8. Dezember 2021
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Eine Reise von Inzing nach Wien mit einer RIKSCHA – Wie kommt man auf so eine Idee?

Foto: L. Strasser
Lesedauer ca. 7 Minuten

Dieser Bericht basiert auf einem Gespräch mit Reinhold Happ und Sabine Walder am 9.11.2021 im Café s’10er in Inzing. Die beiden nahmen mich mit auf eine unglaubliche Reise von Inzing nach Wien auf einem Gefährt, das man aus asiatischen Gefilden kennt und niemals als Personentransportmittel in Österreich erwarten würde.
Aber es war ja auch etwas ganz Ungewöhnliches, was die Beteiligten da unternommen haben: Eine Benefiz-Challenge der besonderen Art – in einem kleinen Team von Inzing nach Wien zu reisen und damit Geld für die sehr teure Behandlung von Elias, eines an einer schweren Muskelerkrankung leidenden Inzinger Buben, zu lukrieren.

© Pixabay

Aber alles der Reihe nach…

Gründung eines Benefizvereins

Vor vier Jahren (2017) gründeten Reinhold (“Reini”) und Carmen Happ den Benefizverein Reini Happ und Freunde. Sechs ehrenamtliche Mitglieder (neben den Gründern auch noch Sabine und Franko Walder sowie Maria und Reinhard Sachsenmaier). Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, notleidenden Menschen in Tirol aktiv, spontan und effektiv zu helfen. Dabei spielen für sie Herkunft, Nationalität oder ethnische Zuordnung keine Rolle. Sie unterstützen Familien, Alleinerziehende, PensionistInnen, Obdachlose, geflüchtete Menschen …

Die Idee der Rikscha-Challenge

Im Juli dieses Jahres wurden R. Happ und seine Vereinsmitglieder von einem anderen Benefizverein, nämlich dem Rumer Soccerteam um Obmann  Harald Lederer, zu einem Laufrikscha-Wettrennen  von Innsbruck nach Wörgl und retour (122 km) herausgefordert. Dabei ging es um die Unterstützung des Kinderhospizes von Hall (kidsMOBILtirol).

Als Reinhold H. in den sozialen Medien auf einen Aufruf der ihm bekannten Mutter von Elias aufmerksam wurde, reifte in ihm die Idee, die Rikscha noch einmal zu verwenden  – diesmal aber über eine Strecke von 677 km und eine ganze Woche lang. Nach Absprache mit den anderen Vereinsmitgliedern und dem darauf folgenden Umsetzungsbeschluss konnte man an die tatsächliche Planung gehen. Und so kam es, dass am Samstag, dem 23. Oktober 2021, das große Abenteuer beginnen konnte.

Auf der Reise

Das Team

Reini Happ, Reinhard Sachsenmaier (bis Dienstag, musste dann aus beruflichen Gründen zurück nach Tirol), Sabine und Franko Walder. Am Ende der Woche fuhren Maria und Reinhard Sachsenmaier mit dem Auto nach Wien, um das umfangreiche Gepäck zurück nach Tirol zu transportieren.

Franko, Maria, Sabine, Reinhard und Reini (von links) vor dem mächtigen, ins sanfte Abendlicht getauchten Stephansdom

Der Start

Als Startveranstaltung hatte die Gemeinde Inzing ein Benefizfrühstück auf dem Dorfplatz organisiert, bei dem unter reger Beteiligung der Bevölkerung das Team verabschiedet wurde und Spenden im Ausmaß von ca. € 1500 gesammelt werden konnten. Neben den Gemeindevertretern kam auch LR Gabi Fischer zur Verabschiedung des Rikscha-Teams.

BM Walch, Reini, Franko, Maria, Sabine, Carmen, LR Fischer, Reinhard (von links, Foto: L. Strasser)
Claudia Beiler musste bereits nach zwei Runden um den Dorfplatz “erschöpft” aufgeben. (Foto: L. Strasser)

Pünktlich um halb 10 verließ die Rikscha zunächst mit Reini an Bord durch das Spalier der Frühstücksbesucher Inzing.

Auf geht’s! Reinhard läuft, Reini sitzt… (Foto: L. Strasser)

Die Route

Der Weg führte zunächst dem Inntal entlang bis Kufstein, dann weiter nach Rosenheim, über das Alpenvorland bis nach Passau und schließlich der Donau folgend bis Wien.
Die Strecke betrug 677 km und nahm eine Woche (23.-31.10.2021) in Anspruch.
Dabei wurden alle 20 Minuten die Positionen der Rikscha (eine Person sitzt und genießt, die andere zieht und schwitzt) gewechselt, die anderen begleiteten das Gefährt mit dem E-Bike.    

Erfahrungen

Niemand wusste, wie sich das Vorhaben entwickeln würde. Mit großer Anspannung und voller Erwartungen tauchte das Team in die Ungewissheit dieses so gigantischen Projekts ein .

