8. Dezember 2021
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Reptilien – Teil 2: Schlangen

Die Barrenringelnatter wurde erst kürzlich zur eigenen Art erklärt und somit gibt es jetzt um eine Schlangenart mehr in Österreich. (Aus der ehemaligen Ringelnatter mit vielen Unterarten wurden drei Arten. Die Ringelnatter, die Barrenringelnatter und die spanische Rotaugenringelnatter – zwei davon kommen in Tirol vor).
Lesedauer ca. 14 Minuten


Allgemeines über die Reptilien wurde im Teil 1 genannt, hier noch ein wenig allgemeines über die Schlangen. Zur Zeit sind mehr als 3600 Schlangenarten beschrieben worden, die die gesamte Welt besiedelt haben, mit Ausnahme der Arktis, der Antarktis, den Permafrostgebieten und weniger Inseln. Etwa 600 Schlangenarten sind giftig und von diesen sind nur rund 50 potenziell tödlich für Menschen (übrigens keine der drei in Österreich vorkommenden Arten).

Das erste Auftauchen von Schlangen begann vor etwa 167 Millionen Jahren, also mitten im Saurier-Zeitalter. Es gibt sie in in Maximalgrößen von 10 cm bis zu über 7 m (Angaben von 10 m und mehr werden immer noch stark bezweifelt). Mehrere Gruppen haben Sinnesorgane zur Messung der Infrarotstrahlung (= Wärmestrahlung) entwickelt. So können etwa Klapperschlangen Temperaturunterschiede von 3 Tausendstel Grad Celsius noch feststellen. Bei ihnen, wie bei allen Grubenottern, liegt dieses Organ zwischen Nase und Auge in einer Grube, bei vielen Riesenschlangen liegt es zwischen den Oberlippenschildern.

Nach Art und Lage von Giftzähnen unterscheidet man vier Gruppen:

Die als Aglyph bezeichneten Schlangen haben keinerlei Giftapparat in den Zähnen. Hierzu gehören alle Nattern, Riesenschlangen und einige weniger bekannte Familien.

Opistoglyph sind die sogenannten Trugnattern, die feststehende Giftzähne mit einer Rinne an der Rückseite, die auch fast geschlossen sein kann, liegen ganz hinten im Kiefer. Es kommt bei Verteidigungsbissen nur selten zu ernsten Giftwirkungen (bisher fast nur bei Schlangenhaltern). Einige als harmlos geltende Arten kommen auch in Südeuropa vor.

Proteroglyph sind die Zähne der Seeschlangen und Giftnattern (Kobras, Korallenottern, Mambas, etc.). Die Zähne sind dabei etwa so geformt wie bei den vorherigen, sitzen aber vorne im Kiefer. Viele Giftnattern haben einen hohen Anteil an Nervengiften, die weniger stark schmerzen aber oft durch Lähmung zum Tod durch Ersticken führen.

Solenoglyph ist die vierte und letzte Variante. Die Giftzähne liegen auch hier vorne sind aber relativ lang (bis zu 5 cm) und werden daher nach hinten in eine Hauttasche geklappt. Diese Zähne haben nicht nur eine Rille sondern einen rundum geschlossenen Kanal. Zu dieser Gruppe gehören alle Vipern (also alle österreichischen Giftschlangen) sowie die Grubenottern, wie die Klapperschlangen. Ihr Gift hat häufig einen hohen Anteil an gewebszerstörenden und blutzersetzenden Komponenten was meist zu heftigen Schmerzen und starken Schwellungen um die Bissstelle führt.

Ringelnatter und Barrenringelnatter

Wie alle Nattern hat auch die Barrenringelnatter neun große Schilder auf der Kopfoberseite. Sehr schön kann man auch den Längskiel auf jeder Rückenschuppe erkennen, der sie rauer und matter aussehen lässt. Hier sind die hellen Mondflecke praktisch nicht mehr sichtbar, was bei älteren Exemplaren öfters vorkommt.

Die eigentliche Ringelnatter, hat vor und hinter dem meist gelben, manchmal weißen oder leicht orangen Mondfleck einen schwarzen Balken, vorne breiter als hinten. Ihr Körper zeigt häufig recht wenig Zeichnung und geht eher ins grau oder blaugrau wogegen die Grundfarbe der Barrenringelnatter eher ins bräunliche tendiert und mehrere dunkle Fleckenreihen aufweist, wobei die unteren an den beiden Seiten häufig breite senkrechte Balken, die sogenannten Barren, bilden. Bei der Barrenringelnatter findet man vor dem meist weißlichen Mondfleck (in der Jugend oft gelb) keinen oder nur einen schwachen dunkleren Bereich, dahinter dafür einen sehr breiten dunklen Balken, der auch nur sehr selten verblasst. Freies Foto aus dem Web.

