21. Oktober 2021
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Wo bleibt das Vertrauen?

© ZDF
Lesedauer ca. 8 Minuten

Was ist bloß los mit den Österreichern? Es war doch nur selten so einfach, sich gegen eine Krankheit kostenlos impfen zu lassen. Und dennoch wird es zunehmend schwieriger, alle Österreicher vom Nutzen der Corona-Impfung zu überzeugen. Man greift zu immer drastischeren Maßnahmen in Form von Lockmitteln bis hin zu Drohung und Erpressung, aber “Es wird zunehmend schwierig, … zu motivieren”, wie man aus diversen Medien erfahren kann.

Die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) schreibt in ihrem “Factsheet – Bereitschaft zur Corona-Schutzimpfung und Gesundheitskompetenz, Version 03/2021” u.a. Folgendes:

“Die Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, ist in Österreich niedrig, im Vergleich zu dem, was für eine Herdenimmunität notwendig wäre”

Insgesamt ist eine deutliche Polarisierung in puncto Impfbereitschaft zu erkennen.

Diesen Faktoren kommt aber weniger Gewicht zu als der Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik, die sehr deutlich mit der sinkenden Bereitschaft, sich impfen zu lassen, korrelierte.

Woran mag es wohl liegen, dass ein nicht geringer Prozentsatz der Österreicher so kritisch gegenüber der Corona-Impfung eingestellt ist?

Eine gewisse Skepsis rührt wohl daher, dass die Pharmaindustrie nicht gerade den besten Ruf genießt. Die älteren unter uns können sich garantiert noch an das Contergan-Desaster (Thalidomid) erinnern, welches tausende verstümmelte Neugeborene zur Folge hatte. Man muss aber gar nicht so weit in die Vergangenheit zurück blicken. Der in Corona-Zeiten hochgejubelte Pharma-Riese Pfizer wurde bereits mehrfach wegen dessen Verhalten zu Strafzahlungen verurteilt. Sogar Beträge in Milliardenhöhe wurden von Pfizer schon bezahlt. Pfizer ist aber nicht das einzige Pharmaunternehmen, welches solche Schuld auf sich lud.

Deshalb darf man sich nicht wundern, wenn eine gewisse Grund-Skepsis in der Bevölkerung herrscht.

Eine weitere Ursache für die kritische Einstellung kann auch bei der WHO, der Weltgesundheitsorganisation ausgemacht werden. Die WHO ist an sich eine äußerst wertvolle und nützliche Einrichtung der Vereinten Nationen. Sie wurde 1948 gegründet und zählt heute 194 Mitgliedsstaaten. Ihr Zweck besteht darin, allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen.

Die WHO koordiniert, unterstützt und spricht Empfehlungen aus. Darüber hinaus betreibt sie auch das Programme for International Drug Monitoring, welches unerwünschte Arzneimittelwirkungen frühzeitig aufdecken soll.

Gerade, wenn es um Infektionskrankheiten geht, welche keine Staatsgrenzen kennen, wird der Nutzen einer solchen Einrichtung ganz deutlich sichtbar. Das Betreiben dieser großen Institution mit Hauptsitz in Genf verschlingt jedoch große Summen. Und hier befindet sich eine Schwachstelle der Organisation, welche großen Einfluss auf das Vertrauen ausübt. Nämlich nur rund ein Viertel aller Geldmittel wird von den Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt. Der Beitrag richtet sich nach der Zahlungsfähigkeit der jeweiligen Länder, was an sich sehr sinnvoll ist, aber die Existenz von einigen wenigen Ländern abhängig macht. Aber gar drei Viertel der Finanzierung stammt von Stiftungen, internationalen Organisationen, NGOs und privaten Spendern. Alleine die Stiftungen tragen zu 21% des gesamten Kapitals bei! Zudem fließen manche Summen nur, wenn diese zweckgebunden verwendet werden.

Mit anderen Worten: Die WHO hat nur eingeschränkten Handlungsspielraum und ist von den Gönnern abhängig. Es entstehen Interessenkonflikte, welche dazu führen können, dass nicht immer das Wohl der Bevölkerung an erster Stelle steht, sondern jenes der Geldgeber.

Wie sehr darf man dann einer Empfehlung der WHO noch trauen?

Dass die Impfbereitschaft aber tatsächlich messbar und zwar signifikant mit der Zufriedenheit der Regierungsarbeit korreliert, das sollte den Regierenden sehr zu denken geben!

