18. März 2026
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Alfreds (W)Einsichten / Buchstaben Y, Z

© Stefan Schweihofer auf Pixabay
Lesedauer ca. 5 Minuten

Weinalphabet Buchstaben Y und Z

Hey Leute – das Alphabet geht zur Neige und ich habe die beiden letzten Buchstaben aus Gründen der Einfachheit zusammengenommen, dafür mich aber richtig ins Zeug gelegt.
Nicht überraschend hat sich zum Y recht wenig gefunden, aber – seht selbst.

Diese sehr rare Sorte lebt und gedeiht in Zypern – der alten Wein-Wunderinsel im Mittelmeer.  Ein versierter Winzer namens Yannis fand in seinem Weingarten vor ca. 20 Jahren eine eigenwillige Sorte, ließ sie ampelographisch untersuchen und bekam die (französische) Info, dass diese Sorte eigenständig und auch qualitativ hervorragend sei – quasi der Pinot Noir Zyperns.

Heute gibt es eine überschaubare Menge an reinsortigen oder auch in Cuvees verarbeiteten Yannoudi-Trauben und Weine. Bei Hingabe entstehen aus der Sorte nun hervorragende Rotweine mit Eleganz, Feuer und Stil. Die engagierten Weinhändler Paphos für zypriotische Weine in der Schweiz  führen eine sehr selektive Auswahl von Weinen – auch den legendären Süßwein Commandaria und eben Weine aus der Sorte Yannoudi. Gleich zuschlagen – oder ?

Buchstabe Z – this is the end….

Die Zisterzienserder  Orden, dem der Wein zu danken hat

Da in unserer Nachbarschaft – nämlich dem Stift Stams – ein bekanntes Zisterzienserstift steht, macht  die Sache noch interessanter, etwas in den Archiven der Geschichte zu stöbern.

Der katholische Mönchsorden ging als Reformbewegung aus dem Orden der Benediktiner hervor und hat seinen Ursprung im französischen Burgund. Er wurde 1098 von Robert de Molesme im Stammkloster Citeaux nürdlich von Beaune gegründet – daher auch  der Name.

Als signifikante Unterscheidung tragen die Mönche weiße statt schwarze Kutten. Der heilige Bernhard von Clairvaux – 1090 bis 1153 – gründete im Jahre 1115 das Kloster Clairvaux und erließ eine neue Ordensregel. Der charismatische Kirchengelehrte galt als moralische Autorität und auch als Berater von Eleonora von Aquitanien wurde er bedeutend. Er sendet sie auf Kreuzzug, um ihrer Kinderlosigkeit Abhilfe zu schaffen. „Ich habe keinen Mann geheiratet, sondern einen Mönch“ – meinte sie einmal nach vergeblicher Mutterschaft.

Zisterzienser des Stiftes Heiligenkreuz  in  der Apsis der Klosterkirche (Foto: Stift Heiligenkreuz)

Sobald ein Zisterzienserkloster 60 Mönche zählte, mussten 12 von ihnen ausziehen und ein neues Kloster gründen. Dadurch kam es in relativ kurzer Zeit zu einer starken Verbreitung. 100 Jahre später gab es schon 600 Klöster, 1675 um die 750 Klöster – va. in Frankreich und auch Deutschland, aber auch in Österreich.

Für den Weinbau erwies sich ihre fanatische Art, Landwirtschaft sozusagen wie  Feldforschung zu betreiben als wirklicher Glücksfall. Da gute Ausbildung und wissenschaftlicher Ehrgeiz bei ihnen an  der Tagesordnung stand und auch bald der Weinbau –  und  auch der  Handel damit – als wirtschaftliche Grundlage wichtig wurde, beschäftigte man sich im Burgund des frühen Mittelalters immer mehr mit der Rebe und deren Eigenheiten.

Dass die Gegend des Burgunds auch noch ideal für Weinbau gelegen war, ist ein Zufall der Geschichte. Durch Schenkungen des Adels konnten die Zisterzienser einige Weinberge anlegen, aus denen heute noch  Weltklasseweine gekeltert werden.

Der Orden sah im Wein eine göttliche Gabe – danke dafür. Ein Zitat von damals lautete: Qui bon vin boit, dieu voit (Wer guten Wein trinkt, erkennt/sieht Gott) – nicht aber den  Teufel – wohlgemerkt.

Aber – um den Wein immer besser zu machen –  machten sie sich auf. Nach ganz Europa ging die Reise, das Liber Latinum und die Rebschere war im Handgepäck. Und – das Karthager Landwirtschafts-Handbuch des Herrn Columella war natürlich auch dabei! Durch ihre Pflicht, sich zu verbreiten, wurden auch ihre Art der Arbeit und Techniken exportiert.

Der mitteleuropäische Weinbau wurde systematisch revolutioniert und auch dokumentiert.

