Die wohl bekanntesten Greifvögel sind, neben dem Steinadler, die Bussarde und Milane. Noch ist nicht eindeutig geklärt ob die Milane und Seeadler zur Unterfamilie der Bussarde gehören oder, wie bisher, jeweils eine eigene Unterfamilie bilden – mehrheitlich werden sie jedenfalls in einer, mit weltweit etwas über 60 Arten, vereinigt.
Als Brutvogel in Tirol findet man von ihnen den Mäusebussard, den Roten und den Schwarzen Milan. Einzelne Seeadlerbruten findet man in Ostösterreich, nahe der Tschechisch-Slowakisch-Ungarischen Grenze. Der Wespenbussard zählt zu einer eigenen Unterfamilie und wird später behandelt und einige andere Bussardarten wie etwa den Raufußbussard kann man zwar manchmal beobachten, sie brüten jedoch nicht bei uns.
Roter Milan (= Rotmilan)

Das Verbreitungsgebiet des Roten Milans geht kaum über Europa hinaus, hier ist er aber einstweilen recht häufig. Er gehört zu den Vögeln, die früher im Winter meist in wärmere Gebiete gezogen sind, mittlerweile aber zu großen Teilen standorttreu wurden. Als Art mit sehr breitem Beutespektrum, die auch sehr gerne Aas annimmt und daher oft in der Nähe von Müllplätzen (besonders Biomüll) gesehen werden entfällt das Problem der Nahrungsbeschaffung im Winter großteils.

Elegant segelt dieser etwa mäusebussardgroße Vogel, der jedoch einen viel längeren und tief gegabelten Schwanz und eine weit größere Flügelspannweite hat, oft sehr tief über unsere Köpfe weg. Wird irgendwo ein Feld gemäht oder geschnittenes Gras gewendet sind meist im Nu einige Milane in der Nähe (auch Schwarzmilane) die hier aufgeschreckte Beute zu finden hoffen.
Er ruft sehr ähnlich dem Mäusebussard, wobei er jedoch die letzte Silbe mehrfach wiederholt.




Schwarzer Milan

Der Schwarzmilan ist etwas kleiner als sein roter Bruder und hat den Schwanz weit weniger tief gegabelt. Auch ist er meist viel weniger kontrastreich gezeichnet. Er ist weit über den Erdball verbreitet und berühmt wurde er unter anderem wegen seiner aktiven Verbreitung der Buschfeuer in Australien. Dort haben viele von ihnen gelernt, dass Brände ein großes Beutespektrum bieten und nützen das, indem sie brennende Äste aufnehmen und weiter entfernt ins dürre Gras oder Gestrüpp fallen lassen. Außerhalb Australiens wurde dieses Verhalten noch nicht beobachtet.
Sehr gerne hält er sich in Gewässernähe auf. Sein Ruf ist eher wimmernd klingend ähnlich dem eines Mäusebussards.

Recht häufig kann man ihn auch bei uns dabei beobachten, wie er während dem Flug von der Beute, die er in den Fängen trägt, immer wieder ein Stück verschlingt. Er macht das, meinem Eindruck nach, viel häufiger als der Rote Milan.
Beide Arten jagen auch anderen Vögeln gerne ihr Futter im Flug ab. Das gilt für andere Milane, aber auch für Krähen und andere Raubvögel.
Waren die beiden Milane bei uns bis vor wenige Jahrzehnte noch recht selten zu sehen, so vergeht einstweilen, wenigstens in den Sommermonaten, kaum ein Tag an dem man keinen zu sehen bekommt. Der Schwarzmilan zieht im Winter in wärmere Gegenden Europas wogegen vom Roten Milan recht viele schon nicht mehr wegziehen.

Mäusebussard

Den Mäusebussard mit seinem gezogenen, katzenähnlichen Ruf kennt vermutlich beinahe jede und jeder. Seit ich mich erinnern kann zählt er zu den recht häufig zu entdeckenden Arten, macht er doch durch häufiges Rufen auch schnell auf sich aufmerksam.
Seine Färbung und Zeichnung variiert recht stark und es gibt sehr dunkel neben sehr hell gefärbten Exemplaren. So gut wie immer herrschen Brauntöne vor und der Schwanz weißt meistens eine dunkle Endbinde und mehrere dünnere Zwischenbinden auf. Die äußeren Flügelränder sind großteils recht dunkel bis fast schwarz.

Überall wo er neben Ansitzplätzen wie freistehenden Bäumen oder Sträuchern, Waldrändern oder ähnlichem auch Wiesen und frei einsehbare Bereiche vorfindet wird man ihn antreffen. Seinen Namen trägt er nämlich aus gutem Grund. Er ist ein sehr effektiver Mäusejäger.
Auch der Mäusebussard ist, wie der Turmfalke, imstande durch Rüttelflug in der Luft still zu stehen, was er jedoch weit seltener und weniger geschickt als der Falke macht. Diese Art der Jagd ist sehr energieraubend und so bevorzugt der Bussard die Ansitzjagd von einer erhöhten Warte aus.

