22. Mai 2022
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Die Rabenvögel

Rabenfeder. So simpel und einfärbig, beinahe langweilig gefärbt Raben oft erscheinen, kann man, bei entsprechender Beleuchtung, doch viel Schönheit bei ihnen entdecken.
Lesedauer ca. 9 Minuten

Die Rabenvögel – in der Vogelkunde auch Corvidae genannt – sind eine Vogelfamilie aus der Ordnung der Sperlingsvögel. Sie umfassen rund 120 lebende Arten in 25 Gattungen. Rabenvögel sind mittelgroße bis sehr große Singvögel mit meist kräftigem Schnabel und robustem Körperbau, die im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte eine Vielzahl verschiedener Lebensräume besiedelt haben und – mit Ausnahme des südlichen Südamerika und der Antarktis – weltweit verbreitet sind.

In ihrer Ernährung sind Rabenvögel sehr vielseitig und fressen – je nach Verfügbarkeit – Früchte, Samen, Insekten, Weichtiere, kleinere Wirbeltiere oder auch Aas, wobei die meiste Nahrung auf dem Boden aufgenommen wird. Fast alle Arten legen Vorräte an, in denen sie überschüssiges Futter verstecken und für später aufbewahren. Rabenvögel zeigen stark soziales Verhalten und im Vergleich mit fast allen anderen Vögeln überdurchschnittlich hohe kognitive Fähigkeiten. Einige Arten, allen voran die Raben und Krähen, sind ausgeprägte Kulturfolger und konnten sich erfolgreich in vom Menschen geschaffenen Lebensräumen etablieren. Die Intelligenz und Sprachbegabung der Rabenvögel, aber auch ihre Eigenschaft als Aas- und Erntevertilger führte zu einer ambivalenten Rolle in vielen Kulturen weltweit: Einerseits wurden ihnen Weisheit, biblisches Alter und Gewitztheit unterstellt, andererseits wurden sie als angebliche Unheilsbringer und Schädlinge verfolgt. (Aus Wikipedia)

Wie schlau Rabenvögel sind kann man auch hier bei uns oft und einfach bestätigen, wenn man sie ein wenig beobachtet. Sie haben beinahe immer die ganze Umgebung unter genauester Beobachtung. Spaziert man an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten und speziell ohne zu ihnen hin zu blicken, so kann man ihnen oft recht nahe kommen. In dem Moment aber, indem sie bemerken, dass der Blick oder, noch schlimmer, ein Gegenstand wie eine Kamera auf sie gerichtet wird, sind sie weg. Sehr häufig sieht man auch wie sie einfach nur Spielen oder, wie man hier sagen würde, herumblödeln. Flugtechnisch gehören sie ganz klar zu den Besten. Nicht so sehr was das Segeln betrifft, aber bei starkem Wind etwa sieht man fast nur noch Raben und Alpendohlen durch die Lüfte kreisen wogegen fast alle anderen Vögel bessere Zeiten abwarten.

Mag sein, dass für unsere Ohren der Ruf der meisten Rabenvögel nicht nach Singvogel klingt, sie sind jedoch sehr „sprachgewandt“ und viele Arten vermögen andere Laute in hoher Präzision zu imitieren und dazu noch zum Teil ein gewisses Sprachverständnis an den Tag zu legen. Bekannt war der Kolkrabe Jakob aus dem Alpenzoo, der menschliche Worte wiederholen konnte aber oft hört man auch Eichelhäher, die einen Bussardruf so perfekt imitieren, dass man schon sehr genau hinhören muss um den Unterschied zu bemerken. Einstweilen ist auch gesichert, dass sie untereinander eine einfache Sprache verwenden und so eine Kommunikation über verschiedene Themen ermöglichen.

Bei uns findet man folgende Arten:

Der Kolkrabe

Europas größter Singvogel, der Kolkrabe. Was seine Gesangsqualität betrifft scheiden sich die Geister, seine Intelligenz und seine Flugkünste sind aber unangefochten.

Er ist der größte unserer heimischen Rabenvögel und somit auch der größte Singvogel. Seine Intelligenz, Neugier und Verspieltheit ist legendär. Meist leben Kolkraben, so wie auch viele andere Rabenvögel in lebenslanger Partnerschaft und besonders im Februar, wenn seine Balzzeit beginnt, kann man sehr oft beobachten wie sie immer wieder Paarweise ihre Flugkünste unter Beweis stellen.

Sein kräftiger Schnabel ist eine gefährliche Waffe, vor der sogar der viel größere Steinadler Respekt hat. Kolkraben sind sehr weit verbreitet und können bis zu den höchsten Gipfeln angetroffen werden. Man hat bei gefangenen Kolkraben (etwa auch im Alpenzoo) beobachten können, wie sie sich mit vorbeifliegenden freien Raben eindeutig unterhalten – leider ohne zu verstehen, was sie kommunizieren.