Jeden Tag war etwas los: Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten wie dem dt. Comedian Wigald Boning und vielen anderen Menschen, die sehr hilfsbereit waren – besonders wenn sie erfahren haben, was die zunächst eigenartig anmutende “Radler-Gruppe” da vorhatte. Oft boten die Leute spontane Geldspenden an. Auch bei den im Vorhinein gebuchten Übernachtungen in Hotels oder Pensionen kamen die Unterkunftgeber der Gruppe sehr entgegen oder verlangten gar nichts für die Logis.

Ein besonderes Beispiel spontaner Hilfsbereitschaft: Da die Akkus der E-Bikes mehrmals aufgrund der schweren Anhänger nachgeladen werden mussten, bat die Gruppe private Personen um die entsprechende Dienstleistung. Ein Mann in Bayern hat sie zu diesem Zweck in sein Gartenhäuschen eingeladen, Kaffee und Kuchen angeboten und und ihnen sogar die Möglichkeit offeriert, dort zu übernachten.

Natürlich gab es auch einige besondere Schwierigkeiten, die gemeistert werden mussten:

Die Radwege entlang des Inns und der Donau sind bekanntermaßen gut ausgebaut und bereiteten damit keine besonderen Probleme. Ganz anders war die Situation im hügeligen Alpenvorland in Bayern, wo die Strecken kaum asphaltiert waren. Das Auf und Ab der physisch fordernden Landschaft zehrte doch ziemlich stark an der Substanz. Einmal kam die Gruppe daher erst um 1:30 Uhr in der Nacht in der Unterkunft an und musste nach nur wenigen Stunden Schlaf wieder weiter.

Ein anderes Mal waren Radler und Läufer mit einem speziellen Problem konfrontiert: Bei der Donauschleuse in Melk war der Radweg gesperrt, sodass das Viererteam mit Sack und Pack (Rikscha, Rädern, Anhänger) eine Treppe mit 90 Stufen überwinden musste.

Trotz dieser Schwierigkeiten und der körperlichen Belastung haben alle Beteiligten sehr viel Spass bei der Challenge gehabt und in perfekter Harmonie die Aufgaben bewältigt.

Ankunft in Wien

Endlicham Samstag, dem 30.10.2021, war es so weit: Der finale Tag mit dem “Einzug” in Wien war gekommen. Die TeilnehmerInnen empfanden schon am Morgen große Freude und Erleichterung. Von Westen kommend ging es zunächst quer durch Wien bis zur Staatsoper, dann – unter neugierig-bewundernden Blicken der Passanten – weiter zum Stephansdom. Dort wurde die Gruppe vom Wiener Gemeinderat Peko Baxant (Soziales, Gesundheit und Sport) in Vertretung des BM Michael Ludwig empfangen.

Besonders berührend war das Treffen mit Dompfarrer Toni Faber, der die Gruppe gesegnet und für Elias gebetet hat. Mit sichtlichem Vergnügen hat der Geistliche dann auch kurz auf der Rikscha Platz genommen.

Das Rikscha-Team mit Dompfarrer Toni Faber und GR Peko Baxant vor dem Stephansdom

Am Samstagabend wurden Reini und sein Team dann noch von Herrn Baxant (in dessen Funktion als Vizepräsident des Wiener Basketballverbandes) zu einem BB-Spiel eingeladen.

Am Sonntag erfolgte der eventmäßige Höhepunkt für die “Challenger” – Besuch des Fußballspiels SK Rapid Wien gegen LASK um 17.00 Uhr im Allianz Stadion (Erg. 2:1, 11.900 Zuschauer).

Unter dem Jubel der Fans lief das Rikscha-Team im Stadion ein. Der Sprecher berichtete über die Aktion und der Rapid-Präsident Martin Bruckner sowie der Sportchef Zoran Barisic (der ja auch in Tirol als ehemaliger FC Tirol-Spieler und Funktionär bestens bekannt und vernetzt ist) begrüßten das Team und überreichten einen Scheck über € 1000 für die Behandlung von Elias.

Das Team im Rapid-Stadion

Zudem erhielt jedes Teammitglied ein Dressenleibchen mit dem jeweiligen Namen und einer Wunschnummer.

Die Quintessenz

… der TeilnehmerInnen

– Das Spendenausmaß von mehr als € 35.000 für die Behandlung von Elias hat alle Erwartungen übertroffen.

– Stolz und Zufriedenheit ob der Tatsache, dass man so eine Herausforderung schaffen konnte.

– Noch stärkeres Zusammenrücken innerhalb des Teams

… des Autors

CHAPEAU – Ich ziehe den Hut vor den TeilnehmerInnenn an der Rikscha-Challenge für ihr aufsehenerregendes soziales Engagement!!

