28. Juli 2021
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Fahrrad und Zug – eine gute Kombination

Radlmitnahme in der S-Bahn. Alle Fotos: Peter Oberhofer
Lesedauer ca. 6 Minuten

Mitten im Sommer stellt sich vielleicht die Frage: welche Fahrradtour könnte man als nächstes unternehmen. Ab Inzing ist die Auswahl zwar schon recht groß, aber wer nicht nur auf Almen im Umkreis oder auf dem Inntalradweg fahren möchte, ist bald mit der Selektion am Ende. Ich selber bin viel mit dem Fahrrad unterwegs und kann ein paar Tipps geben. Vor allem die Kombination von Zug und Fahrrad ermöglicht eine ungemeine Vielfalt. Zudem hat es den Vorteil, dass man nicht wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren muss, wodurch sich tolle Tourenvarianten ergeben.

Generell ist die Fahrradmitnahme im Zug problemlos möglich. In Regionalzug und REX genügt ein Fahrradticket. Im Schnellzug muss man zusätzlich einen Platz für das Fahrrad reservieren. Das Einzelticket kostet momentan € 1,90, das Tagesticket gibt es um € 2,60. Lediglich die Strecke ab Innsbruck nach Seefeld/Scharnitz ist meiner Meinung nach problematisch, da hier der Andrang nicht nur am Wochenende extrem hoch ist. Hier kann es vorkommen, dass man keinen Platz mehr mit dem Rad findet.

Auch im Railjet sind die Räder gut verstaut.

Auf allen anderen Verbindungen in Tirol habe ich noch keine Engpässe beim Fahrradtransport festgestellt. Zusätzlich zum Zug kann man Fahrräder auch mit dem Bus transportieren. Hier sind vor allem die Strecken ins Ötztal und nach Nauders erwähnenswert. Mehr dazu später im Artikel.

Nun ein paar Tourentipps. Diese sollen nur eine Idee bieten, was möglich ist, aber keinesfalls eine detaillierte Routenplanung ersetzen. Die Touren sind allesamt nicht ausschließlich bergauf orientiert und somit dürfte für jeden etwas dabei sein. Auch vom Untergrund her sind keine sehr groben Schotterpassagen dabei. Ich beschränke mich auf Routen, die in Nordtirol mit dem Zug erreichbar sind. Für Besitzer des VVT-Jahrestickets Tirol sind diese An- und Abreisen kostenlos möglich.

Leichte Touren:

Der Klassiker mit Zug und Rad ab Inzing ist sicherlich der Inntalradweg ab oder nach Imst. Der Zug verkehrt etwa stündlich, in Telfs oder Ötztal Bahnhof muss man umsteigen. Der Radweg vor allem von Imst bis Haiming ist sehr schön und auch für Kinder gut zu fahren. Es gibt einige kleinere Steigungen, der Weg durch den Wald ist landschaftlich sehr ansprechend. Insgesamt sind es von Imst bis Inzing ca. 45 km.

Ebenso kann man natürlich auch ins Unterland fahren und den Inntalradweg zurück nach Inzing fahren.

Innradweg Radwandern | Tirol in Österreich


Ebenfalls als leichte Tour würde ich den Ötztalradweg bezeichnen. Es gibt die Möglichkeit mit dem Zug nach Ötztal Bahnhof zu fahren und dort in den Bus umzusteigen. Der Bus ist hier mit einem perfekten Anhänger für Fahrräder ausgestattet. Der Transport ist kostenlos. Je nach Lust und Kondition kann man sich mit dem Bus bis Sölden bringen lassen oder auch schon früher aussteigen, um dann den Radweg abwärts rollend zu genießen. Auch dies ist mit Kindern gut zu machen. Der Ötztalradweg ist von Sölden bis Haiming etwa 60 km lang. Man muss fast nirgends auf der Bundesstraße fahren.

Der Ötztaler Radweg / Perfekte Infrastruktur und viele Highlights (oetztal.com)

Radanhänger am Bus auf der Fahrt nach Sölden
Die Beschilderung ist im Ötztal vorbildlich.

Genauso, wie man mit dem Bus nach Sölden fahren kann, gibt es auch die Möglichkeit ab Landeck mit dem Bus nach Nauders zu kommen. Auch hier ist die Fahrradmitnahme zwar nicht kostenlos, aber problemlos möglich. Der Radweg zurück nach Landeck heißt hier Via Claudia Augusta. Er ist bestens ausgeschildert und führt durch die idyllischen Ortschaften entlang des oberen Gerichts. Die Streckenlänge von Nauders nach Landeck beträgt etwa 45km.

Radweg Via Claudia Augusta – Infos & Streckenbeschreibung | Tirol

Blick Talauswärts in Richtung Landeck auf dem Radweg Via Claudia Augusta.

Mittlere Touren:

Eine Rundtour am Seefelder Platteau: Mit dem Zug nach Seefeld und von dort im Uhrzeigersinn nach Leutasch, Mittenwald, Scharnitz und zurück über Giessenbach nach Seefeld. Ca. 40 KM, und 300 HM. Feine Tour, wenn es im Tal zu warm zum Radfahren ist. Es gibt viele nette Möglichkeiten einzukehren und zu rasten. Mittenwald als Zwischenstopp für Eis oder Kaffee lohnt sich allemal.


Eine weitere Tour von Scharnitz startend: man fährt vom Bahnhof Scharnitz nach Mittenwald und dann links hinauf zum Lauter- und Ferchensee. Vor allem der Ferchensee bietet sich zum Schwimmen oder genießen an. Dann fährt man weiter in gleicher Richtung abwärts nach Krün, um von dort entweder eine größere Schleife zu den weiteren Seen der Umgebung zu machen, oder direkt zurück über Mittenwald nach Scharnitz zu radeln. Ca. 35 km, 300HM.


