Weinalphabet Buchstaben Y und Z
Hey Leute – das Alphabet geht zur Neige und ich habe die beiden letzten Buchstaben aus Gründen der Einfachheit zusammengenommen, dafür mich aber richtig ins Zeug gelegt.
Nicht überraschend hat sich zum Y recht wenig gefunden, aber – seht selbst.
Buchstabe Y – die Yannoudi Rebsorte
Diese sehr rare Sorte lebt und gedeiht in Zypern – der alten Wein-Wunderinsel im Mittelmeer. Ein versierter Winzer namens Yannis fand in seinem Weingarten vor ca. 20 Jahren eine eigenwillige Sorte, ließ sie ampelographisch untersuchen und bekam die (französische) Info, dass diese Sorte eigenständig und auch qualitativ hervorragend sei – quasi der Pinot Noir Zyperns.
Heute gibt es eine überschaubare Menge an reinsortigen oder auch in Cuvees verarbeiteten Yannoudi-Trauben und Weine. Bei Hingabe entstehen aus der Sorte nun hervorragende Rotweine mit Eleganz, Feuer und Stil. Die engagierten Weinhändler Paphos für zypriotische Weine in der Schweiz führen eine sehr selektive Auswahl von Weinen – auch den legendären Süßwein Commandaria und eben Weine aus der Sorte Yannoudi. Gleich zuschlagen – oder ?
Buchstabe Z – this is the end….
Die Zisterzienser – der Orden, dem der Wein zu danken hat
Da in unserer Nachbarschaft – nämlich dem Stift Stams – ein bekanntes Zisterzienserstift steht, macht die Sache noch interessanter, etwas in den Archiven der Geschichte zu stöbern.
Der katholische Mönchsorden ging als Reformbewegung aus dem Orden der Benediktiner hervor und hat seinen Ursprung im französischen Burgund. Er wurde 1098 von Robert de Molesme im Stammkloster Citeaux nürdlich von Beaune gegründet – daher auch der Name.
Als signifikante Unterscheidung tragen die Mönche weiße statt schwarze Kutten. Der heilige Bernhard von Clairvaux – 1090 bis 1153 – gründete im Jahre 1115 das Kloster Clairvaux und erließ eine neue Ordensregel. Der charismatische Kirchengelehrte galt als moralische Autorität und auch als Berater von Eleonora von Aquitanien wurde er bedeutend. Er sendet sie auf Kreuzzug, um ihrer Kinderlosigkeit Abhilfe zu schaffen. „Ich habe keinen Mann geheiratet, sondern einen Mönch“ – meinte sie einmal nach vergeblicher Mutterschaft.

Sobald ein Zisterzienserkloster 60 Mönche zählte, mussten 12 von ihnen ausziehen und ein neues Kloster gründen. Dadurch kam es in relativ kurzer Zeit zu einer starken Verbreitung. 100 Jahre später gab es schon 600 Klöster, 1675 um die 750 Klöster – va. in Frankreich und auch Deutschland, aber auch in Österreich.
Für den Weinbau erwies sich ihre fanatische Art, Landwirtschaft sozusagen wie Feldforschung zu betreiben als wirklicher Glücksfall. Da gute Ausbildung und wissenschaftlicher Ehrgeiz bei ihnen an der Tagesordnung stand und auch bald der Weinbau – und auch der Handel damit – als wirtschaftliche Grundlage wichtig wurde, beschäftigte man sich im Burgund des frühen Mittelalters immer mehr mit der Rebe und deren Eigenheiten.
Dass die Gegend des Burgunds auch noch ideal für Weinbau gelegen war, ist ein Zufall der Geschichte. Durch Schenkungen des Adels konnten die Zisterzienser einige Weinberge anlegen, aus denen heute noch Weltklasseweine gekeltert werden.
Der Orden sah im Wein eine göttliche Gabe – danke dafür. Ein Zitat von damals lautete: Qui bon vin boit, dieu voit (Wer guten Wein trinkt, erkennt/sieht Gott) – nicht aber den Teufel – wohlgemerkt.
Aber – um den Wein immer besser zu machen – machten sie sich auf. Nach ganz Europa ging die Reise, das Liber Latinum und die Rebschere war im Handgepäck. Und – das Karthager Landwirtschafts-Handbuch des Herrn Columella war natürlich auch dabei! Durch ihre Pflicht, sich zu verbreiten, wurden auch ihre Art der Arbeit und Techniken exportiert.
Der mitteleuropäische Weinbau wurde systematisch revolutioniert und auch dokumentiert.
Fleiß und Gründlichkeit stand an oberster Stelle, die Rebzucht wurde genau beschrieben und auch die neuen Keltertechniken dargestellt. In Summe wäre unser heutiger Weinbau ohne die Mitwirkung der Zisterzienser wohl nicht da, wo er ist.