Es wurde aber auch kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um das Misstrauen der Bevölkerung in die Politik zu bestärken.

Zunächst das peinlichste Interview eines Politikers, das ich je erlebt hatte: Der Gesundheitslandesrat, dem nichts anderes mehr einfällt, als ständig zu wiederholen, zu Beginn der Pandemie in Tirol alles richtig gemacht zu haben.

Die Aussage unseres Kanzlers “Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist” hat sich ja glücklicherweise nicht erfüllt. Und der Kanzler musste auch zugeben, dass dieser Satz nur dazu diente, Angst zu verbreiten. Ob gut gemeint, oder auch nicht – es trägt nicht dazu bei, Vertrauen zu erwecken.

Das von der Regierung in den Medien als hervorragend dargestellte Krisenmanagement, war in der Realität bei weitem nicht als solches wiederzuerkennen. Wer z.B. zu Beginn der Pandemie krank wurde, Kontakt zu anderen positiv getesteten Personen hatte, aber dem auch nur ein einziges Symptom der damaligen Liste fehlte, wurde erst gar nicht getestet. Auch solche Erlebnisse lassen an der Fähigkeit der Krisenmanager zweifeln. Es geht dabei weniger darum, dass die Organisation lückenhaft, dass viele der Beteiligten überfordert und so manches ganz einfach nicht in so kurzer Zeit realisierbar war – dafür hätte ein Großteil der Bevölkerung sicherlich Verständnis. Es geht vielmehr darum, dass Aussagen getätigt wurden, wofür jegliche Faktenbasis fehlte, dass ein deutlich spürbarer Machtkampf der Koalitionspartner herrschte, der offenbar wichtiger war, als die Bekämpfung der Krise. Wobei der Begriff “Machtkampf” nicht unbedingt passend ist – es war ja doch eher so, dass ein Erfolg des kleinen Koalitionspartners, dem das Gesundheitsresort untersteht, schlicht und einfach vermasselt werden sollte. Zumindest habe ich das so (und nicht nur ich) empfunden. Dies alles sehr wahrscheinlich auch auf Kosten der Bevölkerung.

Später kamen dann auch noch diverse Verstrickungen in äußerst dubiose, wenn nicht gar kriminelle Geschäfte im Zuge der Schutzmasken, Corona-Tests etc. zutage.

So manche Details darüber konnte man allerdings leichter von ausländischen Medien erfahren, als hier in Österreich. Das ist auch nicht weiter verwunderlich.

Wochenlang wurden wir mit völlig inhaltslosen, ganzseitigen Inseraten der Regierung “beglückt”.

“Das Land an deiner Seite” – genauso gut hätte man schreiben können: “Seht her, diese Zeitung lässt sich dafür bezahlen, dass sie wohlgesonnen über die Arbeit der Landesregierung berichtet.” Aber dieser Satz wäre vermutlich zu lange gewesen, weshalb man sich wohl auf diesen kurzen, prägnanten Satz einigte.

Die Medien spielen dieses Spiel immer noch mit! Vor wenigen Wochen erst erregte eine Schlagzeile meine Aufmerksamkeit. Der Anstieg der 7-Tage Inzidenz habe katastrophale Ausmaße erreicht! Eine Steigerung der Inzidenzzahl um das Vierfache innerhalb einer einzigen Woche! Wenn das so weitergeht, werden die Intensivstationen in Kürze bersten!

Sehen wir uns das näher an:

Der Zeitpunkt der Meldung ist in der Grafik mit einem roten Pfeil markiert. Die Werte für Österreich werden durch die rote Kurve dargestellt.

Wenn ich einem Investor Geld entlocken will, indem ich ihm erzähle, “mein Produkt verkauft sich sensationell – innerhalb eines Jahres konnte ich den Umsatz um das Vierfache steigern” und er stellt fest, dass ich letztes Jahr 5 Stück und heuer 20 davon verkauft habe …. was glauben Sie wohl, wird er von mir halten?

Ähnlich verhält es sich mit den Inzidenzahlen zum besagten Zeitpunkt. Die Inzidenzzahlen waren wenige Tage vor dem Zeitpunkt dieser Nachricht am absoluten Tiefpunkt!

Welcher Journalist hat diese Zahlen überprüft bevor sie veröffentlicht wurden? Für wie seriös darf man Nachrichten im ORF überhaupt noch halten, wenn mit solchen Methoden Stimmung gemacht wird!? Es wird ganz offensichtlich Politik mit der Angst betrieben! Die große Gefahr dabei besteht allerdings darin, dass all jene, die das durchschauen oder auch nur vermuten, keinerlei Warnung mehr Glauben schenken werden.