Kolkraben sind Allesfresser und suchen gerne auch Lawinenstriche nach dem Aas von verendeten Tieren ab. Wenn sie eine Walnuss nicht knacken können wurde schon mehrfach beobachtet, dass sie diese aus großer Höhe auf Steine oder Straßen fallen ließen, beziehungsweise sogar bewusst auf die Straße legten und in der Nähe warteten bis ihnen ein Auto die Arbeit abnahm.

Neben ihrer Größe sind sie im Flug auch besonders gut am keilförmigen Schwanz zu erkennen. Der auffallend große und mächtige Schnabel ist immer schwarz, wie auch das gesamte Gefieder.

Rabenvögel, wie dieser Kolkrabe, sind sehr neugierig und laut Studien auch in der Lage vorausplanend zu denken, was früher nur höheren Primaten (Menschenaffen und Mensch) zugetraut wurde.


Auch wenn der Kolkrabe eindeutig größer ist als die Rabenkrähe, so kann man ihn besser an seinem keilförmigen Schwanz und dem mächtigen Schnabel von ihr unterscheiden


Kolkraben vor der Kirschernte. Schön sind die bartähnlichen Federn um den Schnabel zu sehen.


Die Raben- und Nebelkrähe (= Aaskrähe)

Wie Kolkraben sind auch Rabenkrähen hervorragende Flieger, denen kaum ein Wind zu heftig wird.

Die Aaskrähe ist besser bekannt unter den Namen Rabenkrähe (die in Tirol häufigere Unterart) und Nebelkrähe (in Ostösterreich und östlich davon häufiger). Beide gehören der selben Art an und sind nur Unterarten, oder wenn man so will, Farbvarianten. Die Nebelkrähe hat Rücken und Bauch grau, wogegen die Rabenkrähe völlig schwarz ist.

Oft fliegen sie in kleineren bis mittelgroßen Trupps, die aber selten so viele Exemplare stark sind wie bei der folgenden Saatkrähe. Besonders wenn es darum geht einen Raubvogel zu hassen (= zu vertreiben) helfen fast immer sofort mehrere Raben(krähen) zusammen und sind, als exzellente Flieger auch meist erfolgreich.

Sie steigen selten so hoch ins Gebirge wie ihre zwei verwandten, der Kolkrabe und die Alpendohle, sind aber in unserer Umgebung, im Talbereich und im Mittelgebirge die häufigsten Rabenvögel.

Gefiederpflege, bei allen Vögeln ein wichtiger Teil der täglichen Beschäftigung.


Diese einseitig blinde Rabenkrähe sitzt, nach einem heftigen Gefecht mit zwei Elstern noch völlig konfus am Wegrand.


Wie die meisten Rabenvögel sind auch Rabenkrähen eine wichtige „Gesundheitspolizei“ indem sie, als heimischer Ersatz der Geier, viel Aas entsorgen.


Die Saatkrähe

Sie ist, im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden Arten, ein Kolonienbrüter der viele Nester, dicht nebeneinander in Baumkronen anlegt. Hier in Tirol sieht man sie eher selten, in Ostösterreich, besonders im Winter, wenn sibirische Saatkrähen zur Überwinterung kommen, ist sie teilweise recht häufig.

Die Körpergröße ist etwa die einer Rabenkrähe aber erwachsene Tiere haben einen viel helleren, auffallend langen und geraden Schnabel und einen nackten Schnabelansatz. Auch haben sie buschige „Hosen“ am Unterschenkel.

Für Fotos bitte bei den unten genannten Links nachsehen.

Die Dohle

Wie viele Rabenvögel ist auch die Dohle gerne in Gruppen unterwegs und sucht sich, als Allesfresser ihre Nahrung am liebsten am Boden. Foto: Martin Schischkoff

Auch die Dohle sieht man bei uns eher sehr selten, was wir Dohle nennen ist nämlich richtiger die Alpendohle. Die eigentliche Dohle ist grau-schwarz und eher noch etwas kleiner als die Alpendohle. Ihr Schnabel ist dunkel und eher zart und nicht allzu lange, die Iris ist hellgrau.

