27. Oktober 2020

“Aliens” in Inzing

© Prezi
Lesedauer ca. 2 Minuten

Wenn man sich dieses Portrait ansieht, möchte man meinen, es handelt sich um ein extraterrestrisches Wesen. Und es ist tatsächlich etwas, was eigentlich nicht nach Europa gehört.

Es handelt sich hier um eine Amerikanische Kiefernwanze aus meinem Garten, mitten in Inzing. Ich habe diese Wanzenart in den vergangenen Jahren bereits mehrfach entdeckt. Eigentlich ist ihr Zuhause der Westen Nordamerikas. Aber sie wurde Ende der 1990er Jahre nach Europa verschleppt. Erstmals entdeckt hatte man sie 1999 in Norditalien. In Österreich wurde sie 2005 erstmals nachgewiesen und inzwischen ist sie in vielen Ländern Europas zu finden.
Es passiert immer wieder, dass Tiere und Pflanzen bewusst oder auch unabsichtlich in Regionen verschleppt werden, wo sie auf Umgebungen treffen, die sich als ideal für die weitere Reproduktion erweisen. Das Ökosystem ist nicht auf „Invasoren“ mit so manch speziellen Eigenschaften vorbereitet. Heimische Nahrungskonkurrenten sind manchmal nicht in der Lage, sich gegen den neuen Eindringling durchzusetzen.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2006 sind in Österreich rund 500 gebietsfremde Tierarten („Neozoen“) bekannt. Das sind geschätzte 1 bis 2 Prozent der gesamten Tierfauna Österreichs. Dass es sich vorwiegend um Insekten (rund 60% aller Neozoen und darunter wiederum ganz besonders Käfer und Läuse) handelt, die hier ein neues Zuhause finden, liegt wohl daran, dass sie sich leicht zwischen den global transportierten Produkten verstecken können.

Auch Pflanzen wurden und werden laufend eingeschleppt. Der Anteil der Neophyten an der Gesamtzahl aller Pflanzen Österreichs liegt sogar noch deutlich höher als bei den Tieren. Rund 27 Prozent der Pflanzen haben ihre ursprüngliche Heimat außerhalb Österreichs.

Eine sehr auffällige Pflanze ist die Kanadische Goldrute.

Sie wurde bereits im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Paris gebracht und breitet sich seitdem erfolgreich aus.

Noch nicht so lange, dafür aber beängstigend schnell, erobert das Drüsige Springkraut mehr und mehr europäisches Territorium. Ebenfalls als Zierpflanze wurde diese bis über 2 Meter wachsende Pflanze aus Indien nach Großbritannien gebracht.

Seit 2017 steht diese Pflanze sogar auf der „Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung“.
Diese „Blume“ wuchert derart massiv, dass sie vielen anderen heimischen Pflanzen Nährstoffe und Licht entzieht und sie dadurch verdrängt. Versuche, diese Pflanze durch Ausreißen noch bevor neue Samen gebildet werden, wieder auszurotten, scheinen erfolglos zu sein. Zu weit ist diese Pflanze bereits verbreitet und nur unzureichend sind die „Säuberungsaktionen“.
Aber nicht immer entwickeln sich „Neobioten“ (Überbegriff für Neophyten und Neozoen) zur Plage. Was zum Beispiel wäre unsere Landwirtschaft ohne Kartoffel?

Für Interessierte bietet das Internet eine Fülle an Informationen. Zum Beispiel hier:
https://www.neobiota-austria.at/  
https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/DP089.pdf
https://naturschutzbund.at/neobiota-in-oesterreich.html
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript471.pdf

Fotos: Ernst Pisch

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Ernst Pisch

Ernst Pisch

Ernst motiviert die Leser der Dorfzeitung seit 2008 mit dem Bilderrätsel “Inzing ganz nah”, in unserem Dorf mit offenen Augen auf Entdeckungsreise zu gehen. Ernst unterstützt auch das Inzinger Chronikteam – vor allem in technischen Belangen.

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