Ein fliegender Bussard wird meist recht schnell von Krähen oder Kolkraben entdeckt und dann auch sofort „gehasst“ wie man es nennt, wenn er so lange belästigt wird bis er abzieht. Seltsamerweise konnte ich beobachten, dass sie, wenn sie irgendwo sitzen, weit weniger Probleme mit ihren ärgerlichen Nachbarn haben.

Die Balz beginnt im Februar mit Balzflügen über dem Brutrevier. Meist kreisen sie dabei einige Zeit lang gemeinsam um dann in einen Auf- und Abflug überzugehen und schließlich im gemeinsamen Sturzflug zu enden.

Für die Brut übernehmen sie teilweise, wie auch die meisten anderen Raubvögel, Elstern- oder Krähennester, oft bauen sie ihre Horste jedoch auch selbst, meist im lichten Wald.
Bussarde mit Jungen verteidigen intensiv ihr Revier gegen jeden Eindringling und so kommt es auch immer wieder vor, dass sie sogar versuchen Menschen aus diesem Bereich zu verscheuchen. Zu Verletzungen kommt es dabei so gut wie nie, aber man kann doch recht heftig erschrecken und sich ängstigen, wenn so ein doch recht großer Vogel mit kräftigem Schnabel und scharfen Krallen angriffslustig auf einen zufliegt.


Raufußbussard


Der Raufußbussard ist eine im hohen Norden brütende Art, die jedoch in strengen und schneereichen Wintern oft weit nach Süden ausweicht und so, besonders im Winter, auch bei uns immer wieder zu sehen ist.
Er rüttelt häufiger und geschickter als der recht ähnliche Mäusebussard. Die Flügelschläge sind langsam und elastisch. Seine Beine sind befiedert und gelb.
Selten zu sehende Bussarde
Adlerbussard (südlich, östlich und nordöstlich des Mittelmeeres bis Ungarn, in Ostösterreich jährliche Sichtungen)
Aufgrund der Seltenheit in Österreich konnte ich keine Fotos auftreiben und muss auf das Internet verweisen.
Seeadler

Der Seeadler zeigt eine besonders enge Bindung an große offene Wasserflächen, wo er bevorzugt Fische und Wasservögel jagt. Regelmäßig nehmen sie aber auch Aas zu sich, was sich teilweise verheerend auswirkte, da sie durch Bleivergiftung wegen des Fressens erschossener Tiere impotent wurden. Seine großen und breiten Flügel ermöglichen ihm das Gleiten unter Ausnützung schon geringster Luftströmungen.
Die Weibchen sind im allgemeinen deutlich größer und können eine Flügelspannweite von ungefähr 2,4 Metern erreichen.

Ihre Nester sind sehr groß, meist in der Krone von Bäumen. Sie legen üblicherweise 1 bis 4 Eier, wobei es bei ihnen nur selten vorkommt, dass die älteren Geschwister die Jüngeren umbringen.
Sein Verbreitungsgebiet umfasst von Osteuropa ab das gesamte nördliche Asien. Die westliche Grenze befindet sich in Skandinavien, Deutschland, Tschechien, Ostösterreich, Ungarn und, weit abgelegen, Island und Grönland.

Abschließend möchte ich erneut alle besonders Interessierten auf die vielen Seiten im WWW wie die schon öfters erwähnten für weitere Informationen verweisen.
Sehr gut sind immer:
https://www.wikipedia.de/
https://www.brodowski-fotografie.de/
https://www.avi-fauna.info/habichtartige/
und viele mehr.
© Alle Fotorechte verbleiben bei den jeweiligen Fotografen, denen ich für ihre große Unterstützung herzlich danke.
Ich habe soeben von einem “Bestimmungs-Spezialisten” erfahren, dass der abgebildete angebliche Raufußbussard ein Mäusebussard ist. Der Raufußbussard müsste ungefähr an der vorderen Knickstelle der Flügel (= Handgelenk) einen dunklen Fleck haben und ist, besonders in den immer milderen Wintern kaum noch bei uns zu sehen.
Robert
Weitere Korrekturen:
Das zweite Foto beim Rotmilan – sitzend mit einer Elster im Hintergrund – zeigt irrtümlich einen Schwarzmilan, was bisher noch allen entgangen ist. Zum Glück gibt es doch immer wieder aufmerksame Leser, die mich auf solche Fehler aufmerksam machen. Danke dafür!
Außerdem ist beim Schwarzmilan, am Foto mit folgendem Untertitel:
Auch am Rücken, viel mehr jedoch von unten gesehen, ist der Schwarzmilan nur sehr gering gezeichnet, ansonsten ähnelt das Flugbild jedoch sehr an das des Roten Milans oder auch der weiblichen Rohrweihe (siehe vorheriger Beitrag). Foto: Mario Schatz
ein junger Rotmilan abgebildet.
Der Fehler bei den Fotos zum Raufußbussard wurde von mir ja schon bekanntgegeben.