30. November 2020
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Dias digitalisieren – Teil 1

Lesedauer ca. 4 Minuten

Wer noch im vorigen Jahrtausend mit der Fotografie begonnen hat, der kennt folgende Situation:

Es befinden sich noch hunderte oder gar tausende Dias in diversen Boxen und Kartons, die zwar nicht mehr betrachtet, aber auch nicht weggeworfen werden wollen. Was tun damit in Zeiten von Smartphone, Tablet und digitalem Beamer? Was nicht in digitaler Form vorliegt, dem wird keine Beachtung geschenkt – Zu umständlich! Nicht zeitgemäß! Un-cool!

Dasselbe Problem hatte ich und auch die Bildarchive der Dorfchronik bestanden bis vor gar nicht langer Zeit ausschließlich aus Sammlungen von Fotos auf Papier, Dias und Negativen.

Man möchte heutzutage rasch auf Fotos zugreifen und diese bequem von Computer oder Handy aus versenden können. Das ist nur möglich, wenn die Bilder in digitaler Form vorliegen.

Bis vor wenigen Jahren gab es nur folgende Möglichkeiten:

Entweder man gab die Bilder einer Firma, die die Digitalisierung übernahm und pro Bild kassierte. Oder man kaufte sich einen Scanner und übernahm die zeitaufwändige Arbeit selbst. Ich hatte mich zusammen mit Freunden am Kauf eines Scanners beteiligt, der ganze Magazine automatisch scannen konnte. Nachdem wir alle unsere Dias digitalisiert hatten (auch die Dias im Bildarchiv der Gemeinde Inzing wurden mit diesem Gerät digitalisiert), verkauften wird den Scanner wieder per Ebay. Wir waren alle sehr zufrieden mit Qualität (wir kannten damals nichts Besseres) und Kosten.

Manchmal werde ich noch gefragt, ob ich einen Scanner habe, um Dias zu digitalisieren. Heute empfehle ich jedem, seine Dias mit seiner Digitalkamera in Bilddateien zu verwandeln. Der Zeitaufwand je Digitalisierung eines Dias beträgt einen Bruchteil dessen, was Diascanner benötigen und die Qualität ist deutlich besser als das, was noch vor zehn Jahren mit einem bezahlbaren Dia-Scanner möglich war.

Folgende Abbildungen zeigen Bildausschnitte eines Dias – links vom Dia-Scanner und rechts mit der Digitalkamera erstellt:

Allerdings muss man sich ein wenig damit beschäftigen und benötigt ein paar technische Voraussetzungen, um wirklich gute Ergebnisse erzielen zu können.

Genau das soll Thema dieser zweiteiligen Serie sein.

Heute geht es um die erforderliche Ausstattung, um Dias mit der eigenen Digitalkamera digitalisieren zu können.

Wer früher seine Aufnahmen auf Dias „verewigt“ hat und immer noch Begeisterung an der Fotografie empfindet, der hat mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Digitalkamera mit Wechselobjektiven. Man benötigt nämlich ein Makro-Objektiv oder eine Vorsatzlinse zu einem Objektiv, womit die Kamera in der Lage ist, ein Dia bildfüllend abzulichten. Auch mit kostengünstigen Zwischenringen kann man ein „normales“ Objektiv Makro-tauglich machen. Die beste Qualität erzielt man mit einem Makro-Objektiv.

Für Vollformat-Digitalkameras (der Sensor hat dieselben Abmessungen wie die damaligen Dias), benötigt man ein Makroobjektiv, welches einen Maßstab von 1:1 ermöglicht. Für Kameras mit kleinerem Sensor (APS, Micro-Four-Thirds etc.) genügt ein etwas geringerer Maßstab, um ein Dia bildfüllend darstellen zu können. Schafft man es mit der vorhandenen Ausrüstung nicht, das Dia komplett bildfüllend darzustellen und will auch nicht zusätzlich investieren, muss man sich eben mit der geringeren Auflösung zufrieden geben, was aber trotzdem noch besser sein kann als das, was ein guter, aber schon etwas älterer Scanner bzw. ein billiger aktueller Scanner schafft.

Die Kamera muss für die Aufnahmen stabil befestigt werden – zum Beispiel auf einem Stativ.

Weiters benötigt man eine Halterung, um die Dias zuverlässig vor der Kamera positionieren zu können. Die Dias müssen exakt parallel zum Bildsensor der Kamera ausgerichtet sein. Das erreicht man, wenn alle vier Ränder des Dias parallel zum Bildrand im Sucher verlaufen bzw. damit identisch sind.

Zuletzt wird eine Lichtquelle benötigt, welche das Dia von der Rückseite her gleichmäßig ausleuchtet.

Wer noch einen Diaprojektor besitzt, der kann sich diesen eventuell so umbauen, dass er als Diahalterung und Beleuchtung in einem dient. Man findet dazu Anleitungen im Internet. Kurz zusammengefasst wird dafür die Kondensorlinse im Projektor durch eine Mattscheibe ersetzt. Die Kamera wird dann in den Strahlengang vor dem Projektor platziert und man kann bequem, wie bei einer Diashow, Bild für Bild wechseln und bei jedem Bild die Kamera auslösen.