Bei uns eher selten zu sehen ist die Dohle, die durch ihre Graufärbung höchstens mit der deutlich größeren Nebelkrähe verwechselt werden kann. Foto: Martin Schischkoff


Die Alpendohle

Die Alpendohle ist sicher den meisten von uns bekannt. Sehr schön sieht man hier auch den gelben Schnabel. Foto: Martin Schischkoff

Bei uns wird sie meist einfach nur Dohle genannt und dürfte mit zu den bekanntesten Rabenvögeln zählen. Jeden Winter kommen viele Hundert Stück von den Bergen ins Stadtgebiet von Innsbruck, wo sie ein angenehmeres Klima und Unmengen von Futter vorfinden. Im Sommer kann man sie auch noch vereinzelt im Talbereich finden, die meisten ziehen sich jedoch wieder ins Gebirge zurück. Auch sie ist vollkommen schwarz, hat aber einen gelben Schnabel. Man könnte fast sagen sie sieht wie ein riesiges Amselmännchen aus. Alpendohlen fliegen meist in mittelgroßen bis großen Gruppen und kann auf Gipfeln oder Alm- und Berghütten ein recht frecher Räuber von unbeobachteten Jausenstücken der Wanderer werden. Aber niemand ist ihnen deshalb böse, meist erheitert es eher.

Der Tannenhäher

Ein meist ziemlich scheuer, scharfer Beobachter der Umgebung, der bei potentieller Gefahr lautstark die ganze Umgebung warnt ist der Tannenhäher.

Er ist zwar etwas kleiner als die Alpendohle aber kräftiger gebaut und hat einen recht langen Schnabel. Im Talgrund kann man ihn manchmal sehen, sein Lebensraum liegt aber mehr im Gebirge, so ab dem Mittelgebirge. Sehr bekannt ist bei ihm der laute Warnruf, wenn er eine potentielle Gefahr entdeckt – und ihm entgeht nicht so schnell etwas. Als hervorragender Beobachter sieht er Menschen und tierische Feinde oft von weitem und warnt laut, die Gefahr im Sicherheitsabstand oft noch weit verfolgend. Vom Klang dieses Rufes kommt auch sein lokaler Name, „Gratsch‘n“.

Er ist bräunlich mit großen weißen Punkten, einem dunklen Scheitel und einem weißen Bürzel.

Der Eichelhäher

Farblich einer der schönsten unserer Rabenvögel ist wohl der Eichelhäher. Foto: Martin Schischkoff

Der Eichelhäher wiederum ist besonders schön und bunt gefärbt. Besonders auffallend sind die hellblauen, schwarz gepunkteten Vorderflügeldecken. Er ist recht häufig in tieferen Lagen anzutreffen und kommt oft auch ins Dorf. Besonders dann, wenn es reichlich Obst oder Nüsse zu ernten gibt. Er ist ungefähr gleich groß wie der Tannenhäher und aufgrund seiner Färbung eigentlich kaum verwechselbar.

Auch sein Warnruf ist sehr laut und typisch, aber er imitiert auch hervorragend andere Vögel, wie etwa den Mäusebussard. Man muss schon sehr genau hinhören und teilweise den Ruf sogar mehrmals hören um sicher sagen zu können, dass es sich nicht um einen Bussard handelt sondern eben um einen Eichelhäher. (Nur um es zu erwähnen, auch der Star beherrscht den Bussardruf zum Teil hervorragend.)

Im Frühjahr und Sommer ist er vermehrt an Waldrändern oder Lichtungen, besonders gerne in Laubwald, zu finden. Im Herbst jedoch kommt er vermehrt auch in Ortsnähe oder sogar mitten ins Dorf.

Eichelhäher auf der Suche nach Fressbarem.


Sieht man den Eichelhäher nur von unten, so würde man seine Buntheit nicht erwarten.


Eichelhäher im Flug, die blauen Federn auf der Oberseite der Flügel sieht man selten so deutlich. Foto: Martin Schischkoff


Die Elster

Die Elster, jeder kennt sie, nicht jeder liebt sie. Genau betrachtet zählt auch sie mit zu den schönsten und elegantesten Rabenvögeln. Als Fliegerin reicht sie jedoch nicht an Kolkrabe, Rabenkrähe oder Alpendohle heran.


Eigentlich ein sehr schöner und eleganter Vogel, bei dem man während meines Lebens die Anpassung ans Ortsgebiet besonders gut beobachten konnte. Waren in meiner Jugend noch ziemlich viele Elstern in den Augebieten entlang des Inns und der Gaisau und an Waldrändern vorhanden wo viele Jugendliche sich irgendwann eine Elster aus dem Nest nahmen um sie händisch aufzuziehen und dann wieder frei zu lassen, so wurden es später plötzlich sehr wenige. Man sah sie nur noch vereinzelt – ob aufgrund von Bejagung oder aus anderen Gründen ist mir unbekannt. Nach einigen Jahren mit wenig Elstern begannen sich erst einzelne und dann immer mehr von ihnen im Ortsgebiet niederzulassen, und heute kann man im Ort schon beinahe mehr Elstern sehen als im Freiland.

