8. Dezember 2022
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Werden alle Orte immer gleicher?

Lesedauer ca. 2 Minuten

Wenngleich ich mir in diesem Rahmen bis dato sehr gerne Gedanken zur Medienlandschaft Österreichs sowie der Qualität ebendieser gemacht habe (und ich aktuell an einem großen Projekt diesbezüglich für das Monatsmagazin DATUM arbeite, aber hierüber schreibe ich ein anderes Mal genauer), möchte ich mich heute etwas anderem widmen. Ein Thema, welches mich ebenso umtreibt.

Als junge, kritische Bürgerin, die leidenschaftlich gerne auf Reisen geht und fremde Welten, neue Kulturen, neue Städte entdeckt, mache ich mehr und mehr die Entdeckung, dass doch im Kern alle dieser neuen Städte immer gleicher, immer austauschbarer werden. Von Oslo bis Madrid, von den USA bis nach Südoastasien, habe ich den Eindruck gewonnen, es scheint sich ein Schema X zu etablieren, nach welchem moderne Orte heutzutage aufgebaut sein müssen. Da findet sich ein H&M Bekleidungsgeschäft neben einem Starbucks, neben einem McDonalds, neben einer weiteren internationalen Konzernkette. Eine wirklich individuelle Innenstadt, eine lebendige Altstadt, findet man zunehmend vergeblich. Wenn ich einkaufen möchte, so betrete ich dieselben Läden, ob ich mich in London oder Wien befinde. Das, was unsere vielfältige Kultur insbesondere in Europa ausmacht, das scheint verloren zu gehen. Ergeht es nur mir so?

Ich denke nicht. Es ist ein Unbehagen. Das Gleich und Gleich, dieses Phänomen heißt in der wissenschaftlichen Debatte „Gentrifizierung“. Alte, marode Plätze werden modernisiert, mit dem Anspruch, diese lebenswerter zu gestalten, doch nicht selten geht hierbei genau das Herz des jeweiligen Ortes, das Markante, verloren. Und des Weiteren vertreibt dies oft die ansässige Bevölkerung, die sich teurere Mieten nicht mehr leisten kann. Stattdessen entstehen ebenjene Einkaufscenter, die sich überall häufen.

Die Frage lautet: Wird dieser „Trend“ so weiter gehen – bis sich alle unsere schönen Städte wie ein Ei dem anderen gleichen?

Wenn ich diesen Gedanken weiterspinne, komme ich zum dörflichen Leben. Eine Gemeinde, wie Inzing, oder Zirl, wo ich aktuell wohne, besitzt ebenso einen individuellen Kern, den es zu erhalten gilt. Wenn die Entwicklung fortschreitet, könnte es sein, dass es auch hier zur „Gleichmacherei“ kommt. Unsere Orte wachsen, der Gedanke scheint nicht abwegig zu sein. Wie sollen wir damit umgehen? Ich glaube, gute und vor allem individuelle Ideen sind gefragt, die dem etwas entgegensetzen. Wenn ich durch Inzing spaziere, willl ich mich auch in Inzing wissen.

Zum Abschluss eine Frage – ich freue mich auf Ihre ganz persönlichen Meinungen: Was macht Ihren Heimatort für Sie unverwechselbar und einzigartig?

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Ein Gedanke zu “Werden alle Orte immer gleicher?

  1. Liebe Sarah,
    du weist in deinem Beitrag auf ein Phänomen hin, das durch eine außer Rand und Band geratene Investitionstätigkeit entstanden ist und vorerst so weitergeht. Es ist zuviel Geld zum Veranlagen da und da sind Immobilien immer noch sehr lukrativ.
    Daneben gibt es aber immer mehr Startups mit interessanten Ideen und Angeboten, nur agieren die aus Kostengründen und wegen des sich ändernden Kaufverhaltens hauptsächlich im Internet. Das finde ich sehr schade, weil so für die Innenstädte mehr und mehr nur Souvenirläden und Gastronomie übrigbleiben, doch wenn es keine für die Einheimischen interessante Geschäfte mehr gibt, warum sollte man dann in die STadt gehen – so stirbt langfristig auch ein Teil der Gastronomie.
    Ich denke, dem können Stadtregierungen mit der Ausweisung von günstigeren Lokalen/Verkaufsräumen entgegenwirken, das kann man auch bei der Genehmigung eines größeren Projekts zur Bedingung machen, dass ein bestimmter Anteil an Flächen günstig zur Verfügung gestellt werden muss.
    Was Inzing ganz individuell zu Inzing macht, sind für mich die vielen Vereine. Wer hierher zieht, hat eine sehr große Anzahl von Möglichkeiten, über gemeinsames Tun anzudocken: im Sport, bei sozialem Engagement und gerade auch in der Kultur. Dies gilt es zu erhalten, dann ist mir um Inzing nicht bang.
    Liebe Grüße
    brigitte

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