Eine andere Lösung wäre ein eventuell noch vorhandener Leuchttisch, womit früher Dias zum Aussortieren gesichtet wurden. Solche Leuchttische liefern normalerweise sehr gleichmäßiges Licht. Man muss nur eine Möglichkeit finden, die Kamera so auszurichten, dass sie sich im korrekten Winkel vor der Leuchtfläche befindet. Hilfreich ist auch, einen entsprechend ausgeschnittenen, dicken Karton auf dem Leuchttisch zu befestigen, der dabei hilft, das Dia immer an exakt derselben Position zu platzieren.

Ich hatte mir eine Vorrichtung mit dem Kinderspielzeug „Matador“ gebastelt, welches bei unseren Kindern längst schon ausgedient hat. Dahinter habe ich einen Blitz gestellt, welcher per Funk von der Kamera ausgelöst wurde. Die Mattscheibe entnahm ich einem simplen Diabetrachter, womit man Dias früher händisch gegen eine Lichtquelle hielt. Als Mattscheibe kann auch dünnes, weißes Papier oder lichtdurchlässiger, weißer Kunststoff dienen. Man sollte aber darauf achten, dass es sich um möglichst farbneutrales Material handelt und dass keine Strukturen unterschiedlicher Helligkeit zu sehen sind. Sollte die Fläche der Mattscheibe nicht perfekt homogen sein, muss man sie mit etwas Abstand zum Dia platzieren. Ungleichmäßigkeiten in der Ausleuchtung des Dias werden dadurch verringert.

Die bequemste Lösung ist aber, sich einen Diakopiervorsatz zu kaufen, der zusammen mit der Kamera auf einem Stativ befestigt wird. Das hat den Vorteil, dass Kameraabstand und exakte Ausrichtung sehr rasch und einfach einzustellen sind. Eine Mattscheibe wird bereits mitgeliefert. Man benötigt nur mehr eine geeignete Lichtquelle.

Bei der Wahl einer Lampe als Lichtquelle sollte man auf einen möglichst hohen Farbwiedergabe-Index achten. Dieser Index gibt an, wie sehr das Kunstlicht dem Tageslicht ähnelt. Der Index ist (zumindest bei höherwertigen Lampen) auf der Verpackung aufgedruckt. Ein Wert von 100 ist optimal, Werte über 90 sind noch gut, Werte unter 85 sind wenig geeignet für die farbtreue Wiedergabe. Glühlampen und Blitzlicht eignen sich sehr gut für eine korrekte Farbwiedergabe. Beim Kauf von Leuchtstofflampen und LED-Lampen muss man ganz besonders auf den Farbwiedergabe-Index achten. Diesen Lampen fehlen nämlich oft recht breite Farbbänder im Lichtspektrum, sodass damit nicht alle Farben eines Dias korrekt sichtbar gemacht werden können.

Im nächsten, etwas umfangreicheren Teil, geht es dann um verschiedene Dia-Rahmen, Kamera-Einstellungen, korrekte Belichtung und die abschließende Bildbearbeitung.

Fotos: Ernst Pisch

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Ernst Pisch

Ernst Pisch

Ernst motiviert die Leser der Dorfzeitung seit 2008 mit dem Bilderrätsel “Inzing ganz nah”, in unserem Dorf mit offenen Augen auf Entdeckungsreise zu gehen. Ernst unterstützt auch das Inzinger Chronikteam – vor allem in technischen Belangen.

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2 Gedanken zu “Dias digitalisieren – Teil 1

  1. Hallo Ernst,
    oh, da werden Erinnerungen wach. 2006 habe ich mich daran gemacht, meine Dias zu digitalisieren. Ich habe mich einer Gruppe angeschlossen, die einen Scanner gekauft haben, der ganze Magazine digitalisieren konnte.
    Da ich das Gerät nur für eine Woche hatte und über 1000 Dias zum Scannen waren, musste ich auch die Nacht durcharbeiten. Ca. alle 1,5 – 2 Stunden musste ich das Magazin wechseln. Das war, wie man sich vorstellen kann, recht intensiv.
    Naja, und das Ergebnis war dann letztlich den Aufwand wohl kaum wert.
    Bin schon gespannt auf Teil 2.

    Danke.
    lg
    peter

    1. Ja Peter, es war sehr mühsam damals. Das Scannen eines einzelnen Dias dauerte deutlich über eine Minute.
      Bin ich froh, dass ich meine Dias damals, nachdem ich sie alle gescannt hatte, nicht weggeworfen habe! Ganz sicher werde ich nicht alle Dias noch einmal digitalisieren. Aber über meine besten Bilder von damals kann ich mich mit dieser Methode nun doch noch freuen 🙂
      Danke für deine Rückmeldung – das freut mich!
      LG,
      Ernst

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