Wie man auf der Homepage des Vereins nachlesen kann, ist die Gruppe sehr aktiv in Sachen freiwilliger, unentgeltlicher Unterstützung für notleidende Menschen.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen aufgrund der Corona-Situation so oft von der gesellschaftlichen Spaltung und weit verbreiteten Egoismen die Rede ist, tut es so gut, Menschen kennenzulernen, die sich Gemeinsamkeit und Empathie zur Lebensaufgabe gemacht haben.

Stimmen zur Challenge

Markus, Papa von Elias (17.11.2021)

Die Challenge war super erfolgreich. Wir haben uns sehr gefreut, dass Reini Happ und seine FreundInnen gut zurückgekommen sind. Bei einem Treffen mit dem Team konnten wir uns persönlich bei ihnen für den gewaltigen Einsatz, den sie geleistet haben, bedanken. Das Ergebnis der Aktion war für uns total überwältigend, da wir damit überhaupt nicht gerechnet haben. Auch für die Challenge-TeilnehmerInnen war es offensichtlich ein tolles, unvergessliches Erlebnis.
Ebenso hat uns das so kurzfristig von der Gemeinde Inzing initiierte und organisierte Benefizfrühstück als Auftaktveranstaltung der Aktion sehr gefreut. Das war ein toller Rahmen, unterstützt von so vielen Helfern. Für die sehr motivierende Teilnahme von so vielen Menschen aus der Inzinger Bevölkerung, die mit einem Spendenvolumen von ca. € 1500 schon einmal ein kräftiges Zeichen ihrer Unterstützung demonstriert haben, möchten wir uns auch ganz herzlich bedanken.


BM Mag. Sepp Walch (13.11.2021)

Die Aktion hat gezeigt, wie schnell man in unserem Dorf etwas organisieren kann, wenn es darum geht, spontan Hilfe zu leisten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Organisatorin des Benefizfrühstücks, Karin Leismüller (Leiterin des Generationenausschusses der Gemeinde Inzing).
Es war geplant, etwas Größeres zu machen, aber das wollte die Familie von Elias nicht. So haben wir uns entschlossen, am Kirchplatz in Inzing ein Benefizfrühstück zu veranstalten, das gleichzeitig als Startevent für die Rikscha-Challenge diente. Die Atmosphäre dort und die Möglichkeiten, die dieser Platz bietet, sind enorm. Die eingenommenen Spenden waren auch eine gute Starthilfe für Elias im Rahmen dieses Projekts. Man kann nur hoffen, dass die Therapie in den USA Elias auch entsprechend helfen kann. Im Gemeinderat gab es auch Zustimmung für etwaige weitere Hilfsmaßnahmen.
Die Aktion des Benefizfrühstücks hat ganz klar aufgezeigt, dass die in Corona-Zeiten so oft zitierte gesellschaftliche Spaltung so nicht vorhanden ist. Unser Dorf steht in beeindruckender Weise zusammen, wenn Hilfe gefordert ist.
Wir hatten geplant, das Team Reini Happ zum diesjährigen Adventmarkt einzuladen. Leider mussten wir heute aufgrund der Corona-Entwicklung die Veranstaltung absagen.


LR Dipl.-Ing.in Gabriele Fischer (17.11.2021)

Zunächst ein großes Dankeschön an Reini Happ und sein Team für diese originelle Aktion! Sie hat – mit dem so großen Erfolg – gezeigt, dass man im Notfall füreinander da sein kann und dass es wichtig ist, dass sich Menschen für andere Menschen einsetzen. Ich wünsche dem Elias und seinen Eltern alles, alles Gute. Das tolle Ergebnis ist ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft zusammenhält und auch in schwierigen Zeiten – wie jetzt mit Corona – zueinander steht.


Spendenbilanz und -möglichkeit

Die Inzinger Rikscha-Challenge erbrachte bisher ein Ergebnis von fast € 36.000. Der Großteil der Spenden kommt von Privaten, besonders viele von den Mitarbeitern der Fa. Swarovski in Wattens.

Hier die Bankdaten, sollte sich noch jemand an der Unterstützung für Elias beteiligen wollen:

BIC: RZTIAT22351

IBAN: AT18 3635 1000 0034 1560

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Benefizverein Reini Happ und Freunde

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Luis Strasser

Luis Strasser

Als begeisterter Leser der Printausgabe der DZ hat sich Luis – zusammen mit einem kleinen Team – nach der drohenden Einstellung der Druckversion 2019 dafür eingesetzt, die DZ in irgendeiner Form zu erhalten. Das Resultat ist der nun vorliegende Weblog, an dem als Redaktionsmitglied und Autor mitzuarbeiten, ihm viel Freude bereitet. Seine Schwerpunktthemen: Politik, Bildung, gesellschaftlicher Wandel, Zeitgeschichte…

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