Etwas weiter weg, dafür nicht minder schön ist eine Tour im Unterland. Man startet am Bahnhof Kufstein und fährt über den idyllischen Kaiserwinkel zum Walchsee. Weiter geht es nach Kössen und dann der Großache, wie sie in diesem Abschnitt heißt, entlang über Erpfendorf nach St. Johann. Bis hierher sind es ca. 45km und 400HM, optional kann man noch bis zum Schwarzsee weiterfahren und dort das herrliche Moorwasser genießen. Ca. 60-65 km, 500 HM.

Infos zur Route
Kaiserradrunde (kaiserwinkl.com)

Im Kaiserwinkel in Richtung Walchsee

Eine weitere Variante von Imst nach Inzing ist die Tour durch das Gurgltal bis Nasserreith und von dort über Dormitz hinauf auf den Holzleitensattel. Den steilen Anstieg vor dem Sattel hat man bald hinter sich, danach geht es ohnehin nur noch hinunter bis nach Telfs und am Inntalradweg nach Inzing. Ein Zwischenstopp beispielweise in Arzkasten oder in Mieming bietet sich an. Ca. 45km, 400 HM. Schön ist auf dieser Tour, dass man immer weit abseits des Autoverkehrs radeln kann.


Jenbach als Startpunkt eignet sich beispielweise für die Fahrt entlang der Ziller bis nach Mayrhofen. Eine andere Variante ist aber von Jenbach über Rotholz nach Strass und bis Bruck im Zillertal. Dann nach links hinauf zum Kerschbaumersattel und hinunter nach  Reith im Alpbach. Hier gibt es einen Badesee. Dann noch weiter nach Rattenberg und zurück mit dem Zug nach Inzing. Ca. 25-30km, 600HM.

Am Weg zum Kerschbaumersattel, etwas Abseits der direkten Route auf der Straße.

Schwere Touren:

Jetzt geht es rund um das Karwendelgebirge. Mit dem Zug nach Scharnitz, von dort der Isar entlang auf einer landschaftlich einmaligen Passage bis Mittenwald, weiter nach Wallgau, und vorbei am Silvenstein-Stausee. Dann auf oder neben der Bundesstraße bis zum Achensee. Entlang des Sees gibt es einen netten Radweg, der einen bis nach Jenbach bringt. Ca. 75km, 400HM


Sehr ansprechend und abwechslungsreich ist diese Tour im Rofan. Start beim Bahnhof in Jenbach. Der Weg führt über Wiesing zum Achensee und dann nach Steinberg am Rofan und hinüber ins Brandenbergtal. Dort gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man hält sich rechts des Baches oder man radelt nochmals hinauf bis zum Ort Brandenberg. Beide Varianten führen letztlich nach Kramsach und ab Rattenberg kann man wieder den Zug in Richtung Inzing nehmen. Ca.  55-60 km, 1000 HM.

Routenplanung in Google-Maps:

https://goo.gl/maps/d2wXwuzQNoUarvxe6


Eine meiner Lieblingstouren geht von Seefeld ins Gaistal, dann hinunter nach Ehrwald und weiter bis zum Fernpass. Hier führt der Radweg etwas weiter hinauf, sodass man zum Fernpass wieder deutlich hinunter fahren muss. Wunderbare Ausblicke hat man hier. Auf dem weiteren Verlauf abwärts bis Nasserreith ist teilweise etwas Vorsicht geboten. Der Weg ist teils recht steil und manchmal auch eher schmal. Hier angekommen, kann man entweder durch das Gurgltal nach Imst oder wieder über den Holzleitensattel und Mieming nach Inzing fahren. Ca. 90 km, 1000 HM.

Kurz vor der Ehrwalderalm.

Achtung: Google-Maps bietet für die Strecke über den Fernpass momentan keine Radroute an. Auf der Straße ist Radfahrverbot und die Verbindung zwischen Biberwier und dem Fernpass ist nicht vorhanden. Dennoch gehört dieser Teil zum Radweg Via Claudia Augusta und ist gut befahrbar und beschildert.


Eine eher straßenorientierte Tour geht vom Bahnhof Roppen nach Arzl im Pitztal, dann über die Landesstraßen auf die Pillerhöhe. Hier hat man einen grandiosen Ausblick auf das Kaunertal und das obere Gericht. Steil hinunter auf Asphalt nach Fließ und weiter nach Landeck und wer noch Lust hat entlang des Inns bis zum Bahnhof Imst. Wer bis Imst fährt, kann noch einen Zwischenstopp auf der Kronburg einlegen. Ca. 60km 1200HM. Auf dieser Tour fährt man größere Teile auf der Straße, wobei allerdings nach meinem Eindruck recht wenige Autos unterwegs sind.


Vielleicht konnte ich euch für die eine oder andere Tour inspirieren. Ich wünsche viele unfallfreie Radkilometer und immer einen guten Platz im Zug.

Offizielle Info der ÖBB zur Fahrradmitnahme:
https://www.oebb.at/de/reiseplanung-services/im-zug/fahrradmitnahme

Buchtipp – Tiroler Radlbuch:
https://www.tyrolia.at/item/Tiroler_Radlbuch/Brigitte_Fitsch/Fritz_Pellet/46900114?back=8fe5a247a7cdd0fb0080132ea0b21317

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Peter Oberhofer

Peter Oberhofer

Peter ist seit Ende 2012 Redaktionsleiter der DZ. In Inzing ist er bei der Klimabündnisgruppe und bei der Gemeinderatsfraktion juf engagiert. Umwelt- und Klimaschutz, Energiesparen, öffentlicher Verkehr sind ihm ein wichtiges Anliegen.

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