29. November 2020
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Weitwandern – mein neu entdecktes Hobby

Lesedauer ca. 6 Minuten

Hier, als Beispiel, mein Vorgehen bei der Planung der ersten großen Wanderung. Nach der Suche und nachdem ich einige Ideen verworfen hatte, weil sie entweder zu schwierig für einen ersten Versuch eingestuft wurden oder vermutlich zu große Anteile auf Asphaltstraßen und -wegen hatten, fasste ich einen Entschluss. Ich wollte von Purbach am Neusiedlersee über Hainburg und die Donauauen nach Wien gehen. Dafür musste ich einzelne Etappen von drei verschiedenen Wanderwegen, dem Zentralalpenweg 02, dem Marc-Aurel-Weg 999 und dem Ostösterreichischen Grenzlandweg 07 (in umgekehrter Richtung), aneinander hängen. Ich erstellte einen ungefähren Plan der einzelnen, mindestens zu erreichenden, Etappen. Dabei rechnete ich vorsichtshalber mit 5 Tagen für die geplanten 100 km, wobei die zweite Etappe, nach Hainburg, recht lang war.

Jetzt habe ich für solche Fälle einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen, ich genieße es einfach in der freien Natur, im Schlafsack, zu übernachten und so ist es mir egal ob ich eine Unterkunft finde oder nicht. Selbstverständlich berücksichtige ich auch dabei das absolute Verbot in Naturschutzgebieten zu übernachten. Kurz gesagt, ich konnte alle geplanten Etappen deutlich erweitern und kam am mittleren Nachmittag des dritten Tages in Wien an.

Blick von Neusiedl am See nach Süden, alle Fotos: Robert Pisch

Wie aber verlief die Planung und Vorbereitung. Zuerst suchte ich Wegbeschreibungen wo es möglich war, kaufte Wanderkarten für die Region und verfolgte den Weg auf Google-Maps. Alle wichtigen Hinweise schrieb ich in einem selbst verfassten „Führer“ zusammen. Parallel erstellte ich eine Packliste, die ich in drei Spalten teilte: Unbedingt nötig (etwa Verbandzeug, Orientierungshilfen, Handy, Ausweise, Geld/Kreditkarte, Wasser, etc.), sehr gut (Fotoapparat, Bade- oder Handtuch, Taschenlampe, etc.) und wenig wichtig (Gewürze, Isomatte im Sommer, Ersatzschuhe …). Beim Packen bemerkt man dann recht schnell, dass man auf so manches verzichten sollte, das man gerne dabei gehabt hätte – unterwegs entdeckt man aber auch oft, dass vieles wirklich nicht nötig ist und die Schlepperei nicht wert wäre.

Der Rucksack sollte möglichst viele Möglichkeiten zur Unterteilung haben, wie etwa Seitentaschen. So kann man schnell und einfach auf alles Wichtige zugreifen. Wichtig ist auch, dass die schweren Teile möglichst nahe am Körper und eher im oberen Teil des Rucksacks liegen sollten. So ist die Gewichtsverteilung ergonomischer und strengt viel weniger an. Das spürt man schon nach wenigen Kilometern. Hier spielen schon echte Kleinigkeiten eine Rolle. Ich hatte beispielsweise meine Geldtasche, wie üblich, in der vorderen Hosentasche und wunderte mich, nach den ersten 25 Kilometern warum ein Oberschenkel bei jedem Schritt schmerzt. Die Geldtasche hatte bei jedem Schritt, und 25 km sind über 30.000 Schritte, leicht auf den Muskel geschlagen und als ich sie entfernte ging es sofort besser.

Kleidung, Reservekleidung und Schuhwerk sind selbstverständlich abhängig von der Art der Tour, vom Gelände, von der Jahreszeit und so weiter. In jedem Fall geht hier die Festigkeit und Zweckmäßigkeit vor die Mode und Schönheit. Bei der oben genannten Tour etwa hatte ich stabile Sandalen gewählt, die ich zu Hause fast ständig getragen hatte. Das war ein grober Fehler. Der Riemen über der Ferse begann die Haut aufzureiben und ich war froh am dritten Tag weite Strecken barfüßig gehen zu können.

