8. Dezember 2022
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Alles neu macht der Mai (oder der März und April)

Lesedauer ca. 3 Minuten

Der Kulturausschuss ist also neu konstituiert und mit Vizebürgermeister Alexander Maurer wieder in SPÖ-Händen. Gleich ein Einschub vorweg: Vielen Dank an Armin Saxl für seinen langjährigen Einsatz. Schade, dass die letzten beiden Jahre seines Engagements von der Pandemie überschattet waren. Als Armin vor 12 Jahren den Kulturausschuss übernommen hatte, war ich beeindruckt, wie schnell er, der vorher wenig mit dem Thema in Berührung gekommen war, das Potenzial zeitgenössischer Kunst und Kultur für eine offene Gesellschaft erkannt hatte. Um ein Beispiel herauszugreifen: durch Armin konnte der Entwicklungsprozess Kultur vor Ort in Inzing durchgeführt werden, der eine allgemeine Aufbruchsstimmung im Dorf erzeugte und zu ein paar wichtigen Schritten führte, die heute leider wieder etwas in Vergessenheit geraten sind. Nebenbei bemerkt war eine zentrale Forderung der Teilnehmenden die Renovierung des Wegmacherhaus und seine Etablierung als offener Kulturraum. Eine Forderung, die der neue Kulturausschuss gerne wieder aufnehmen könnte.

Alexander Maurer sei an dieser Stelle die Hoffnung mitgegeben, dass er das angesprochene Potenzial nach Kräften unterstützt und neben seinem Vizebürgermeisteramt über genug Ressourcen verfügt, der Kultur in Inzing neue Impulse zu geben. Im Kulturausschuss und bei den Kulturvereinen gibt es genügend Expertise und Ideen, die nur auf eine Umsetzung warten. Insofern wäre es auch klug und weitsichtig möglichst bald wieder die „Kulturgespräche“ einzuberufen. Heißt es doch im Kulturleitbild der Gemeinde:

„Kulturelle Aktivitäten werden kommuniziert. Die notwendige Vernetzung passiert über die „Kulturgespräche“, welche mindestens 2 Mal pro Jahr stattfinden und vom Obmann/von der Obfrau des Kulturausschusses organisiert und geleitet werden. Diese sind öffentlich zugänglich und werden in geeigneter Form durch Medien angekündigt. Zu den Kulturgesprächen treffen sich Vertreter und Vertreterinnen aller Kulturinitiativen sowie Kulturinteressierte; dieses vorhandene Expertentum ist in der Lage, eine kulturpolitische Ausrichtung für unser Dorf zu entwickeln, welche vom Obmann/von der Obfrau des Kulturausschusses in den Kulturausschuss eingebracht wird.“ (Hervorhebungen M.H.)

Aber nicht nur der Kulturausschuss ist neu besetzt, auch der Kulturverein Inzing hat seit seiner Generalversammlung am 17. März dieses Jahres einen neuen Obmann. Nach fast 20 Jahren durfte ich das Amt an Pascal Takes übergeben.

Ich erinnere mich noch gut, als die alte Garde rund um Georg Oberthanner, Waltraud Knoll, Monika Prantl und einigen anderen vermutlich im Jahr 2003 knapp davor war den Verein aufzulösen. Peter Plattner, der dem Kulturverein die Unterstützung einiger Ausstellungen verdankte, wollte den Verein nicht sterben lassen und überredete mich seinen Stellvertreter als Obmann zu machen. Kein Jahr später übersiedelte Peter nach Wien und der Job blieb an mir hängen. Mit Peters Unterstützung aus der Ferne setzten wir dann im Herbst 2004 unsere erste große Veranstaltung um, eine Straßenausstellung zum Thema Globalisierung „Kunst – Straßenseitig“. Im Rückblick noch immer ein gelungenes Projekt, das durch seine Interdisziplinarität viele Perspektiven auf das Thema geworfen hat. Unvergessen bleibt die Rezeption im Dorf, die sich oft ausschließlich und reduzierend auf eine Fotocollage von Toiletten aus aller Welt bezog, auf denen das Abziehbild mit dem Titel „Klobalisierungsfalle“ klebte. Manche meinten wohl, wir fänden die Dorfchronik zum Sch…. Ich kann nach wie vor versichern, dass das keinesfalls unsere Absicht war. Im Gegenteil: wir wollten als Dankeschön an die Schaufensterleihgeber diese als Teil oder zumindest als Unterstützer des Projekts sichtbar machen.

Wie auch immer, die Entscheidung, die Obmannschaft des Kulturvereins zu übernehmen, war wohl auch eine, die meinen persönlichen und beruflichen Weg wesentlich beeinflusste. Neben vielen Projekten in Inzing, der Vorstandstätigkeit in der TKI, dem Dachverband der Tiroler Kulturinitiativen, die bis heute anhält, das Radiomachen bei Freirad (auch Radio Enterbach war ein hübsches Projekt – hier zur Erinnerung das Programm), sehe ich letztendlich auch meine heutige Geschäftsführung der Initiative Minderheiten in Innsbruck als mehr oder weniger direkte Folge dieser Entscheidung. Insofern kann ich behaupten, dass es eine gute war.

Es ist aber auch eine gute Idee, sich nach so vielen Jahren in die zweite Reihe zu setzen und Platz für neue Ansätze freizugeben. Dass Pascal diesen zu füllen weiß, hat er schon bei unserem letzten Jour Fixe bewiesen, bei dem drei neue (junge) Interessierte vorbeikamen und sich einbrachten. Die Aufnahme neuer Mitglieder war sicher eines der Themen, die wir in den letzten Jahren sehr stiefmütterlich behandelt haben. Aber gute Neuigkeiten für alle Interessierten: Der Kulturverein trifft sich jeden dritten Donnerstag um 20 Uhr im Wintergarten und freut sich über neue Leute. Einfach vorbeikommen und mitreden!

Für mich selbst wird die Herausforderung sein, die Balance zwischen Unterstützung und Zurücknehmen zu finden. Vielleicht eine gute Übung für die Zeit, in der die Kinder dann in die Pubertät kommen.

PS: Noch ein Wort zum Titelbild. Das zeigt Gerhard Pisch, wie er versucht zu hören, ob die Übertragung des gerade nebenan live stattfindenden Konzerts von Jenny Auer auf Radio Enterbach funktioniert.

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Michael Haupt

Michael nennt sich selbst gern Kulturarbeiter und macht das in verschiedenen Feldern, sowohl beruflich, als auch in seiner Freizeit. Letztlich geht es ihm dabei immer um die politische Dimension von Kultur. Um ihr Potenzial, die Gesellschaft vorwärts zu bringen, in dem sie Themen und Fragestellungen auf andere Art aufwirft. Das wird sich auch in seinen Artikeln für den Blog zeigen.

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Ein Gedanke zu “Alles neu macht der Mai (oder der März und April)

  1. Lieber Michael,
    danke für die Erinnerung an das tolle Projekt “Kunst Straßenseitig”, das man auch im DZ Archiv der Printausgabe nachlesen kann: https://www.dorfzeitung-inzing.at/index.php/archiv-2/category/5-2004?download=28:dz04-4
    Die Kulturgespräche wiederzubeleben ist ein Anliegen von JUF und von Alex Maurer gleichermaßen, da bin ich ziemlich optimistisch. Durch die neue Zusammensetzung des Kulturausschusses entwickelt sich eine neue Dynamik, von der ich mir einige Impulse für die Kultur vor Ort erwarte.

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