21. Oktober 2021
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Reiher

Der Graureiher, früher oft auch Fischreiher genannt, ist bei uns der größte und der häufigste aller Reiher. Foto: Mario Schatz
Lesedauer ca. 8 Minuten

2021 war ein hervorragendes Jahr um viele Reiherarten sehen zu können. Durch das lange schlechte Wetter im Frühjahr konnte man auch einige selteneren Arten beobachten, die auf ihrem Zug eine Pause in Tirol einlegten, einige davon auch in der Gaisau.

Die Reiher gehören wohl zu den wenigen Gruppen von Vögeln die den meisten Menschen ein Begriff sind – obwohl auch hier nur wenige Arten einer großen Vielfalt allgemein bekannt sein dürften. Etwa unser größter und auch häufigster Reiher, der Grau- oder Fischreiher (allgemein wird seit langem der Name Graureiher bevorzugt) und der etwas kleinere, fast rein weiße, Silberreiher, der in beinahe jedem Tierfilm einmal einen Auftritt hat. Im Flug kann man ihn recht leicht von Storch oder Schwan unterscheiden da er nicht wie diese mit ausgestrecktem Hals fliegt sondern diesen gleich nach dem Start S-Förmig einzieht und erst knapp vor der Landung wieder streckt. Zudem fehlen ihm die schwarzen Hinterflügel des Weißstorches und Schnabel und Beine sind beträchtlich länger als bei Schwänen.

Wie immer möchte ich meinen Dank an alle richten die bereitwillig ihre Fotos zur Verfügung stellten.

Alle nicht anders angegebenen Fotos: Robert Pisch

Graureiher (= Fischreiher)

Der Graureiher ist, wie erwähnt, unser größter Reiher. Innerhalb Europas ist er auch am weitesten verbreitet. Er brütet, wie die meisten Reiher, in Kolonien auf Baumnestern. Auch in unserer direkten Umgebung ist so eine, wenn auch recht kleine, Brutkolonie bekannt. Im Flug erkennt man ihn schon von weitem an seiner Größe und dem weit ausholenden, gemächlichen Flügelschlag fast ohne eingestreuter Gleitstrecken.

Sein Futter besteht aus allen Kleintieren die er bewältigen kann, also wie hinlänglich bekannt ist aus Fischen aber auch zu einem beträchtlichen Teil aus Fröschen, Mäusen, Echsen und Schlangen und sogar größeren Insekten. So sieht man ihn auch oft und gerne in Wiesen stehen um dort zu jagen.

Wie alle Reiher hat er hervorragende Augen und hat uns Beobachter schon längst entdeckt bevor wir ihn sehen. Sein Fluchtabstand ist meistens recht groß sobald er registriert, dass man ihn gesehen hat.

Den Graureiher kann man, wie hier, auf einem Stock oder einem Ast in Ufernähe erblicken, oft watet er jedoch auch recht tief in das Wasser oder sucht in den Feldern nach Kleintieren. Foto: Mario Schatz


Gerne hält er Rast auf einem großen Baum mit gutem Überblick. Hier mit einem, der leider häufig ausgesetzten, erbeuteten Goldfisch. Foto: Robert Pohl


Junge Graureiher im Nest. Foto: Mario Schatz


Typisches Flugbild aller Reiher (hier Graureiher) mit stark eingezogenem Hals und vorstehenden Beinen. Foto: Robert Pohl


Zeitweise kann man auch ganze Trupps von Reihern im Überflug sehen.


Purpurreiher

Viel seltener als der vorherige ist der Purpurreiher. Er ist dem Graureiher recht ähnlich aber merkbar kleiner und schlanker. Außerdem haben die erwachsenen Purpurreiher sehr typische dunkle Streifen an Kopf und Hals und sein Schnabel geht beinahe in einer geraden Linie in den Kopf über.

Er lebt sehr versteckt, meist im Schilfbereich und ist dort sehr gut getarnt, daher entdeckt man ihn meist erst wenn er aufgeschreckt wurde oder im Überflug. Bei uns kann man ihn besonders zu den Zugzeiten recht regelmäßig in wenigen Exemplaren sehen. Brutvogel ist er in Tirol jedoch höchst selten, wenn überhaupt.