Bei weitem die häufigste Schlange in Österreich ist die Ringelnatter, wobei diese vor wenigen Jahren in mehrere Arten aufgeteilt wurde. In die eigentliche Ringelnatter, die man in Vorarlberg, im Außerfern und im gesamten Osten Österreichs sowie in den angrenzenden Staaten nördlich, östlich und südöstlich davon findet. Die Barrenringelnatter, die im restlichen Tirol, besonders im Inntal zu finden ist, sowie im westlichen Deutschland und in Bayern und im gesamten Raum zwischen Großbritannien und Italien, bis zu den Pyrenäen. Und dann noch in die Rotaugenringelnatter aus Spanien und Portugal. Zur Unterscheidung der beiden in Tirol vorkommenden Arten siehe bei den Bildunterschriften.

Beide Ringelnatterarten sind gerne in Wassernähe aber nicht streng an Gewässer gebunden und man kann sie auch in Wäldern oder Wiesen und Äckern öfters finden, ja sogar recht gerne in Gärten und daher auch immer wieder in Wohnhäusern und Fensterschächten. Sie schwimmen und tauchen gut und gewandt.

Weibchen werden um einiges größer als Männchen. Sie legen meist um 15 längliche pergamentige Eier unter leicht feuchtes Laub oder Moos ab. Nach einigen Wochen schlüpfen dann die knapp 15 cm großen Jungtiere, die von Beginn an selbständig sind.

Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Fröschen und Kröten, aber auch andere Amphibien, Fische und sogar manchmal Mäuse werden gefressen.

Ihre Augen sind sehr gut und wenn sie Gefahr erkennt flieht sie rasch in dichtes Gestrüpp, in die nächste Höhle oder ein Mäuseloch oder ins Wasser. Ist eine Flucht nicht möglich oder sie hat einen anderen Grund diese zu meiden so warnt sie mit lautem Zischen. Auch beim Einfangen beißt sie nur sehr selten einmal zu, was völlig harmlos ist aber wegen der vielen Zähne die Haut schon auch verletzen kann, dagegen kotet sie den Störenfried mit einem übelriechenden Sekret ein. Es ist auch bekannt, dass sie sich manchmal auf den Rücken drehen, das Maul öffnen und die Zunge heraus hängen lassen um sich tot zu stellen.

Wie übrigens alle heimischen Amphibien und Reptilien sind sie streng geschützt und dürfen weder mutwillig belästigt noch gefangen und schon gar nicht getötet werden. Das selbe gilt übrigens auch für alle heimischen Giftschlangen!

Das Züngeln der Schlangen ist eigentlich so etwas wie riechen. Die Zungenspitze ist tief gespalten um so mehr Geruchsstoffe mitnehmen und zum Jakobsonschen Organ am Gaumen befördern zu können. Besonders heftiges Züngeln bedeutet also intensives Riechen – entweder um einer Spur zu folgen oder um eine Gefahr zu erkennen. Schlangen können das bei geschlossenem Maul machen, wogegen Blindschleichen das Maul dazu öffnen müssen. Auch der Sehsinn der beiden Ringelnattern-Arten ist ausgesprochen gut.
Vor der anstehenden Häutung beginnen sich die Augen zu trüben.



Dieses Weibchen der Barrenringelnatter steht knapp vor der Häutung, wie man an den sehr trüben, bläulichen Augen gut sieht. In dieser Zeit sind die meisten Schlangen besonders vorsichtig und oft auch schneller gereizt und verteidigungsbereit. Das ist auch verständlich wenn man bedenkt, dass sie ja beinahe nichts mehr sehen.