Jeder kennt sie, die meisten hassen sie. Sie ist laut und ihr Ruf ist für unsere Ohren nicht mit den Worten schön oder melodisch zu beschreiben. Sie ist, wie alle Raben, neugierig und alles was glitzert zieht sie an. So bekam sie den Ruf zu stehlen. Die diebische Elster, die den Schmuck klaut. Mag ja im einen oder anderen Fall vorkommen, aber der echte Schaden in dieser Hinsicht dürfte sehr gering sein. Was jedoch die Bevölkerung mehr erregt ist, dass sie, als relativ großer und hochintelligenter Allesfresser, besonders während der Fütterungszeit ihrer eigenen Jungvögel gerne auch zum Nesträuber wird. So kann man immer wieder beobachten wie sie junge Amseln, Spatzen oder auch Meisen aus dem Nest holt oder während der ersten Flugversuche als Futter für ihre eigenen Jungen mitnimmt. Das ist natürlich verstörend und besonders wenn sie gerade eine junge Meise oder ein Rotschwänzchen erwischt hat jede und jeder, auch ich, irgendwie Mitleid (bei Spatz oder Amsel seltsamerweise weniger!). Denkt man aber darüber nach, so tut sie nichts anderes als unsere vielen Katzen auch, ja und auch wir, wenn wir ein Spanferkel essen oder einen Lammbraten. Ich konnte auch selbst schon beobachten wie ein Elsternnest ausgeräumt wurde und deren Junge als Speise dienten. Ich bitte alle, den Beitrag des Naturschutzbundes (der Link ist am Ende dieser Vorstellung zu finden) zu lesen.

Das typische Flugbild der Elster, mit ihrem langen Schwanz. Foto: Martin Schischkoff


Jungelster bei ihren ersten Flugversuchen.


Sehr großes und schönes Elsternnest, hoch oben im Wipfel der Kiefer im Schulhof.

Weitere Europäische Arten

Der Unglückshäher in Nordosteuropa, die Blauelster in Spanien und Portugal, die Alpenkrähe in Südeuropa zum Teil bis zum südlichen Alpenbereich an Steilwänden sowie an manchen britischen Küstenbereichen.

Zu den Rabenvögeln findet man, wie zu allen anderen Vögeln auch, viele Web-Links, wie zum Beispiel die folgenden:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-gartenvoegel/voegel-bestimmen/13769.html

https://www.brodowski-fotografie.de/themen/rabenvoegel.html

https://www.brodowski-fotografie.de/beobachtungen/rabenvoegel-steckbriefe.html

https://www.planet-wissen.de/natur/voegel/rabenvoegel/index.html

https://www.tiamat.at/Rabenvogel/?p=433

https://naturschutzbund.at/artenschutz/articles/kraehenvoegel-finstere-zeiten-fuer-die-klugen-schwarzen.html
(sehr interessanter Beitrag über Studien zur Schädlichkeit der Rabenvögel für andere Vögel)

http://www.gdadade.de/Rabenvoegel/list.HTM

und viele andere.

Mein besonderer Dank gilt den Freunden, die Ihre Fotos immer wieder gerne zur Verfügung stellen. Ich kann nur jedem empfehlen die verschiedenen Rabenvögel manchmal in Ruhe zu beobachten und auf diese Art entdecken zu können wie verspielt, neugierig und klug sie sind, und wie wertvoll sie, trotz der Schäden, die sie auch verursachen, für die Umwelt auftreten – als Warner vor Gefahr und auch oft als Beschützer indem sie Fressfeinde vertreiben.

© Alle Fotorechte verbleiben bei den jeweils angegebenen Inhabern! Fotos bei denen kein Fotograf genannt wird sind von mir, Robert Pisch.

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Robert Pisch

Robert ist grafischer Facharbeiter in der Druckvorstufe und seit kurzem in Pension. Er hat zuletzt seit mehreren Jahren die grafischen Vorarbeiten für die Druckversion der DZ-Inzing erledigt. Als Mitglied von JUF, seit der Gründung dieser Fraktion, sitzt er die letzten Gemeinderatsperioden auch im Landwirtschaftsausschuss. Sein größtes Interessensgebiet ist die Natur und der Umgang mit ihr. Zusätzlich liebt er es, rein hobbymäßig, zu fotografieren und ist passionierter Fußgänger. In den letzten Jahren ist er auch auf den Geschmack und den Reiz von “Weitwanderungen” gekommen. In den sporadischen Beiträgen möchte er diese Interessensgebiete und daraus gewonnene Erfahrungen näher bringen und hofft dabei auch, die eine oder andere Diskussion “anzuzetteln”.

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