11. April 2021
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Das muss WAHRE LIEBE sein…

Die Familie Heinrich und das Ehepaar Beiler
Lesedauer ca. 6 Minuten

Über die beeindruckende, euphorische Beziehung von Dr. Hannes Heinrich und seiner Familie aus Bergisch-Gladbach zu INZING

Manchmal schreibt das Leben die interessantesten Geschichten. Dies ist zwar eine banale Feststellung, aber hier dennoch besonders zutreffend:
Als ich vor einigen Wochen die finanzielle Gebarung auf dem Konto der DZ durchsah, fiel mir auf, dass ein gewisser Herr Dr. Heinrich aus Deutschland regelmäßig finanzielle Beiträge zur Unterstützung der DZ überwiesen hatte. Mein Redaktionskollege Peter Oberhofer, den ich fragte, was es damit auf sich hätte, meinte, dass er über die Heinrichs auch nicht genau Bescheid wüsste.
Also ging ich daran, mir den Fall genauer anzuschauen und kontaktierte Dr. Heinrich, zuerst postalisch, dann via Telefon und E-Mail. Inzwischen hat sich ein reger Austausch entwickelt.

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KURZPORTRAIT der Hauptakteure dieser Geschichte

Dr. Hans Hermann (genannt Hannes – nach dem österreichischen Schifahrer Hannes Schneider) Heinrich wurde 1933 in Köttenich bei Düren (zwischen Köln und Aachen) geboren.
Seine Mutter, Helene Plattner, kam 1896 in Innsbruck zur Welt. Da ihre Eltern früh verstarben, ist sie im Jesuitenkloster aufgewachsen. Danach wurde sie von der Familie Malfatti in Innsbruck und später von der Familie Huber in Landeck aufgenommen.
Der Vater von Hannes, Hermann Heinrich (geb. 1896), stammte aus Eger in Tschechien. Er war in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts Finanzprokurist bei der Textil AG in Landeck, wo er seine Frau Helene kennenlernte, die er 1922 heiratete. 1927 wurde er Verkaufsdirektor in der Baumwollspinnerei Leopold Schoeller jun. & Companie in Köttenich.

Grete,Erika, Helene, Hermann, Arno und Hannes (von links nach rechts, 1962)

Die zwei Schwestern von Hannes sind in Landeck geboren (Grete 1923, Erika 1926), der Bruder Arno 1929 in Köttenich.
Die Kindheit verbrachte Hannes mit seinen Eltern und den drei Geschwistern in der Schoeller-Dienstvilla in Köttenich.
Dort besuchte er die Volksschule und in Düren das Realgymnasium.
Die Wirren des Zweiten Weltkriegs verschlugen die Familie nach Inzing, wo Hannes 1944-45 das vierte Jahr der Volksschule absolvierte, da er aus Platzgründen an keinem Gymnasium angenommen wurde. Einer seiner Schulfreunde war Franz Beiler, der weiter unten noch zu Wort kommen wird. Von 1945-49 war Hannes Schüler am Akademischen Gymnasium Innsbruck, von 1949-53 an der Bundeshandelsakademie Innsbruck.
Er studierte 1955-59 Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Köln und erwarb 1960-61 das Doktorat in Innsbruck.
Hannes Heinrich war lange Zeit als Wirtschaftsprüfer bzw. Steuerberater tätig und leitete von 1968 bis zu seiner Pensionierung 1997 die Deutsche Treuhand-Gesellschafts-AG in Düsseldorf. Darüber hinaus fungierte er auch als Gerichtsgutachter.
1969 heiratete Hannes Heinrich Karla Maaßen, eine kaufmännisch ausgebildete, künstlerisch begabte und sportaffine Frau. 1969 bzw. 1970 kamen die Töchter Silke und Verena zur Welt. Vier Enkelkinder ergänzen heute das idyllische Familienleben der Heinrichs in Bergisch-Gladbach bei Köln.

Silke, Karla, Hannes und Verena Heinrich

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Die BEZIEHUNG der Familie Heinrich zu INZING
(siehe auch: “Gedanken an Inzing” – DZ 3/2008, Seite 3)

Der Vater von Hannes, Hermann Heinrich, kaufte 1938 das Haus Nr. 48 in der Kohlstatt vom Landmaschinenhändler Viecelli.
In den Kriegsjahren erholte sich die Familie (Hermann, Helene, Grete, Erika, Arno und Hannes) jeweils im Juli/August von den Bombennächten in Deutschland in Tirol. 1944 flüchteten die Heinrichs vor der herannahenden Front der Alliierten nach Inzing.
Die Eltern verloren durch den Krieg ihr ganzes Vermögen.
Von 1944-1955 lebten die Mutter Helene und die Kinder durchgehend in Inzing. Der Vater kümmerte sich um den Wiederaufbau in Deutschland.
Dies ist die Zeit der Ausprägung einer besonderen Beziehung von Hannes zu unserem Dorf und seinen BewohnerInnen. In vielen Gesprächen mit ihm habe ich seine tiefe Zuneigung zu (fast) allem, was mit Tirol im Allgemeinen und Inzing im Speziellen zu tun hat, wahrgenommen. Ich konnte in diesen Situationen, obwohl wir uns noch nie physisch begegnet waren, seine Augen geradezu funkeln sehen.
Seit 1934 war Hannes jedes Jahr in Tirol, zunächst ein paar Jahre in Reutte, dann in Inzing/Hatting – mit Ausnahme von 2020 (bedingt durch Corona). Auch nach der Heirat mit Karla (1968) und der Geburt der Töchter fuhr die Familie weiterhin jährlich nach Inzing (später nach Hatting), um sich in der Tiroler Bergwelt zu erholen.
In der von Hunger geprägten Nachkriegszeit entstanden tiefe Freundschaften und Verbundenheiten mit InzingerInnen, die bis heute anhalten. Besonders enge Beziehungen pflegte auch der bereits verstorbene Bruder Arno.
Stellvertretend für viele Freundschaften (u.a. mit Pepi Kranebitter, Otto Gastl, Heinz Wanner, Hubert Schwab …) sei hier die Beziehung zur Familie von Franz und Reinelde Beiler erwähnt. Mehrfach hat Hannes in den Gesprächen mit mir darauf hingewiesen, dass Franz sein bester Inzinger Freund sei, was von diesem auch bestätigt wurde. Auch die Frauen Karla und Reinelde sind Freundinnen geworden.