Paarungszeit im Frühjahr. Ein großes Weibchen (diese werden beträchtlich größer als die Männchen) wird von zwei Männchen umworben. Ein drittes war damals noch in gut einem Meter Entfernung, ebenso schon auf sein Ziel zusteuernd.
Die Barrenringelnatter ist deutlich kräftiger und massiver gebaut als die eigentliche Ringelnatter und wird auch um einiges länger (Ringelnatter kaum über 150 cm, Barrenringelnatter bis 180 cm, das größte Exemplar erreichte knapp über 2 Meter)

Bei Schlangen sind die beiden Unterkieferknochen nicht miteinander verwachsen und die Kiefergelenke können ausgehängt werden. So kann diese Barrenringelnatter eine Erdkröte verschlingen, die weit größer ist als ihr Kopf. Bekannt sind ja auch die Eierschlangen, die ein Ei verdrücken, das den mehrfachen Durchmesser des Schlangenkopfes hat.


Auch hier wird vermutlich gerade ein größerer Frosch oder eine Kröte verdaut. Schlangen können übrigens sehr lange fasten. Die Besitzer des Reptilienzoos beim Minimundus erzählten mir einmal von einer Schlange die länger als 6 Monate jedes Fressen verweigerte, bis endlich eine für sie akzeptable Mahlzeit angeboten wurde.


Da die feste, schützende Außenhaut der Reptilien nicht durchblutet ist, kann sie nicht mitwachsen und muss von Zeit zu Zeit abgestreift werden um das Wachstum des Tieres zu ermöglichen. Schlangen streifen ihre Haut dabei oft im Ganzen ab. Aber Vorsicht beim Nachmessen der Länge. Die lebende Schlange ist deutlich kürzer als die abgestreifte Haut.


Schlingnatter = Glattnatter

Die Schlingnatter, wissenschaftlich Coronella austriaca = die österreichische Natter, wird auch Glattnatter genannt. Sie kommt auch im Inntal vor, ist jedoch eher selten und dazu noch recht scheu und gut getarnt. Diese vollkommen harmlose Schlange, beißt, wenn man sie fangen möchte, fast immer sofort zu. Die runden Pupillen, die alle unsere ungiftigen Schlangen auszeichnen, kann man hier gut erkennen. – Aufgenommen im Alpenzoo.


Die Schlingnatter ist eine eher kleinere Schlange, die kaum 80 cm überschreitet. Ihren Namen hat sie von der Art ihres Beutefanges indem sie diese mit einem Biss festhält und umschlingt um sie so, in der Art einer Würgeschlange, zu ersticken. Hauptsächlich lebt sie von anderen Reptilien (Echsen und Schlangen), frisst aber auch alles andere was der Größe nach als Beute taugt.

Sie ist in Europa und im westlichen Asien weit verbreitet aber nirgends sehr häufig und lebt recht versteckt. Leider wird sie seltsamerweise oft mit einer Kreuzotter verwechselt und getötet. Mir ist das recht unverständlich, da sie mit ihrer überaus glatten Beschuppung schon auf den ersten Blick keine Vipernart sein kann. Dazu kommt der Farbton der, bei all den vielen Farbvarianten der Kreuzottern, kaum zu diesen passt und zusätzlich hat sie keineswegs eine nur annähernd ähnliche Zeichnung. Schwärzlinge, die bei den heimischen Giftschlangen häufig sind, gibt es bei der Schlingnatter so gut wie gar nicht. Folglich überhaupt keine Ähnlichkeit, nur eben auch graubraun und schlangenförmig. Wird sie gefangen so beißt sie fast immer blitzartig zu was jedoch völlig harmlos ist.

Sie gebiert lebende Junge, genau genommen sind diese bei der Geburt noch in einer Eihülle eingeschlossen, die sie sofort mit schlängelnden Bewegungen durchstoßen (man nennt das Ovovivipar). Meistens kommen so zwischen 7 und 15 Junge von etwa 12 bis 15 cm Länge auf die Welt.

Im Gegensatz zu allen anderen österreichischen Schlangen, mit Ausnahme der Äskulapnatter, hat die Schlingnatter ungekielte auffallend glatte Schuppen wodurch sie beinahe glänzt. Alleine schon dadurch und ist meines Erachtens niemals mit der Kreuzotter zu verwechseln – was aber angeblich oft geschieht. – Aufgenommen im Alpenzoo.


Äskulapnatter

Die Äskulapnatter, Symbol der Ärzte und Apotheker. – Freies Foto aus dem Web


Die Äskulapnatter ist Symbol der Ärzte und Apotheker. Sie ist Österreichs größte Schlange, geringfügig größer noch als die Barrenringelnatter. In Tirol gibt es noch keinen Nachweis, aber von Salzburg an ostwärts kann man sie in allen Bundesländern finden.

