässt sich nicht genau beantworten. Der Stromverbrauch und die Nutzungszeit sind ausschlaggebend für die Höhe der Einsparung. Auch die Zusammensetzung der Teilnehmer in der EEG hat einen Einfluss. Als sehr grobe Überschlagsrechnung könnte man annehmen, dass man bis zu 20-35% des Jahresstromverbrauchs aus einer EEG abdecken kann. Bei einem Jahresverbrauch von ca. 2.500 kWh können es etwa 20,- Ersparnis sein. Bei 7.000 kWh oder auch mehr können es schon 100,- bis 150,- Ersparnis werden.

Fazit:

Als Stromkunde hat man heute viel Auswahl. Die optimale Wahl hängt stark vom individuellen Verbrauchsverhalten ab. Wer Strom gezielt in günstige Zeitfenster verlagern kann, profitiert vom dualFix-Tarif. Wer kontinuierlich sparen möchte, für den kann eine EEG sinnvoll sein. Auch beides in Kombination kann eine mögliche Wahl sein. Beim dualFix-Tarif ist zudem die zweijährige Preisbindung zu beachten, während beim Standardtarif Preisänderungen möglich sind.

Noch ein Hinweis:

Am Donnerstag, den 21.5. organisieren Peter Gastl (EEG Giasnhof) und ich einen Infoabend zum Thema EEG’s. Wir können beide aus unseren Erfahrungen berichten.

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Peter Oberhofer

Peter ist seit Ende 2012 Redaktionsleiter der DZ. In Inzing ist er außerdem bei der Klimabündnisgruppe engagiert. Umwelt- und Klimaschutz, Energiesparen, öffentlicher Verkehr sind ihm ein wichtiges Anliegen.

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Ein Gedanke zu “Strompreisangebote – ein unübersichtliches Terrain

  1. Hallo Peter!

    Für mich war dein Artikel sehr interessant und informativ. Besonders die klare und einfache Sprache hat mir gut gefallen. Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag von dir.

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