Suchbild – wer findet den versteckten Kopf des Purpurreihers. Dieser Reiher ist scheu, gut getarnt und sitzt meist im dichten Schilf.
Immer wieder kann man den Purpurreiher im Flug sehen. Im flüchtigen Blick kann er leicht mit einem Graureiher verwechselt werden. Man beachte die extrem langen Zehen. Foto: Mario Schatz

Silberreiher

Ein recht großer, rein weißer Reiher, der mit seinen Maßen zwischen Grau- und Purpurreiher liegt. Sein Schnabel ist häufig gelb, manchmal aber auch dunkel und nur ganz zum Kopf hin mit gelber Tönung, die sehr langen Beine inklusive der Zehen, die im Flug auffallend weit unter dem Körper vorstehen, sind immer sehr dunkel (aus der Entfernung schwarz aussehend).

Sein Nahrungsspektrum entspricht weitgehend dem des Graureihers und er steht auch oft, zusammen mit Graureihern, in Wiesen um dort zu jagen. Er ist der Reiher mit der größten Verbreitung weltweit. Man findet ihn auf allen Kontinenten, außer Australien und der Antarktis. Auch bei uns kann der aufmerksame Beobachter mehrmals im Jahr einen Silberreiher sehen und so mancher von ihnen legt auch eine mehrstündige bis mehrtägige Pause in der Gaisau ein.

Auch Silberreiher sitzen recht gerne in hohen Bäumen mit gutem Rundumblick. Man beachte den gelben Schnabel und die schwarzen (dunklen) Beine inklusive Zehen.
Typisches Flugbild des Silberreihers. Bei keinem anderen Reiher stehen die Beine so weit über den Körper hinaus. Foto: Robert Pohl



Seidenreiher

Sehr ähnlich dem Silberreiher aber viel kleiner und immer mit gänzlich schwarzem Schnabel und sehr dunklen Beinen mit gelben Zehen (was man aber meist nur im Flug sieht).

Dieser Reiher ist sehr selten bei uns zu entdecken, war 2021 jedoch überraschend oft im Überflug und sogar einige Male bei einem kurzen Aufenthalt in der Gaisau zu beobachten.

Seine Brutgebiete liegen vor allem in Südeuropa wo er in Kolonien brütet. Gerne hat er Flachwasserstellen wie etwa auch überschwemmte Wiesen oder flache Uferzonen auch am Meer.

Der Seidenreiher am Ufer der Gaisau. Im Vergleich zum Schilf sieht man wie viel kleiner als die vorherigen drei er ist. Auch gut zu erkennen ist der völlig schwarze Schnabel und die dunklen Beine.
Und hier, beim Abflug aus seiner Sitzwarte in einem Baum, sieht man wunderbar die gelben Zehen – neben der Größe eine klare Unterscheidung zum Silberreiher. Foto: Mario Schatz


Und noch ein Foto im Streckenflug. Wieder sind alle Kennzeichen deutlich zu sehen. Foto: Mario Schatz


Rallenreiher

Sitzend ist dieser Reiher, mit seinem ockerfarbenen Rücken, mit keinem anderen europäischen Reiher verwechselbar. Im Flug jedoch erscheint er rein weiß, wie die vorherigen zwei. Er hat zwar ein gedrungeneres, massigeres Flugbild und ist auch deutlich kleiner, doch ohne Vergleich ist er nicht leicht zu erkennen.

Auch er zählt zu den sehr selten zu sehenden Reiherarten in unserem Bereich. Er hält sich großteils im Uferbereich, möglichst im Schilf auf, wo seine Färbung eine gute Tarnung gibt. Auch sein Brutgebiet liegt eher in Südeuropa.

Im Sitzen durch seine Färbung unverwechselbar ist der Rallenreiher. Foto: Mario Schatz
Rallenreiher bei der Landung im schilfbewachsenen Uferbereich. Foto: Mario Schatz


Von unten gesehen erscheint der Rallenreiher fast rein weiß, er hat jedoch gelbe Beine und nicht schwarze wie Silber und Seidenreiher und ist viel kleiner als ersterer. Foto: Mario Schatz


Nachtreiher

Auch er ist ein kleinerer Artgenosse, mit einer Körpergröße, die etwa dem Seidenreiher entspricht. Seine Färbung im Erwachsenenkleid ist sehr typisch und auch nicht zu verwechseln (siehe Fotos). Er hat einen sehr kräftig wirkenden, etwas kürzeren Schnabel als die vorherigen (außer dem Rallenreiher) und die Beine wirken auch enorm kräftig. Das ist auch kein Wunder, jagt er doch meist von ufernahen Bäumen und Sträuchern aus, oft kopfüber nach vorne geneigt auf Beute wartend.