In der Grafik habe ich übrigens auch Inzidenzwerte anderer Länder, wie Deutschland und Schweiz dargestellt. Ganz interessant finde ich die Werte vom “Impfweltmeister Israel”. Seitdem Israel rekordverdächtige Impfraten feiert, stieg die Inzidenz in Höhen, wie wir sie hier in Österreich während der gesamten Pandemie noch nie erlebt hatten.

Ob man vor gewissen Dingen Angst hat oder nicht, hängt in erster Linie von den persönlichen Erfahrungen ab. Hatte man bereits eine sehr schwerwiegende Grippeerkrankung überstanden und muss befürchten, dass eine Corona-Erkrankung noch schlimmer sein könnte, wird man der Situation gänzlich anders begegnen, als wenn man bisher noch jede Erkrankung “locker weggesteckt” hatte.

Statistiken und Wahrscheinlichkeiten tragen nur sehr wenig zur persönlichen Einschätzung einer Gefahr bei.

Wenn es z.B. heißt, dass eine von 10.000 betroffenen Personen verstirbt (nur als Beispiel, ganz unabhängig von dieser Pandemie), dann klingt das so lange nicht sehr besorgniserregend, so lange man nicht unmittelbar davon betroffen ist. Zehn Tote bei einer Einwohnerzahl Innsbrucks – das klingt sehr ferne.

Erzählt mir ein persönlich Bekannter, dass jemand aus seinem direkten Bekanntenkreis verstorben sei, dann wird einem langsam bewusst, dass es sich tatsächlich um eine reale Gefahr handelt.

Trifft es aber jemanden der eigenen Bekannten oder gar der eigenen Familie, dann fühlt man die Gefahr direkt. Dann spürt man auch, dass es denjenigen nicht bloß zu 0,0 irgendwas Prozent erwischt. Nein, es erwischt ihn zu 100%, mit voller Härte und ich erlebe dessen Leid unmittelbar mit!

Und so kann und wird es auch immer wieder passieren, dass manchen von uns das Unwahrscheinliche öfter begegnet, als das Wahrscheinliche.

Zum Beispiel kenne ich selbst zwar persönlich eine Person, welche wegen der Impfung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, aber ich kenne persönlich keine einzige Person, welcher dasselbe wegen einer Corona-Erkrankung passiert wäre. Das erzeugt in mir eine höchstwahrscheinlich völlig falsche Einschätzung der Gefahren. Die Statistik kann mir zwar dabei helfen, entgegen meiner Erfahrung trotzdem das hoffentlich Richtige zu tun, aber sie kann mir nicht die Angst davor nehmen, dass das Unwahrscheinliche nicht doch vielleicht auch mich einholen wird.

Und wenn nun Menschen, welche dieses unwahrscheinliche Ereignis miterleben mussten, mit einer Aussage wie “Lassen Sie sich gefälligst impfen, denn die Impfung ist ohnehin sicher!” konfrontiert werden, dann darf man sich nicht wundern, dass Wut, Hass und in der Folge womöglich völlig irrationales Verhalten daraus entstehen können.

Eine Aussage, wie “dieses Medikament oder diese Impfung sei sicher”, ist immer eine Lüge, sobald im Beipackzettel von diversen unerwünschten Nebenwirkungen bis hin zu großen Gefahren gewarnt wird.

Es ist schon klar, solche Aussagen werden leicht getätigt und sind auch gemessen an einer großen Anzahl an Patienten verständlich und nachvollziehbar. Man spricht ja z.B. auch von einem “sicheren” Bergweg, weil man diesen schon oft sogar mit den eigenen Kindern gegangen ist. Aber wenn man mit einer Person spricht, die nur sehr unsicher auf den Beinen steht, wäre derselbe Satz eine glatte Lüge.