Hannes, Franz, Verena, Reinelde und Silke (von links nach rechts)


Franz und Hannes lernten sich in ihrem letzten Jahr (1944/45) in der Volksschule in Inzing kennen. Auch Arno Heinrich entwickelte sich zu einer bekannten “Größe” unter Inzinger Jugendlichen. Franz erinnert sich amüsiert an die Tatsache, dass Arno ihm 1951 sein Fahrrad lieh, mit dem er seinen Bruder Meinrad auf dessen Maturareise nach Venedig begleitete, wobei es mehrmals aufgrund von platten Reifen zu notwendigen, die Reise verzögernden Reparaturen kam. Eine besonders enge Beziehung entwickelte Franz auch zur Mutter von Hannes, Helene. Sie sei wie eine zweite Mama für ihn gewesen.
Franz hat sich um das Inzinger Haus gekümmert, als die Heinrichs ab den späten 50er Jahren großteils nicht mehr in der Kohlstatt, sondern in Deutschland lebten.
Hannes und Franz erzählten mir von dem einen oder anderen Streich, den sie als Jugendliche bzw. junge Männer in Inzing begangen hatten. Oder davon, dass die Heinrichs heute noch einige Waren von InzigerInnen beziehen – z.B. Obst und Spirituosen von der Fam. Kranebitter, Kartoffeln von Heinz Wanner oder Honig von Franz Gruber.
Franz Beiler hat Hannes und dessen Familie(n) auch mehrmals in Deutschland besucht, u.a. 1958, als sie dann gemeinsam zur Weltausstellung nach Brüssel gefahren sind.   

Hannes verkaufte 1995 kurz vor seiner Pensionierung das Haus in Inzing, das er 1981 nach dem Tod seiner Eltern erworben hatte. Seither wohnen die Heinrichs bei ihrem jährlichen Herbsturlaub im Gasthof Neurauter in Hatting.

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Der Christophorus-Brunnen

Der Brunnen im Garten des Hauses Kohlstatt 48 war und ist Hannes ein besonderes Anliegen. Darüber hat er auch in einem Gastbeitrag in der DZ 3/2016, S. 3-5 berichtet.
Das von Prof. Johannes Obleitner geschaffene und vom Inzinger Künstler Franz Rumer renovierte Kunstwerk sollte nicht dem Verfall preisgegeben werden. Hannes hat nicht das Gefühl, dass er in der Gemeindeverwaltung dafür genügend Gehör gefunden hat bzw. findet.


So es die etwas angeschlagene Gesundheit von Hannes Heinrich bzw. Corona erlauben, möchte er heuer im Herbst wieder mit Frau und Töchtern ein paar Tage Urlaub in seinem geliebten Tirol machen.
Ich bin sicher, dass Hannes uns noch viele spannende Geschichten über Inzing und seine BewohnerInnen erzählen kann. Auch im Blog der Dorfzeitung wird demnächst der eine oder andere Artikel aus Hannes’ Feder erscheinen.


Ich möchte mich bei ihm sehr herzlich dafür bedanken, dass er mir nach meiner Kontaktinitiative mit einem großen Vertrauensvorschuss einen detaillierten und intimen Blick auf sein Leben und das seiner Familie gewährt hat, indem er mir seine großteils handschriftlich verfassten, nur für private Zwecke vervielfältigten Memoiren (“Mein Leben”) zur Verfügung gestellt und mit großer Geduld viele Fragen am Telefon beantwortet hat.
Weiters möchte ich Hannes Heinrich im Namen der Redaktion für die großzügige finanzielle Unterstützung der Dorfzeiten (sowohl in Print- als auch in Blogzeiten) danken!


Ich wünsche Hannes und Karla sowie deren Töchtern und Schwiegersöhnen mit Enkelkindern – auch im Namen der Redaktion der DZ – noch viele schöne Stunden in Tirol!

Fotos: privat (Fam. Heinrich, Franz Beiler)

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Luis Strasser

Luis Strasser

Als begeisterter Leser der Printausgabe der DZ hat sich Luis – zusammen mit einem kleinen Team – nach der drohenden Einstellung der Druckversion 2019 dafür eingesetzt, die DZ in irgendeiner Form zu erhalten. Das Resultat ist der nun vorliegende Weblog, an dem als Redaktionsmitglied und Autor mitzuarbeiten, ihm viel Freude bereitet. Seine Schwerpunktthemen: Politik, Bildung, gesellschaftlicher Wandel, Zeitgeschichte…

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