Sie ist eine ausgesprochen schlanke Natter, die auch besonders gerne klettert. Die Grundfarbe geht von hellbraun über mittel- und dunkelbraun bis schwarz und zeigt zarte weiße Längsstrichelung, die bei dunklen Exemplaren deutlicher zu sehen ist, besonders wenn der Körper aufgebläht wird. Jungtiere sehen den Ringelnattern sehr ähnlich, wobei durch die kurzen weißen Striche die Beschuppung nicht so glatt erscheint wie sie eigentlich ist. Der Kopf ist aber viel schmaler als bei jener und hebt sich kaum vom Körper ab. Am liebsten sind ihr lockere Laubwälder mit Geröll und Kletterpflanzen, sie geht aber gerne und oft auch ins Wohngebiet, wobei sie eher wärmere Gebiete ohne zu großen Temperaturschwankungen bevorzugt. Nur selten sieht man sie im freien Gelände weil sie ungern die Deckung verlässt.

Sie frisst alles was der Größe nach passend ist und ist so auch ein recht guter Mäusejäger. Ihre Bewegungen sind langsam und von besonderer Eleganz, wenn sie fliehen muss geschieht das möglichst hangabwärts mit bedächtigen, geräuscharmen Bewegungen.

Würfelnatter

Die Würfelnatter ist sehr stark an Gewässer gebunden, schwimmt und taucht sehr gut und frisst großteils Fische. Der Name kommt von den, hier eher schlecht zu sehenden, würfelartigen dunklen Flecken. Besonders auffallend sind ihre Augen, die meiner Meinung nach, einen stechenden Blick haben. Freies Foto aus dem Web.

Auch die stark an Wasser gebundene Würfelnatter kann man in Tirol nicht finden. Viele der Leser haben aber vermutlich schon die eine oder andere am Gardasee erblickt. Auch im Osten Österreichs ist sie an vielen Stellen anwesend.

Normalerweise zählt sie mit unter einem Meter Körperlänge zu den mittelgroßen Schlangen und nur selten erreicht ein sehr altes Weibchen einmal bis etwa 1,5 Meter. Die Körperproportionen entsprechen jenen der Ringelnatter, aber ihr Kopf ist gestreckter und wirkt kantig. Die Grundfarbe ist sehr variabel von blaugrau über grünlich, gelblich und rötlich bis schwarz. Helle Individuen zeigen das typische dunkle Würfelmuster.

Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Mitteleuropa bis zur Westgrenze Indiens und Chinas. Auch sie legt Eier an passenden Stellen ab aus denen die 6 bis 25 Jungen schlüpfen. Die Nahrung findet sie ausschließlich im Wasser wohin sie auch immer flieht.

Kreuzotter

Die Kreuzotter ist in Europa von Großbritannien und Frankreich ostwärts bis weit in asiatisches Gebiet verbreitet und kann von Bulgarien und Rumänien an nördlich bis über den Polarkreis angetroffen werden. Aufgenommen im Alpenzoo.

Die Kreuzotter ist die häufigste unserer Giftschlangen und hat eine sehr weite Verbreitung in Europa und Asien. Als Lebensraum bevorzugt sie Regionen mit hohen Temperaturschwankungen und ist ein Kulturflüchter, also kaum in dichter besiedelten Gebieten zu finden.

Ihre Färbung ist extrem variabel mit dunkler Fleckung an den Seiten und meist einem dunklen Band am Rücken, das gezackt oder gewellt ist. Häufig findet man auch rein schwarze Individuen. Für eine Vipernart ist sie sehr schlank, mit wenig abgesetztem Kopf, der an der Oberseite noch einige (meist drei) größere Schilder trägt. Im Durchschnitt erreicht sie eine Länge von maximal 60 bis 75 cm (selten bis 85). Die Pupillen sind, wie bei allen Vipern, vertikal geschlitzt und die Nasenspitze ist nicht hochgezogen, wie bei einigen anderen Arten. Die Körperschuppen sind stark gekielt und erscheinen dadurch sehr rau und matt. Alle zwei Jahre bringt sie bis zu 20 lebende Junge zur Welt. Die Nahrung besteht aus Mäusen, Fröschen, jungen Vögeln und Eidechsen.