Für die zweite Wanderung im darauf folgenden Jahr wählte ich den „Thayatalweg 630“ und seine Weiterführung am „Ostösterreichischen Grenzlandweg 07“ bis Wien. Also einen Weg durch das Waldviertel, entlang der Tschechischen Grenze, und von Retz ab durch das Weinviertel. Ein auf lange Strecken wunderschöner Weg, der jedem vieles bieten kann. Die Routenplanung gestaltete sich hier einfach da ich nur den Alpenvereinsführer zum Grenzlandweg kaufen musste. Diesmal wählte ich gute Wanderschuhe und konnte so jeden Tag vollauf genießen, Mal abgesehen von den ersten paar Kilometern am zweiten und dritten Tag bis der Muskelkater sich beruhigt hatte. Vielleicht hätte ich schon im Vorfeld mehr trainieren sollen. Auch bei dieser Tour konnte ich einen Fehler meinerseits entdecken. Am sechsten und siebten Tag ging ich deutlich zu weit und zusätzlich hatte der erste der beiden Abschnitte viele teils kräftige Steigungen, wenn auch nicht mit großen Höhenunterschieden. So begann dann mein linkes Knie zu schmerzen, was sich auf den letzten knapp 100 Kilometern natürlich nur noch verschlimmerte. Ich ging dann nicht mehr bis Wien hinein sonder brach in Langenzersdorf, nach insgesamt 294 km auf.

Das tat der Schönheit dieser Wanderung aber keinen Abbruch sondern regte mich nur dazu an, in Zukunft besser auf alles zu achten.

Feldhase zwischen Orth und Großenzersdorf

Nach diesen bisherigen zwei Wanderungen kann ich feststellen, dass ich mich, bei geringen bis mäßigen Steigungen, mit ungefähr 30 bis 34 km pro Tag am wohlsten fühle. Dabei habe ich nicht das Gefühl, dass ich eigentlich noch weiter gehen möchte und ich überanstrenge mich auch nicht. Wie gesagt, das gilt für mich und meine Art zu wandern bei der die Bewegung an sich, die Natur um mich und die täglichen Erlebnisse und Eindrücke der Maßstab sind. Viele werden vermutlich Etappen mit 15 bis höchstens 25 km vorziehen und mehr Zeit in den Orten und Städten verbringen, beziehungsweise mehr und längere Pausen einlegen wollen und anderen ist vielleicht meine Strecke zu wenig, das kann jeder nur für sich selbst austesten und entscheiden. Hier sei auch noch einmal wiederholt, dass in einer Gruppe grundsätzlich das schwächste Glied entscheidet!

Heutzutage werden auch sicher nur noch wenige mit Karte und Kompass unterwegs sein. Die meisten werden eher ein GPS-Gerät oder einfach die GPS-Funktion ihres Smartphones verwenden. Doch Vorsicht! Alle Karten sollten offline am Gerät gespeichert sein, man weiß ja nicht ob überall der Empfang gut genug ist und es ist immer vorteilhaft doppelt abgesichert zu sein. Die Akkus könnten leer werden, das Gerät kann nass werden oder aus sonstigen Gründen nicht funktionieren. Je gefährlicher das Gelände sein kann, eventuell auch nur witterungsbedingt, und je weniger Ortschaften rund um die gewählte Strecke liegen umso wichtiger ist die mehrfache Absicherung.