Wenn ein Politiker oder Arzt in der Öffentlichkeit einen solchen Satz äußert, müsste er damit rechnen, dass er auch viele Menschen erreicht, welche die Unwahrheit dieser Behauptung in aller Härte miterleben mussten. Hingegen ist derselbe Satz eine Bestätigung für all diejenigen, die bisher keine schlechte Erfahrung machen mussten. Sie haben dann noch weniger Verständnis für sogenannte Verweigerer, Skeptiker, Verschwörungstheoretiker usw. Sie würden solche Menschen am liebsten zwangsweise wegsperren, um wenigstens die “Vernünftigen” zu retten.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass es sich bei Corona um keine harmlose Erkrankung handelt. Wir müssen auch alle sehr darauf achten, dass unser (immer noch vergleichsweise gutes) Gesundheitssystem nicht an seine Leistungsgrenzen stößt. Es braucht aber auch einen seriösen Umgang und vor allem eine breite, auf Fakten basierende öffentliche Diskussion, damit die Menschen sich ein objektives Bild machen können. Ob Politiker oder Fachleute – wer in der Öffentlichkeit spricht, sollte auch immer im Hinterkopf behalten, wie seine Aussage bei jenen Personen ankommen wird, welche von wenig wahrscheinlichen Schicksalen heimgesucht wurden.

Man sollte sich auch gut überlegen, ob Zwänge letztendlich tatsächlich zu einer guten Lösung führen. Ich werde meine zweite Impfung vermutlich schon hinter mir haben, wenn dieser Artikel erscheint (hoffentlich ebenfalls mit keinerlei Nebenwirkungen wie beim ersten Stich). Dennoch werde ich gegen eine allgemeine Impfpflicht stimmen (die manipulative Fragestellung dieses Volksbegehren wäre wieder einen eigenen Artikel wert). Mir erscheinen die damit verbundenen Konsequenzen nämlich schlimmer als die sonst zu befürchtenden Gefahren. Es wird so oder so ungeimpfte Personen geben. Es gibt Menschen, welche die Impfung nicht vertragen und vermutlich eine Reihe weiterer begründeter Ursachen, welche einer Impfung entgegenstehen. Wie soll mit diesen Menschen umgegangen werden? Soll man sie wegsperren? Soll man Personen, welche schon bei ihrer ersten Impfung im Krankenhaus landeten, so unter Druck setzen, dass sie sich trotz ihrer begründeten Angst erneut immer und immer wieder impfen lassen? Weil sie anderenfalls ihre Ausbildung nicht fortsetzen oder ihren Beruf ausüben können?

Corona existiert und wird bleiben – so viel steht jetzt schon fest. Wie lauten die Kriterien, ob Impfpflicht ausgesprochen werden darf oder nicht? Soll man für die Pharmaindustrie zukünftig wirklich so etwas wie ein Abonnement schaffen, um jeden Menschen jährlich gegen irgendwelche möglichen Krankheiten zwangsweise zu impfen? Wäre das mit den Grundrechten der Menschen überhaupt zu vereinbaren? Was passiert mit Bürgern aus Ländern, in denen keine Impfpflicht existiert? Verschwindet der Schengen-Raum wieder? Was passiert mit dem Tourismus und dem Berufsreiseverkehr von/zu solchen Ländern?

Es gibt bereits jetzt schon viele verschiedene Impfungen, welche in einigen Ländern schon, in anderen wiederum nicht zugelassen sind. Wie soll man damit umgehen?

Meiner persönlichen Meinung nach existieren zu viele offene Fragen, um eine derartig tiefgreifende Entscheidung treffen zu können.

Sollte man sich nicht besser darauf konzentrieren, das Gesundheitssystem zu stärken anstatt es immer noch straffer zu optimieren und kaputt zu sparen? Investieren wir besser in Forschung und in ein Leben im Einklang mit der Natur und damit auch in die Stärkung der Gesundheit, um die Zahl der “vulnerablen” Personen mit Vorerkrankungen zu reduzieren. Wir werden die Milliarden an Steuergeldern auch sonst noch dringend dafür benötigen, einen Systemwandel zu schaffen, in dem die Menschheit nicht ständig immer neue Ressourcen verbraucht, sondern letztendlich in einem stabilen Kreislauf mit der Natur lebensfähig ist. Anderenfalls wird Corona über kurz oder lang sowieso nur ein vergleichsweise kleines Problem der Menschheit sein.

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Ernst Pisch

Ernst Pisch

Ernst fotografiert in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne und interessiert sich für die Technik, welche dahintersteckt. Während der oft längeren beruflichen Fahrten von und zu den Kunden denkt er unter anderem auch gerne darüber nach, warum die Welt genau so ist, wie sie ist. Dabei entstehen Fragen und manchmal auch neue Interessen, Ideen und Erkenntnisse, welche er gerne mit anderen teilt.

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