Fleiß und Gründlichkeit  stand an oberster Stelle, die Rebzucht wurde genau beschrieben und auch die neuen Keltertechniken dargestellt. In Summe wäre unser heutiger Weinbau ohne die Mitwirkung der Zisterzienser wohl nicht da, wo er ist.

Zisterzienser Weinbaubetrieb Clos de Vougueot im Burgund (Foto: Zisterzienser Weinbaubetrieb Clos Vougueot im Burgund)

Am berühmtesten ist der 50 ha große „Clos de Vougeout“ – ein von einer Mauer, die gegen Wildverbiss und Diebstahl im Jahre 1330 angelegt wurde, umgebener, leicht ansteigender Weingarten an der Cote‘dOr bei Mersault. Hier – und auch anderswo – war der experimentelle Weingarten, wo Rebsorten und Schnitt revolutioniert, Böden uvam. untersucht wurden.

Kelter im alten Presshaus des Klosters Eberbach/Rheingau (Foto: Klosters Eberbach Rheingau)

Besonders erwähnenswert ist die Gründung des Klosters Eberbach in Eltville im heutigenRheingau.  Hier wurde auch tw. der Film „Der Name der Rose“ gedreht – der Bau  wirkt  massiv, riesig, unnahbar und zeitlos. Im gewaltigen Keller bekommt man eine Ahnung der Dimension von  Arbeit und Akribie der Mönche.  Den Besuch empfehle ich vorbehaltlos, insgesamt auch die ganze Gegend entlang dem Rhein von Mainz bis Koblenz mit dem pittoresken Rüdesheim.

Kreuzgang des Klosters Eberbach /Rheingau (Foto: Klosters Eberbach Rheingau)

Anfänglich wurde von den weißen Mönchen die rote Sorten Frommenteau und Noirien angebaut, nach einigen Rückschlägen setzte man aber auf die weiße  Sorte Riesling, die es seit 1430 dokumentiert gibt. Hier bearbeitete man – ähnlich dem Clos Vogeout – den Weingarten mit Namen „Steinberg“, der ebenso als Versuchsgarten galt und noch heute vorzüglichen Wein erbringt.

Innerhalb von nur 100 Jahren entstanden 200 Niederlassungen mit Weinbau am Rhein zwischen Worms und Köln. Wein war einer der wichtigsten Handelsgüter und wurde auch in der heiligen Messe / und danach im Widum oder Klosterschänke  ausgeschenkt bzw. gehandelt. Über den Schiffahrtsweg Rhein kam der Riesling nach Bacharach, dem Hauptumschlageplatz des mittelalterlichen Rhinwin. Die Fässer gingen nach England, Holland, Russland, vorher an die Hanse.

In Österreich gilt das  „Freigut Thallern“ bei Gumpoldskirchen – also im Burgund Österreichs – als eines der  ältesten Weingüter – gegründet 1141 – von  den Mönchen des noch heute bestehenden Stiftes von Heiligenkreuz. Am sehr schönen Areal des Weingutes  befindet sich auch die feine Gebietsvinothek der „Thermenregion“mit allen guten Winzern der leider etwas vernachlässigten Weinregion, eine romanische Kirche, Boutique-Hotel und den wunderbaren Klostergasthof. Auch hier – friedet eine hohe Steinmauer die Kernzonen der  Weingärten ein – und – auch in Stift Stams hat man erst kürzlich die umgebende Mauer des Obstgartens erneuert und geflickt.

Mönche des Stiftes Heiligenkreuz auf dem Acker (Foto: Stift Heiligenkreuz)

Die Zisterzienser heute: Nach dem  Verlust großer Teile des Ordensbesitzes im 19. Jahrhundert sind sie vor allem in  der Seelsorge und Unterricht tätig. Weltweit gibt es etwa 2500 Mönche – und auch – Nonnen, die in über 160 Klöstern leben. Na schau.

Sie spielen weiterhin eine wichtige Rolle  in der katholischen Kirche und betreiben selbst einige wenige Weinberge –kümmern sich  aber vor allem –  um die des Herrn.

Somit einstweilen Pause – ich komme wieder – keine Frage… bis Mai –  Alfred Walch

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Alfred Walch

Jahrgang 1959, wohnhaft seit jeher in Inzing, verheiratet mit Veronika / Vroni – aus dem Hause Gastl. Zwei Kinder – Julia und Theresa – beide nun Therapeutinnen. Seit Jänner 2022 in Pension, langjähriger Leiter der Weinabteilung des Handelshauses Wedl. Interessen: Lesen, Kopfreisen und auch so, e-Radlfahren, etwas Bergsport, Kochen sowieso. Musik hören von Jazz bis Volxmusik, etwas Fotografieren, Europa kennenlernen. Leidenschaft: Wein und seine Geschichte(n) dazu. Seit ca. 35 Jahren mit der Sache beschäftigt. Wünsche: noch eine gute Zeit zu haben, politisch-sozialer Friede, Enkel aufwachsen sehen, ev. noch Französisch aufbessern, gute Literatur und das Geheimnis der Poesie finden…

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