11. April 2021
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Familienforschung im digitalen Zeitalter

Matrikenbuch Inzing - https://matriken.tirol.gv.at
Lesedauer ca. 3 Minuten

In der Familienforschung führt kein Weg an den Pfarrmatriken – den Kirchenbüchern – vorbei, da in Österreich erst seit 1939 die Standesämter die Führung der Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten übernommen haben. Während früher der Gang in die einzelnen Pfarreien oder in das Landesarchiv zur Einsichtnahme in die Matriken erforderlich war, ist seit wenigen Jahren meist der direkte und kostenfreie Zugriff durch die Digitalisierung und Onlinestellung von Pfarrmatriken möglich geworden. Durch den vereinfachten Zugang zu diesen wertvollen Datenquellen für jedermann ist ein wahrer Boom der hobbymäßigen Familienforschung ausgelöst worden.

Es ist jedoch zu beachten, dass in Österreich die Geburten-, Trauungs- und Sterbebücher hinsichtlich der öffentlichen Einsichtnahme gesetzlichen Sperrfristen unterliegen: 100 Jahre seit Eintragung der Geburt, 75 Jahre nach Eintragung der Eheschließung und 30 Jahre seit Eintragung des Todes. Diese Sperrfristen gelten nicht für Vorfahren und Nachkommen in gerader Linie.

Zumindest die Daten der Eltern- und Großelterngeneration sind daher meist für einen bequemen Online-Zugriff nicht verfügbar und müssen aus anderen Quellen, wie z.B. Sichtung vorhandener Familiendokumente und persönliche Befragungen im familiären Umfeld, erschlossen werden.

Wenn diese Einstiegshürde genommen ist, steht aber der weiteren Online-Erforschung der Vorfahren nichts mehr im Weg, wobei es im Grunde irrelevant ist, ob diese Arbeiten mit digitalen Programmen oder einem analogen Karteikartensystem bewältigt werden. Digitale Programme bieten aber den Vorteil, dass die Ergebnisse der Familienforschung unmittelbar ansprechend präsentiert werden können und auch die unbedingt erforderliche Quellenverwaltung miterledigt wird. Die Auswahl, mit welchem aus der Vielzahl der verfügbaren Programme die Familienforschung gestartet werden soll, kann nach persönlichen Vorlieben getroffen werden, da eine Übertragung genealogischer Daten in andere Systeme durch ein standardisiertes Datenformat (GEDCOM) im Regelfall problemlos möglich ist.

Die Erstellung von Stammbäumen in Online-Portalen kommerzieller Firmen wie beispielsweise ANCESTRY oder MYHERITAGE stellt eine Alternative zur lokalen Datensammlung am eigenen Computer dar. Dabei ist jedoch zu beachten, dass hier über ein Abo-System meist monatliche Gebühren anfallen und die eingegebenen Daten darüber hinaus meist automatisch den Betreiberfirmen zur Verfügung gestellt werden, die wiederum mit diesen Daten milliardenschwere Umsätze generieren.

Eine Auswahl an kostenfreien Möglichkeiten zur Online-Recherche in digitalisierten Pfarrmatriken:

  • Nord- und Osttirol: https://matriken.tirol.gv.at
    Die Pfarren sind alphabetisch sortiert, die entsprechenden Kirchenbuchseiten im Navigationssystem mittels Voransicht auswähl- und downloadbar.
  • Südtirol: https://www.familysearch.org/de/
    Die größte genealogische Datenbank der Welt, die von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“) als öffentliche Datenbank kostenfrei der Allgemeinheit zugänglich gemacht worden ist, hat auch viele Pfarrmatriken aus Südtirol inzwischen freigeschaltet. Für den Zugriff ist jedoch ein (kostenfreies) Konto zu erstellen. Anschließend kann in der Katalogsuche eine Ortssuche gestartet werden, deren Ergebnis auf die entsprechend verfügbaren digitalisierten Mikrofilmbestände hinweist.
  • Für die Suche nach weiteren digitalisierten und kostenfrei online gestellten Kirchenbüchern im österreichischen aber auch im europäischen Umfeld lohnt sich meist ein Blick in https://data.matricula-online.eu/de/. Diese nicht gewinnorientierte Online-Plattform wird von vielen Diözesen und Ländern und auch von der Europäischen Union unterstützt.

FamilienforscherInnen müssen die deutsche Kurrentschrift lesen können. Ausgedruckte Tabellen mit dem Kurrent-Alphabet  und ein paar Schreib- und Leseübungen (z.B. http://www.kurrent-lernen-muecke.de/pdf/Schreiblehrgang%20Kurrentschrift%202016.pdf) helfen dabei über mögliche Anfangsschwierigkeiten hinweg.

Dass sich in den Kirchenbüchern viele lateinische Formulierungen und altertümlich wirkende, heute vielfach unverständliche Ausdrücke (etwa bei Berufsbezeichnungen) wiederfinden, sollte aufgrund der vielfältigen Suchmöglichkeiten im Internet für eine erfolgreiche Familienforschung kein Hindernis mehr darstellen. Sehr bewährt hat sich auch die Zuhilfenahme gedruckter einschlägiger Hilfsmittel, z.B. „Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich“ von Reinhard Riepel (ISBN 3000282742).

https://genteam.at/ ist eine wichtige österreichische genealogische digitale Plattform, die eine ständig wachsende Sammlung von Datenbanken, die von Historikern und Familienforschern nicht gewinnorientiert erstellt und gepflegt wird, nach Anmeldung kostenfrei zur Verfügung stellt.

Recherchen in digitalisierten Zeitschriftenarchiven wie https://anno.onb.ac.at/ oder https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Portal.po?lid=de_DE bieten darüber hinaus die Möglichkeit, das oft karge Datengerüst von Pfarrmatrikeneintragungen mit weiteren belegbaren Fakten aufzufüllen.

Eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Sterbebilder aus Gesamttirol bietet die Homepage http://sterbebilder.schwemberger.at/.

Der Ideenaustausch mit gleichgesinnten Familienforschern ist in diversen Internetforen (z.B. https://genlist.at/) möglich, wobei auch gegenseitige Hilfestellungen (z.B. Leseunterstützung, Übersetzungen, Worterklärungen) geleistet werden. Selbiges wird auch in den einschlägigen Facebook-Gruppen (z.B. Ahnenforschung Tirol / Südtirol) angeboten.

Da durch jede neu aufgefundene Person für die Familienforschung zwei neue Fragen aufgeworfen werden – die Frage nach dem Vater und die Frage nach der Mutter, muss jedoch – aus eigener Erfahrung – vor dem bedeutenden Suchtpotential dieser Freizeitbeschäftigung gewarnt werden.

Interessante Entdeckungen sind aber immer möglich, wenn etwa nachgewiesen werden kann, dass der wohl berühmteste Inzinger – Fürstbischof Vinzenz Gasser – zumindest väterlicherseits als „Zuagroaster“ klassifiziert werden muss, ein „Schicksal“, das er wohl mit der Mehrzahl der heutigen Inzinger teilt.

Text und Bild (Ahnentafel Vinzenz Gasser) – Josef Wieser

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