7. Dezember 2022
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Bei-Nahtoderlebnis

Bild von PIRO auf Pixabay
Lesedauer ca. 3 Minuten

Ich hatte heuer im Sommer zwar kein Nahtoderlebnis, aber immerhin ein Bei-Nah-toderlebnis oder vielleicht sogar eher ein Ferntoderlebnis.
Ein schöner, warmer Sommer-Durchschnitts-Arbeitstag, eingeleitet mit einem üblichen Radlarbeitsweg, verwandelte sich hals-über-kopf in einen Überraschungsaufenthalt in der Innsbrucker Klinik mit einem leicht fehldiagnostizierten Blinddarmdurchbruch. Der Blinddarm war dann exkorporiert … hihihi, schönes Wort für „dem Körper entnommen“ … ;-))) , dadurch konnte medizinisch anschließend am freigelegten Blinddarm gut erkannt werden, dass dieser einwandfrei gar keine Mangelerscheinungen aufweisen konnte – beruhigend – wenn auch nachträglich unnütz – da, wie gesagt, schon entfernt. Egal, die wahre Ursache konnte dingfest gemacht werden und so wurde flugs ein weiteres Eingeweide entfernt – und das war dann auch ein Schuss ins Schwarze … farblich wie fachlich zutreffend.

Jedenfalls war das nekrotische Gewebe entfernt. Soweit so gut. Damit sollte alles behoben sein, was sich dann als verfrühte Aussage entpuppte.

Es folgten zwei bange Wochen mit den dichotomen Diagnosemöglichkeiten: „Alles Gute und alles Schlechte möglich.“ Die gefühlten Pole pendelten zwischen „Leben und Tod“ ….

Das machte betroffen! Ziemlich sehr!  … Und dann machte es vor allem einmal lange – genau zwei Wochen  – …… N I C H T S

N I C H T S

N I C H T S

N I C H T S

N I C H T S 

….

„Nichts“, fühlt sich, um ehrlich zu sein, gar nicht so gut an. Langes, banges Warten.

Und dann war das Ergebnis: Leben. Nicht Tod.
Zwar mit ein paar kleinen Einschränkungen, aber eben Leben.

Das hinwiederum ( … 😉    siehe oben … 😉  ) fühlt sich, um ehrlich zu sein, ziemlich sehr gut an.

Und: Es befreit. Von unbewusst vorgefassten Meinungen über sich und die Welt, die in Stein gemeißelt scheinen, wo sie`s gar nicht sind … oder allerhöchstens in Sandstein … 😉

Wenn mir jetzt DAS nicht passiert ist, kann mir so schnell alles „unter diesem DAS“ gar keine mehr Angst machen. 
So erschreckend die erste Emotion war, so sehr fühlte ich mich von dieser befreienden Erkenntnis dann beschenkt. Ich hoffe sehr, ich kann mir diesen Eindruck nachhaltig bewahren.
Eigentlich hat sich nämlich genau genommen faktisch überhaupt nichts verändert.
(Außer, dass ich jetzt meinen völlig intakten Blinddarm nicht mehr habe.) Und trotzdem hat sich meine Innenwelt sehr bereichert. Ich bin um einen gesunden Blinddarm ärmer und um eine ebenso sehr gesunde Gewissheit reicher, dass mir überhaupt nix passieren kann, solange mir nicht DAS passiert. Es relativiert und kalibriert das Alltagserleben wiedermal neu. Richtwert: Was ist mir wirklich wichtig im Leben?

Weil: Was mir wirklich wichtig ist im Tod, darum kann ich mich sowieso erst dann kümmern, wenn´s soweit ist und ich mich im Totenreich befinde. Von hier aus kann ich dazu eher nicht viel sagen …

Kurzer Einwurf: Danke, dass wir in Österreich unter „normalen Umständen“ im Frieden leben.

In der Ukraine passiert DAS aktuell täglich und zwar nicht aus medizinischen, sondern aus kriegstechnischen Gründen. Das relativiert und kalibriert selbstverständlich entlang anderer Werteskalen.

Und wenn wir grade bei „Leben“ und „Tod“ sind …
Was kommt eigentlich nach dem 10. Gebot?  2.0?

Leben und Tod liegen somit – was eine Binsenweisheit darstellt – nah beieinander. Meine Ferntoderfahrung hat mir freundlicherweise die geschenkte Chance und geniale Freudemöglichkeit, einfach das Leben zu leben, wieder einmal und auf eine letztlich doch sehr harmlose Weise nahegelegt.
Was ebenfalls nahelegt, sich über die Lebens- und Todesrichtlinien unseres Kulturkreises Gedanken zu machen, die doch schon ein bisschen antiken Staub angesetzt haben: Die zehn Gebot – die ja immerhin aus einem sehr fernen Jahrhundert stammen.

Was läge näher, als hier einmal einen Relaunch oder Erweiterungszusätze aufzulegen:

Die 10 Gebote 2.0: bzw. deren bisher unentdeckte, nun aufgetauchte Erweiterungen:

11. Gebot: Du sollst deine Kinder lieben, wie dich selbst.

Das beinhaltet logischerweise automatisch auch, dass deine Eltern dich auch so lieben sollen wie sich selbst. Auch ein schöner Gedanke. 🙂

12. Gebot: Du sollst dich am Leben freuen und deine Lebensfreude jeden Tag auf`s Neue spüren und mitteilen, nämlich mit den anderen teilen.

Das spricht für sich und braucht keine weiteren Erklärungen, würde ich mal so meinen.

13.Gebot: Scheiß di nix! Oder: Du sollst dich nicht fürchten.

Gut, das braucht natürlich schon eine tiefere Erklärung. Das bedeutet nicht, dass man alles Mögliche – auch irgendetwas für andere negative Mögliche – tun soll oder darf, sondern, dass jedeR so sein dürfen soll, wie er/sie/divers auf die Welt gekommen ist. SIC!

14. Gebot: Quasi als Zitat eines alten, weis(!)en – leider kürzlich verstorbenen – österreichischen Mannes: „Schaut`s auf anond und losst`s eich nix g`folln!“

Danke, Willi Resetarits und R.I.P.

15. Gebot: Du sollst – wirklich, es hilft – täglich singen, tanzen, springen und lachen.

16. Gebot: Sooooooouuuu, meine Lieben.

Diese Liste lässt sich gut und gerne erweitern. Vorschläge und Ideen von euch dazu gerne erwartet.

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Astrid Hofmüller

Astrid lebt seit 18 Jahren in Inzing. Sie ist Mitglied des Klimabündnisses, des Sprachcafes und des FKFI in Inzing. Eine besondere "private Vorliebe" hegt sie für den gepflegten Sinn für feinsinnig-kritischen Humor und verfolgt leidenschaftlich, wenn auch vor allem von zuhause aus - die heimische Kabarettszene ... was das nun konkret für sporadische Beiträge in der Dorfzeitung bedeutet, wird sich weisen ... ;-) Getreu dem Motto von Karl Valentin:" Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen."

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Ein Gedanke zu “Bei-Nahtoderlebnis

  1. Liebe Astrid,
    schön, dass es dir wieder gut geht (jetzt mal gesundheitlich) und vielen Dank für die Erinnerung an diese “Gebote”, die an verschiedenen anderen Stellen natürlich schon vorgekommen sind, aber die man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen und befolgen kann und soll.

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