Bei Störung oder Gefahr versucht sie immer zu fliehen. Ist das nicht möglich so ringelt sie sich ein, zischt laut und schnellt vor um als Scheinangriff in die Luft zu beißen. Echte Bissunfälle sind selten und geschehen meist nur, wenn sie getreten oder angefasst wird. Sie hat keinerlei Interesse daran ihr wertvolles Gift an etwas zu verschwenden, das nicht als Nahrung dient. Weiteres über Schlangenbisse findet Ihr am Ende des Artikels und im sehr empfehlenswerten Link „www.gifte.de“.

Oft hört man vom Unterscheidungsmerkmal der vertikal geschlitzten Pupillen bei allen Vipern im Gegensatz zu den runden Pupillen der ungiftigen Nattern. Das stimmt bei uns, ist aber ein eher sinnloses Merkmal, denn wenn jemand Angst hat wird er oder sie sicher nicht die Pupillen untersuchen. Viel effektiver ist es auf die Körperform und die Beschuppung zu achten und, ganz einfach, das Tier in Ruhe zu lassen, dann wird auch nie etwas passieren! Aufgenommen im Alpenzoo.


Sandviper = Hornotter

Die größte und giftigste heimische Vipernart, die Sandviper, hat ein typisches mit Schuppen besetztes Horn an der Nasenspitze. Auch sie gilt jedoch, bei möglichst schnell erfolgter medizinischer Betreuung, für gesunde Erwachsene, nicht als lebensbedrohend. Aufgenommen im Alpenzoo.


Das Vorkommen der Sandviper, auch Hornotter genannt, in Österreich beschränkt sich auf einige wenige Gebiete in Kärnten und der Steiermark. Die Hauptverbreitung liegt am gesamten Balkan und im Nordosten Italiens.

Sie ist die größte der heimischen Vipern und erreicht üblicherweise 70 bis 80 cm (manchmal fast 100 cm). Ihre Körperform ist viperntypisch eher plump und massig, mit deutlich abgesetztem, dreieckigem Kopf und recht kurzem Schwanz. Auch bei ihr ist die Grundfarbe sehr variabel wobei männliche Tiere eher zu hellgrau bis fast weiß tendieren und Weibchen mehr in Brauntönen liegen. Am Rücken tragen sie ein meist sehr deutliches und recht breites dunkles Zick-Zack- oder Rautenband und an den Seiten dunkle Flecken. Dieses Färbungsmuster ist bei den meisten europäischen Vipernarten sehr verbreitet (und findet sich auch bei den meisten Klapperschlangen und Lanzenottern) weil es eine hervorragende Tarnung bietet, wenn sie auf Beute lauern. Sie ist nicht sehr fluchtbereit und verlässt sich mehr auf die Tarnung, allerdings beißt sie auch erst bei höchster Gefahr zu. Die meisten Unfälle durch Bisse geschehen bei Terrarianern oder Personen die sie einfangen oder besonders unvorsichtig fotografieren möchten.

Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Nagern wie Mäusen, sie fressen jedoch auch andere Tiere. Jungtiere ernähren sich besonders von kleinen Eidechsen, Heuschrecken, Grillen und ähnlichem. Auch die Hornotter ist, wie alle europäischen Vipern ovovivipar, sie bringt also bis zu 20 lebende Junge auf die Welt, die aber noch in eine Eihülle eingeschlossen sind.

Hier sieht man besonders gut das beschuppte Horn und die Beschuppung des Oberkopfes ohne einem einzigen großen Schild. Hornottern aus dem Alpenzoo.


Wiesenotter

Die Wiesenotter wird hier der Vollständigkeit halber auch angeführt obwohl sie in Österreich als ausgestorben gilt. Ihr jetziges Vorkommen liegt weiter östlich in Ungarn, Rumänien, Moldawien. Sie war die weitaus kleinste der heimischen Giftschlangen und galt als recht harmlos und wenig beißfreudig. Ihr Vorkommen beschränkte sich auf wenige Gebiete im Burgenland und in Niederösterreich. Auch sie hat, wie die Kreuzotter, kein Nasenhorn und noch einige größerer Schilder am Oberkopf. Freies Foto aus dem Web.


In Europa kommen noch viele weitere Reptilienarten vor, insbesondere erwähnenswert und für so manchen interessant könnte sein, dass es auch in Europa zwei Riesenschlangen gibt. Diese zwei Sandboa-Arten, die im äußersten Südosten Europas gerade noch vorkommen, sind gleichzeitig auch die kleinsten Riesenschlangen der Welt und erreichen mit durchschnittlich nur 40-60 cm Länge (maximal 80 cm) gerade noch die Hälfte der Länge einer großen Ringelnatter.