Am berühmtesten ist der 50 ha große „Clos de Vougeout“ – ein von einer Mauer, die gegen Wildverbiss und Diebstahl im Jahre 1330 angelegt wurde, umgebener, leicht ansteigender Weingarten an der Cote‘dOr bei Mersault. Hier – und auch anderswo – war der experimentelle Weingarten, wo Rebsorten und Schnitt revolutioniert, Böden uvam. untersucht wurden.

Besonders erwähnenswert ist die Gründung des Klosters Eberbach in Eltville im heutigenRheingau. Hier wurde auch tw. der Film „Der Name der Rose“ gedreht – der Bau wirkt massiv, riesig, unnahbar und zeitlos. Im gewaltigen Keller bekommt man eine Ahnung der Dimension von Arbeit und Akribie der Mönche. Den Besuch empfehle ich vorbehaltlos, insgesamt auch die ganze Gegend entlang dem Rhein von Mainz bis Koblenz mit dem pittoresken Rüdesheim.

Anfänglich wurde von den weißen Mönchen die rote Sorten Frommenteau und Noirien angebaut, nach einigen Rückschlägen setzte man aber auf die weiße Sorte Riesling, die es seit 1430 dokumentiert gibt. Hier bearbeitete man – ähnlich dem Clos Vogeout – den Weingarten mit Namen „Steinberg“, der ebenso als Versuchsgarten galt und noch heute vorzüglichen Wein erbringt.
Innerhalb von nur 100 Jahren entstanden 200 Niederlassungen mit Weinbau am Rhein zwischen Worms und Köln. Wein war einer der wichtigsten Handelsgüter und wurde auch in der heiligen Messe / und danach im Widum oder Klosterschänke ausgeschenkt bzw. gehandelt. Über den Schiffahrtsweg Rhein kam der Riesling nach Bacharach, dem Hauptumschlageplatz des mittelalterlichen Rhinwin. Die Fässer gingen nach England, Holland, Russland, vorher an die Hanse.
In Österreich gilt das „Freigut Thallern“ bei Gumpoldskirchen – also im Burgund Österreichs – als eines der ältesten Weingüter – gegründet 1141 – von den Mönchen des noch heute bestehenden Stiftes von Heiligenkreuz. Am sehr schönen Areal des Weingutes befindet sich auch die feine Gebietsvinothek der „Thermenregion“mit allen guten Winzern der leider etwas vernachlässigten Weinregion, eine romanische Kirche, Boutique-Hotel und den wunderbaren Klostergasthof. Auch hier – friedet eine hohe Steinmauer die Kernzonen der Weingärten ein – und – auch in Stift Stams hat man erst kürzlich die umgebende Mauer des Obstgartens erneuert und geflickt.

Die Zisterzienser heute: Nach dem Verlust großer Teile des Ordensbesitzes im 19. Jahrhundert sind sie vor allem in der Seelsorge und Unterricht tätig. Weltweit gibt es etwa 2500 Mönche – und auch – Nonnen, die in über 160 Klöstern leben. Na schau.
Sie spielen weiterhin eine wichtige Rolle in der katholischen Kirche und betreiben selbst einige wenige Weinberge –kümmern sich aber vor allem – um die des Herrn.
Somit einstweilen Pause – ich komme wieder – keine Frage… bis Mai – Alfred Walch

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