Hier noch eine Muster-Packliste, die aus mehreren im Internet gefundenen zusammengesetzt wurde (inklusive dort gelisteter Dingen die ich eher lächerlich finde):
Alleskleber/Textilkleber
Auslands-Reisekrankenschein (bei Wanderungen ins Ausland)
Ausweise & Papiere (Gültigkeit überprüfen!), Pass, Passkopien, Blutspendeausweiß, e-card, …
Badesachen (bei Bedarf)
Bankomatkarte, Kreditkarte, Geld
Biwaksack oder Rettungsdecke
Brille
Draht
Essbesteck und Geschirr
Feuerzeuge und/oder Streichhölzer
Fiebertabletten
Fieberthermometer
Fotoapparat, Reserveakku, Reservespeicher, Objektiv, Reinigungstuch
Führerliteratur und andere Literatur zum Wandergebiet (evtl. heraus kopieren, Gewicht!)
Geschirrtuch/Stofftaschentuch
Gewürze
Halstuch (bei Bedarf)
Handschuhe (bei Bedarf)
Handtuch
Mobiltelefon oder Funkgerät mit Ladegerät
Höhenmesser, Schrittzähler, GPS
Hut oder Mütze (bei Bedarf)
Isomatte
Jacke (Windstopper)
Karabiner
Taschenlampe, Kerzen oder Stirn-Lampe
Kocher & Brennstoff
Kohletabletten
Kompass
Kordel oder Paketschnur
Kraftnahrung leicht (Trockenfleisch, -früchte, Marzipan, Hartwurst, Knäckebrot o.ä., …)
Medikamente (die man ständig braucht, Bsp. Schilddrüsentabletten)
Messer und Reservemesser (scharf)
Power-Bank – Ladeakku (eventuell auch Solar)
Moskitonetz für Biwak (bei Bedarf)
Mückenabwehr
Mückenstichgel
Müllsack
Nähzeug und Knopfzwirn
Notizblock und Schreibutensilien
Rasierzeug
Regenschutz
Reserveakkus (Kamera, GPS, etc.)
Reservekleidung, Hose ev. Kurze (bei Bedarf), Hemd/T-Shirt, Socken, Unterwäsche
Riemen & Schnallen für den Rucksack
Rucksack
Rucksackapotheke (Hansa-/Leukoplast, Mullbinde, elast. Binde, Schmerzmittel,
Desinfektionsmittel, Sicherheitsnadeln, Mittel gegen Sonnenbrand und Insektenstiche, …)
Säcke in verschiedenen Größen
Sandalen oder Turnschuhe (Bei Bedarf)
Schlafsack
Schnürsenkel
Seife
Sicherheitsnadeln
Signalpfeife
Sonnenbrille
Sonnenschutzmittel
Sportsalbe (Franzbranntwein oder Latschenkieferöl zur Muskelentspannung)
Spülschwamm
Steckeradapter für andere Staaten
Taschentücher
Tasse/Becher
Telefonkarte & -nummern (auch schriftlich bei Ausfall des Handys)
Tickets (Zug, Flug, Hotelreservierungen, …)
Toilettenpapier
Uhr oder Wecker
Umhängetasche oder/und Gürteltasche
Vitamin-/Mineralientabletten oder –brause
Gute Wanderkarte 1:25 00 (zur Not oder bei Weitwanderungen auch 1:50 000 sinnvoll),
Wanderschuhe oder Bergschuhe
Wandersocken
Wanderstöcke (Skistöcke oder Bergstöcke)
Warme Kleidung (nach Bedarf)
Wasserentkeimung/-filterung
Wasserflasche(n)
Wegbeschreibung
Zahnbürste
Zelt

Zusätzlich im Winterhalbjahr
Handschuhe
Lange Unterhosen
Schlafanzug
warme Fleecejacke/Pullover
Wollmütze

Je nach Lust, Laune, Interesse
Bestimmungsbücher
Buch (Unterhaltung)
Fernglas
Hobbyausrüstung (z.B.: Geologenhammer)
Lupe
Spiele

Donauauen bei Eckartsau im Nationalpark Donauauen
Schachbrettfalter, ein recht häufiger Schmetterling in Ostösterreich.
Gmünd
Ein wahrer Spruch auf einem Gmünder Privathaus.
Europäische Hauptwasserscheide. Auf einer Seite rinnt alles Wasser in die Nordsee, auf der anderen ins Schwarze Meer.
Raabs an der Thaya. Eine der vielen Waldviertler Städte mit markanten mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten.
Im Waldviertel sind die Wanderwege großteils hervorragend und in beide Richtungen markiert.
Ankunft in Retz von Norden. Die einzige funktionstüchtige Windmühle Österreichs.
Kellergasse
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Robert Pisch

Robert Pisch

Robert ist grafischer Facharbeiter in der Druckvorstufe und seit kurzem in Pension. Er hat zuletzt seit mehreren Jahren die grafischen Vorarbeiten für die Druckversion der DZ-Inzing erledigt. Als Mitglied von JUF, seit der Gründung dieser Fraktion, sitzt er die letzten Gemeinderatsperioden auch im Landwirtschaftsausschuss. Sein größtes Interessensgebiet ist die Natur und der Umgang mit ihr. Zusätzlich liebt er es, rein hobbymäßig, zu fotografieren und ist passionierter Fußgänger. In den letzten Jahren ist er auch auf den Geschmack und den Reiz von “Weitwanderungen” gekommen. In den sporadischen Beiträgen möchte er diese Interessensgebiete und daraus gewonnene Erfahrungen näher bringen und hofft dabei auch, die eine oder andere Diskussion “anzuzetteln”.

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2 Gedanken zu “Weitwandern – mein neu entdecktes Hobby

  1. Durschnittlich 30 bis 34 km pro Tag ist eine sehr gute Leistung und – wie ich ihn kenne – passen sie für Robert. Meines Erachtens ist sie für viele Wanderer nicht(!) erreichbar. Meine Strecken liegen zwischen 20 bis 25 km pro Tag. Da ist aber auch häufiges Stehenbleiben für das Fotografieren mit dabei. Ich schlafe auch nicht im Freien bzw. im Zelt und muss für die Etappen daher die passenden Unterkünfte beachten.
    Ein sehr interessanter Beitrag mit guten Tipps. Robert, danke!

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