Das sagt auch schon aus, dass man ihn, wenn er nicht gerade fliegt, meist im Geäst sitzend findet und kaum einmal am Boden.

Auffallend ist bei dieser Art die braune Jugendfärbung, die sehr ähnlich der großen Rohrdommel erscheint. Allerdings ist diese viel größer und es fehlen ihr die weißen Flecken an den Flügelrändern.

Ihn kann man, wenn auch in geringer Stückzahl, jedes Jahr immer wieder Mal bei uns beobachten.

Nachtreiher im Prachtkleid.


Der Nachtreiher sitzt fast immer in Bäumen oder Sträuchern von wo aus er auch jagt. Foto: Robert Pohl


Jugendlicher Nachtreiher im Übergangskleid zum Erwachsenen. Foto: Robert Pohl

Nachtreiher im Jugendkleid. Es hat Ähnlichkeit mit der Färbung der Großen Rohrdommel, die aber keine weißen Flecken auf den Flügeln hat. Foto: Robert Pohl


Rohrdommel

Berühmt für ihre versteckte Lebensweise und dafür, dass sie, bei Gefahr im Schilf eine Pfahlstellung einnimmt, wobei sie mit hochgerecktem Kopf bewegungslos stehen bleibt und erst im allerletzten Moment fliegend flieht.

Abgesehen, dass sie recht selten ist, ist sie auch noch extrem gut getarnt und sehr scheu. Es verwundert also nicht, dass noch keine/r von uns ein Foto schießen konnte. Bitte im Internet die vielen Fotos betrachten oder eben den jugendlichen Nachtreiher als ungefähre Referenz nehmen.

Sie hat einen sehr weit hörbaren dumpfen Ruf, der besonders nachts zu hören sein kann.

Zwergdommel

Sie ist ganz deutlich der kleinste unserer Reiher. Wie auch die Rohrdommel führt sie ein recht verstecktes Leben und ist ziemlich scheu, daher sieht man sie auch meist nur, wenn sie gerade Mal wieder vorbeifliegt. Vom mittleren Frühjahr an bis in den Herbst kann man sie, mit etwas Glück, aber auch hier in Inzing immer wieder Mal sehen, wobei man dafür bei Nieselregen oder direkt nach Regen die größte Chance hat.

Meist landet sie im Schilfgürtel wo sie dann, auf Halmen sitzend, auf Beute wartet.

Ihr Ruf erinnert an das Bellen eines entfernten Hundes.

Weibliche Zwergdommel. Foto: Robert Pohl


Weibliche Zwergdommel. Hier sieht man gut wie klein sie ist – im Vergleich zum Löwenzahn und den anderen Wiesenkräutern. Foto: Mario Schatz

Typische Sitzhaltung der Zwergdommel indem sie mehrere Schilfhalme umgreift. Foto: Robert Pohl
Männliche Zwergdommel. Leider war sie, bei mäßigem Wetter, recht weit weg und so ist das Foto deutlich schlechter als die vorigen. Den Unterschied in der Färbung kann man jedoch recht gut sehen.


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Robert Pisch

Robert Pisch

Robert ist grafischer Facharbeiter in der Druckvorstufe und seit kurzem in Pension. Er hat zuletzt seit mehreren Jahren die grafischen Vorarbeiten für die Druckversion der DZ-Inzing erledigt. Als Mitglied von JUF, seit der Gründung dieser Fraktion, sitzt er die letzten Gemeinderatsperioden auch im Landwirtschaftsausschuss. Sein größtes Interessensgebiet ist die Natur und der Umgang mit ihr. Zusätzlich liebt er es, rein hobbymäßig, zu fotografieren und ist passionierter Fußgänger. In den letzten Jahren ist er auch auf den Geschmack und den Reiz von “Weitwanderungen” gekommen. In den sporadischen Beiträgen möchte er diese Interessensgebiete und daraus gewonnene Erfahrungen näher bringen und hofft dabei auch, die eine oder andere Diskussion “anzuzetteln”.

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