Südtirol: Kleines Weinland groß im Kommen – Vielfalt unterm Alpenkamm und –
Wo der Norden auch schon der Süden ist.
Heute ist das Weinland Südtirol die deutsch-italienische Eleganz in Vollendung. Das Naturkino der Dolomiten , das mondäne Meran, die dichten Anlagen von Obst und Wein, die schmucken Dörfer und die eigenwilligen Bewohner, die – wie sie’s brauchen – die Sprache wechseln und auch das etwas “singende” Deutsch-Alpin als Erkennungsmerkmal zeigen – ist die moderne Wiege einer Reihe von spannenden – aktuell ja spannendsten Weine im deutschen Sprachraum.
Wer etwas zu den grundsächlichen Daten des Südtiroler Weins wissen will, dem sei die Homepage “Südtiroler Wein” eine Hilfe.
Hier erfährt man alles über die diversen Rebsorten und Vermarktungsstrategien. Tatsache ist, dass das einst so ungeliebte Italien nunmehr der größte Abnehmer – auch von teuren – Weinen ist. Und u.a. Russland, Kanada, USA und Japan dem Südtiroler Wein frönen. Die Anstrengungen in diese Richtung sind eher punktuell, aber dennoch gibt man sich weltoffen, und das ist gut so.
Die Wertigkeit der Weine ist in Österreich außerhalb von Tirol nur den Weinfans bekannt und der Fachhandel läuft hier schleppend. Auch in der Nordtiroler Gastronomie ist Südtiroler Wein wenig auszumachen. Aber Besserung ist langsam in Sicht. Manche Weine erscheinen einfach zu teuer.
Aus dem ehemaligen Land des Kalterer Sees und Magdaleners wurde ein schnittiges Weißweinland mit gut 60% Anteil an weißen Reben. Hier gedeihen bis auf eine Seehöhe von 800 Meter extrem spannende Weißweine aus den Sorten Weißburgunder, Müller(Thurgau), Sauvignon Blanc, Chardonnay und die lokalen Pretiosen Kerner, Silvaner und Muskateller. Und dazu kommen noch 10 % Traminer in verschiedenen Spielarten, oft grandios.
Dazu muss auch erwähnt werden, dass in Südtirol die Klimaerwärmung eindeutig zu Lasten der Apfel-bzw. Obstkulturen stattfindet. Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Kleinst-Anpflanzungen im Eisacktal mit Kerner und Silvaner und im Vintschgau mit u.a. Rheinriesling undenkbar gewesen. Der Trend der “cool-climate” Weine findet auch hier statt, nicht nur in Neuseeland, Tasmanien und Nahe.

Die oft steilen Hangneigungen sorgen für Wasserabzug und die kühlen Winde des Abends und die warme Ora des Gardasee-Raumes begünstigen Weine mit frischer, reifer Säure – und das ist die Basis für moderne Weißweine von Rang und Wettbewerbsfähigkeit – und natürlich auch Preis. Die historisch gewachsene Struktur des Weinbaus – mit einer Anzahl von hochwertigen Genossenschaftskellereien wie z.B. Terlan, Bozen, Tramin, Eppan Girlan und natürlich Kaltern, wo aus den drei ehemaligen nunmehr eine Großkellerei entstanden ist, in Verbindung mit den innovativen Privatkellereien wie z.B. Lageder, Hofstätter und Castelfeder haben den Weinbau wesentlich mitbestimmt.
In jüngster Zeit haben sich zusätzlich klein- und kleinste Betriebe getraut, selbst zu keltern und ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen – mit wachsendem Erfolg. Die Verbindung der Selbstvermarktung mit Hofschank und “Gallo Rosso” – dem Urlaub am Bauernhof erscheint geglückt.
Die “Freien Weinbauern Südtirols” sind eine höchst individuelle Gruppe von Familienbetrieben, die auf ihren “gewachsenen” Böden anspruchsvolle, charakterstarke Produkte – oft nicht nur Wein – erzeugen und anbieten. Die lokal orientierte Hotelerie bietet mittlerweile auch öfters solche Pretiosen an. Ich empfehle diese Website der freien Weinbauern sehr – auch für einen möglichen Besuch oder Kurzurlaub. Zum Großteil wird hier nach biologischen Richtlinien gearbeitet – hohe Erträge sind hier ohnehin nicht gewünscht bzw. möglich.

Aus dieser Gruppe sind z.B. die hedonistischen Weißweinerzeuger Peter Pliger bei Brixen, der Strasserhof und der “Köferer” in Vahrn, oder der Gumphof in Völs zu nennen. Auch in St. Magdalena bei Bozen bieten z.B.Waldgries (Christian Plattner), Georg Mumelter oder Franz Gojer vom Glögglhof elegante Rotweine von leichter, unwiderstehlichen Art.

Kraftvolle Rotweine werden im Bozner Talkessel und im warmen Unterland erzeugt. Die alte rote Sorte des Lagrein, der elegante Pinot Nero aus Pinzon und Montan oder der grandiose Traminer überzeugen regelmäßig die internationalen Verkoster, die den Weinen großes Potenzial bescheinigen.

Wir im nördlichen Nachbarland und – seit 1919 von Südtirol leidvoll getrennt – sind uns noch nicht lange bewusst, dass Südtirol zu einem der innovativsten Herstellern Italiens gehört. Solides Handwerk und ein gewiss hohes Mass an handels- und betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten ließen dieses kultige Kulturland entstehen. Und Bio- bzw. Bio-dynamik ist aktuell.
Der Südtiroler Tourismus tut das Seine dazu, die Produkte an den Mann/die Frau zu bringen. Lokale Weinhändler und Vinotheken wissen ganz sicher, welcher Wein gerade angesagt ist.
Und – “gehobene Kulinarik” ist heute eines der wesentlichen Standbeine des Südtirol-Tourismus. An allen Ecken und Enden des Landes kann man erlesene Erzeugnisse entdecken – egal, ob es sich um Wein, Sekt (Arunda aus Mölten) oder reinsortigen Apfelsaft (Thomas Kohl am Ritten), den Käse-Affineur Hansi Baumgartner “Degust” oder z.B. den Kräuterhof Plima in Goldrain handelt.
In unserer geographischen Nähe findet man in Sterzing bei Hofer Toni und Familie Mair-Mair sowie in der Brixner “Enotheka” eine Reihe von guten bis sehr guten Weinen. Eine dichte Auswahl von südtiroler Kleinbetrieben bietet unter anderem der “alte” Händler Vinum von Franz Röll in Bozen.
Aber wie gesagt – am nettesten ist doch ein Besuch beim Winzer. Und davon gibt es mehr als gedacht! Im Frühling warten dann schon die neuen Weine und ihre Besitzer auf eine Visite!
Bis dann – euer Alfred Walch