Bemerkung zu Giftschlangen und Schlangenbissen

Auf allen Kontinenten, mit Ausnahme von Australien, ist die überwiegende Mehrzahl der Schlangen ungiftig und auch von den Giftigen ist nur eine begrenzte Anzahl potentiell lebensbedrohend. Meist ist der Schock des Gebissenen die größere Gefahr als das Gift.

Oft hört man auch von „der giftigsten“ oder „der gefährlichsten“ Schlange der Welt. Großteils wird dann die L50 des jeweiligen Giftes verglichen (L50 steht für Letalität, also Sterblichkeit, von 50 % der getesteten Mäuse). Das ist sicher eine verlässliche und gut vergleichbare Zahl – nur sagt sie wenig aus. Diese Zahl sagt nur mit wie wenig Gift pro kg Körpergewicht man zu 50 % verstirbt (bei fehlender Behandlung!), nicht aber wie viel Gift bei einem Biss abgegeben wird. Außerdem hängt die reale Gefährlichkeit auch stark vom bevorzugten Lebensraum des Tieres und vom üblichen Verhalten des Tieres wie auch der Menschen ab. In Afrika etwa, wo große Teile der Feldarbeit händisch verrichtet werden und die Feldarbeiter oft barfüßig unterwegs sind ist die Gefahr gebissen zu werden um ein Vielfaches höher als in Mitteleuropa, ganz unabhängig von der Giftigkeit. Einen großen Unterschied macht auch die Aggressivität und Beißfreudigkeit der einzelnen Arten, und wie sehr sie sich auf die Tarnung verlassen, beziehungsweise wie früh sie zu fliehen versuchen – hierbei besteht in Mitteleuropa kein Problem, keine unserer Schlangen gilt als besonders aggressiv und alle fliehen lieber als sich zu verteidigen. Abgesehen von bewusstem unvorsichtigem Verhalten liegt in unseren Breiten die größte Gefahr wohl beim Beerenpflücken, wenn man sich ruhig und gemächlich weiter bewegt und ständig die ungeschützten Hände in Bodennähe hat. Kreuzotternbisse werden bei uns üblicherweise nur symptomatisch behandelt und kein Serum gespritzt.

Hierzu ist auch in Wikipedia folgendes zu finden: „Aus im Jahre 1915 veröffentlichten Daten ergibt sich eine Letalitätsquote von 5,1 % (40 von 780) für unbehandelte bzw. aus heutiger Sicht unsachgemäß behandelte Hornotternbisse.“

Giftige Reptilien gibt es übrigens nicht nur bei den Schlangen sondern auch bei Echsen. Man wusste schon lange über die Giftigkeit des Speichels der Krustenechsen aus Amerika doch hat man in den letzten Jahrzehnten auch entdeckt, dass viele der Varane (aus deren Vorstufen sich vermutlich auch die Schlangen entwickelt haben) über Giftdrüsen verfügen.

Was also tun, wenn jemand gebissen wurde: (Gekürzt aus Gifte.de – siehe Link unten)

Völlig überflüssig und zum größten Teil gefährlich sind die nachstehenden überlieferten Methoden! Aussaugen, Abbinden, Einschneiden, Kühlen, Elektroschocks, Amputationen oder Amulette.

Wichtig zu tun ist: Jeder Schlangenbiss muss als Biss einer Giftschlange gewertet werden (sofern man es nicht mit Sicherheit anders weiß). Für den präklinischen Bereich gibt es nur wenige Maßnahmen. Am wichtigsten ist die Beruhigung des meist sehr aufgeregten Patienten. Durch Aufregung erfolgt Beschleunigung aller Kreislaufparameter und führt damit zu schnellerer Verteilung der Gifte. Ruhigstellen der betroffenen Region und liegender Transport wie auch das sofortige Entfernen von Schmuck wie Ringen oder Armreifen sind vorrangig. Sehr wichtig wäre auch eine eindeutige Identifizierung der Schlangenart mit wissenschaftlichem Namen um ein eventuelles Serum organisieren zu können (Giftnotruf München: 089/19240). KEINE MANIPULATIONEN AN DER BISSSTELLE! – Quelle: Dr. Kai Kursatz, aus Gifte.de.

Die dort auch dargestellte „pressure/ immobilization-technique“ aus Australien ist bei den heimischen Giftschlangen NICHT anzuwenden, sie kann sogar zu größeren Schäden führen.

