19. September 2020

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten.

Lesedauer ca. 2 Minuten

Kürzlich habe ich ein Buch gelesen, das mich sehr beeindruckt hat. Und weil es dazu auch noch recht aktuell ist, möchte ich es den LeserInnen des DZ-Blogs kurz vorstellen und wärmstens empfehlen.

Die Berichte über den Tod des Afroamerikaners George Floyd auf Grund von massiver Polizeigewalt und mittlerweile noch weitere rassistischer Gewalttaten in den USA haben das Thema Rassismus auch bei uns wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Hier in Österreich ist man versucht, missbilligend und verständnislos auf die Vorkommnisse in den USA zu schauen. Allzuleicht vergisst man, dass es auch bei uns in Österreich schon durch Polizeigewalt getötete Afrikaner gegeben hat und dass es neben diesen besonders tragischen Todesfällen immer wieder rassistische Vorkommnisse gibt, die gottseidank nicht tödlich enden.

Das Buch von Alice Hasters setzt aber ganz woanders an – sie (Tochter einer afrikanischen Mutter und eines deutschen Vaters) erzählt uns von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit Rassismus im Alltag. In 5 Kapiteln – zu den Themen Alltag, Schule, Körper, Liebe und Familie – erläutert sie, was es konkret heißt, schwarz zu sein in einem weißen Land und wie sich Rassismus ganz konkret anfühlt. Sie zeigt uns, dass wir alle mehr oder weniger rassistische Haltungen und Verhaltensweisen an den Tag legen. Uralte Prägungen können wir auch bei bestem Willen nicht von heute auf morgen ablegen.

Beeindruckend ist, dass Hasters dabei weder mitleiderweckend noch wütend schreibt (obwohl sie manchmal allen Grund dazu hätte). Nein, sie beschreibt ganz sachlich, wie das mit dem Rasssismus so abläuft und was er für Menschen bedeutet, die davon betroffen sind. Und dabei geht es nicht um brutale Gewalt, sondern um die kleinen Verletzungen im täglichen Leben.

Damit gibt sie den LeserInnen die Chance, eigenes Verhalten zu hinterfragen und bewusster mit dem Thema Rassismus umzugehen. Letztlich ist dies der – langwierige und mühsame – Weg, dem Rassismus ein Ende zu bereiten. Die Ausrede, dass man etwas „nicht so gemeint“ habe, zieht nicht mehr, wenn man erkennt, wie das eigene Verhalten bei Menschen ankommt und wirkt, die von Rassismus betroffen sind.

Zu erwähnen ist noch, dass sich das Buch sehr leicht und fließend lesen lässt. Hasters vermeidet Fremdwörter, und wo sie notwendig sind, erklärt sie sie leicht verständlich.

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Hannes Gstir

Hannes Gstir

Hannes war von 1994 bis 2019 Herausgeber der Dorfzeitung. Außerdem war er viele Jahre als Mitglied der Liste juf in der Gemeindepolitik aktiv, davon 6 Jahre (2004 – 2010) als Gemeinderat, Gemeindevorstandsmitglied und Obmann des Kulturausschusses. Sein Interesse gilt nach wie vor der Politik, vor allem aber auch gesellschaftspolitischen Fragen.

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