Wenn auch der Biss einer Kreuzotter oder Sandviper nur selten tödlich verläuft kann er doch über mehrere Monate mehr oder weniger ernste Beschwerden verursachen und darf nie auf die leichte Schulter genommen werden. Dringende ärztliche Hilfe ist jedenfalls immer nötig (Anforderung eines Hubschraubers oder dringender Rettungsnotruf, 144 oder 112)

Auch zu den Reptilien findet man mehrere hervorragende Bücher und viele Web-Links.

Zusätzliche Infos unter anderem bei:

http://www.reptile-database.org/ (Alle im Moment anerkannten Reptilien der Welt mit Verbreitung, Unterarten und Literatur, aber wenigen Fotos – ständig aktualisiert)

https://www.eurolizards.com/lizards/ (äußerst gute Website zu den Eigentlichen Eidechsen Europas, englischsprachig, mit vielen guten Fotos und sehr guter Beschreibung und Unterschieden zu ähnlichen Arten)

https://forum.herpetofauna.at/

http://www.nw-arbeitsgemeinschaft.at/index.php/hag-news.html

https://www.lars-ev.de/

https://herpetofauna.jimdofree.com/

http://www.fieldherping.eu/Forum/

http://vipersgarden.at/cascade/index.php

http://www.herpetology.eu/

http://www.gifte.de/Gifttiere/schlangen.htm (Einzelvorstellung giftiger Schlangen)

http://www.gifte.de/Gifttiere/massnahmen.htm (empfohlene Maßnahmen bei Gifttierbissen/-stichen)

und viele andere.

Mein besonderer Dank gilt den vielen Interessierten und Fachleuten, die Ihr Wissen und Ihre Fotos im Internet der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Ich hoffe auch in deren Interesse zu handeln, wenn ich diese verkannten aber sehr interessanten Tiere hier vorstelle, um so ein wenig mehr Verständnis für sie zu erwecken.

© Alle Fotorechte verbleiben bei den jeweils angegebenen Inhabern! Fotos bei denen kein Fotograf bzw. Internet genannt wird, sind von Robert Pisch.

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Robert Pisch

Robert Pisch

Robert ist grafischer Facharbeiter in der Druckvorstufe und seit kurzem in Pension. Er hat zuletzt seit mehreren Jahren die grafischen Vorarbeiten für die Druckversion der DZ-Inzing erledigt. Als Mitglied von JUF, seit der Gründung dieser Fraktion, sitzt er die letzten Gemeinderatsperioden auch im Landwirtschaftsausschuss. Sein größtes Interessensgebiet ist die Natur und der Umgang mit ihr. Zusätzlich liebt er es, rein hobbymäßig, zu fotografieren und ist passionierter Fußgänger. In den letzten Jahren ist er auch auf den Geschmack und den Reiz von “Weitwanderungen” gekommen. In den sporadischen Beiträgen möchte er diese Interessensgebiete und daraus gewonnene Erfahrungen näher bringen und hofft dabei auch, die eine oder andere Diskussion “anzuzetteln”.

Alle Beiträge ansehen von Robert Pisch →

Ein Gedanke zu “Reptilien – Teil 2: Schlangen

  1. Gerade habe ich ein Mail von Florian Glaser mit kleinen Korrekturen zum Artikel erhalten. Diese Richtigstellungen gebe ich natürlich gerne weiter. Hier also Auszüge aus dem Mail:

    Zwei kleine Anmerkungen, die mir bei einer ersten Durchsicht aufgefallen sind.
    Ringelnatter: Die klassische Barrenringelnatter kommt in Tirol vermutlich gar nicht vor – unsere “Barrenringelnattern” im Inntal sind eine genetische Linie aus dem Südalpenraum.
    Äskulapnatter: Diese Art ist in Osttirol im Lienzer Talboden und den unteren Hanglagen verbreitet. Im vorderen Zillertal gibt es zudem eine Enklave.
    lg Florian

    Mit der klassischen Barrenringelnatter ist die weit verbreitete Unterart der Erstbeschreibung (Natrix helvetica helvetica) gemeint, bei uns ist es eine andere Unterart ohne dass bisher eindeutig geklärt ist welche. Jedenfalls gleichen unsere Barrenringelnattern jenen aus Norditalien.
    Das Vorkommen der Äskulapnatter in Tirol freut mich natürlich auch sehr.
    Gruß, Robert

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